China vertreibt angeblich einen US-Zerstörer aus seinen Hoheitsgewässern – doch die USA dementieren. Immer wieder kommt es in der Region zu Zwischenfällen.
München/Peking – Inmitten zunehmender Spannungen zwischen China und den USA ist es im Südchinesischen Meer offenbar zu einem weiteren Zwischenfall gekommen. Chinas Militär erklärte am Donnerstag, der US-Zerstörer „USS Milius“ sei „illegal“ in chinesische Hoheitsgewässer eingedrungen und habe „den Frieden und die Stabilität in der Region gestört“. Das Kriegsschiff sei „gewarnt“ worden, das Gebiet zu „verlassen“, so das territoriale Kommando Süd der Volksbefreiungsarmee. China werde „alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die nationale Souveränität und Sicherheit sowie den Frieden und die Stabilität in der Region des Südchinesischen Meeres entschlossen zu verteidigen“, hieß es weiter.
Die USA erklärten hingegen, Chinas Behauptungen seien „falsch“. Die „USS Milius“ „führt Routine-Einsätze im Südchinesischen Meer durch und wurde nicht ausgewiesen“, sagte ein Sprecher des Indopazifik-Kommando der US-Streitkräfte der Nachrichtenagentur AFP. „Die Vereinigten Staaten werden weiter fliegen, Schiff fahren und agieren, wo auch immer es das internationale Recht zulässt“, fügte er hinzu.
Im Südchinesischen Meer kommt es immer wieder zu Zwischenfällen
Laut Chinas Volksbefreiungsarmee ereignete sich der Vorfall in der Nähe der Paracel-Inseln, die von China kontrolliert werden; allerdings erheben auch Taiwan und Vietnam Anspruch auf die Inselgruppe, die rund 330 km südöstlich der chinesischen Insel Hainan liegt.
China beansprucht fast das gesamte Südchinesische Meer für sich. Auch Brunei, Malaysia, die Philippinen und Vietnam erheben Anspruch auf Teile des Seegebiets, das für die Anrainerstaaten strategisch und wirtschaftlich enorm wichtig ist. Peking heizt den Territorialkonflikt auch dadurch an, dass es künstliche Inseln aufschüttet und dort Militäranlagen errichtet. Anrainerstaaten werfen chinesischen Schiffen zudem vor, Fischerbote zu drangsalieren.
Zuletzt kam es Ende Februar zu einem spektakulären Showdown zwischen einem Flugzeug der US-Navy und einem chinesischen Kampfjet in der Region, der von einem Reporter-Team des US-amerikanischen Fernsehsenders CNN, das sich an Bord des US-Flugzeugs befand, dokumentiert wurde.
China fühlt sich von den USA umzingelt
Die USA betrachten Pekings Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer als illegal und befahren das Gebiet mit Militärschiffen, um die Freiheit der Schifffahrt in internationalen Gewässern geltend zu machen. Zudem unterhalten die USA mehrere Militärbasen in der Region. Auf den Philippinen soll Washington demnächst Zugang zu vier weiteren Militärstützpunkten erhalten, wie US-Verteidigungsminister Austin und sein philippinischer Amtskollege Carlito Galvez Anfang Februar vereinbarten. Die USA hätten dann Zugang zu insgesamt neun Basen in dem Land. China fühlt sich deshalb zunehmend von den USA umzingelt.
Der Region kommt auch in Hinblick auf eine mögliche Eskalation des Taiwan-Konflikts eine große strategische Bedeutung zu. China betrachtet das demokratisch regierte Taiwan als abtrünnige Provinz und droht mit der „Wiedervereinigung“, notfalls mit Gewalt. Die USA unterstützen die Regierung in Taipeh deswegen mit Waffen und haben Taiwan zugesichert, dem Land im Falle eines chinesischen Angriffs militärisch beizustehen. (sh/AFP)