Exklusiv-Interview

Christina Stumpp: „Die CDU muss jünger, weiblicher und moderner werden“

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Christina Stumpp (CDU) will ihre Partei jünger und diverser machen.
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Die CDU wird auch gerne mal „Altherren-Partei“ genannt. Christina Stumpp will das Bild ihrer Partei in ihrer neuen Rolle als CDU-Generalsekretärin ändern. Ein Interview.

Update vom 9. September um 13:50 Uhr: Christina Stumpp könnte beim Parteitag der CDU in Hannover nun zur stellvertretenden Generalsekretärin der Partei gewählt werden. Die Politikerin hat sich seit jeder dafür ausgesprochen, die Ausrichtung der Partei zu erneuern. In der Landeshauptstadt von Niedersachsen könnten jetzt neue Impulse gesetzt werden. Zur Diskussion steht unter anderem auch eine Frauenquote in der CDU.

CDU wählt bei Parteitag neue stellvertretende Generalsekretärin: Christina Stumpp in den Startlöchern

Erstmeldung vom 11. März um 10:52 Uhr: Berlin – Christina Stumpp ist 34 Jahre jung, Mutter eines eineinhalbjährigen Sohnes und bald die stellvertretende Generalsekretärin der CDU. In ihrer neuen Rolle an der Seite von Parteichef Friedrich Merz und CDU-Generalsekretär Mario Czaja will sich Stumpp für mehr Vielfalt und eine enge Verbindung zur Partei-Basis einsetzen. Im Exklusiv-Interview mit kreiszeitung.de verrät die Waiblingerin, was sich innerhalb der CDU durch die Neuaufstellung bereits verändert hat, welche Themen die neue Rolle als Opposition bestimmen und welche Alternativ-Ideen sie zur allgemeinen Impfpflicht und zum Gendern hat.

Name: Christina Stumpp
Geburtstag:16. November 1987 (34 Jahre)
Partei:CDU
Position:designierte Vize-Generalsekretärin und Bundestagsabgeordnete
Frau Stumpp, Sie sind jetzt seit fast 100 Tagen Bundestagsabgeordnete. Wie haben Sie die erste Zeit im Bundestag erlebt?
Es ist für mich eine große Ehre, meinen Wahlkreis jetzt im Bundestag vertreten zu dürfen. Dass Friedrich Merz kurz nach meinem Einzug ins Parlament auf mich zukam mit der Bitte, seine stellvertretende Generalsekretärin zu werden, hat mich im ersten Moment ehrlich gesagt auch selbst überrascht. Aber ich bin froh und dankbar, an der Neuaufstellung der CDU mitwirken und meine Ideen für die Zukunft der CDU einbringen zu dürfen. Wir brauchen Erneuerung in der Partei, denn wir haben viele junge Wähler verloren. Wir müssen jünger, weiblicher und moderner werden in der CDU. Dazu möchte ich meinen Beitrag leisten.

CDU-Frontfrau Christina Stumpp über die Definition einer Volkspartei und die Rolle von Frauen in der Politik

Wenn es um die Repräsentanz von Frauen und Minderheiten geht, ist Ihre Partei nicht unbedingt die fortschrittlichste Partei. Ist die CDU trotzdem noch eine Volkspartei?
Also ich empfinde die CDU klar als Volkspartei mit starken Frauen. Wir hatten mit Angela Merkel zum Beispiel die erste weibliche Bundeskanzlerin Deutschlands, die 16 Jahre als großes Vorbild vorangegangen ist. Oder nehmen wir Ursula von der Leyen, die als EU-Kommissionspräsidentin zu den einflussreichsten Politikern der Europäischen Union gehört. Ich bin überzeugt davon, dass in der CDU heute Frauen wie Männer Karriere machen können. Im Bundesvorstand meiner Partei haben wir bereits eine gute Mischung beider Geschlechter erreicht. Vor allem seit der jüngsten Bundestagswahl sind wir jünger und diverser geworden. Ich finde, dass die Vielfalt im Zusammenspiel mit den vielen erfahrenen Politikern in der CDU das ist, was eine echte Volkspartei ausmacht.
Trotzdem: Frauen sind in der Politik und vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen nach wie vor unterrepräsentiert. Viele Menschen versuchen jetzt, mit Gendern über unsere Sprachkultur für mehr Gleichberechtigung zu sorgen. Ein Schritt, den Sie strikt ablehnen. Aber was muss sich denn dann verändern, damit wir uns der Parität annähern können? 
Familie und Beruf oder Politik müssen allgemein besser miteinander vereinbar sein. Das ist zwar in der Theorie oft klar, aber die Praxis sieht meistens anders aus. Viele Frauen organisieren den Familienalltag und die beruflichen Termine, da muss quasi immer abgewogen werden, man muss Abstriche machen. Das Problem kenne ich auch aus eigener Erfahrung. Deshalb setze ich mich auch für familienfreundlichere Strukturen in der Politik ein.
Und welche konkreten Lösungsideen haben Sie für das Problem?
Zum Beispiel sollte es eine Deadline für Abendsitzungen geben – die gehen nämlich gerne mal bis tief in die Nacht. Das ist natürlich mit einem Kind zu Hause schwierig vereinbar. Außerdem muss eine Kinderbetreuung gewährleistet sein. Das Ziel ist es, flexible und digitale Arbeitskulturen zu schaffen, die es jungen Müttern und Vätern ermöglicht, ihre Zeit frei einzuteilen und früher wieder in den Beruf zurückzukehren.

Christina Stumpp: „Mit Friedrich Merz haben wir eine starke Führungspersönlichkeit an der Spitze der CDU“

In Ihrer Position sind Sie auch Vorbild für viele junge Frauen. Was möchten Sie denen gerne vorleben?
Ich bin Mutter, Bundestagsabgeordnete und designierte stellvertretende CDU-Generalsekretärin – und das alles sehr gerne. Ich möchte insbesondere für Frauen ein Vorbild sein und zeigen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Politik gelingen kann – auch ohne Abstriche machen zu müssen. Dabei hängt mein Herz nach wie vor an der Kommunalpolitik, weshalb ich den engen Kontakt zu den Menschen in meinem Wahlkreis pflege. Eines meiner größten Ziele ist es, Frauen zu ermutigen, sich mehr in Gemeinderäten und in der Kommunalpolitik zu engagieren. Ich möchte ihnen das nötige Selbstvertrauen schenken, um neue Wege einzuschlagen und für ihre Werte einzustehen.
Die CDU liegt aktuell zwar in den Umfragen knapp hinter der SPD, steigt aber insgesamt in der Zustimmung der Wähler wieder. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?
Mit Friedrich Merz haben wir eine starke Führungspersönlichkeit an der Spitze der CDU. Ich bin mir sicher, dass er genau das mitbringt, was unsere Partei in dieser Zeit braucht. Merz vertritt eine strikte Linie, findet klare Worte für seine Anliegen und scheut auch nicht, schwierige Themen im Bundestag zu adressieren. Dadurch herrscht auch innerhalb unserer Partei eine neue Geschlossenheit und eine Art Aufbruchsstimmung, die ansteckend ist. Wir ziehen alle an einem Strang und sind motiviert, den Erneuerungsprozess der CDU voranzutreiben.
Und was muss sich in Ihrer Partei bis zur nächsten Bundestagswahl noch ändern?
Eine Sache, die wir in der vergangenen Bundestagswahl leider versäumt haben, ist die Kommunikation unserer Linie nach außen. Bis zu nächsten Bundestagswahl ist es deshalb eine unserer Kernaufgaben, deutlich zu machen, für was die CDU eigentlich steht. Wenn wir zudem geschlossen zusammenstehen, klar unsere Akzente setzen, unser Profil weiter schärfen und den Erneuerungsprozess voranbringen, dann werden wir auch wieder bei den Wählern punkten können.

CDU als Oppositionspartei zwischen konstruktiver Unterstützung und Regierungskritik

Welche Themen stehen für die CDU in der neuen Oppositionsrolle ganz oben auf der Agenda?
Natürlich beschäftigt uns vor allem der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. In dieser Ausnahmesituation ziehen wir selbstverständlich mit der Ampel-Regierung an einem Strang und werden ihre Arbeit konstruktiv unterstützen, sie aber auch fordern. So werden die explodierenden Energiepreise zu einem immer größeren Problem. Hier müssen schnell Gegen-Maßnahmen ergriffen werden, um die Menschen vor den steigenden Kosten zu schützen. Möglichkeiten wären hier zum Beispiel die Mehrwertsteuer-Senkung oder eine Anpassung der Energie-Steuer. Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass vor allem die Menschen auf dem Land oft auf das Auto angewiesen sind. Es ist nun die Aufgabe der Bundesregierung, die Kosten auf einem handhabbaren Niveau zu halten.
Sie sprechen den Angriff von Russland auf die Ukraine an. Wie weit darf Deutschland eigentlich gehen, um das Land im Kampf gegen Wladimir Putin zu unterstützen?
Die uneingeschränkte Solidarität Deutschlands mit der Ukraine ist in jedem Fall selbstverständlich. Darüber hinaus liefern wir ja bereits Waffen in das Kriegsgebiet und leisten humanitäre Hilfe. Ein militärisches Eingreifen ist natürlich ausgeschlossen, es sei denn, der Nato-Fall tritt ein. Abgesehen davon haben wir aber noch Spielraum, was die Sanktionen angeht.
Von welchen möglichen Sanktionen sprechen Sie da konkret?
Der Boykott vom russischen Gas ist die wohl härteste Sanktion, die wir gegen Russland noch in Petto haben. Hier ist es aber wichtig, pragmatisch abzuwägen. Wenn der Schritt möglich ist, ohne dass wir in eine Energie-Versorgungskrise ungeahnten Ausmaßes stürzen, dann muss dieser Schritt auch gegangen werden. Das muss die Regierung nun bestmöglich vorbereiten und auch mittel- bis langfristig dafür sorgen, dass wir von russischer Energie unabhängig werden.

Allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus ja oder nein? Christina Stumpp hat eine deutliche Antwort

Ein weiteres Thema, das uns nach wie vor beschäftigt, ist die Coronavirus-Pandemie. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder über eine mögliche Impfpflicht diskutiert. Sie haben sich bereits mehrfach dagegen positioniert. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnt nun aber sogar vor einer Sommerwelle. Was aber können wir tun, um uns langfristig vor dem Virus zu schützen?
Wir als CDU/CSU-Fraktion setzen uns für das sogenannte Impfvorsorgekonzept ein. Dieses umfasst neben einem Impfregister als Datengrundlage einen gestuften und anpassbaren Impfmechanismus, der je nach Infektionslage vom Bundestag aktiviert wird. Bei einer entsprechenden Inzidenz sollen sich dann beispielsweise alle Menschen über 60 Jahre impfen lassen. Mit jeder Steigerung der Inzidenz kommt dann eine neue Alters- oder Berufsgruppe dazu.
Ich denke, das ist der richtige Weg, da wir so flexibel auf das Infektionsgeschehen reagieren können. Die allgemeine Impfpflicht hingegen würde meiner Meinung nach schon an der Umsetzung scheitern. Nach wie vor gibt es zu viele rechtliche, medizinische und auch ethische Fragestellungen, die von der Regierung nicht klar beantwortet werden. Auch dürfen wir nicht vergessen, dass wir damit den ohnehin schon gebeutelten Pflegebereich zusätzlich überfordern würden.

Christina Stumpp vertritt in der laufenden Legislaturperiode den Wahlkreis Waiblingen im Bundestag. Seit 2021 ist die CDU-Politikerin stellvertretende Kreisvorsitzende CDU Rems-Murr. Neben weiteren Ämtern in verschiedenen CDU-Gruppen ist Christina Stumpp seit 2018 Pressesprecherin der Frauen-Union Rems-Murr. Von 2015 bis 2019 war sie Lehrbeauftragte im Fach Gewerbesteuer an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg. Unter Friedrich Merz könnte sie bald die stellvertretende Generalsekretärin der CDU werden. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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