Nach Masken-Deals der Union

Sylt-Eklat um Lambrecht und ihren Sohn: Bärs Nachricht geht nach hinten los

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Die stellvertretende CSU-Vorsitzende Dorothee Bär.
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Ein Flug von Verteidigungsministerin Christine Lambrecht ist ins Visier der Opposition geraten. Dorothee Bär kritisierte diesen nun in den sozialen Medien. Doch der Hohn galt ihr.

Berlin/Sylt - Oppositionsarbeit spielt immer auch mit Entrüstung. Sie folgt meist einem klaren Schema: Widerstand gegen die herrschende Politik und deren Ablehnung. Konstruktiv muss sie nicht sein, das ist nicht ihre Grundaufgabe. Nicht umsonst entstammt der Begriff dem Lateinischen, oppositio, auf Deutsch das Entgegengesetzte.

Das reine Dagegen-sein ist einfach und in der Öffentlichkeitswahrnehmung oft zielführend, mitunter führt es auch zu einem Rücktritt wie im Fall der ehemaligen Familienministerin Anne Spiegel im April. Am gerade diskutierten Flug von Verteidigungsministerin Christine Lambrecht mit ihrem Sohn nach Sylt wird aber nun deutlich, dass Kritik auch mit fundierten Argumenten untermauert werden sollte. Und dass der Absender oder die Absenderin der Kritik darauf achten sollte, nicht selbst auf moralisch wackeligen Beinen zu argumentieren.

Bär kritisiert Lambrecht-Flug: Urlaub auf Sylt sorgt für Kritik - „Unfassbar“

Zur Einordnung: Verteidigungsministern Lambrecht war am 13. April nach Sylt geflogen und besuchte dort das Bataillon Elektronische Kampfführung 911 aus Stadum. Im Anschluss verbrachte sie mit ihrem Sohn, der sich ebenfalls an Bord des Bundeswehr-Hubschraubers befunden haben soll, einen kurzen Osterurlaub auf der Insel. Lambrecht hatte ihren Sohn vorab angemeldet und die Kosten für seinen Flug privat bezahlt, das ist so Vorschrift.

Daran hängte sich nun die Kritik der ehemaligen parlamentarischen Staatssekretärin und Staatsministerin Dorothee Bär auf. So eine Fahrt nach Sylt ginge mit der Bahn in unter sechs Stunden, schreibt Bär auf Twitter: „Wenn das einem 21-Jährigen nicht zuzumuten ist, weiß ich auch nicht.“ Was das Verteidigungsministerium dazu sage, fragt sie, ihr Tweet endet mit: „Unfassbar.“

Bär kritisiert Lambrecht-Flug nach Sylt: „Jetzt moralische Keule zu schwingen, ist blanker Hohn“

„Kritik pointiert angebracht“, dürfte sich Bär also am Montagnachmittag gedacht haben, als sie den Tweet veröffentlichte. Ein Sturm der Entrüstung sollte folgen, so funktioniert Opposition in den sozialen Netzwerken. Mit dem Inhalt der zahlreichen Reaktionen wird sie aber nicht gerechnet haben. Sie solle in ihrem eigenen Haus kehren, lautete einer der ersten Kommentare. Der Verfasser wies auf die Masken-Deals der Union und die Maut-Affäre des ehemaligen Verkehrsministers Andreas Scheuer hin.

In einem anderen Kommentar hieß es: „Es gelten für jeden Minister die gleichen Regeln.“ Auch Minister der CDU und CSU hätten Angehörige mit der Flugbereitschaft mitgenommen und die Flüge dann korrekt abgerechnet. „Jetzt die moralische Keule zu schwingen, ist blanker Hohn.“

Video: Heftige Kritik an Ministerin: Lambrecht nahm Sohn im Regierungs-Heli mit

Im vielleicht humorvollsten Beitrag unter Bärs Tweet sieht man auf einem Foto den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, dessen Frau Michelle und die beiden Töchter gemeinsam die Treppe der Air Force One, des Flugzeugs des Präsidenten der USA, herabsteigen. Der Verfasser schreibt dazu: „Ich erinnere mich noch gut, als du ununterbrochen den Rücktritt von Obama gefordert hast.“

Die Union warf Lambrecht unterdessen am Dienstag „maximale Ungeschicklichkeit“ vor. Thorsten Frei, der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, sagte: „Das zeugt von mangelndem Fingerspitzengefühl.“ Der Vorgang habe „ein Geschmäckle“, wie man in seiner Heimat sagen würde. Es gebe Dinge, die seien verboten. „Und es gibt Dinge, die macht man einfach nicht.“ (fmü)

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