Wende im Ukraine-Krieg

Scharfe Putin-Kritik nach Residenz-Lüge: Trump vollzieht nach CIA-Briefing einen Kurswechsel

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CIA entkräftet Putins Vorwurf: Ukraine attackierte Residenz nicht. Trump wechselt nach Geheimdienst-Briefing die Seiten – und geht auf Distanz zu Putin.

Update, 5. Januar, 10:08 Uhr: Der US-Präsident bleibt jetzt bei seiner Linie: Im Streit um einen vermeintlichen Angriff auf die private Villa von Russlands Präsidenten Wladimir Putin hat Donald Trump jetzt noch einmal Kritik am Kreml nachgelegt. Er glaube nicht, dass dieser Angriff stattgefunden habe, sagte der Republikaner am Montag laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP. Zuvor hatte Russland behauptet, dass die Ukraine versucht habe, die Waldai-Residenz Putins mit Kampfdrohnen anzugreifen. Kiew hatte das vehement bestritten, war jedoch zunächst von Trump scharf gerügt worden. Erst nach einem CIA-Briefing schwenkte der US-Präsident in seiner Meinung um.

Update, 2. Januar, 14:36 Uhr: Russische Behörden behaupten, sie hätten den USA angebliche „Beweise“ übergeben. Diese sollen belegen, dass ukrainische Streitkräfte versucht hätten, die Residenz des Kremlchefs Wladimir Putin in der russischen Oblast Nowgorod mit Drohnen anzugreifen. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, dass „Materialien mit entschlüsselten Routing-Daten und der Steuerung einer ukrainischen Drohne“ an einen Vertreter des Militärattachés der US-Botschaft in Moskau übergeben wurde. Die Daten sollen Details zu dem Flugobjekt liefern, das „in der Nacht vom 28. auf den 29. Dezember 2025 über der Oblast Nowgorod während eines Terroranschlags auf die Residenz des russischen Präsidenten von russischen Luftverteidigungssystemen abgeschossen wurde“.

Angriff auf Putin-Residenz bei Nowgorod? CIA entlarvt Lüge aus Russland – Trump reagiert

Erstmeldung: Washington/Moskau – In einer überraschenden Kehrtwende hat US-Präsident Donald Trump einen scharf russlandkritischen Artikel auf seiner Plattform Truth Social geteilt – nur wenige Tage, nachdem er die Ukraine wegen eines angeblichen Angriffs auf eine Residenz von Präsident Wladimir Putin verurteilt hatte. Der Kurswechsel erfolgte unmittelbar nach einem Briefing durch CIA-Chef John Ratcliffe, der Trump über neue Geheimdiensterkenntnisse zu den russischen Anschuldigungen informierte. Der von Trump verbreitete Kommentar der New York Post bezeichnet Kremlchef Wladimir Putin als „eigentliche Hürde auf dem Weg zum Frieden“ und argumentiert, dass jeder Angriff auf den russischen Präsidenten „mehr als gerechtfertigt“ sei.

Ist wegen möglichen Fake News zu Angriffen auf eine Putin-Villa sauer: US-Präsident Donald Trump.

Der US-Geheimdienst CIA hatte zuvor die Erkenntnis erlangt, dass die Ukraine im Krieg gegen Russland weder den russischen Präsidenten Wladimir Putin ins Visier genommen noch eine seiner Residenzen angegriffen hat. Das berichteten das Wall Street Journal sowie die Sender PBS und CNN unter Berufung auf namentlich nicht genannte Vertreter der US-Regierung. Damit widerspricht der US-Auslandsgeheimdienst schweren Vorwürfen aus Moskau, die von einem versuchten ukrainischen Drohnenangriff auf Putins Präsidentenresidenz im Gebiet Nowgorod sprachen. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

Streit um Ukraine-Angriff auf Putin-Villa: Lawrow spricht von „Terroranschlag“

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte am Montag von einem versuchten „Terroranschlag“ im Ukraine-Krieg gesprochen und behauptet, Russlands Flugabwehr habe 91 ukrainische Drohnen mit größerer Reichweite über der Residenz von Putin abgeschossen. Russland präsentierte am Mittwoch erstmals mögliche Beweise für den Angriff in der russischen Region Nowgorod, darunter Reste einer mutmaßlich ukrainischen Drohne. Der ukrainische Auslandsgeheimdienst sprach jedoch von gefälschten Karten und Attrappen. Viele Experten bezweifeln ebenfalls, dass der von Russland geschilderte Angriff so stattgefunden hat.

Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf US-Beamte, der umstrittene ukrainische Drohnenangriff habe einem militärischen Ziel in derselben Region wie Putins geheimer Residenz gegolten – allerdings nicht in der Nähe des Anwesens. Wie es weiter hieß, soll Trump dann am Mittwoch von CIA-Chef John Ratcliffe über die Erkenntnisse des Geheimdienstes unterrichtet worden sein. Am selben Tag teilte der US-Präsident dann überraschend einen sehr russlandkritischen Artikel auf seiner Plattform Truth Social.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Das Boulevardblatt New York Post stellt in dem von Trump geteilten Artikel Kremlchef Putin als eigentliche Hürde auf dem Weg zum Frieden dar. Unter anderem heißt es dort, jeder Angriff auf Putin sei „mehr als gerechtfertigt“. „Wir brauchen seine Krokodilstränen nicht, stattdessen sollte der Druck erhöht werden“, wird in dem Kommentar argumentiert. Es wird dafür plädiert, dass Russland keine weiteren Zugeständnisse gemacht werden sollten, sondern ein härteres Vorgehen nötig sei. Wenige Tage zuvor hatte Trump sich noch wütend über den Ukraine-Angriff gezeigt.

Putin zeigte sich von den Vorwürfen unbeeindruckt und gab sich in seiner Neujahrsansprache im Ukraine-Krieg weiterhin siegessicher. „Ich gratuliere unseren Kämpfern und Kommandeuren zum beginnenden neuen Jahr! Wir glauben an sie und an unseren Sieg“, sagte Putin laut einem von Staatsmedien veröffentlichten Text der aufgezeichneten Videoansprache. Die russischen Soldaten, denen die Ukraine Kriegsverbrechen vorwirft, bezeichnete Putin erneut als „Helden“. Von den Verhandlungen mit den USA über eine Beendigung des Krieges war keine Rede in der Botschaft, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hob unterdessen in seiner Neujahrsbotschaft seinen Glauben an den Frieden hervor. Das auslaufende Jahr sei geprägt gewesen „von der Treue und Standhaftigkeit, den Prinzipien und der täglichen Arbeit der Ukrainer“, teilte er auf Facebook und der Plattform X mit. „Wir glauben an den Frieden, kämpfen dafür und arbeiten dafür“, erklärte er laut der Nachrichtenagentur AFP.

Trotz Trumps Kehrtwende im Ukraine-Krieg: Verhandlungen um Friedensdeal laufen weiter

Sowohl Russland als auch die Ukraine überzogen das jeweilige Nachbarland in der Neujahrsnacht mit Drohnenangriffen. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtete, eine Kampfdrohne sei kurz vor Mitternacht im Anflug auf die Hauptstadt abgeschossen worden. In Kiew wurde kurz vor dem Jahreswechsel Luftalarm wegen anfliegender Drohnenschwärme ausgelöst. Im südlichen Odessa wurden Medienberichten zufolge erneut Energieanlagen getroffen.

Ungeachtet dessen gehen aber die Bemühungen um einen Frieden weiter. Nächste Schritte auf dem Weg zu einem Ende des Ukraine-Krieges besprach der US-Sondergesandte Steve Witkoff mit dem außenpolitischen Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Günter Sautter, und anderen Vertretern Europas am Silvestertag. Dabei sei es unter anderem um eine Stärkung von Sicherheitsgarantien und die Entwicklung „effektiver Deeskalationsmechanismen“ gegangen, schrieb Witkoff auf X.

Dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj zufolge sollen die Gespräche nun bei einem Treffen der nationalen Sicherheitsberater aus der „Koalition der Willigen“ am 3. Januar in der Ukraine vertieft werden. Am 6. Januar soll dann ein Treffen auf der Ebene der Staatschefs folgen. Inwieweit Putin mitspielt, bleibt aber unklar. Erst recht, nachdem er die Kritik von Trump einstecken musste. (Quellen: Wall-Street Journal, PBS, CNN, AFP, dpa, New York Post) (jek)

Rubriklistenbild: © Mark Schiefelbein/dpa

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