Schweigegeldprozess in New York

Trump erklärt, warum er im Prozess eingeschlafen ist: „Schließe meine schönen blauen Augen“

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Ruht seine Augen aus: Ex-Präsident Donald Trump am Donnerstag (2. Mai 2024) im Gerichtssaal in New York.
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Donald Trump nickt im Gerichtsprozess in New York mehrfach ein. Nun rechtfertigt der Ex-Präsident seine geschlossenen Augen auf Truth Social – doch es gibt Zweifel an der Erklärung.

New York City – Der frühere US-Präsident Donald Trump verpasste eigentlich seinem Konkurrenten, dem Amtsinhaber Joe Biden, den Spitznamen „Sleepy Joe“ (zu Deutsch etwa: schläfriger Joe). Doch beim Prozess gegen Trump in New York City nickte der 77-Jährige offenbar selbst mehrfach ein. Er habe nur seine „Augen geschlossen“, wehrte sich der Republikaner vehement in einem Beitrag in seinem sozialen Netzwerk Truth Social.

Trump verteidigt sich: „Ich schließe meine schönen blauen Augen und nehme alles auf“

Zum ersten Mal in der US-Geschichte muss sich ein früherer Präsident in einem Strafprozess verantworten: Trump steht in New York City im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar vor Gericht. Der Republikaner scheint im Gerichtssaal recht entspannt: Wie mehrere Journalisten berichteten, nickte der 77-Jährige während des Prozesses am Mittwoch offenbar ein. „Trump scheint zu schlafen. Sein Kopf sinkt immer wieder nach unten und sein Mund wird schlaff“, schrieb etwa die New York Times-Journalistin Maggie Haberman im Liveblog der US-Zeitung.

„Sleepy Donald“ statt „Sleepy Joe“ also? Donald Trump hatte eine andere Erklärung. „Im Gegensatz zu den Fake-News-Medien schlafe ich während der Hexenjagd der korrupten Staatsanwaltschaft nicht ein, schon gar nicht heute. Ich schließe einfach meine schönen blauen Augen manchmal, höre intensiv zu und nehme alles auf!“, schrieb der Ex-Präsident am Donnerstag in seinem sozialen Netzwerk Truth Social – und brachte dabei seine liebsten Schlagworte unter. Es war bereits das vierte Mal im Laufe des Prozesses, dass Trump Berichten zufolge mutmaßlich eingeschlafen war.

Trump vor Gericht: Die wichtigsten Personen beim Prozess in New York

Donald Trump ist der Angeklagte in New York.
Donald Trump ist der Angeklagte in New York. Der ehemalige Präsident der USA ist im Prozess um mutmaßliche Schweigegeldzahlungen in 34 Punkten angeklagt. Vorgeworfen wird ihm dabei nicht die Zahlung von Schweigegeld an sich. Vielmehr soll Trump Geschäftsberichte gefälscht haben, um die Zahlungen geheim zu halten. Damit soll der Kandidat der Republikaner für die US-Wahl 2024 sowohl gegen Steuergesetze wie auch gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung verstoßen haben. Trump ist der erste Präsident der USA, der sich in einem Strafprozess wiederfindet.  © Pool/Getty Images/afp
Alvin Bragg ist der Staatsanwalt im Prozess gegen Donald Trump.
Alvin Bragg ist der Staatsanwalt im Prozess gegen Donald Trump. Mit seinem Team an Ermittlern ist es sein Ziel, nachzuweisen, dass Trump mit den Schweigegeld-Zahlungen versucht haben soll, die öffentliche Meinung vor der US-Wahl 2016 zu beeinflussen. Bragg ist Mitglied der Demokraten und seit 2022 Bezirksstaatsanwalt des Bezirks New York. © Angela Weiss/afp
Verteidigt wird Donald Trump in New York von Todd Blanche
Verteidigt wird Donald Trump in New York von Todd Blanche. Der ehemalige Staatsanwalt, der seit April 2023 für den Ex-Präsidenten arbeitet, hat beste Beziehungen in das MAGA-Universum. So verteidigte Blanche bereits Igor Furman, ein Mitarbeiter Rudy Giulianis, und Paul Manafort, Trumps ehemaligen Wahlkampfmanager.  © Mark Peterson/Imago
Unterstützt wird Todd Blanche bei der Verteidigung Donald Trumps von Susan Necheles.
Unterstützt wird Todd Blanche bei der Verteidigung Donald Trumps von Susan Necheles. Sie gilt als sehr erfahrene Strafverteidigerin, auf deren Dienste unter anderem Donald Trumps Firma, die „Trump Organization“, in der Vergangenheit vertraute. Wenn Necheles nicht gerade den Ex-Präsidenten oder seinen Familienkonzern vertritt, verteidigt sie andere zwielichtige Gestalten aus New York - darunter in der Vergangenheit auch Venero Frank Mangano. Der mittlerweile verstorbene Mafiaboss galt Zeit seines Lebens als hochrangiges Mitglied der „Cosa Nostra“ und Chef der berüchtigten „Genovese-Familie“. © Pool/Getty Images/afp
Der Richter im Fall von Donald Trump in New York heißt Juan Merchan.
Der Richter im Fall von Donald Trump in New York heißt Juan Merchan. Geboren wurde er in Kolumbien, aufgewachsen ist er in New York. Dort begann er seine Karriere als Staatsanwalt. Seit 2006 ist er als Richter in der Stadt tätig. Merchan gibt an, kein Mitglied einer politischen Partei in den USA zu sein. Bei der US-Wahl 2020 soll er aber nach Informationen von CNN in drei Fällen kleine Geldbeträge an die Demokraten und ihren damaligen Kandidaten, den heutigen US-Präsidenten Joe Biden, gespendet haben. © Jane Rosenberg/dpa
Der Richter im Fall von Donald Trump in New York heißt Juan Merchan.
Sie brachte den Stein ins Rollen. Stephanie Clifford, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Stormy Daniels. Die Erotikdarstellerin behauptet, im Jahr 2006 eine kurze Affäre mit Donald Trump gehabt zu haben. Kurz vor der US-Wahl 2016 soll Trumps damaliger Anwalt Michael Cohen ihr 130.000 Dollar Schweigegeld gezahlt haben, damit die Affäre nicht ans Licht kommt und Trumps Wahlkampf behindert. Dass Daniels im Prozess gegen Donald Trump aussagen wird, gilt als nahezu sicher. © John Angelillo/Imago
Michael Cohen. Der ehemalige Anwalt Trumps gilt mittlerweile als einer seiner größten Gegner.
Die Eröffnungsplädoyers im Prozess gegen Donald Trump haben bewiesen, dass Michael Cohen der für beiden Seiten wichtigste Zeuge werden wird. Der ehemalige Anwalt Trumps gilt mittlerweile als einer seiner größten Gegner. Das dürfte auch daran liegen, dass Cohen 2018 in Zusammenhang mit Geschäften, die er für Trump abwickelte, wegen Steuerhinterziehung und Falschaussagen vor dem Kongress zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden war. © Spencer Platt/afp
Der erste Zeuge im Prozess gegen Donald Trump war David Pecker, ehemaliger Herausgeber des National Enquirer.
Der erste Zeuge im Prozess gegen Donald Trump war David Pecker, ehemaliger Herausgeber des National Enquirer. Pecker stammt wie Trump aus New York. Die beiden verbindet eine Geschäftsbeziehung, die bis in die 1990er Jahre zurückreicht. Vor Gericht bestätigte Pecker, dass er Trump dabei geholfen habe, Geschichten über Affären, die der Ex-Präsident gehabt habe, zu vertuschen. So soll der Zeitungsmann unter anderem in die Schweigegeldzahlungen an Stormy Daniels als auch an Karen McDougal verweickelt gewesen sein. © Imago
Neben Stormy Daniels behauptet auch Karen McDougal, sie habe Schweigegeld von Donald Trump erhalten.
Denn neben Stormy Daniels behauptet auch Karen McDougal, sie habe Schweigegeld von Donald Trump erhalten, um eine neun Monate dauernde Affäre geheim zu halten. Das ehemalige Playmate und spätere Model behauptet, sich zwischen 2006 und 2007 mehrmals mit dem späteren Präsidenten getroffen zu haben. Damit die Geschichte geheim bleibt, soll McDougal 150.000 Dollar erhalten haben. © Imago
Ein weiterer Zeuge, der im Prozess gegen Donald Trump vor Gericht erwartet wird, ist Allen Weisselberg.
Ein weiterer Zeuge, der im Prozess gegen Donald Trump vor Gericht erwartet wird, ist Allen Weisselberg. Er ist der ehemalige Finanzvorstand der „Trump Organization“ und hat bereits Erfahrungen mit New Yorker Justiz sammeln dürfen: Im Januar 2023 wurde Weisselberg zu einer neunmonatigen Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Laut Michael Cohen soll Weisselberg auch in die Schweigegeldzahlungen an Stormy Daniels verwickelt gewesen sein. © Kena Betancur/afp
Eine weitere hochkarätige Zeugin im Prozess gegen Donald Trump könnte Hope Hicks werden.
Eine weitere hochkarätige Zeugin im Prozess gegen Donald Trump könnte Hope Hicks werden. Das ehemalige Model steht seit 2012 mit der Familie Trump in Verbindung und arbeitete unter anderem für Donalds Tochter Ivanka Trump. Ab 2015 war sie Pressesprecherin der Wahlkampagne des späteren Präsidenten und blieb in verschiedenen Positionen auch nach Trumps Wahlsieg für ihn tätig. Im Prozess in New York dürfte sie nach ihren Kenntnissen über mutmaßliche Schweigegeldzahlungen im Wahlkampf 2016 befragt werden. © Andrew Harnik/dpa
Was sagt eigentlich Melania Trump? Die ehemalige First Lady hält sich bislang aus Prozess gegen ihren Mann heraus.
Was sagt eigentlich Melania Trump? Die ehemalige First Lady hält sich bislang aus Prozess gegen ihren Mann heraus. Weder begleitet die dritte Ehefrau Trumps ihn zum Gericht in New York, noch hat sie sich bislang zu den Vorwürfen geäußert, ihr Ehemann habe sie mit Playmates und Pornostars betrogen, während sie mit dem gemeinsamen Kind schwanger war. Bislang steht nicht fest, ob Melania Trump als Zeugin geladen wird. Sollte das geschehen, könnte Donalds Ehefrau wohl von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen. © Lynne Sladky/dpa
Zum Thema vor Gericht in New York wurde auch Barron Trump, der jüngste Sohn Donalds und das einzige Kind von Melania Trump.
Zum Thema vor Gericht in New York wurde auch Barron Trump, der jüngste Sohn Donalds und das einzige Kind von Melania Trump. Der über zwei Meter große Teenager feierte im März 2024 seinen 18. Geburtstag und wird noch dieses Jahr seinen Highschool-Abschluss feiern - womöglich ohne seinen Vater. Dessen Anwälte stellten für ihren Mandanten einen Antrag, dass er am 17. Mai, dem Tag der Abschlussfeier seines Sohnes, dem Gericht fernbleiben könne. Im Anschluss behauptete Trump, Richter Juan Merchan habe ihm das verboten - eine Falschbehauptung. Merchan hatte lediglich gesagt, er sei noch nicht bereit, eine Entscheidung über diesen Antrag zu fällen. Diese hinge vor allem davon ab, wie der Prozess in den kommenden Wochen verlaufen werde. © Damon Higgins/Imago

Der Rolling Stone hatte zuvor berichtet, dass der 77-Jährige „privat wütend ist über [...] Berichte, dass er vor Gericht nicht aufhören kann, einzuschlafen.“ Auch Amtsinhaber Joe Biden griff die Vorlage gerne auf und bezeichnete den schlafenden Republikaner als „Sleepy Don“ (zu Deutsch: Schlafmütze).

Die Journalistin Maggie Haberman, die seit 20 Jahren über den Immobilienmogul Trump berichtet, hatte Zweifel an dessen Erklärung, mit geschlossenen Augen „alles aufzunehmen“. Die Pulitzer-Preisträgerin mutmaßte in einem Beitrag auf The Intelligencer angesichts der recht lahm wirkenden Ausrede des Republikaners, vielleicht habe auch ein nicht vorhandener Hund einige wichtige Dokumente über seine Schweigegeldzahlungen gefressen.

Trump könnte auch im Falle einer Verurteilung zur US-Wahl antreten

Trump ist in drei weiteren Fällen strafrechtlich angeklagt, diese gelten als deutlich gravierender als der laufende Schweigegeldprozess. Im Zusammenhang mit dem Sturm auf das Kapitol in Washington lautet der Vorwurf auf versuchte Wahlbeeinflussung. Im US-Bundesstaat Georgia ist der frühere Präsident ebenfalls wegen versuchter Wahlmanipulation angeklagt. Vor einem Bundesgericht in Florida geht es um die Mitnahme geheimer Regierungsdokumente in Trumps Privatanwesen in Mar-a-Lago.

Das seien „alles Prozesse des korrupten Joe Biden. Wahlbeeinflussung!“, schrieb der 77-Jährige ebenfalls am Donnerstag auf Truth Social. Im Original sprach er von „Crooked Joe Biden“.– sein neuester Spitzname für Biden. Der aktuelle Schweigegeldprozess könnte bis zu acht Wochen dauern. Im Falle einer Verurteilung könnte dem Republikaner eine mehrjährige Gefängnisstrafe drohen, die aber auch zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Selbst im Falle einer Verurteilung dürfte Trump an der US-Präsidentschaftswahl teilnehmen. Im Falle einer Niederlage schloss der 77-Jährige einen erneuten Gewaltausbruch in den USA nicht aus.

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