„Gute Grundlage“

Clans abschieben: Kriminalbeamte freuen sich über Faeser-Plan – Warnung vor „Familiennamen“-Justiz

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Nancy Faesers Vorschlag zur leichteren Abschiebung von Clan-Mitgliedern polarisiert. Einigen gefällt es, andere wittern Wahlkampf.

Berlin – Hunderte Männer, die – teils schwer bewaffnet – auf offener Straße aufeinander losgehen: Nach den blutigen Clan-Ausschreitungen in NRW vor einigen Wochen forderten Politik und Polizei ein härteres Durchgreifen gegen kriminelle Mitglieder der Großfamilien. Bundesinnenminister Nancy Faeser reagierte, und brachte eine leichtere Abschiebung ins Spiel. Das kommt beim Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) gut an. Doch nicht jeder ist begeistert.

Faeser will Clans leichter abschieben: BDK begrüßt Vorschlag aus dem Bundesinnenministerium

Als „gute Grundlage“ bezeichnete Dirk Peglow, der Vorsitzende des BDK, Nancy Faesers Vorstoß zur leichteren Abschiebung von mutmaßlichen Clan-Mitgliedern. Im Interview mit dem RND sagte er: „Wir dürfen es nicht dulden, dass kriminelle Clans weiterhin eine Paralleljustiz und -gesellschaft aufbauen, die jegliche Grundlagen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens den Regeln patriarchalischer Familienstrukturen unterordnet“. Nach den Ausschreitungen in NRW soll der Konflikt zwischen den beiden Großfamilien hinter verschlossener Tür geklärt worden sein – vorbei am Rechtsstaat.

Der Diskussionsentwurf sieht vor, dass für eine Abschiebung von kriminellen Mitgliedern der Großfamilien nicht mehr zwingend eine Verurteilung wegen der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung notwendig ist, sagte Maximilian Kall, Sprecher des Bundesinnenministeriums, laut der Deutschen Presse-Agentur. Vielmehr sei eine Abschiebung bereits möglich, wenn „Tatsachen die Schlussfolgerung rechtfertigen, dass jemand Teil einer kriminellen Vereinigung war oder ist“. Eine vergleichbare Regelung gibt es bereits für Mitglieder terroristischer Vereinigungen.

Clan-Kriminalität in Deutschland

► Spricht man hierzulande von Clans, sind häufig bestimmte Mitglieder von Großfamilien mit libanesischen, syrischen, irakischen oder türkischen Wurzeln gemeint. Nach Schätzungen vom Bundeskriminalamt gehören deutschlandweit rund 200.000 Menschen zu solchen Großfamilien. Wichtig: Die meisten von ihnen sind nicht kriminell. Einige haben sich zu Gruppierungen zusammengeschlossen, die Straftaten im Bereich der organisierten Kriminalität begehen.

► Kriminelle Mitglieder der Familienclans leben laut der Gewerkschaft der Polizei (GDP) häufig in einer abgeschotteten Parallelwelt und erkennen staatliche Strukturen nicht an. Straftaten werden meist intern durch sogenannte „Friedensrichter geklärt“. Gegenüber der Polizei wird nach der internen Klärung oft eisern geschwiegen. Diese Missachtung des Rechtsstaats wird auch als „Paralleljustiz“ bezeichnet.

► Einige der Clan-Familien sind nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Libanon 1975 nach Deutschland geflohen. Über Ost-Berlin kamen sie in den Westen, beantragten Asyl und wurden auf verschiedene Bundesländer verteilt – vor allem nach Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen. Dort gab es nach Angaben der GDP einen Abschiebestopp, sie erhielten als Staatenlose sofort eine Duldung und blieben im Land.

► Eine selbstständige Tätigkeit war ihnen als Geduldete untersagt, eine Beschäftigung war nur auf Antrag und nach Zustimmung durch die Ausländerbehörde möglich. Manche Fachleute sehen darin eine mögliche Ursache dafür, dass sich aus der Perspektivlosigkeit heraus kriminelle Netzwerke gebildet haben.

Quelle: Gewerkschaft der Polizei

Faeser-Vorschlag zur Abschiebung von Clan-Mitgliedern: Warnung vor Vorverurteilung

Gleichzeitig warnte BDK-Chef Peskow davor, Menschen alleine aufgrund ihres berüchtigten Familiennamens zu verurteilen. Die Strafverfolgungsbehörden müssten weiterhin Tatsachen ermitteln, die eine Zugehörigkeit oder Unterstützung einer kriminellen Vereinigung belegen. Kall äußerte sich ähnlich: „Eine Familienzugehörigkeit ist keine kriminelle Aktivität“, so der Ministeriumssprecher. Wie der Politikwissenschaftler Mahmoud Jaraba dem MDR sagte, spiele sich die Kriminalität häufig in „Sub-Sub-Clans“ ab, der Großteil der Familien sei nicht kriminell.

Zuspruch bekommt Faeser dabei unter auch anderem aus ihrer eigenen Partei. Der SPD-Innenexperte Sebastian Fiedler hält den Vorschlag für „außerordentlich richtig“, denn: Es tue „der organisierten Kriminalität und eben auch Teilen der Clankriminalität sehr, sehr weh, wenn diejenigen hier ihren Aufenthaltstitel verlieren, die Teil dieser Gruppierung sind“, sagte der Politiker, der Kriminalbeamter von Beruf ist, dem ZDF-Morgenmagazin. Das müssten Gerichte natürlich nachweisen.

Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit

Olaf Scholz spricht zur Energiepolitik.
Olaf Scholz (SPD) ist der neunte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Politisch wird er dem konservativen Flügel der Sozialdemokraten zugerechnet. Lange Zeit galt er als reiner „Scholzomat“ – ein Spitzname, den er sich wegen seiner mechanisch wirkenden Sprechblasen in seiner Zeit als Generalsekretär unter Kanzler Gerhard Schröder verdiente. Kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine kündigte er in einer Sondersitzung des deutschen Bundestages einen Wandel der deutschen Politik an: „Wir erleben eine Zeitenwende.“  © Britta Pedersen/dpa
Robert Habeck auf Deutschlandtour.
Robert Habeck ist Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz im Kabinett Scholz sowie Stellvertreter des Kanzlers. Vom 27. Januar 2018 bis zum 14. Februar 2022 hatte er zusammen mit Annalena Baerbock den Bundesvorsitz der Partei Bündnis 90/Die Grünen inne. Habeck ist auch als Schriftsteller tätig. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Andrea Paluch veröffentlichte er mehrere Romane, u.a. Hauke Haiens Tod (2001). © Soeren Stache/dpa
Jörg Kukies kommt zu Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts im Kanzleramt.
Am 7. November 2024 hat Jörg Kukies das Amt des Finanzminister übernommen. Der Sozialdemokrat Kukies ist derzeit Staatssekretär im Kanzleramt und gilt als einer der wichtigsten Berater von Kanzler Scholz. Er ist sein Mann für Wirtschaft und Finanzen und verhandelt für ihn die Abschlussdokumente der G7- und G20-Gipfel.  © Michael Kappeler/dpa
Christian Lindner im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022.
Christian Lindner ist Bundesminister der Finanzen im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker ist seit dem 7. Dezember 2013 Bundesvorsitzender der Liberalen. Schon 2017 sah es lange so aus, als würde die FDP an der Regierung beteiligt sein. Doch nach vierwöchigen Sondierungsgesprächen zur Bildung einer Jamaika-Koalition erklärte Lindner die Verhandlungen schließlich für gescheitert. Seine Begründung: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren!“ © Emmanuele Contini/Imago
Nancy Faeser (SPD), alte und neue Landesvorsitzende der SPD in Hessen und Bundesinnenministerin, freut sich über ihre Wiederwahl.
Nancy Faeser führt im Kabinett Scholz als erste Frau das Bundesministerium des Innern und für Heimat. Die Juristin ist seit dem 2. November 2019 Vorsitzende der SPD Hessen. Zuvor war sie 16 Jahre lang Abgeordnete des Hessischen Landtags und ab 2019 als Vorsitzende der hessischen SPD-Fraktion auch Oppositionsführerin. Zudem war sie Spitzenkandidatin der SPD bei der Landtagswahl in Hessen 2023. Als Abgeordnete im Landtag erhielt sie zwei Drohbriefe, die mit NSU 2.0 unterschrieben waren. © Andreas Arnold/dpa
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. © Thomas Imo/Imago
Marco Buschmann FDP, Bundesjustizminister, stellt Eckpunktepapier zum Selbstbestimmungsgesetz vor.
Marco Buschmann war bis zum 7. November 2024 Bundesminister der Justiz im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker war von Oktober 2017 bis Dezember 2021 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion. Im Herbst 2020 warnte er während der Corona-Pandemie vor einer Verfassungskrise. Buschmann war auch Mitkoordinator der erfolgreichen Verfassungsklage der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und FDP gegen den Berliner Mietendeckel. Nach dem Rauswurf von Finanzminister Christian Lindner verließ Buschmann die Ampel.  © Jürgen Heinrich/Imago
Volker Wissing, Bundesverkehrsminister FDP, vor der Kabinettssitzung im Berliner Kanzleramt Bundeskanzleramt in Berlin
Volker Wissing wurde nah dem Ampel-Aus für sein Ausscheren aus dem Kurs von FDP-Parteichef Christian Lindner belohnt. Der Bundesminister für Digitales und Verkehr erhielt zusätzlich das Justizressort. Einer der letzten großen Ampel-Fans in der FDP zog nach dem Koalitionsbruch Konsequenzen: In einem beispiellosen Schritt trat er aus der Partei aus und bleibt bis zu den geplanten Neuwahlen als Parteiloser im Amt. Der Jurist war vom 19. September 2020 bis zum 23. April 2022 Generalsekretär der FDP. Wissing gibt als Hobby Weinbau an, vor allem im familieneigenen Weingut.  © Stefan Boness/Imago
Hubertus Heil besucht die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Berlin-Spandau.
Hubertus Heil ist im Kabinett Scholz Bundesminister für Arbeit und Soziales – ein Amt, das der SPD-Politiker bereits seit dem 14. März 2018 innehat. Heil ist seit Dezember 2019 stellvertretender Bundesvorsitzender der Sozialdemokraten. Von November 2005 bis November 2009 und von Juni bis Dezember 2017 war er Generalsekretär seiner Partei. Heil spricht sich für einen Mindestlohn von mindestens 12 Euro aus, eine Erhöhung des Rentenalters auf über 67 Jahre lehnt er ab. © M. Popow/Imago
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen.
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Bis zum 19. Januar 2023 hatte Christine Lambrecht das Amt der Verteidigungsministerin inne. Die SPD-Politikerin stand zumeist unter einem immensen Druck. Kritische Stimmen warfen ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit vor. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Robert Michael/dpa
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft läuft beim Treffen der G7 Agrarminister zum Eingang des Schlosses Hohenheim.
Cem Özdemir ist Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett Scholz. Özdemir ist der erste Bundesminister mit türkischem Migrationshintergrund. Von November 2008 bis Januar 2018 war er Bundesvorsitzender der Grünen. Im Dezember 2021 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ gewählt. Nach dem Ampel-Aus übernahm er auch das Ministerium für Bildung und Forschung.  © Bernd Weißbrod/dpa
Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht beim hybriden Gipfeltreffen „Women7-Summit“.
Elisabeth „Lisa“ Paus ist seit dem 25. April 2022 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Scholz. Sie ist die Nachfolgerin von Anne Spiegel, die zuvor von diesem Posten zurückgetreten war. Paus gehört zum linken Parteiflügel der Grünen. Sie ist seit 2009 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergibt im Schloss Bellevue anlässlich des Amtswechsels im Bundesfamilienministerium die Entlassungsurkunde an Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen), bisherige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Vorgängerin von Lisa Paus war Anne Spiegel, die am 25. April 2022 die Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt. „Es war zu viel“, hatte die Grünen-Politikerin vorher bekennen müssen. Ihr Verhalten als Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 wurde vom Untersuchungsausschuss des Landtags bis ins Detail untersucht. Die Kritik wurde zum Sturm – ihr Amt als Bundesfamilienministerin gab Spiegel deshalb auf. In ihrer Rücktrittserklärung betonte Spiegel, dass sie das Amt nicht länger belasten wolle und entschuldigte sich für begangene Fehler. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister, beantwortet auf einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten zum Infektionsgeschehen und zur Impfentwicklung.
Karl Lauterbach ist Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz. Der SPD-Politiker ist Professor am Universitätsklinikum Köln und dort Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie. Wegen seines Bundestagsmandats ist er derzeit beurlaubt. Während der Pandemie ist er für viele zu einer Reizfigur geworden. Als Minister konnte er sich mit seiner Forderung nach einer allgemeinen Corona-Impfpflicht nicht durchsetzen.  © Wolfgang Kumm/dpa
Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz beim Treffen der G7 Klima-, Energie- und Umweltministerinnen und -minister.
Steffi Lemke hat im Kabinett Scholz den Posten als Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz inne. Die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen absolvierte ein Studium der Agrarwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, das sie 1993 als Diplom-Agraringenieurin abschloss. Von 2002 bis 2013 war sie politische Bundesgeschäftsführerin ihrer Partei. © Chris Emil Janssen/Imago
Bettina Stark-Watzinger im Portrait bei der Bundespressekonferenz zum Thema Veroeffentlichung des nationalen Bildungsberichts Bildung in Deutschland.
Bettina Stark-Watzinger ist Bundesministerin für Bildung und Forschung im Kabinett Scholz. Seit 2017 ist sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag und seit März 2021 Vorsitzende der FDP Hessen. Ihr Studium der Volkswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main schloss sie 1993 als Diplom-Volkswirtin ab. Sie ist Mitglied im Stiftungsrat der Karl-Hermann-Flach-Stiftung. © Imago
Svenja Schulze SPD, Bundesministerin fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, aufgenommen im Rahmen der Konferenz fuer globale Ernaehrungssicherheit im Auswaertigen Amt in Berlin.
Svenja Schulze ist Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland im Kabinett Scholz. Die SPD-Politikerin ist Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), ver.di, im Naturschutzbund Deutschland (NABU) und im Verein Slowfood. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerkes „Frauenzeiten“. © Florian Gaertner/Imago
Klara Geywitz im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022. Kabinettssitzung in Berlin.
Klara Geywitz ist Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Kabinett Scholz. Zudem ist sie Beauftragte der Bundesregierung für den Berlin-Umzug und den Bonn-Ausgleich. Im Dezember 2019 wurde sie zu einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Geywitz gehört seit 2014 dem Vorstand der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit an. © Emmanuele Contini/Imago
Wolfgang Schmidt hisst die Regenbogenfahne am Bundeskanzleramt in Berlin.
Wolfgang Schmidt ist Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes im Kabinett Scholz. In dieser Funktion ist er außerdem Beauftragter der Nachrichtendienste des Bundes. Schmidt, der seit 1989 der SPD angehört, gilt als engster Vertrauter von Olaf Scholz. © Christian Spicker/Imago

Wahlkampf statt Kampf gegen Clan-Kriminalität? Politik und Polizei wettern gegen Faeser-Vorschlag

Doch der Vorschlag aus Faesers Ministerium kommt nicht bei jedem gut an. So wittert die CDU-Bundestagsabgeordnete Serap Güler andere Absichten hinter dem Vorstoß als den Kampf gegen Clan-Kriminalität: „Faeser ganz wild im Wahlkampfmodus. Jetzt: Alle Clanmitglieder gehören abgeschoben. Klingt nach: Sheriff, ist aber: Quacksalber“, schreibt die ehemalige Staatssekretärin des NRW-Integrationsministeriums auf Twitter. Vielmehr müsse man kriminellen Clan-Mitgliedern ihre „Spielzeuge“, wie Luxusautos, Uhren und Immobilien wegnehmen, wie Güler im Gespräch mit wa.de sagte.

Manuel Ostermann, der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, sieht in dem Diskussionsentwurf ebenso „Wahlkampfgetöse“, wie er in einem Interview mit Welt sagte. Der Vorschlag sei „in der Realität nicht umsetzbar“. Zum einen, weil die Herkunftsländer die Aufnahmebereitschaft signalisieren müssten: „Das funktioniert ja aktuell schon nicht“. Zum anderen, weil viele der Clan-Mitglieder ohnehin die deutsche Staatsbürgerschaft hätten, und damit nicht abgeschoben werden können. Faeser tritt am 8. Oktober als SPD-Spitzenkandidaten bei der Hessen-Wahl an.

„Unzulässig, menschenrechtswidrig, verfassungswidrig“: Faesers Clan-Vorschlag juristisch schwierig?

Auch andere halten Faesers Vorschlag zur Abschiebung von Clan-Mitgliedern ohne Straftat für problematisch: „Wenn man das Ausweisungsinteresse so weit ausgestaltet, wäre das eine unzulässige, menschenrechtswidrige, verfassungswidrige Kollektivausweitung“, sagte Hubert Heinhold, Rechtsanwalt für Asyl- und Aufenthaltsrecht, dem ZDF. Ähnliche Argumente kamen auch aus den Reihen von Faesers Koalitionspartner, den Grünen: „Es sei klar, klar, dass außerhalb des Rechtsstaats stehende Regelungen für uns Grüne niemals zur Debatte stehen“, sagte die Parlamentsgeschäftsführerin Irene Mihalic dem RND.

Faesers Diskussionsentwurf beruht dabei auf einem Beschluss des Bund-Länder-Treffens am 10. Mai. Im Bundeskanzleramt einigten sich Olaf Scholz, die Ministerpräsidenten der Länder und die zuständigen Bundesminister auf verschiedene Änderungen im Asyl- und Ausländerrecht. Der Clan-Vorschlag sei da nicht vonseiten der Ampel-Koalition, sondern von einigen Bundesländern gekommen, wie eine Sprecherin des Innenministeriums zur Süddeutschen Zeitung sagte.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat einen Vorschlag für eine leichtere Abschiebung von kriminellen Clan-Mitgliedern vorgelegt.

Zum aktuellen Zeitpunkt ist der Diskussionsentwurf zudem eben genau das: ein Diskussionsentwurf. Er sei Teil eines „laufenden Abstimmungsprozesses mit den Ländern und dem Bund“, hieß es aus dem Bundesinnenministerium. „Ob eine solche Regelung indes verhältnismäßig ist und das Regelungsziel ohne ungewollte Nebenfolgen erreicht werden kann, soll nun noch einmal eingehend mit den Ländern und kommunalen Spitzenverbänden erörtert werden“. Einen konkreten Gesetzesentwurf gebe es noch nicht. (mg)

Rubriklistenbild: © Markus Gayk/dpa & Bernd von Jutrczenka/dpa

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