VonLucas Maierschließen
Über Twitter schlägt ein Epidemiologe für den Bundesstaat New York Alarm. Doch wie ist die Corona-Lage in Deutschland?
New York - Die aktuellen Corona-Zahlen aus dem Bundesstaat New York sind „sehr besorgniserregend“. Zumindest wenn man nach der Einschätzung von Eric Feigl-Ding, dem Leiter der COVID Task Force am New England Complex Systems Institute geht.
Der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat auf Twitter einen Beitrag von Feigl-Ding mit den Worten „Das muss man im Auge behalten. Unser Frühwarnsystem steht.“ geteilt. Sein US-amerikanischer Kollege forderte am Samstag (12. August) mit dem Hashtag #MaskUp dazu auf, sich wieder mit Masken vor Corona-Infektionen zu schützen.
Hintergrund seiner Aufforderung ist, dass sich die Hospitalisierungsquote von Corona-Patienten im Bundesstaat New York zuletzt verdoppelt hatte. Doch wie dramatisch sind die Entwicklungen in New York derzeit wirklich? Wir haben uns die Zahlen genauer angeschaut.
New York: Was ist dran an der Corona-Eskalation?
Vergleicht man beispielsweise die Zahlen vom 14. Juli mit denen den aktuellsten (10. August), dann behält Feigl-Ding recht. Waren es im Juli noch insgesamt 395 Covid-Patienten, die im Bundesstaat New York in einem Krankenhaus behandelt wurden, sind es im August mit 841 bereits mehr als doppelt so viele. Die Zahlen, auf die sich auch Feigl-Ding bezieht, wurden vom Staat New York bereitgestellt.
Wirft man einen Blick auf die Hospitalisierungskurve des vergangenen Jahres, fällt jedoch auf, dass die Hospitalisierungsquote zwischen April 2022 und April 2023, durchgehend über einem Wert von 800 lag. Meist befand sich diese sogar im vierstelligen Bereich.
Corona auf dem Vormarsch? Zahlen aus New York weitaus weniger beunruhigend
Die niedrigen Hospitalisierungswert im Juni und Juli 2023, von rund 400, wurden im Bundesstaat New York zuletzt im Juli 2021 erreicht. Auch im Jahr 2021 verdoppelte sich die Anzahl des Hospitalisierungswertes innerhalb kurzer Zeit. Waren es am 18. Juli 2021 noch 378 Personen, die mit Covid-19 stationär behandelt wurden, waren es am 1. August bereits 788. Also mehr als doppelt so viele.
- 7-Tages-Inzidenten pro 100.000 Einwohner in Deutschland nach Altersgruppen
- Gesamtbevölkerung: 3
- 0 - 4 Jahre: 2
- 5 - 14 Jahre: 0
- 15 - 34 Jahre: 2
- 35 - 59 Jahre: 2
- 60 - 79 Jahre: 3
- Über 80 Jahre: 9
- Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (Stand: 13.08.2023)
Vergleicht man die beiden Szenarien, fällt auf, dass der Anstieg im Juli 2021 wesentlich schneller erfolgte. Damals stiegen die Raten jedoch noch weiter. Bis auf einen Wert von 2.476 im September und nach einer kurzen Verbesserung der Lage, bis auf über 12.000 im Januar 2022. Es bleibt also abzuwarten, ob die Fälle weiter steigen oder nicht. Ob man die Werte aktuell bereits als „sehr besorgniserregend“ bewerten sollte, bleibt fraglich.
Die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner im Bundesstaat New York, liegt derzeit gerade einmal bei 4,4. Doch wie ist die Lage in Deutschland?
Corona in Deutschland: Niedrigste Inzident seit Beginn der Aufzeichnung im Juli erreicht
Ein Blick auf die vom Bundesministerium für Gesundheit bereit gestellten aktuellen Daten zu den Corona-Infektionen in Deutschland zeigt ein entspannteres Bild als im Bundesstaat New York. In der Bundesrepublik liegt die 7-Tage-Inzident pro 100.000 Einwohner derzeit bei einem Wert von drei.
| Krankheitserreger | SARS-CoV-2 |
| Krankheit | COVID-19 |
| Erster bekannter Fall | 1. Dezember 2019 |
| Todesfälle | 20 Millionen (Schätzung der WHO Mai 2023) |
Zum Vergleich, am höchsten Punkt der Omikronwelle am 24. März 2022, lag der Wert bei 1961. Der bisherige Tiefstwert, wurde im Juli 2023, mit einer Inzidenz von eins erreicht. Die Hospitalisierungsinzidenz pro Woche und pro 100.000 Einwohner, liegt derzeit bei einem Wert von 0,6. Zum Vergleich, im Bundesstaat New York kommen auf 100.000 Einwohner, derzeit 4,3 hospitalisierte Covid-Patienten.
Wie der starke Anstieg der Hospitalisierungsquote aus dem Staat New York im Jahr 2021 zeigt, sollte man die Entwicklungen nicht aus dem Blick verlieren. Gerade auch vor dem Hintergrund einer neuen Corona-Variante, die sich derzeit rasant ausbreitet. Mit der Aussage „Das muss man im Auge behalten“, trifft Karl Lauterbach also genau den Nerv der Zeit. (Lucas Maier)
Zuletzt gab Karl Lauterbach bekannt, dass das Bundesgesundheitsministerium bald mit einer Kampagne „auf die Risiken des Cannabis-Konsums hinweisen“ will.
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