CSU-Parteitag

Merz und Söder in Nürnberg: CSU-Chef ruft vor Bundestagswahl „andere Union“ aus

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Beim CSU-Parteitag in Nürnberg zeigen sich CSU und CDU selbstbewusst und geschlossen. Die Merkel-Kritik wird zur Steilvorlage und auch die Kirchen werden gewarnt.

Nürnberg – Der Umfrage-Schock für CDU und CSU nach den Migrations-Abstimmungen mit der AfD im Bundestag bleibt aus – die Parteichefs Markus Söder und Friedrich Merz sehen sich im scharfen Migrationskurs bestätigt. Beim CSU-Parteitag in Nürnberg stellte Söder am Samstag selbstbewusst klar: „Dies ist jetzt eine andere Union.“

Mit Merz‘ „All in“– Moment im Bundestag kurz vor der Wahl, so scheint es, will die Union sich endgültig von der Ära der Merz-Intimfeindin Angela Merkel abgrenzen. 2021 war das bei der Wahlniederlage unter dem Kandidaten Armin Laschet noch grandios gescheitert. Dabei hatte die Altkanzlerin erst vor gut einer Woche das Vorgehen von Merz öffentlich kritisiert. In Bayern stärkt ihm Söder jetzt vor versammelter Mannschaft den Rücken und schießt zurück: „Ich weiß auch nicht, ob ständig Ratschläge von gestern notwendig sind mitten im Wahlkampf“ – lauter Applaus brandet auf.

Söder kritisiert Merkel-Kurs auf CSU-Parteitag: Flüchtlingspolitik von 2015 stehe für „einen großen Fehler“

Söder legt in der vollen Nürnberger Messehalle nach: Der Kurs unter Merkel, vor allem der Flüchtlingspolitik von 2015, stehe für „einen großen Fehler, der das Land nachhaltig geprägt hat“. Nicht die Humanität des „Wir schaffen das“ sei falsch gewesen, stellt er klar, nicht das Helfen-Wollen der Menschen. „Das ist gut“, sagt Söder. „Aber dabei das außer Acht lassen von rechtsstaatlichen Prinzipien, das war der Fehler. Der hat unser Volk entzweit und die AfD erst zu dem gemacht, was es ist. Und der hat auch die Union gespalten, tiefgreifender als viele gedacht haben.“

Kennen Sie alle? Diese 41 Parteien wurden formal zur Bundestagswahl 2025 zugelassen

Bundestagswahl
41 Parteien wurden für die Bundestagswahl formal zugelassen, doch nur 29 davon nehmen teil. Zwölf der Mitte Januar vom Bundeswahlausschuss formal anerkannten Parteien werden bei der Abstimmung nicht dabei sein, wie die Bundeswahlleiterin Ende Januar in Wiesbaden mitteilte. Anders als langjährige Bundestags- und Landtagsparteien hatten vor allem kleinere Parteien beispielsweise noch eine erforderliche Anzahl von Unterstützerunterschriften nachweisen müssen. © IMAGO/Sascha Steinach
Bundestagswahl
SPD, Grüne, FDP, AfD, Linke, Freie Wähler, Volt, Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, Bündnis Deutschland und das Bündnis Sahra Wagenknecht sind demnach in allen 16 Ländern mit Landeslisten vertreten. Die CDU tritt in allen Bundesländern außer Bayern an, die CSU (Foto) nur in Bayern. Die übrigen Parteien werden nicht in allen Ländern auf den Stimmzetteln stehen. Acht von ihnen treten den Angaben nach jeweils nur in einem Land an. © IMAGO/Michael Bihlmayer
Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2025 auf den Wahlzetteln stehen. Die Partei schickt Kanzler Olaf Scholz erneut als Spitzenkandidat ins Rennen.
Wir haben die 41 formal zugelassenen Parteien gesammelt. Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2025 auf den Wahlzetteln stehen. Die Partei schickt Kanzler Olaf Scholz erneut als Spitzenkandidat ins Rennen. © Hendrik Schmidt / dpa
Die CDU geht mit Friedrich Merz als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl 2025.
Die CDU geht mit Friedrich Merz als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl 2025. © Thomas Banneyer / dpa
Auch Bündnis 90/Die Grünen ist als Partei zur Bundestagswahl zugelassen. Spitzenkandidat ist Robert Habeck.
Auch Bündnis 90/Die Grünen ist als Partei zur Bundestagswahl zugelassen. Spitzenkandidat ist Robert Habeck. © Georg Wendt / dpa
Auch die FDP um Parteichef Christian Lindner wurde vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl zugelassen.
Auch die FDP um Parteichef Christian Lindner wurde vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl zugelassen.  © Moritz Frankenberg / dpa
Auf den Wahlzetteln können Wählende auch bei der AfD ihr Kreuz setzen. Mit Alice Weidel stellt die Partei auch eine Kanzlerkandidatin.
Auf den Wahlzetteln können Wählende auch bei der AfD ihr Kreuz setzen. Mit Alice Weidel stellt die Partei auch eine Kanzlerkandidatin. © Sebastian Kahnert / dpa
In Bayern wird die CSU auf dem Wahlzettel stehen
In Bayern wird die CSU auf dem Wahlzettel stehen. Die Schwesterpartei der Union ist zugelassen für die Bundestagswahl – der Name von Parteichef Markus Söder wird darauf allerdings nicht auftauchen, er bleibt als Ministerpräsident in Bayern und will nicht nach Berlin. © Daniel Vogl / dpa
Die Linke wurde zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Linke wurde zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. © Hendrik Schmidt / dpa
Als mindestens in einem Landtag vertretene Partei ist auch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) zur Wahl zugelassen.
Als mindestens in einem Landtag vertretene Partei ist auch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) zur Wahl zugelassen. Seit der Absplitterung von den Linken sitzt das BSW auch bereits im Bundestag. © Hannes P Albert / dpa
Auch das Bündnis Deutschland ist zur Wahl zugelassen
Auch das Bündnis Deutschland – hier ein Foto aus dem Jahr 2022 – ist als Partei, die in einem Landtag vertreten ist, zur Wahl zugelassen. Die rechtskonservative, wirtschaftsliberale Partei ist mit sieben Abgeordneten in der Bremer Bürgerschaft vertreten. © Bernd von Jutrczenka / dpa
Selbiges gilt für die Freien Wähler, hier Parteivorsitzender Hubert Aiwanger. Die Partei ist aktuell in Bayern und Rheinland-Pfalz im Landtag vertreten.
Selbiges gilt für die Freien Wähler, hier Parteivorsitzender Hubert Aiwanger. Die Partei ist aktuell in Bayern und Rheinland-Pfalz im Landtag vertreten. © Daniel Vogl / dpa
Bayern-Partei ist zur Bundestagswahl zugelassen
Zu den 31 weiteren Parteien, die der Bundeswahlausschuss wegen eingehaltener Formalitäten zur Wahl zulässt, gehört auch die Bayernpartei. Sie setzt sich laut eigenen Aussagen für „Selbstbestimmung, Föderalismus und die Eigenstaatlichkeit Bayerns“ ein. Das Foto zeigt ein Plakat aus dem Wahlkampf zur Landtagswahl in Bayern 2023. © IMAGO/Goldmann
Zur Bundestagswahl 2025 zugelassen ist auch die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, kurz MLPD.
Zur Bundestagswahl 2025 zugelassen ist auch die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, kurz MLPD. Sie versteht sich als kommunistische deutsche Kleinpartei. © IMAGO / Michael Gstettenbauer
Auch zur Bundestagswahl zugelassen: Die Bürgerrechtsbewegung Solidarität, kurz BüSo. Das Foto zeigt ein Wahlplakat aus dem Jahr 2019.
Auch zur Bundestagswahl zugelassen: Die Bürgerrechtsbewegung Solidarität, kurz BüSo. Das Foto zeigt ein Wahlplakat aus dem Jahr 2019. © Revierfoto via www.imago-images.de
Die Gartenpartei, hier als Wahlplakat in einer Reihe mit AfD und SPD aufgeführt zum Landtagswahl-Rennen in Sachsen-Anhalt 2021, wurde ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl.
Die Gartenpartei, hier als Wahlplakat in einer Reihe mit AfD und SPD aufgeführt zum Landtagswahl-Rennen in Sachsen-Anhalt 2021, wurde ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl. © IMAGO / Jan Huebner
Auch auf den Wahlzetteln zur Bundestagswahl dabei: Die Partei der Humanisten. Ihr Fokus liegt auf Säkularisierung und Wissenschaft.
Auch formal zugelassen: Die Partei der Humanisten. Ihr Fokus liegt auf Säkularisierung und Wissenschaft. © IMAGO / Müller-Stauffenberg
Die Basisdemokratische Partei Deutschland, kurz dieBasis, wurde zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Basisdemokratische Partei Deutschland, kurz dieBasis, wurde zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.  © IMAGO / IPON
Die Gerechtigkeitspartei – Team Todenhöfer, hier Namensgeber Todenhöfer im Bild, wurde 2020 gegründet. Zur Bundestagswahl 2025 ist sie zugelassen.
Die Gerechtigkeitspartei – Team Todenhöfer, hier Namensgeber Todenhöfer im Bild, wurde 2020 gegründet. Zur Bundestagswahl 2025 ist sie zugelassen. © Jörg Carstensen / dpa
Ebenfalls zugelassen: Die Kleinpartei Menschliche Welt.
Ebenfalls zugelassen: Die Kleinpartei Menschliche Welt. © IMAGO/Manfred Segerer
Auch das Bündnis C – hier eine Wahlwerbung für die Parteivorsitzende Karin Heepen aus dem Jahr 2019 (2. Plakat v.r.) – ist zugelassen.
Auch das Bündnis C – hier eine Wahlwerbung für die Parteivorsitzende Karin Heepen aus dem Jahr 2019 (2. Plakat v.r.) – ist zugelassen. © IMAGO / Karina Hessland
Ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl ist die Partei UNABHÄNGIGE für bürgernahe Demokratie.
Ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl ist die Partei UNABHÄNGIGE für bürgernahe Demokratie. © IMAGO/Sandy Dinkelacker
Die Partei Die PARTEI ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Ihr Vorsitzender Martin Sonneborn sitzt für die Vereinigung im EU-Parlament.
Die Partei Die PARTEI ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Ihr Vorsitzender Martin Sonneborn sitzt für die Vereinigung im EU-Parlament. © Kay Nietfeld / dpa
Auch die als rechtsextrem geltende Partei Freie Sachsen ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Auch die als rechtsextrem geltende Partei Freie Sachsen ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. © IMAGO/BODE
Auf den Wahlzetteln zur Bundestagswahl wird man ein Kreuz auch bei der Tierschutzpartei setzen können. Der Name verrät, wofür die Vereinigung besonders steht.
Auf den Wahlzetteln zur Bundestagswahl wird man ein Kreuz auch bei der Tierschutzpartei setzen können. Der Name verrät, wofür die Vereinigung besonders steht. © IMAGO/Revierfoto
Auch die Partei Ab jetzt...Demokratie durch Volksabstimmung wurde vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl zugelassen.
Auch die Partei Ab jetzt...Demokratie durch Volksabstimmung wurde vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl zugelassen. © IMAGO/Oliver Kaelke/DeFodi Images
Die Partei Cannabis Social Club (kurz: CSC) setzt sich für die Legalisierung von Cannabis in Deutschland ein. Zur Bundestagswahl ist sie zugelassen.
Die Partei Cannabis Social Club (kurz: CSC) setzt sich für die Legalisierung von Cannabis in Deutschland ein. Zur Bundestagswahl ist sie zugelassen. Das Symbolfoto zeigt eine Tafel mit etwaiger Aufschrift. © IMAGO / Bihlmayerfotografie
Auf dem Wahlzettel – hier ein Beispiel zur Europawahl 2024 – steht auch bei der Bundestagswahl die Partei MERA25.
Zugelassen ist auch die Partei MERA25. Sie steht nach eigener Aussage für „Linke Politik für Frieden, Solidarität und Freiheit“. © IMAGO/Manfred Segerer
Die Ökologisch Demokratische Partei, kurz ÖDP, ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Ökologisch Demokratische Partei, kurz ÖDP, ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Das Bild zeigt ein aktuelles Wahlplakat. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Franz Feiner
Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) stellt einen Sonderfall in Deutschland dar.
Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) stellt einen Sonderfall in Deutschland dar. Die Partei ist seit 1955 von der Fünf-Prozent-Hürde befreit. Dementsprechend sitzt mit Stefan Seidler gar ein Mitglied im Bundestag. Auch bei der Bundestagswahl 2025 ist die Partei wählbar. © Axel Heimken / dpa
Zur Bundestagswahl 2025 ist auch die Partei Liberale Demokraten – die Sozialliberalen (kurz: LD) zugelassen.
Zur Bundestagswahl 2025 ist auch die Partei Liberale Demokraten – die Sozialliberalen (kurz: LD) zugelassen.  © IMAGO/Bernd Leitner
Hier auf dem Stimmzettel zur Landtagswahl 2022 in NRW, bald auch auf dem Stimmzettel zur Bundestagswahl 2025: Die Partei Die LIEBE.
Hier auf dem Stimmzettel zur Landtagswahl 2022 in NRW: Die Partei Die LIEBE. © IMAGO/Juergen Schwarz
Auch die Partei Volt wird bei der Bundestagswahl 2025 wählbar sein. Unter anderem steht sie für Klimaschutz und ein starkes Europa.
Auch die Partei Volt wird bei der Bundestagswahl 2025 wählbar sein. Unter anderem steht sie für Klimaschutz und ein starkes Europa. © IMAGO/Stefan Zeitz
Die WerteUnion galt eigentlich als Verein, der den konservativen Markenkern der Union vertrat.
Die WerteUnion galt als Verein, der den konservativen Markenkern der Union vertrat. 2024 strebte Ex-Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen dann die Gründung einer eigenen Partei an, der er nun vorsitzt. Zur Bundestagswahl 2025 wurde die WerteUnion nun zugelassen. © Soeren Stache / dpa
Die Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch (kurz: DAVA) ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Die Partei gilt als Erdogan-nah.
Die Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch (kurz: DAVA) ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Die Partei gilt als Erdogan-nah. © IMAGO/Guido Schiefer
Die trotzkistische Kleinpartei Sozialistische Gleichheitspartei, Vierte Internationale (kurz SGP) ist zur Bundestagswahl zugelassen.
Die trotzkistische Kleinpartei Sozialistische Gleichheitspartei, Vierte Internationale (kurz SGP) ist zur Bundestagswahl zugelassen. Sie setzt sich gegen Kapitalismus und Krieg ein. Das Wahlplakat stammt aus dem Jahr 2023 aus Berlin. © IMAGO/Stefan Zeitz
Ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl 2025: Die Partei für Verjüngungsforschung.
Ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl 2025: Die Partei für Verjüngungsforschung. Sie setzt sich für die schnellere Entwicklung von Verjüngungstherapien ein. Das Plakat hing im Wahlkampf zur Europawahl 2024 in Chemnitz. © IMAGO/Fotostand / Nachtigall
Auf dem Stimmzettel für die Europawahl 2024 standen die Partei des Fortschrittes (kurz: PdF) und auch die V-Partei³ bereits.
Auf dem Stimmzettel für die Europawahl 2024 standen die Partei des Fortschrittes (kurz: PdF) und auch die V-Partei³ bereits. Beide wurden auch für die Bundestagswahl 2025 zugelassen. Die ³ bei der V-Partei steht übrigens für „Veränderung, Vegetarier und Veganer“. © IMAGO/Manfred Segerer
Die Partei DIE SONSTIGE ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Partei DIE SONSTIGEN ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Laut Website steht man als „Friesenpartei“ für „skurrile Minderheiten, Systemwechsel & gegen neurechte Klima-Leugnung“. © IMAGO/Michael Bihlmayer
Im Wahllokal kann man seinen Stimmzettel auch mit einem Kreuz bei der Dr. Ansay Partei in die Urne werfen.
Auch die Dr. Ansay Partei wurde zugelassen. © Patrick Pleul / dpa
Die Partei DIE NEUE MITTE ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Partei DIE NEUE MITTE ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. © bpb
Die Piratenpartei Deutschland ist ebenfalls für die Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Piratenpartei Deutschland ist ebenfalls für die Bundestagswahl 2025 zugelassen. Das Plakat stammt aus der Kampagne zur Europawahl 2024. © IMAGO/Fotostand / Nieweler

Das soll nun Geschichte sein. Das Merkel-Kontra wird an diesem Tag in Nürnberg zur Steilvorlage für einen Wahl-Endspurt in neuer Eintracht: Friedrich Merz wird beim Einmarsch minutenlang von den CSU-Delegierten gefeiert. Söder ruft, nun habe die Bevölkerung eine Wahl. „Es gilt nicht mehr der Satz: ‚Das ist alternativlos‘“ – noch so eine Merkel-Vokabel –, „sondern es gibt im Rahmen der Demokratie die Alternativen.“ Ein Seitenhieb gegen die extrem rechte AfD ist für Söder der zentrale Satz: „Es braucht keine undemokratische Alternativen für Deutschland, weil es demokratische Alternativen gibt, die man wählen kann.“ „Links-Grün“ wolle mehr Zuwanderung, „wir wollen weniger“.

Beim Einmarsch wird CDU-Chef Friedrich Merz minutenlang von den Delegierten der CSU gefeiert.

Merz‘ Auftritt bei CSU-Parteitag: Union-Kanzlerkandidat thematisiert Debatte um AfD-Abstimmung

Söder poltert am Pult, Merz tritt nach ihm betont gelassen auf die Bühne. Mit guten Umfragewerten im Rücken schreitet er entspannt und frei redend vor dem Redeplatz hin- und her. Eine Hand mal in der Hosentasche, mal leicht verschränkt. In den letzten Jahren, sagt er cool, sei man „ziemlich weiche Wahlkämpfe gewöhnt gewesen“. Das ist jetzt anders. Auch er hält an all dem fest, was die Konkurrenz als „Tabubruch“ und „Dammbruch“ kritisiert. „Lassen wir uns nicht beirren“, ruft er der CSU zu, „das alles halten wir gut aus!“

Gemeint ist der Gegenwind, der auch an diesem Samstag aufzieht. Vor der Nürnberger Messe haben sich einige Dutzend zum Protest versammelt. Ein Mann mit lila Volt-Mütze schichtet Karton-Backsteine zu einer symbolischen Brandmauer auf. Auf einem Schild steht: „Weg mit der populistischen, menschenverachtenden schwarz-braunen Kacke“. Später werden Tausende im Stadtzentrum demonstrieren, auch auf der Münchner Theresienwiese ist eine Großdemo angemeldet.

Zwei Wochen vor Bundestagswahl: Merz grenzt sich auf CSU-Parteitag erneut von AfD ab

Merz grenzt sich einmal mehr ab: Während die Union für die EU, den Euro, die Westbindung und die Nato stünde, stelle die AfD das „im Grundsatz in Frage“ und wolle „Heil und Frieden auf dem Schoß Putins finden“. Die Migration bleibt hier unerwähnt, doch Merz verspricht, es werde „an keiner Stelle irgendeine Form der Zusammenarbeit oder gar der Regierungsbeteiligung oder der Duldung oder welcher Form auch immer geben“. Er betont: „Wir würden unser Land verraten, ich würde die Seele der CDU verraten, wenn ich auch nur den kleinen Finger reichen würde.“

Nach der Wahl wolle er „mit der SPD und mit anderen wieder vernünftige Gespräche führen“, sagte er später in versöhnlichem Ton dem Bayerischen Rundfunk. Und das obwohl er die SPD von Kanzler Olaf Scholz in der Rede attackiert:

Die „Parteistrategen im Willy-Brandt-Haus“ hätten entschieden, die Union bei den Abstimmungen im Bundestag auflaufen zu lassen, um die Menschen zu mobilisieren. Das nehme er als Kampfansage an. All der Widerstand, ist er sich sicher, sei, „weiß Gott nicht so, wie es dem Mehrheitswillen der deutschen Bevölkerung entspricht.“

Kirchen-Kritik an Abstimmung der Union mit AfD

Gott – noch so ein Stichwort der Christsozialen und -demokraten. Bevor Söder und Merz drinnen die Wahl vom 23. Februar zur Richtungswahl erklären, steht schon draußen vor der Halle eine Entscheidung an. Die CSU-Delegierten zieht es vor dem Eingang nach rechts in Richtung Halle. Geradeaus geht es zu einem Treffen evangelischer Kirchenvorstände.

Pfarrer Markus Hildebrandt Rambe weißt den Teilnehmenden den Weg. „In der Demokratie geht es immer um Mehrheiten, aber immer auch um Grundwerte, die nicht zur Disposition stehen sollten“, sagt er. Wenn eine Partei das „C“ im Namen trage, „sollte es den Kirchen auch erlaubt sein, sie daran zu messen und das einzufordern, dass man Konsequenzen aus den Grundwerten zieht“, mahnt er.

Es ist ein Verweis auf die Kritik der Kirchen an der Abstimmung der Union mit der AfD. Er hält den Widerspruch für berechtigt, denn von Geflüchteten sowie von Helferinnen und Helfern höre er, dass der Rechtsruck Ängste auslöse, dass es zu Diffamierungen käme und ihnen „Wind entgegenbläst“, berichtet der Pfarrer. Auch er geht am Nachmittag demonstrieren.

Söder ruft vor Bundestagswahl „andere Union“ aus: „Mitte, Mehrheit, Merz“

In der Halle, wo über allem ein großes, beleuchtetes Kreuz hängt, kommt Söders Replik. „Wir wollen Partner der Kirchen sein“, sagt er, „aber macht es uns manchmal nicht so schwer.“ Das sei keine Kritik, sondern eine Bitte: „Vielleicht kümmert ihr euch manchmal auch um die ein oder anderen mehr christlichen Themen. Ich würde mir mehr Einsatz für den Paragraf 218, den Lebensschutz wünschen“, sagt er. Die Halle applaudiert. Dann klingt es nach einer Drohung: „Nicht vergessen: Wer am Ende noch an der Seite der Institution Kirche steht, das sind nämlich wir – nicht, dass irgendwann man ganz plötzlich alleine steht. Denkt mal drüber nach.“

Eine „andere Union“ hat Söder ausgerufen mit dem Motto: „Mitte, Mehrheit, Merz“ – der habe die Parteien geeinigt, dankt Söder. Am Ende wird ein Schiffslenkrad gereicht für den Steuermann Merz. „Deutschland wieder auf den Kurs bringen“, steht darauf. Söder sagt – und kann sich dabei einen letzten Merkel-Seitenhieb nicht verkneifen: Man werde Merz unterstützen und gegen jede Kritik – „auch in der eigenen Partei – in Schutz nehmen!“

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