Politisches Tauziehen

Söder will „Experiment Ampel“ beenden – „Politik braucht endlich wieder mehr Glaubwürdigkeit“

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Markus Söder holte am zweiten Tag des CDU-Parteitags zum Rundumschlag gegen die Ampel-Koalition aus und ging in seiner Rede auf Kuschelkurs zu CDU-Chef Merz.

Update vom 7. Mai, 17.15 Uhr: Nach einer knappen Stunde am Rednerpult schloss Söder seine Rede beim CDU-Parteitag. „All das ist die Ampel und all das sind wir nicht“, sagte der Ministerpräsident zum Abschluss seiner Rede. Das „Experiment Ampel“ müsse beendet werden. „Die deutsche Politik braucht endlich wieder mehr Glaubwürdigkeit und wer keine Glaubwürdigkeit hat, ist die Ampel.“

Nachdem der CSU-Chef die gute Zusammenarbeit mit der CDU und deren Vorsitzenden Friedrich Merz betont hatte, arbeitet er sich im weiteren Verlauf seiner Rede vor allem an der Bundesregierung ab. „Deutschland war noch nie so schwach wie jetzt“, so Söders Einschätzung, der sich in seiner Rede von Thema zu Thema hangelte.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, spricht beim CDU-Bundesparteitag. Auf dem Programm steht die Verabschiedung des neuen Grundsatzprogramms der Union.

Söder rechnet auf dem CDU-Parteitag mit der Ampel ab – „Sind als Deutsche nicht die Missionare der Welt“

„Wenn jemand ein Kalifat fordert und eine doppelte Staatsbürgerschaft hat, dem muss diese doppelte Staatsbürgerschaft wieder entzogen werden“, forderte der bayerische Ministerpräsident mit Blick auf die jüngsten Demonstrationen in Hamburg. Kurz darauf bekräftigte Söder seine Forderung nach einem deutschlandweiten Genderverbot an Schulen und Hochschulen. Kritisch beäugte der CSU-Chef im weiteren Verlauf einen vermeintlichen Mentalitätswandel in der deutschen Gesellschaft: „Früher hat man gestreikt für mehr Geld, heute streikt man für weniger Arbeit“. Die Hauptschuldigen für die Probleme sitzen – so Söder – in der Ampel-Regierung. Vor allem an den Grünen arbeitet der CSU-Chef sich ein weiteres Mal ab.

Söder betonte, insbesondere die Außenpolitik der Grünen als Moralweltmeister und Besserwisser sei „irgendwie auch komisch“. Wo immer er in der Welt hinkomme, höre er, dass die Deutschen „schon sehr viel Moral“ hätten, weil sie anderen Ländern erklärten, wie sie sich zu verhalten hätten. „Wir sind als Deutsche nicht die Missionare der Welt und auch keine NGO.“ Statt „Petra-Kelly-Sound“ bräuchte es mal wieder mehr Goethe. Für seine Absage an Schwarz-Grün im Bund erntete der CSU-Chef Applaus von den Delegierten.

Das ist Markus Söders Bayern-Kabinett: Vier Frauen und ein CSU-Schwabe

Vereidigung des bayerischen Kabinetts
Seit dem 31. Oktober 2023 regiert das Kabinett Söder III in Bayern – eine Koalition zwischen CSU und Freien Wählern. Markus Söder wurde am 31. Oktober 2023 erneut zum Ministerpräsidenten gewählt. Die Staatsministerinnen und Staatsminister wurden am 8. November 2023 ernannt und vereidigt. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Markus Söder und seine Minister: Seit Herbst 2023 ist das Kabinett „Söder III“ in Amt und Würden.
Markus Söder und seine Minister: Seit Herbst 2023 ist das Kabinett „Söder III“ in Amt und Würden.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Markus Söder ist Bayerns Ministerpräsident – und ein bekanntes Gesicht in ganz Deutschland.
Markus Söder ist Bayerns Ministerpräsident – und ein bekanntes Gesicht in ganz Deutschland. Spekulationen über Kanzler-Ambitionen wollten lange nicht abebben. Doch weiter ist „Platz in Bayern“. Zusammen mit seinem Kabinett. © Dwi Anoraganingrum/Imago
Politischer Aschermittwoch - Bayern CSU
Auch bei der kommenden Bundestagswahl rechnet sich Söder keinerlei Chancen mehr auf das Kanzleramt aus. „Null. Der Friedrich Merz macht das jetzt acht Jahre“, sagte der bayerische Ministerpräsident im Juni 2025 dem Nachrichtenmagazin Spiegel auf die Frage, wie groß er seine Chancen sehe, doch noch selbst Kanzler zu werden.  © Peter Kneffel/dpa
Hubert Aiwanger ist als Chef der Freien Wähler gewissermaßen Söders Gegenspieler
Hubert Aiwanger ist als Chef der Freien Wähler gewissermaßen Söders Gegenspieler in der „Bayern-Koalition“ – und angesichts streitbarer Äußerungen und der „Flugblatt-Affäre“ eine durchaus polarisierende Figur. Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident ist Aiwanger schon seit 2018. Im Kabinett Söder III erhielt er neue Kompetenzen in Sachen Jagd und Staatsforsten. © Peter Kneffel/dpa
Söders zweite Stellvertreterin ist Ulrike Scharf.
Söders zweite Stellvertreterin ist Ulrike Scharf. Mit dieser (Bonus-)Postenvergabe an die Sozialministerin überraschte Söder einige Beobachter. Auch, weil er Scharf bei seiner Amtsübernahme von Horst Seehofer 2018 direkt aus ihrem Amt als Umweltministerin geworfen hatte. Die Oberbayerin profilierte sich nach der Ernennung zur Söder-Vize umgehend – mit einer deutlichen Warnung vor Antisemitismus und Gefahren für die Demokratie. © Frank Hoermann/Imago
Florian Herrmann ist als Leiter der Bayerischen Staatskanzlei ein wichtiger Zuarbeiter und praktische die „rechte Hand“ Söders.
Florian Herrmann ist als Leiter der Bayerischen Staatskanzlei ein wichtiger Zuarbeiter und praktisch die „rechte Hand“ Söders. Die Zusammenarbeit scheint zu klappen: Herrmann hat den Posten schon seit 2018 inne. Wie Scharf hat Herrmann seine politische Heimat nordöstlich von München, im Bezirk Oberbayern. © Imago
Seit 2013 sitzt Eric Beißwenger im Landtag.
Seit 2013 sitzt Eric Beißwenger im Landtag. Seine Ernennung war die vielleicht größte Überraschung Söders auf CSU-Seiten. Mit Umwelt und Tourismus hatte sich der Biobauer Beißwenger in seinen ersten zwei Legislaturen beschäftigt. Nun kümmert er sich um Europa, wobei Beißwenger zufolge auch dort Umwelt und Landwirtschaft wichtig sind. Wohnhaft im Allgäu, vertritt Beißweniger die Schwaben-CSU – und stammt dabei eigentlich aus Mannheim. © Bernd Feil/Imago
Ein weiterer altgedienter Kempe in Bayerns Kabinetten ist Joachim Herrmann.
Ein weiterer altgedienter Kempe in Bayerns Kabinetten ist Joachim Herrmann. Schon seit 2007 – unter Günther Beckstein – ist der Mittelfranke Innenminister. Herrmann gilt als gewichtige Stimme in der CSU; Landtagsfraktionschef war er schon; und bereits 1998 als Staatssekretär erstmals Mitglied der Staatsregierung, 2008 galt er als Kandidat für das Amt als Bayerns Regierungschef. Den Posten als Vize-Ministerpräsident verlor er 2023 aber an Ulrike Scharf. © Peter Kneffel/dpa
Ein eher neues Gesicht in Bayerns Kabinett ist Christian Bernreiter
Ein eher neues Gesicht in Bayerns Kabinett ist Christian Bernreiter – lange Jahre war er als Landrat tätig. Anfang 2022 berief Söder den Niederbayern bei einer Kabinettsumbildung zum Minister für Verkehr und Bau. Seither hat er weiteren Einfluss in der CSU gewonnen: Seit 2023 führt Bernreiter den Bezirksverband Niederbayern. Er folgte auf Andreas Scheuer. © Sven Hoppe/dpa
Seit 2013 ist Georg Eisenreich Mitglied der Bayerischen Staatsregierung
Seit 2013 ist Georg Eisenreich Mitglied der Bayerischen Staatsregierung: zuerst als Horst Seehofers Staatssekretär für Bildung, Kultus, Wissenschaft und Kunst; ab 2018 dann kurz als Europa-Staatsminister und in den Kabinetten Söder II und III als Justizminister. Inhaltlich passt das gut: Eisenreich ist Jurist. Er sitzt auch dem CSU-Bezirksverband München vor. © Monika Skolimowska/dpa
Eine Beförderung gab es für Anna Stolz (Freie Wähler)
Eine Beförderung gab es für Anna Stolz: Seit 2018 war die Unterfränkin Staatssekretärin für Bildung und Kultus – nun führt sie das Ministerium. Ungewöhnlich: Stolz ist bei den Freien Wählern eher Seiteneinsteigerin. Bis 2018 war sie parteilose Bürgermeisterin der Kleinstadt Arnstein im Kreis Main-Spessart. Erst 2018 trat sie der Partei bei und schaffte es direkt in Landtag und Kabinett. © Frank Hoermann/Imago
Markus Söder traut seinem Namensvetter Markus Blume offenbar einiges zu
Von der Abteilung Attacke in die Abteilung Hochkultur – Markus Söder traut seinem Namensvetter Markus Blume offenbar einiges zu. Der Münchner Blume war von 2018 bis 2022 CSU-Generalsekretär und damit für die härteren Töne zuständig. Seit 2022 amtiert er als Staatsminister für Wissenschaft und Kunst. Der neue Posten könnte Blume fast besser stehen. In seiner Jugend war er als Eistänzer erfolgreich. Studiert hat Blume auch: Politikwissenschaft. © Rolf Poss/Imago
Albert Füracker gilt als Vertrauter Markus Söders.
Albert Füracker gilt als Vertrauter Markus Söders. Womöglich auch deshalb folgte er Söder in dessen letztem Posten vor dem Sprung ins Ministerpräsidentenamt nach: Seit 2018 ist Füracker Bayerns Finanzminister. Schon zuvor war er dort Söders Staatssekretär. Als Bezirkschef der Oberpfalz-CSU ist Füracker auch wichtig für den Regionalproporz im Kabinett. © Frank Hoermann/Imago
Schon zum zweiten Mal amtiert Thorsten Glauber für die Freien Wähler als Umweltminister
Schon zum zweiten Mal amtiert Thorsten Glauber für die Freien Wähler als Umweltminister – und ist damit einer der bekanntesten Vertreter seiner Partei. Anders als Stolz ist Glauber schon lange „Freier Wähler“ – 1993 trat der Mittelfranke in die Partei ein; seit 2008 sitzt er im Landtag. Als Zuständiger für den Umweltschutz muss Glauber dem Ministerpräsidenten immer wieder mal Paroli bieten. Keine leichte Aufgabe. © Peter Kneffel/dpa
Michaela Kaniber gehört mittlerweile zu den bekanntesten Gesichtern in der CSU.
Michaela Kaniber gehört mittlerweile zu den bekanntesten Gesichtern in der CSU. Schon seit Söders Amtsübernahme im Frühjahr 2018 hat die Oberbayerin das in Bayern wichtige Landwirtschaftsministerium inne; 2023 folgte die Zuständigkeit für Tourismus als Dreingabe. Ins Fach Landwirtschaft musste sich Kaniber aber erst einarbeiten. Die Tochter aus Kroatien zugewanderter Eltern und dreifache Mutter kam nach eigenen Angaben eigentlich „durch den Streit um die richtige Kinderbetreuung“ zur Politik. © Armin Weigel/dpa
Im Kabinett Söder III ist Judith Gerlach Gesundheitsministerin.
Judith Gerlach musste ihren Posten als Digitalministerin räumen, schaffte aber direkt einen Aufstieg: Im Kabinett Söder III ist sie Gesundheitsministerin. Gerlach, 1985 geboren, ist das zweitjüngste Kabinettsmitglied – aber auch familiär vorgeprägt: Schon Großvater Paul Gerlach saß für die CSU im Bundestag. Die Juristin lebt bei Aschaffenburg und vertritt damit Unterfranken in Söders Kabinett. © Frank Hoermann/Imago
Der Jüngste in Söders Ministerriege ist Fabian Mehring.
Der Jüngste in Söders Ministerriege ist Fabian Mehring. Erst 2018 zog der Freie Wähler erstmals in den Landtag ein, bekam aber direkt einiges an Verantwortung ab: Er amtierte als Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion; dabei könnte sein Abschluss als Doktor der Politikwissenschaft geholfen haben. Mit gerade mal 34 Jahren wurde Mehring Chef eines Ministeriums – wenn auch eines recht kleinen. © FrankHoermann/Imago
Sandro Kirchner. Der Unterfranke unterstützt Joachim Herrmann im Innenministerium.
Bis zu 17 Staatsminister und Staatssekretäre gehören laut Bayerischer Verfassung der Staatsregierung an. Heißt: Drei Staatssekretäre sind mit dabei. Einer von ihnen ist seit Anfang 2022 Sandro Kirchner (CSU). Der Unterfranke unterstützt Joachim Herrmann im Innenministerium. © Rolf Poss/Imago
Neu in Söders Kabinett ist CSU-Staatssekretär Martin Schöffel aus Oberfranken.
Neu in Söders Kabinett ist hingegen CSU-Staatssekretär Martin Schöffel aus Oberfranken. Er ist für Finanzen und Heimat mitzuständig. Schöffel arbeitete zuvor vor allem zum Thema Agrar – und gilt als guter Bierzeltredner. © Frank Hoermann/Imago
Tobias Gotthardt unterstützt als Staatssekretär seinen Parteichef Hubert Aiwanger.
Ebenfalls neu dabei ist Tobias Gotthardt. Der Freie Wähler unterstützt als Staatssekretär seinen Parteichef Hubert Aiwanger im Wirtschaftsministerium. Im neuen Kabinett musste Aiwanger auf einen anderen Staatssekretärsposten verzichten – mit der Beförderung von Stolz zur Kultusministerin bleibt ihr altes Amt vakant. © Rolf Poss/Imago
Bayerische Kabinettssitzung
Markus Söder (Mitte links) eröffnete im Januar 2024 die erste Kabinettssitzung im neuen Jahr. Seit 2018 ist die CSU auf einen Koalitionspartner angewiesen – einst die FDP, jetzt sind es die Freien Wähler. © Peter Kneffel/dpa
Auftakt Haushaltsklausur des bayerischen Kabinetts
Ende Januar 2024 eröffnete Söder (hinten, 2.v.l.) die Haushaltsklausur des bayerischen Kabinetts. Das Kabinett befasste sich im Schwerpunkt mit dem Doppelhaushalt 2024/2025. © Uwe Lein/dpa
Kabinettssitzung insbesondere zu Umweltthemen
Söder (erste Reihe rechts) und die bayerischen Kabinettsmitglieder kamen im Juli 2024 am Donauufer zur letzten Sitzung vor der Sommerpause zusammen. © Peter Kneffel/dpa
Kabinettssitzung insbesondere zu Umweltthemen
Die Kabinettssitzung fand damals im Kloster Weltenburg statt. © Peter Kneffel/dpa

Söder keilt gegen die Grünen aus – CSU-Chef kann sich Ricarda Lang als Ministerin nicht vorstellen

Update vom 7. Mai. 16.44 Uhr: Der CSU-Chef keilt nun gegen die Grünen aus. „Ich weiß nicht, ob die Mehrzahl unsere Wähler das als wirklichen Segen verstehen würden, wenn die Ampel in Form der Grünen dann eine Verlängerung bekommt“, sagte Söder mit Blick auf eine mögliche Koalition nach der nächsten Wahl. „Ich kann mir echt nicht vorstellen, auch noch Ricarda Lang als Ministerin zu sehen. Ich bin skeptisch und gegen schwarz-grün“, führte Söder weiter aus.

Söder bei CDU-Parteitag auf Kuschelkurs mit Merz – werden K-Frage „gemeinsam lösen“

Update vom 7. Mai, 16.23 Uhr: Die Söder-Show beginnt. Der bayerische Ministerpräsident betritt beim CDU-Parteitag begleitet von stehendem Applaus die Halle. Dicht hinter dem CSU-Chef geleitet CDU-Chef Friedrich Merz Söder auf die Bühne. In seiner Ankündigung betonte Merz die „gute und enge“ Zusammenarbeit zwischen den beiden Schwesterparteien. Eine Zusammenarbeit, die auch Söder in seinen ersten Worten am Rednerpulte herausstellte.

Der erste Seitenhieb auf die Bundesregierung lässt ebenso nicht lange auf sich warten. In keiner der Ampel-Parteien hätte ein Parteivorsitzender soviel Rückhalt wie Friedrich Merz in der CDU, führte Söder aus und bedankte sich für das „freundschaftliche Verhältnis“ zum CDU-Chef.

„Die erste K-Frage haben wir schon gut gelöst – Ursula von der Leyen soll wieder Kommissionspräsidentin werden“, scherzte Söder mit Blick auf die Europawahl. Die zweite „werden wir noch gemeinsam lösen“, sagte Söder weiter. Merz sei als CDU-Chef dabei „historisch“ gesehen der Favorit. „Wir werden das nächstes Jahr gemeinsam rocken und die Ampel als Bundesregierung ablösen“, versprach Söder den Delegierten.

Lob fand Söder auch für CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann. Ein Generalsekretär sei normalerweise sowas „wie ein Innenverteidiger, der ständig rot gefährdet ist“, witzelt Söder. Linnemann habe jedoch in seinem ersten Jahr gute Arbeit geleistet.

Trotz eigener Ambitionen: Söder gönnt Merz Favoritenrolle in K-Frage

Erstmeldung: Berlin – Die Marschrichtung für die Union scheint klar: Fest den Blick auf das Kanzleramt gerichtet, halten die CDU-Mitglieder aktuell ihren Parteitag ab. Mit einem neuen Grundsatzprogramm soll die Ära von Angela Merkel final beendet sein und die Bühne für den starken Mann an der Spitze frei machen. Am ersten Tag des CDU-Parteitags stimmten knapp 90 Prozent der Delegierten für die Wiederwahl von Parteichef Friedrich Merz. Er bleibt damit mehr als deutlich der Top-Anwärter auf die Kanzlerkandidatur. Das sieht auch CSU-Chef Markus Söder so – zumindest offiziell. Die K-Frage sorgt dabei seit Monaten immer wieder für Spekulationen.

Vor Auftritt auf CDU-Parteitag: Söder sieht Merz in der Favoritenrolle bei Kanzlerkandidatur

Die Union will zurück in die Regierungsverantwortung. „Wir können regieren – aber wir können auch mit Substanz sagen, warum wir regieren wollen“, machte Merz am Dienstag auf dem CDU-Parteitag deutlich. Das neue Grundsatzprogramm der CDU soll in den kommenden Monaten die Weichen stellen, ist allerdings noch kein Regierungsprogramm. Mit Blick auf die kommende Bundestagswahl drängt sich derweil immer wieder die Frage auf, wen die Union als Spitzenkandidat ins Rennen um das Kanzleramt schickt.

Denn Friedrich Merz ist zwar CDU-Parteichef, aber bisher nicht offizieller Kanzlerkandidat. Dass „nur“ knapp 90 Prozent der Parteimitglieder für die Wiederwahl von Merz stimmten, wurde dabei als kleiner Dämpfer aufgefasst, der nun die Debatte über seine Eignung als Kanzlerkandidat neu aufbringen könnte. Dies ist zudem nicht der einzige Wermutstropfen, den Merz aktuell verdauen muss: Nach einer neuen Insa-Umfrage zur Frage nach der Union-Kanzlerkandidatur, die im Auftrag der Bild durchgeführt wurde, glauben 29 Prozent der Befragten, dass die Union mit Markus Söder als Kanzlerkandidat die meisten Stimmen holen würde. Merz erreicht nur 17 Prozent und landet damit auf Platz 3 – hinter Hendrik Wüst.

Debatte über K-Frage der Union vor CDU-Parteitag: Söder nennt Zeitplan für Entscheidung

Trotz der aktuellen Trends genießt Friedrich Merz auf dem Parteitag der CDU offenbar Rückenwind, unter anderem die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass sich die Kritiker auffällig zurückhalten. Und auch CSU-Chef Markus Söder, der sich am zweiten Tag mit einer Grußrede an die Mitglieder der Schwesterpartei richten wird, erklärte zur unionsinternen K-Debatte: „Natürlich ist ein CDU-Vorsitzender immer der Favorit.“

Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk sagte der bayerische Ministerpräsident: „Wir werden auf jeden Fall zusammen eine gute Lösung finden. Da darf sich jeder darauf verlassen.“ Söder verwies auf den schon im vergangenen Jahr vereinbarten Zeitplan der Schwesterparteien: „Wir haben jetzt die einzelnen Etappen – die Europawahl, die Landtagswahlen im Herbst […] und danach gibt es eine gemeinsame Entscheidung.“

Söder vor CDU-Parteitag mit defensiven Tönen: Umgang mit K-Frage wirft Fragen auf

Dass Söder bei der Kanzlerfrage vor seiner Rede beim CDU-Parteitag auffällig defensive Töne anschlägt, mag überraschen. Erst vor wenigen Tagen deklassierte er den möglichen Merz-Rivalen Wüst und sah sich selbst neben Merz als einzigen Anwärter auf die Unions-Kanzlerkandidatur. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es einer von uns beiden wird, ist gegeben“, erklärte der CSU-Chef in einem Interview mit der ARD-Sendung Hart aber fair. Auch Söders Reiseaktivitäten der vergangenen Monate hatten zuletzt dazu geführt, dass über einen möglichen Anspruch des Bayern spekuliert wurde.

Söder will derweil bei seiner Rede auf dem CDU-Parteitag für die kommende Europawahl mobilisieren. „Wir müssen für diese größte demokratische Wahl der Welt – außer Indien, das ist noch größer natürlich von den Menschen her – werben, damit dieses Europa am Ende nicht möglicherweise den Radikalen überlassen wird“, sagte Söder voran. (fbu/dpa)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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