„Noch lange nicht vorbei“

Trump-Urteil sorgt für Umfrage-Dämpfer: Wahl-Schlappe für Ex-Präsidenten droht

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Welche Auswirkungen hat das historische Trump-Urteil für die US-Wahl? Zwei Umfragen sehen eine Niederlage für Donald Trump – nicht nur vor Gericht.

New York – Nach dem historischen Urteil im Trump-Prozess könnte die Entscheidung der Geschworenen herbe Folgen für Donald Trump haben – auch für die US-Wahl 2024. Zwei Umfragen zeigen: Durch das Urteil im Schweigegeld-Prozess könnte der nun verurteilte Ex-Präsident gegen Joe Biden Unterstützung verlieren.

Donald Trump spricht nach dem Urteil im Prozess in New York mit der Presse.

Die zwei Umfragen wurden kurz nach der Urteilsverkündung am Donnerstag (30. Mai) durchgeführt und geben Anlass zur Hoffnung – für Joe Biden. Die Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und Ispos scheint dem Ex-Präsidenten schlechte Karten für November einzuräumen. So gaben 10 Prozent der befragten Republikaner an, der Schuldspruch vom Donnerstag mache es „weniger wahrscheinlich“, dass sie Trump wählen würden.

Schlappe nach Urteil im Schweigegeld-Prozess: Wähler wollen „weniger wahrscheinlich“ für Trump stimmen

Laut der Umfrage, die nach dem Urteil im Trump-Prozess erhoben wurde, gaben 35 Prozent der Republikaner dennoch an, sie würden sogar „eher“ für Trump stimmen aufgrund der Verurteilung. Das vermeintliche Plus von 35 Prozent ist allerdings zu vernachlässigen, da diese Wählergruppe den Ex-Präsidenten vermutlich auch ohne Verurteilung sowieso gewählt hätte.

Auch unter den unabhängigen Wählern – solchen, die sich keiner Partei zugehörig fühlen und in keiner Partei Mitglied sind – gaben 25 Prozent an, sie würden „weniger wahrscheinlich“ für Trump stimmen. Dahingegen gaben 18 Prozent an, sie würden „wahrscheinlicher“ für den Verbrecher im November abstimmen.

Umfrage nach Urteil im Trump-Prozess: Trump erfährt „Ansturm an Unterstützung“

Insgesamt wurden für die Umfrage 2556 Wahlberechtigte befragt, mit einer Umfragetoleranz von 2 Prozentpunkten. Die Trump-Kampagne hingegen stellt das Urteil im Schweigegeld-Prozess als Sieg für den Wahlkampf Trumps dar: „Präsident Trump erfährt einen wahren Ansturm an Unterstützung, was zu einem Anstieg der Umfragewerte und rekordverdächtigen Spendenzahlen geführt hat, darunter fast 53 Millionen Dollar in nur 24 Stunden, von denen 30 % neue Spender sind“, wie sich Steven Cheung, Trump-Wahlkampfsprecher, gegenüber Newsweek äußerte.

Trump vor Gericht: Die wichtigsten Personen beim Prozess in New York

Donald Trump ist der Angeklagte in New York.
Donald Trump ist der Angeklagte in New York. Der ehemalige Präsident der USA ist im Prozess um mutmaßliche Schweigegeldzahlungen in 34 Punkten angeklagt. Vorgeworfen wird ihm dabei nicht die Zahlung von Schweigegeld an sich. Vielmehr soll Trump Geschäftsberichte gefälscht haben, um die Zahlungen geheim zu halten. Damit soll der Kandidat der Republikaner für die US-Wahl 2024 sowohl gegen Steuergesetze wie auch gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung verstoßen haben. Trump ist der erste Präsident der USA, der sich in einem Strafprozess wiederfindet.  © Pool/Getty Images/afp
Alvin Bragg ist der Staatsanwalt im Prozess gegen Donald Trump.
Alvin Bragg ist der Staatsanwalt im Prozess gegen Donald Trump. Mit seinem Team an Ermittlern ist es sein Ziel, nachzuweisen, dass Trump mit den Schweigegeld-Zahlungen versucht haben soll, die öffentliche Meinung vor der US-Wahl 2016 zu beeinflussen. Bragg ist Mitglied der Demokraten und seit 2022 Bezirksstaatsanwalt des Bezirks New York. © Angela Weiss/afp
Verteidigt wird Donald Trump in New York von Todd Blanche
Verteidigt wird Donald Trump in New York von Todd Blanche. Der ehemalige Staatsanwalt, der seit April 2023 für den Ex-Präsidenten arbeitet, hat beste Beziehungen in das MAGA-Universum. So verteidigte Blanche bereits Igor Furman, ein Mitarbeiter Rudy Giulianis, und Paul Manafort, Trumps ehemaligen Wahlkampfmanager.  © Mark Peterson/Imago
Unterstützt wird Todd Blanche bei der Verteidigung Donald Trumps von Susan Necheles.
Unterstützt wird Todd Blanche bei der Verteidigung Donald Trumps von Susan Necheles. Sie gilt als sehr erfahrene Strafverteidigerin, auf deren Dienste unter anderem Donald Trumps Firma, die „Trump Organization“, in der Vergangenheit vertraute. Wenn Necheles nicht gerade den Ex-Präsidenten oder seinen Familienkonzern vertritt, verteidigt sie andere zwielichtige Gestalten aus New York - darunter in der Vergangenheit auch Venero Frank Mangano. Der mittlerweile verstorbene Mafiaboss galt Zeit seines Lebens als hochrangiges Mitglied der „Cosa Nostra“ und Chef der berüchtigten „Genovese-Familie“. © Pool/Getty Images/afp
Der Richter im Fall von Donald Trump in New York heißt Juan Merchan.
Der Richter im Fall von Donald Trump in New York heißt Juan Merchan. Geboren wurde er in Kolumbien, aufgewachsen ist er in New York. Dort begann er seine Karriere als Staatsanwalt. Seit 2006 ist er als Richter in der Stadt tätig. Merchan gibt an, kein Mitglied einer politischen Partei in den USA zu sein. Bei der US-Wahl 2020 soll er aber nach Informationen von CNN in drei Fällen kleine Geldbeträge an die Demokraten und ihren damaligen Kandidaten, den heutigen US-Präsidenten Joe Biden, gespendet haben. © Jane Rosenberg/dpa
Der Richter im Fall von Donald Trump in New York heißt Juan Merchan.
Sie brachte den Stein ins Rollen. Stephanie Clifford, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Stormy Daniels. Die Erotikdarstellerin behauptet, im Jahr 2006 eine kurze Affäre mit Donald Trump gehabt zu haben. Kurz vor der US-Wahl 2016 soll Trumps damaliger Anwalt Michael Cohen ihr 130.000 Dollar Schweigegeld gezahlt haben, damit die Affäre nicht ans Licht kommt und Trumps Wahlkampf behindert. Dass Daniels im Prozess gegen Donald Trump aussagen wird, gilt als nahezu sicher. © John Angelillo/Imago
Michael Cohen. Der ehemalige Anwalt Trumps gilt mittlerweile als einer seiner größten Gegner.
Die Eröffnungsplädoyers im Prozess gegen Donald Trump haben bewiesen, dass Michael Cohen der für beiden Seiten wichtigste Zeuge werden wird. Der ehemalige Anwalt Trumps gilt mittlerweile als einer seiner größten Gegner. Das dürfte auch daran liegen, dass Cohen 2018 in Zusammenhang mit Geschäften, die er für Trump abwickelte, wegen Steuerhinterziehung und Falschaussagen vor dem Kongress zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden war. © Spencer Platt/afp
Der erste Zeuge im Prozess gegen Donald Trump war David Pecker, ehemaliger Herausgeber des National Enquirer.
Der erste Zeuge im Prozess gegen Donald Trump war David Pecker, ehemaliger Herausgeber des National Enquirer. Pecker stammt wie Trump aus New York. Die beiden verbindet eine Geschäftsbeziehung, die bis in die 1990er Jahre zurückreicht. Vor Gericht bestätigte Pecker, dass er Trump dabei geholfen habe, Geschichten über Affären, die der Ex-Präsident gehabt habe, zu vertuschen. So soll der Zeitungsmann unter anderem in die Schweigegeldzahlungen an Stormy Daniels als auch an Karen McDougal verweickelt gewesen sein. © Imago
Neben Stormy Daniels behauptet auch Karen McDougal, sie habe Schweigegeld von Donald Trump erhalten.
Denn neben Stormy Daniels behauptet auch Karen McDougal, sie habe Schweigegeld von Donald Trump erhalten, um eine neun Monate dauernde Affäre geheim zu halten. Das ehemalige Playmate und spätere Model behauptet, sich zwischen 2006 und 2007 mehrmals mit dem späteren Präsidenten getroffen zu haben. Damit die Geschichte geheim bleibt, soll McDougal 150.000 Dollar erhalten haben. © Imago
Ein weiterer Zeuge, der im Prozess gegen Donald Trump vor Gericht erwartet wird, ist Allen Weisselberg.
Ein weiterer Zeuge, der im Prozess gegen Donald Trump vor Gericht erwartet wird, ist Allen Weisselberg. Er ist der ehemalige Finanzvorstand der „Trump Organization“ und hat bereits Erfahrungen mit New Yorker Justiz sammeln dürfen: Im Januar 2023 wurde Weisselberg zu einer neunmonatigen Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Laut Michael Cohen soll Weisselberg auch in die Schweigegeldzahlungen an Stormy Daniels verwickelt gewesen sein. © Kena Betancur/afp
Eine weitere hochkarätige Zeugin im Prozess gegen Donald Trump könnte Hope Hicks werden.
Eine weitere hochkarätige Zeugin im Prozess gegen Donald Trump könnte Hope Hicks werden. Das ehemalige Model steht seit 2012 mit der Familie Trump in Verbindung und arbeitete unter anderem für Donalds Tochter Ivanka Trump. Ab 2015 war sie Pressesprecherin der Wahlkampagne des späteren Präsidenten und blieb in verschiedenen Positionen auch nach Trumps Wahlsieg für ihn tätig. Im Prozess in New York dürfte sie nach ihren Kenntnissen über mutmaßliche Schweigegeldzahlungen im Wahlkampf 2016 befragt werden. © Andrew Harnik/dpa
Was sagt eigentlich Melania Trump? Die ehemalige First Lady hält sich bislang aus Prozess gegen ihren Mann heraus.
Was sagt eigentlich Melania Trump? Die ehemalige First Lady hält sich bislang aus Prozess gegen ihren Mann heraus. Weder begleitet die dritte Ehefrau Trumps ihn zum Gericht in New York, noch hat sie sich bislang zu den Vorwürfen geäußert, ihr Ehemann habe sie mit Playmates und Pornostars betrogen, während sie mit dem gemeinsamen Kind schwanger war. Bislang steht nicht fest, ob Melania Trump als Zeugin geladen wird. Sollte das geschehen, könnte Donalds Ehefrau wohl von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen. © Lynne Sladky/dpa
Zum Thema vor Gericht in New York wurde auch Barron Trump, der jüngste Sohn Donalds und das einzige Kind von Melania Trump.
Zum Thema vor Gericht in New York wurde auch Barron Trump, der jüngste Sohn Donalds und das einzige Kind von Melania Trump. Der über zwei Meter große Teenager feierte im März 2024 seinen 18. Geburtstag und wird noch dieses Jahr seinen Highschool-Abschluss feiern - womöglich ohne seinen Vater. Dessen Anwälte stellten für ihren Mandanten einen Antrag, dass er am 17. Mai, dem Tag der Abschlussfeier seines Sohnes, dem Gericht fernbleiben könne. Im Anschluss behauptete Trump, Richter Juan Merchan habe ihm das verboten - eine Falschbehauptung. Merchan hatte lediglich gesagt, er sei noch nicht bereit, eine Entscheidung über diesen Antrag zu fällen. Diese hinge vor allem davon ab, wie der Prozess in den kommenden Wochen verlaufen werde. © Damon Higgins/Imago

Umfrage zeigt: Trump könnte nach New Yorker Prozess kritische Stimmen verlieren

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Umfrage von YouGov. Die Hälfte – 50 Prozent der Befragten – stimmten dem Schuldspruch der Jury zu. Lediglich 30 Prozent sind weiterhin von Trumps Unschuld überzeugt, mit 19 Prozent unentschieden. Bei den unabhängigen Wählern waren 48 Prozent der Meinung, Trump sei schuldig, wohingegen nur 25 Prozent der Unabhängigen angaben, der Ex-Präsident sei zu Unrecht verurteilt worden.

Für die YouGov-Umfrage wurden 3040 US-Bürger nur Stunden nach der Bekanntgabe des Urteils im New Yorker Trump-Prozess befragt. Nach den aktuellen Umfragewerten könnte sich der Prozess als das Zünglein an der Waage, in dem ohnehin sehr knappen Rennen zwischen den beiden Greisen Trump und Biden, entpuppen.

Nach Trump-Urteil ist vor US-Wahl: Donald Trump könnte Mehrheit in Swing States verlieren

Gerade in den hart umkämpften Swing States könnte das Urteil zur Gefahr für den Ex-Präsidenten werden. Dennoch sind die Umfrageergebnisse mit Vorsicht zu genießen und mehr als Abbildung des generellen Stimmungsbilds der USA zu werten, das sich jederzeit ändern könnte. Momentan scheint jedoch Biden an Momentum zu gewinnen.

Trump behält sich vor, im Prozess das letzte Wort zu haben. Bei einer Konferenz im Trump Tower kündigte der 77-Jährige an: „Wir werden nach diesem Betrug in Berufung gehen. … Der Richter war ein Tyrann.“ Somit wird sich das Urteil noch einem langwierigen juristischen Prozess unterwerfen müssen. Am 11. Juli wird der Richter Trumps Strafe verhängen, wie die New York Times berichtet. Höchststrafe wären vier Jahre Gefängnis für den Ex-Präsidenten. „Das ist noch lange nicht vorbei“, äußerte sich Trump kurz nach dem Urteil gegenüber der Presse. (sischr)

Rubriklistenbild: © Michael M. Santiago/AFP

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