VonStefan Schollschließen
Russische Medien schicken Joe Biden nur Hohn und Spott hinterher – und fürchten sich vor einer Präsidentin Harris.
Biden sei wie Breschnew, Trump wie Andropow: Der russische Politexperte Marat Baschirow vergleicht die beiden jüngsten US-Präsidenten sarkastisch mit den letzten Sowjetführern. Und kündigt das Ende der Vereinigten Staaten an: „Die Runde der Geschichte, in der die UdSSR zerfallen ist, endet mit der Spaltung der USA.“
Nach Joe Bidens Verzicht auf die Wiederwahlkampagne reagiert Moskau vor allem mit Spott. „Die Familie hat begriffen, dass aus dem Opa nichts mehr herauszuquetschen ist“, spottet der Kremljournalist Dmitrij Smirnow. Unklar, ob er die Bidens, Obamas oder Clintons meint. Aber laut Smirnow ist es egal, mit wem die Demokraten jetzt ins Rennen gehen. „Der einohrige Trump wird jeden zerkleinern wie Gott eine Schildkröte.“
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Auch Putin-Sprecher Dmitrij Peskow ironisiert: „Die Ereignisse der vergangenen Jahre in Amerika haben uns gelehrt, sich über nichts wundern.“ Aber die US-Wahlen fänden erst im November statt, bis dahin könne sich noch vieles ändern, fügt er sachlicher hinzu. „Unsere Priorität sind die Ziele der KSO (der Kriegsoperation gegen die Ukraine).“
Aber der Mainstream der Propagandamedien und Politologen sympathisiert offen mit Trump und versichert dem vaterländischen Publikum, dass der Nationalpopulist siegen wird, egal was die Demokraten gegen ihn unternehmen. „Gescheitere Amtsenthebungen, Gerichtsverfahren … es half nichts. Da haben sie geschossen, half auch nichts“, kommentiert das Massenblatt „Komsomolskaja Prawda“. Man spekuliert auf ein Ende der US-Militärhilfe für Kiew nach Trumps Wahlsieg.
Und vorher schon auf die geopolitischen Folgen des US-Wahlkampfwirrwarrs. „Der Opa ist fertig“, kommentiert der rechte Ideologe Alexander Dugin. „Schon morgen denkt keiner mehr an die Ukraine.“ Und im US-Wahlkampf könnten die Bewerber mit dem Thema Ukraine nur Minuspunkte sammeln, das müsste man für eine neue Großoffensive nutzen. „Ein einzigartiges Fenster der Möglichkeiten.“
Trumps Sieg könnte für Russland neue Probleme bringen
Aber der Politologe Boris Meschujew verweist auf die Propaganda-Risiken einer forcierten Kriegsführung. Wenn wieder eine Rakete in einem ukrainischen Kinderkrankenhaus einschlage und die US-TV-Sender neue Leiden des ukrainischen Volkes zeigten, wäre das im Wahlkampf ein Minus für Trump und Vance und ein Plus für die Demokraten.
Außerdem könne Trumps Sieg für Russland ganz neue außenpolitische Probleme bringen. „Was, wenn er für eine Wiederannäherung mit Russland von uns Neutralität in seinem Konflikt mit China fordern wird?“
Es gibt auch andere warnende Stimmen. „Jetzt fängt alles von vorn an“, schreibt der Amerikanist Dmitrij Jestafjew im Sozialnetz Vkontakte über den US-Wahlkampf. „Natürlich hat Trump Vorteile. Aber sein Sieg ist schon nicht mehr garantiert.“
Meschujew vermutet, die Demokraten würden Vizepräsidentin Kamala Harris nominieren – nicht nur gegen Trump, sondern auch gegen den betont prorussischen Vance. Noch seien Harris’ außenpolitische Ansichten unbekannt. Aber es bestehe die Gefahr, dass sie Bidens Linie gegenüber Russland noch radikalisiere.
Harris Sponsoren aber könnten sie zu einem weiblichen John F. Kennedy aufbauen. „Eine junge Idealistin, eine Kämpferin, bereit, auch US-Truppen einzusetzen, eine liberale Falkin.“ Für Russland würde Harris Kandidatur ein eher negatives Ereignis darstellen.
