Warnung vor „ärmerem“ Deutschland

Lindner überrascht im Interview: „Habe noch nie mit Herrn Kühnert persönlich gesprochen“

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In der Debatte um die Wirtschaftspolitik erhöht Christian Lindner den Druck auf die Ampel-Partner. Zu SPD-General Kühnert macht er im Interview eine überraschende Aussage.

München – Deutsche Firmen seien nicht mehr konkurrenzfähig – zumindest in der Analyse sind sich die Minister Robert Habeck (Grüne) und Christian Lindner (FDP) einig. Nur: Was tun? Im Interview erhöht der Finanzminister den Druck auf die Koalitionspartner.

Lindner fordert „Wirtschaftswende“

Münchner Merkur: Herr Lindner, BDI-Chef Russwurm nennt die Politik der Ampel-Koalition „toxisch“. Verstehen Sie, was er meint?
Christian Lindner: Nein, er meinte die deutsche Energiepolitik, die auch ich seit Jahren beklage. Allerdings ist sein Zitat veraltet. Denn wir haben gerade den Weg zu einer marktwirtschaftlichen Energiereform beschlossen – Stichwort Strommarktdesign und Kraftwerksstrategie. Dazu kommen die Senkung der Einkommen- und der Stromsteuer. Die Investitionen in Infrastruktur sind auf Rekordniveau. Ich sehe also für den Wirtschaftsstandort Verbesserungen. Aber dennoch sage ich: Das reicht nicht. Die Wettbewerbsbedingungen wurden so lange vernachlässigt, dass wir eine Wirtschaftswende brauchen.
Christian Lindner (FDP), Bundesminister der Finanzen.
Bayerns Unternehmer bezeichnen die deutsche Politik als Haupt-Standortrisiko. Das muss Sie doch furchtbar umtreiben.
Lindner: Ja, fesselnde Bürokratie, Fachkräftemangel, vernachlässigte Infrastruktur und zu hohe Steuern sind Wachstumsbremsen. Diese Defizite sind lange bekannt. Wir haben bereits Fortschritte erzielt, aber die Koalition muss schneller und entschlossener in diese Richtung arbeiten.

Habeck überraschte Lindner – Warnung vor „Höchststeuerland“ Deutschland

Wirtschaftsminister Habeck hält deutsche Unternehmen nicht mehr für konkurrenzfähig, Sie stimmen zu. Das passiert selten.
Lindner: (lacht) Robert Habecks Rede im Bundestag war tatsächlich überraschend. Es ist ein Fakt, dass seit mehr als zehn Jahren der Wohlstand in Deutschland verteilt worden ist, aber zu wenig dafür getan wurde, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Zu viel Bürokratie. Eine nicht konsequent durchdeklinierte Energiepolitik. Vernachlässigung der öffentlichen Infrastruktur und Digitalisierung. Wir sind ein Höchststeuerland. An vielen dieser Punkte arbeiten wir bereits.
Aber...?
Lindner: Ambition und Tempo müssen steigen. Durch die schwache Nachfrage in China, die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs und die gestiegenen Zinsen werden die seit Jahren bekannten Schwächen unübersehbar. Aus der gemeinsamen Lageanalyse muss jetzt eine veränderte Politik folgen.
Was genau fordern Sie?
Lindner: Ein Dynamisierungspaket, das Arbeitsmarkt, Bürokratie, Energie und Steuern umfasst. Zum Beispiel werden die Meseberger Beschlüsse zum Bürokratieabbau den Bürokratiekostenindex auf ein Allzeittief bringen. Das muss rasch ins Gesetzblatt. Aber wir sollten weiter gehen. Wir können das Lieferkettengesetz, das wir von der Vorgängerregierung geerbt haben, entschlacken.

Zoff um FDP-Veto beim Lieferkettengesetz: Lindner hält SPD und Grünen „Taktik“ vor

Was haben Sie denn gegen das Gesetz?
Lindner: Wir brauchen nicht mehr Bürokratie, sondern weniger. Arbeitsminister Heil hat gute Vorschläge gemacht, die Kosten für die Betriebe zu reduzieren.
Sie stemmen sich auch gegen das EU-Lieferkettengesetz. Ihre Bedenken kommen reichlich spät...
Lindner: Nein, das werfen der FDP insbesondere SPD und Grüne taktisch vor. Die Bundesregierung hat aber im November festgelegt, unter welchen Bedingungen sie zustimmt. Diese Bedingungen wurden nicht erfüllt. Die Lieferkettenrichtlinie belastet die Betriebe, ohne dass wirklich Fortschritte für Menschenrechte und Umwelt erreicht werden. Deshalb sind viele EU-Staaten dagegen.
Sie haben auch eine Nullrunde beim Bürgergeld ins Spiel gebracht, die Habeck abschmetterte. Wie wollen Sie mit SPD und Grünen auf einen Nenner kommen?
Lindner: Moment, ich habe prognostiziert, dass es zu einer Nullrunde kommen wird, da die Inflation bei der Berechnung der Höhe dieses Jahr überschätzt wurde. Das wird dann 2025 automatisch korrigiert. Abgesehen davon habe ich die Hoffnung, dass SPD und die Grünen ebenfalls sehen, dass alle ökologischen und sozialen Vorhaben nur dann eine Chance haben, wenn wir auf den wirtschaftlichen Erfolgspfad zurückkehren.

Ampel-Überraschung: Lindner hat „noch nie mit Herrn Kühnert persönlich“ gesprochen

Sie stoßen aber auf wenig Verständnis. SPD-General Kühnert findet es merkwürdig, dass Sie mit Entlastungen ums Eck kommen.
Lindner: Er kann nur überrascht sein, weil wir uns nicht kennen. Ich habe noch nie mit Herrn Kühnert persönlich sprechen können.
Dann muss man erst recht skeptisch sein, dass die Ampel das hinkriegt. Auch die Einigkeit mit Habeck war schnell wieder passé.
Lindner: Die Einigkeit zwischen ihm und mir besteht in der Analyse der Lage. Noch ziehen wir daraus verschiedene Schlüsse. Er wollte viele Milliarden Euro Schulden aufnehmen, um Unternehmen zu subventionieren. Das scheint mir nicht sinnvoll, da der Staat inzwischen hohe Zinsen zahlt und Subventionen nur Symptome übertünchen. Ich schlage dagegen vor, dass wir für alle Betriebe und Branchen die Rahmenbedingungen verbessern. Wirtschaftsförderung ohne Schulden hat einen Namen: Marktwirtschaft.

Wenn wir nichts tun, wird Deutschland ärmer. Das darf niemanden kalt lassen.

Christian Lindner
Gibt es jetzt wieder wochenlangen Streit, dann die Lösung über Nacht?
Lindner: Sie karikieren die Arbeit der FDP in der Koalition. Damit kann ich besser leben als mit dem Vorwurf, wir würde nicht für unsere Überzeugungen eintreten. Ich gehe davon aus, dass wir bis zur Aufstellung des Haushalts 2025 im Sommer alles geklärt haben.

Schuldenbremsen-Lockerung „unvernünftig“: Lindner bleibt hart

Top-Ökonomen fordern eine Lockerung der Schuldenbremse. Würden Sie das erwägen, wenn Ihnen SPD und Grüne andernorts entgegenkämen?
Lindner: Um wirtschaftlich Vernünftiges zu erreichen, soll ich andererseits wirtschaftlich Unvernünftiges machen? Das kann nicht sinnvoll sein. Mein Amtseid erlaubt einen solchen Kuhhandel nicht. Wir zahlen hohe Zinsen für die Schulden der Vergangenheit, fast 40 Milliarden Euro im Jahr. Investitionen und Entlastungen können wir finanzieren, wenn wir an die Ausgabenseite gehen. Mit Mut wäre sogar die Abschaffung des Solidaritätszuschlags möglich, um die Betriebe im globalen Wettbewerb zu entlasten. Wir haben kein Einnahmeproblem, das wir durch Steuererhöhungen oder Schleifen der Schuldenbremse lösen müssten.

Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit

Olaf Scholz spricht zur Energiepolitik.
Olaf Scholz (SPD) ist der neunte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Politisch wird er dem konservativen Flügel der Sozialdemokraten zugerechnet. Lange Zeit galt er als reiner „Scholzomat“ – ein Spitzname, den er sich wegen seiner mechanisch wirkenden Sprechblasen in seiner Zeit als Generalsekretär unter Kanzler Gerhard Schröder verdiente. Kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine kündigte er in einer Sondersitzung des deutschen Bundestages einen Wandel der deutschen Politik an: „Wir erleben eine Zeitenwende.“  © Britta Pedersen/dpa
Robert Habeck auf Deutschlandtour.
Robert Habeck ist Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz im Kabinett Scholz sowie Stellvertreter des Kanzlers. Vom 27. Januar 2018 bis zum 14. Februar 2022 hatte er zusammen mit Annalena Baerbock den Bundesvorsitz der Partei Bündnis 90/Die Grünen inne. Habeck ist auch als Schriftsteller tätig. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Andrea Paluch veröffentlichte er mehrere Romane, u.a. Hauke Haiens Tod (2001). © Soeren Stache/dpa
Jörg Kukies kommt zu Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts im Kanzleramt.
Am 7. November 2024 hat Jörg Kukies das Amt des Finanzminister übernommen. Der Sozialdemokrat Kukies ist derzeit Staatssekretär im Kanzleramt und gilt als einer der wichtigsten Berater von Kanzler Scholz. Er ist sein Mann für Wirtschaft und Finanzen und verhandelt für ihn die Abschlussdokumente der G7- und G20-Gipfel.  © Michael Kappeler/dpa
Christian Lindner im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022.
Christian Lindner ist Bundesminister der Finanzen im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker ist seit dem 7. Dezember 2013 Bundesvorsitzender der Liberalen. Schon 2017 sah es lange so aus, als würde die FDP an der Regierung beteiligt sein. Doch nach vierwöchigen Sondierungsgesprächen zur Bildung einer Jamaika-Koalition erklärte Lindner die Verhandlungen schließlich für gescheitert. Seine Begründung: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren!“ © Emmanuele Contini/Imago
Nancy Faeser (SPD), alte und neue Landesvorsitzende der SPD in Hessen und Bundesinnenministerin, freut sich über ihre Wiederwahl.
Nancy Faeser führt im Kabinett Scholz als erste Frau das Bundesministerium des Innern und für Heimat. Die Juristin ist seit dem 2. November 2019 Vorsitzende der SPD Hessen. Zuvor war sie 16 Jahre lang Abgeordnete des Hessischen Landtags und ab 2019 als Vorsitzende der hessischen SPD-Fraktion auch Oppositionsführerin. Zudem war sie Spitzenkandidatin der SPD bei der Landtagswahl in Hessen 2023. Als Abgeordnete im Landtag erhielt sie zwei Drohbriefe, die mit NSU 2.0 unterschrieben waren. © Andreas Arnold/dpa
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. © Thomas Imo/Imago
Marco Buschmann FDP, Bundesjustizminister, stellt Eckpunktepapier zum Selbstbestimmungsgesetz vor.
Marco Buschmann war bis zum 7. November 2024 Bundesminister der Justiz im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker war von Oktober 2017 bis Dezember 2021 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion. Im Herbst 2020 warnte er während der Corona-Pandemie vor einer Verfassungskrise. Buschmann war auch Mitkoordinator der erfolgreichen Verfassungsklage der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und FDP gegen den Berliner Mietendeckel. Nach dem Rauswurf von Finanzminister Christian Lindner verließ Buschmann die Ampel.  © Jürgen Heinrich/Imago
Volker Wissing, Bundesverkehrsminister FDP, vor der Kabinettssitzung im Berliner Kanzleramt Bundeskanzleramt in Berlin
Volker Wissing wurde nah dem Ampel-Aus für sein Ausscheren aus dem Kurs von FDP-Parteichef Christian Lindner belohnt. Der Bundesminister für Digitales und Verkehr erhielt zusätzlich das Justizressort. Einer der letzten großen Ampel-Fans in der FDP zog nach dem Koalitionsbruch Konsequenzen: In einem beispiellosen Schritt trat er aus der Partei aus und bleibt bis zu den geplanten Neuwahlen als Parteiloser im Amt. Der Jurist war vom 19. September 2020 bis zum 23. April 2022 Generalsekretär der FDP. Wissing gibt als Hobby Weinbau an, vor allem im familieneigenen Weingut.  © Stefan Boness/Imago
Hubertus Heil besucht die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Berlin-Spandau.
Hubertus Heil ist im Kabinett Scholz Bundesminister für Arbeit und Soziales – ein Amt, das der SPD-Politiker bereits seit dem 14. März 2018 innehat. Heil ist seit Dezember 2019 stellvertretender Bundesvorsitzender der Sozialdemokraten. Von November 2005 bis November 2009 und von Juni bis Dezember 2017 war er Generalsekretär seiner Partei. Heil spricht sich für einen Mindestlohn von mindestens 12 Euro aus, eine Erhöhung des Rentenalters auf über 67 Jahre lehnt er ab. © M. Popow/Imago
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen.
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Bis zum 19. Januar 2023 hatte Christine Lambrecht das Amt der Verteidigungsministerin inne. Die SPD-Politikerin stand zumeist unter einem immensen Druck. Kritische Stimmen warfen ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit vor. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Robert Michael/dpa
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft läuft beim Treffen der G7 Agrarminister zum Eingang des Schlosses Hohenheim.
Cem Özdemir ist Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett Scholz. Özdemir ist der erste Bundesminister mit türkischem Migrationshintergrund. Von November 2008 bis Januar 2018 war er Bundesvorsitzender der Grünen. Im Dezember 2021 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ gewählt. Nach dem Ampel-Aus übernahm er auch das Ministerium für Bildung und Forschung.  © Bernd Weißbrod/dpa
Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht beim hybriden Gipfeltreffen „Women7-Summit“.
Elisabeth „Lisa“ Paus ist seit dem 25. April 2022 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Scholz. Sie ist die Nachfolgerin von Anne Spiegel, die zuvor von diesem Posten zurückgetreten war. Paus gehört zum linken Parteiflügel der Grünen. Sie ist seit 2009 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergibt im Schloss Bellevue anlässlich des Amtswechsels im Bundesfamilienministerium die Entlassungsurkunde an Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen), bisherige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Vorgängerin von Lisa Paus war Anne Spiegel, die am 25. April 2022 die Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt. „Es war zu viel“, hatte die Grünen-Politikerin vorher bekennen müssen. Ihr Verhalten als Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 wurde vom Untersuchungsausschuss des Landtags bis ins Detail untersucht. Die Kritik wurde zum Sturm – ihr Amt als Bundesfamilienministerin gab Spiegel deshalb auf. In ihrer Rücktrittserklärung betonte Spiegel, dass sie das Amt nicht länger belasten wolle und entschuldigte sich für begangene Fehler. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister, beantwortet auf einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten zum Infektionsgeschehen und zur Impfentwicklung.
Karl Lauterbach ist Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz. Der SPD-Politiker ist Professor am Universitätsklinikum Köln und dort Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie. Wegen seines Bundestagsmandats ist er derzeit beurlaubt. Während der Pandemie ist er für viele zu einer Reizfigur geworden. Als Minister konnte er sich mit seiner Forderung nach einer allgemeinen Corona-Impfpflicht nicht durchsetzen.  © Wolfgang Kumm/dpa
Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz beim Treffen der G7 Klima-, Energie- und Umweltministerinnen und -minister.
Steffi Lemke hat im Kabinett Scholz den Posten als Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz inne. Die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen absolvierte ein Studium der Agrarwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, das sie 1993 als Diplom-Agraringenieurin abschloss. Von 2002 bis 2013 war sie politische Bundesgeschäftsführerin ihrer Partei. © Chris Emil Janssen/Imago
Bettina Stark-Watzinger im Portrait bei der Bundespressekonferenz zum Thema Veroeffentlichung des nationalen Bildungsberichts Bildung in Deutschland.
Bettina Stark-Watzinger ist Bundesministerin für Bildung und Forschung im Kabinett Scholz. Seit 2017 ist sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag und seit März 2021 Vorsitzende der FDP Hessen. Ihr Studium der Volkswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main schloss sie 1993 als Diplom-Volkswirtin ab. Sie ist Mitglied im Stiftungsrat der Karl-Hermann-Flach-Stiftung. © Imago
Svenja Schulze SPD, Bundesministerin fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, aufgenommen im Rahmen der Konferenz fuer globale Ernaehrungssicherheit im Auswaertigen Amt in Berlin.
Svenja Schulze ist Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland im Kabinett Scholz. Die SPD-Politikerin ist Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), ver.di, im Naturschutzbund Deutschland (NABU) und im Verein Slowfood. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerkes „Frauenzeiten“. © Florian Gaertner/Imago
Klara Geywitz im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022. Kabinettssitzung in Berlin.
Klara Geywitz ist Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Kabinett Scholz. Zudem ist sie Beauftragte der Bundesregierung für den Berlin-Umzug und den Bonn-Ausgleich. Im Dezember 2019 wurde sie zu einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Geywitz gehört seit 2014 dem Vorstand der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit an. © Emmanuele Contini/Imago
Wolfgang Schmidt hisst die Regenbogenfahne am Bundeskanzleramt in Berlin.
Wolfgang Schmidt ist Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes im Kabinett Scholz. In dieser Funktion ist er außerdem Beauftragter der Nachrichtendienste des Bundes. Schmidt, der seit 1989 der SPD angehört, gilt als engster Vertrauter von Olaf Scholz. © Christian Spicker/Imago
Was, wenn Sie trotz aller Anstrengungen nicht auf einen Nenner kommen?
Lindner: Wenn wir nichts tun, wird Deutschland ärmer. Das darf niemanden kalt lassen. Es ist unvorstellbar, dass aus der gemeinsamen Lagebeurteilung von Wirtschafts- und Finanzminister nichts folgt.
Stellt sich nicht irgendwann die Existenzfrage für die Ampel?
Lindner: Auch ich bin ungeduldig in der Sache und unzufrieden mit dem öffentlichen Bild. Aber im Gesetzblatt stimmen die Ergebnisse am Ende, selbst wenn der Weg dorthin außergewöhnlich viel Kraft in dieser Konstellation kostet. So lange das so ist, darf man ein Land nicht ins Chaos stürzen. Ich hoffe, dass wir weiter tragfähige Lösungen finden.

Lindner weist Kritik an Ampel-Chaos zurück: „Haben Scherbenhaufen übernommen“

Das Chaos haben wir doch schon durch den Dauerstreit in der Ampel. Wäre dem Land mit Neuwahlen nicht mehr gedient?
Lindner: Nein, das Wort Chaos weise ich bei aller Selbstkritik zurück. Wir haben Scherbenhaufen in der Asyl- und Energiepolitik übernommen. Das war Chaos, das wir mühevoll beseitigen. Die neue Realpolitik bei der Einwanderung zum Beispiel ist eine echte Zäsur, die Weltoffenheit mit Kontrolle verbindet.

Interview: Mike Schier, Georg Anastasiadis und Marcus Mäckler

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

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