Domino-Effekt durch Tomahawk-Lieferung – folgt jetzt der Taurus für die Ukraine?
Trump und Selenskyj treffen sich diese Woche in Washington. Thema soll auch die Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern an die Ukraine sein.
Washington, D.C. – US-Präsident Donald Trump hat Anfang dieser Woche gedroht, der Ukraine Tomahawk-Marschflugkörper zu liefern, sollte der russische Angriffskrieg nicht beendet werden. Sollte Trump seine Drohung in die Tat umsetzen, käme er damit einer Bitte des ukrainischen Staatschefs Wolodymyr Selenskyj nach. Selenskyj hatte die US-Regierung immer wieder um die weitreichenden Tomahawks gebeten.
Beim Treffen der beiden Staatschefs am Freitag (17. Oktober) dürfte die mögliche Lieferung im Mittelpunkt stehen. Doch warum drängt Selenskyj so auf die Tomahawk? Nach Analysen des in Washington ansässigen Thinktanks „Institute for the Study of War“ befinden sich mindestens 1.900 russische Militärziele in Reichweite der 1.550 Meilen (rund 2.500 Kilometer) umfassenden Tomahawk-Version; mehr als 1.600 Ziele liegen innerhalb der Reichweite der 1.000-Meilen-Variante. Mit diesen Raketen könnte die Ukraine die russische Waffenproduktion also gezielt schwächen.
Grünen-Politiker unterstützt mögliche Tomahawk-Lieferung der USA an die Ukraine
Auch der russische Präsident Wladimir Putin meldete sich zu Wort und warnte vor den Folgen einer möglichen Lieferung. Er erklärte, ein solcher Schritt könne die zuletzt vorsichtig verbesserten Beziehungen zwischen Moskau und Washington ernsthaft beschädigen und eine „neue Phase der Eskalation“ einleiten.
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Anton Hofreiter befürwortet indes eine Lieferung. Er sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Es wäre absolut sinnvoll, wenn Tomahawk an die Ukraine geliefert würden. In Russland gibt es Fabriken, die schon heute 2.000 bis 2.500 Drohnen pro Tag produzieren und deren Kapazität weiter ausgeweitet werden soll. Dagegen können sich perspektivisch weder die Ukraine noch Europa verteidigen.“ Hofreiter fügte hinzu, sollten die USA liefern, wäre Deutschland am Zug, um Taurus-Marschflugkörper bereitzustellen. „Sonst geht das Sterben immer weiter.“
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Bereits im Juni forderte die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann den Bundeskanzler Friedrich Merz im ZDF-„Morgenmagazin“ dazu auf, den deutschen Marschflugkörper an die Ukraine zu liefern. Vor seinem Amtsantritt hatte Merz mehrfach betont, die Ukraine bei einer Regierungsübernahme mit Taurus-Marschflugkörper beliefern zu wollen. Bisher ist daraus jedoch nichts geworden. Die Reichweite dieser Systeme wird auf bis zu 500 Kilometer geschätzt. Merz‘ Vorgänger Olaf Scholz (SPD) hatte die Lieferung der weitreichenden Marschflugkörper an die Ukraine zu seiner Amtszeit kategorisch ausgeschlossen.
Weitreichende Waffen im Ukraine-Krieg – Russland droht mit Ausweitung des Konflikts
Macht Russland nun ernst? Das bleibt schwer einzuschätzen. Seit dem Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022 reagiert Moskau regelmäßig mit Drohungen auf westliche Waffenlieferungen. Präsident Wladimir Putin warnte im Oktober 2024, der Einsatz weitreichender westlicher Systeme auf russischem Territorium könne als direkte Beteiligung dieser Staaten am Krieg gewertet werden. Obwohl das längst passiert ist, kam es bislang zu keiner Ausweitung. Zugleich mahnte der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Martin Jäger, kürzlich: „Wir dürfen uns nicht zurücklehnen in der Annahme, ein möglicher russischer Angriff käme frühestens 2029. Wir stehen schon heute im Feuer.“ (Quellen: Redaktionsnetzwerk Deutschland, Institute for the Study of War, Reuters, ntv, Morgenmagazin) (cf)