Kolumne

Islamisten profitieren von Antisemitismus und Israel-Hass

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Pro-palästinensische Demonstration vor dem Weißen Haus in Washington
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Es ist kaum auszuhalten, wie die Mörder der Hamas plötzlich zu Helden werden, nur weil es gegen Israel geht. Die Kolumne.

Um bei Verstand zu bleiben, versuche ich Dinge zu verstehen, die eigentlich keinen Sinn machen. Im Moment beschäftigt mich das Thema Islamismus in Deutschland.

Noch vor einigen Jahren schien klar, dass Organisationen wie der IS, Hizb-Utahir, Hizbollah, Al Quaida, Taliban, Hamas und andere dschihadistische Gruppen zu den Feinden der Demokratie gehören. Und dass sie Terroristen und die schlimmsten Schlächter in Regionen sind, die sie dem Totalitarismus des fundamentalistischen Islam unterwerfen wollen.

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Sie knechten Frauen und misshandeln Kinder, sie töten Zivilistinnen und Zivilisten, sie hassen Juden abgrundtief. Das ist es, was sie ausmacht. Sie herrschen durch Angst und Schrecken und machen auch keinerlei Hehl aus ihrer Brutalität. Das macht sie paradoxerweise sogar anziehend. Eindeutigkeit und Identität sind für viele attraktiv, denn sie wischen Zweifel fort und auch die Mühe, die Widersprüche menschlicher, lebendiger Existenz auszuhandeln.

Der politische Islam hat eine eigene Agenda. Nicht immer zeigt er sich gewalttätig. Hier in Europa agiert er meist auf der gesellschaftlichen Ebene und versucht auch auf politische Felder Einfluss zu nehmen.

Plötzlich Helden, nur weil es um Israel geht

Wenn Attacken wie in Mannheim geschehen, wo ein mutmaßlicher Islamist mehrere Menschen verletzt und einen Polizisten umgebracht hat, Ist das Thema plötzlich aktuell. Dass Rassistinnen und Rassisten dies nutzen, um Minderheiten generell zu diskreditieren, ist schlimm genug. Dass Antirassistinnen und Antirassisten dies nutzen, um jede Diskussion über den Unterschied zwischen muslimisch und islamistisch abzuwürgen, macht es nicht besser. Auf diese Weise werden wir uns nicht vor den Folgen des Fundamentalismus schützen können. Jedenfalls nicht auf eine Weise, die dem Rechtsstaat angemessen wäre. Und die Betroffene schützt.

Und wie um noch eins draufzusetzen beobachte ich immer mehr, wie Islamismus über das Thema Antisemitismus und Israelhass relativiert wird. Es ist kaum auszuhalten, wie die Mörder und Vergewaltiger der Hamas und ihr Umfeld für viele plötzlich zu Helden werden, nur weil es gegen Israel geht. Wie Menschen, die israelische Geiseln festhalten und quälen, auf einmal zu gänzlich unschuldigen Zivilisten gemacht werden. Wie der Dschihad romantisiert wird.

Im Kampf gegen den Westen, gegen seine demokratischen Freiheiten, die über lange Zeit bitter erkämpft wurden, wird auch hier in Deutschland glorifiziert, was doch überwunden schien. Totalitarismus, Identitätshuberei, religiöser Fanatismus, Unterdrückung und Gewalt.

Wie kann es sein, dass auf „pro-palästinensischen“ Demos unter dem Schutz der liberalen Demokratie Islamistinnen und Islamisten mit Leuten von Hochschulen gemeinsame Sache machen? Glauben sie wirklich, der Westen wäre an absolut allem schuld und niemand sonst, vor allem nicht Islamisten als „von Rassismus Betroffene“, hätten eine eigene Idee, wie die Gesellschaft aussehen sollte, wenn man sie lässt? Doch, das haben sie. Fragt die Afghaninnen.

Wer über Islamismus nachdenkt, kann es auch sein lassen, wenn dabei der eingebaute Antisemitismus ignoriert wird. Islamistinnen und Islamisten, die ein Kalifat ersehnen, verändern gerade die Grenzen des Sagbaren und der Wahrnehmung. Antisemitismus verkleistert den Verstand und vergiftet Debatten. Alle werden davon ein Nachsehen haben. Nicht nur die Jüdinnen und Juden.

Anetta Kahane war Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

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