VonJoachim Willeschließen
Endlich geht es voran mit der Energiewende. Um den Mangel an Fachkräften zu beheben, müssen Staat und Unternehmen gegensteuern. Die Kolumne „Öko-logisch“.
Die Energiewende nimmt Fahrt auf, endlich. Der Zubau von Solaranlagen erreicht neue Rekorde, und auch der der Windkraft erholt sich allmählich. Noch eine gute Nachricht: Die Ampel-Bundesregierung hat sich gerade nach langem Hin und Her auf das „Solarpaket 1“ geeinigt, das weitere Verbesserungen bringt. So können zum Beispiel Mieter:innen künftig leichter Ökostrom vom eigenen Hausdach beziehen, und die sogenannten Agri-Fotovoltaik-Anlagen werden besser gefördert. An einer Ressource aber mangelt es offenbar: An Leuten, die das alles auch in die Realität umsetzen.
Will sagen: Der Fachkräftemangel bedroht die Energiewende. Denn um ein klimaneutrales Deutschland zu erreichen, braucht es nicht Investitionen, Fabriken, Rohstoffe und Flächen. Nötig sind auch Leute, die Solaranlagen aufs Dach schrauben, Stromspeicher installieren, die Windräder planen, aufstellen und warten, die Elektrolyseure, Pipelines und Speicher für Wasserstoff bauen. Bereits 2030 könnten hierzulande bis zu 400.000 Fachkräfte fehlen, um das alles umzusetzen, hat die Unternehmensberatung Boston Consulting Group analysiert. Gefragt sind vor allem Elektrotechnikerinnen, Ingenieure, Informatikerinnen, Physiker und Chemikerinnen.
Und nun? Was tun? Sehendes Auges in den Fachkräfte-GAU hineinzusteuern, wäre fatal. Es braucht ein ganzes Paket an Schritten, um ihn zu verhindern. Mehr junge Leute für die technischen Ausbildungen und die entsprechenden Uni-Fächer zu gewinnen, vor allem auch junge Frauen, gehört dazu. Stichworte: Generell mehr Investitionen in Bildung, mehr neue Studiengänge, die auf die Energie-Transformation zugeschnitten sind, und auch generell ein gutes Image der Energiewende, anders als in den bleinernen Merkel-Jahren. Die Zuwanderung von gut ausgebildeten Fachkräften kann helfen, die Lücke zu schließen, ebenso ein Angebot für Ältere, länger im Job zu bleiben.
Es gibt also einige Stellschrauben, an denen der Staat drehen kann, um die Klimawende nicht an der Man- und Womanpower scheitern zu lassen. Doch es ist natürlich nicht alleine sein Job. Auch die Unternehmen müssen sich etwas einfallen lassen, um attraktiv für die Arbeitskräfte zu sein – von guter Bezahlung über flexible Arbeitszeiten bis zu guten Job-Bedingungen für Eltern mit Kindern. Das volle Programm eben. So gesehen kann der der Fachkräfte-Mangel bei der Energiewende auch etwas Gutes haben.
