Reaktion auf Ukraine-Deal

Die gefährlichen Folgen von Trumps 28-Punkte-Plan: „Weltsystem nach 1945 ist am Ende“

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Für diesen „Friedensplan“, wie die Trump-Regierung ihn ausgearbeitet hat, wird Trump keinen Friedensnobelpreis bekommen, meint Ukraine-Experte Andreas Umland.

Frankfurt – Die US-Regierung unter Donald Trump hat mit Russland einen 28-Punkte-Plan ausgehandelt. Dabei ist der „Friedensplan“ in seiner aktuellen Form nicht mehr als „eine Auflistung der russischen Forderungen“, meint Politikwissenschaftler und Ukraine-Experte Andreas Umland im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.

Russische Matroschka-Puppen mit Bildern des US-Präsidenten Donald Trumps und Moskaus Machthaber Wladimir Putin.
Herr Umland, wie bewerten Sie den Friedensplan der Trump-Regierung ganz allgemein?
Das ist im Grunde eine Wiederholung der früheren Versuche Moskaus, die USA zu instrumentalisieren zur Durchsetzung von Russlands Kriegsagenda mit friedlichen Mitteln. Der Plan ist im Wesentlichen eine Auflistung der russischen Forderung – wenig mehr. Da ist wenig für die Ukraine dabei. Insofern ist der Plan absurd, weil es nur darum geht, die Kriegsziele der Russischen Föderation zu verwirklichen.

Überraschende Geheimverhandlungen: Hat Putin „kompromittierendes Material über Trump“?

Kommt der Plan überraschend? Zuvor hatte Donald Trump noch Gespräche mit Wladimir Putin in Budapest abgesagt - und nun anscheinend doch über Witkow und Dmitrijew mit Russland verhandelt?
Ja, das war eine Überraschung, und es stellt sich die Frage, was dahintersteht. Stehen verschiedene Leute oder verschiedene Lager im Weißen Haus dahinter, die verschiedene Außenpolitiken betreiben? Oder ist es den Stimmungsschwankungen Trumps geschuldet. Oder aber – das ist auch schon lange ein Verdacht – es ist Ausdruck dessen, dass Putin kompromittierendes Material über Trump hat, welches er einsetzt, um auf die amerikanische Administration in den Verhandlungen Druck auszuüben. Irgendetwas muss es sein, weil die Widersprüche in den Ansätzen, der Rhetorik und auch in der praktischen Politik offensichtlich sind.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago
Mittlerweile liegt die ganze Liste des 28-Punkte-Plans vor. Sind da überhaupt irgendwelche Punkte dabei, die für die Ukraine akzeptabel wären?
Da gibt es einige komische Momente, wie zum Beispiel, dass die Ukraine EU-Mitglied werden soll, womit weder die USA noch Russland etwas zu tun haben. Es gibt Formulierungen, die aussehen, als wären sie zu Gunsten der Ukraine, die aber wenig mit dem Krieg zu tun haben. Diese Punkte sollen wahrscheinlich nur verschleiern, dass der Plan im Wesentlichen eine permanente Untergrabung der territorialen Integrität und nationalen Souveränität der Ukraine bedeutet.

Zur Person

Dr. Andreas Umland ist ein deutscher Politikwissenschaftler, Publizist und Osteuropa-Experte. Umland ist Herausgeber der renommierten Buchreihe „Soviet and Post-Soviet Politics and Society“ des ibidem-Verlags. Seit 2020 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Stockholmer Zentrums für Osteuropastudien und lehrte als Professor an der Nationalen Universität Kiew-Mohyla-Akademie in Kiew. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich des russischen Nationalismus, der postsowjetischen Politik und des Rechtsextremismus in Osteuropa.

Das Gefährliche daran ist, dass sowohl Russland als auch die USA ständige UNO-Sicherheitsratsmitglieder und offizielle Kernwaffenstaaten innerhalb des Nuklearen Nichtverbreitungsvertrages (NVV) sind. China ist praktisch ebenfalls auf Russlands Seite. Jetzt sind drei von fünf Kernwaffenstaaten und drei von fünf ständigen Sicherheitsratsmitgliedern damit beschäftigt, ein UNO-Mitglied und ein offizielles Nichtkernwaffenland unter dem Nichtverbreitungsregime von einem Nationalstaat in ein undefiniertes Territorium zu verwandeln.

Trumps „Friedensplan“: Russland will Kriegsziele auf diplomatischen Weg durchsetzen

Diese Gespräche waren ausschließlich zwischen den USA und Russland. Das mutet fast wie ein Diktatfrieden an. Würden Sie da mitgehen?
Ja, es geht, wie gesagt, um die Kriegsziele Russlands, die mit diplomatischen Mitteln durchgesetzt werden sollen. Die Situation erinnert an eine alte Aussage des preußischen Militärhistorikers Carl von Clausewitz Anfang des 19. Jahrhunderts. Von Clausewitz schrieb damals in einer Analyse der napoleonischen Kriege, der Eroberer wolle gar keinen Krieg, er wolle einfach nur friedlich einmarschieren – ohne Widerstand. Das scheint auch hier der Fall zu sein: Russland will gar keinen Krieg. Es will das Ende der nationalen Souveränität und territorialen Integrität der Ukraine. Russland versucht das jetzt wieder mit diplomatischen und anderen nichtmilitärischen Mitteln zu erreichen.
Europa und Deutschland sind außen vor bei diesen Verhandlungen. Ist es ein Versagen Europas, dass man da überhaupt nicht beteiligt ist?
Ja, das ist in gewisser Hinsicht Folge der militärischen, politischen und diplomatischen Impotenz und Inkompetenz der Europäer, die sich zu langsam, zu passiv und zu reaktiv verhalten. Sie sind Teil der Diskussion, wollen oder können aber keine wirkliche Initiative ergreifen. Eigentlich müssten seit diesem Jahr die USA nur noch außen vor sein bei den Ukraine-Verhandlungen.
Schließlich engagieren sich sie sich nicht mehr in signifikanter Weise bei der Unterstützung der Ukraine. Was die Ukraine jetzt noch aus den USA bekommt und wichtig ist, sind Geheimdienstdaten und Satellitenbilder. Aber es gibt keine materielle Hilfe mehr. Heutige amerikanische Waffenlieferungen werden von den europäischen Ländern für die Ukraine bezahlt. Insofern ist unklar, warum die USA noch so eine große Rolle spielen, obwohl sie kaum noch engagiert sind.

Trump geht es mit seinem Friedensplan für die Ukraine auch um den Friedensnobelpreis

Geht es Trump bei seinen Friedensbemühungen primär darum, als derjenige in die Geschichte einzugehen, der Frieden gebracht hat?
Ja, das steht sicherlich dahinter. Er möchte den verbliebenen Einfluss der USA dazu nutzen, um irgendeinen Friedensschluss zu erreichen, weil er Ambitionen hat, den Friedensnobelpreis zu bekommen. Allerdings geht es im Grunde gar nicht so sehr um Krieg und Frieden. Es geht viel mehr darum, ob ein UNO-Mitglied sein Territorium und seine Souveränität behalten kann. Jetzt möchte er Frieden schaffen, indem er Russland im Wesentlichen das gibt, was es will. Das soll nach Trumps Vorstellung durch das norwegische Nobelpreiskomitee belohnt werden, was allerdings nicht passieren wird.
Auch wenn das jetzt so alles vonstattengehen würde, wie es in dem sogenannten Friedensplan dargelegt ist, glaube ich nicht, dass er dafür einen Friedenspreis bekommt. Denn das wäre eine Belohnung Russlands für einen Eroberungskrieg und der nuklearen Erpressung, die der Kreml praktiziert. Dafür wird es keinen Friedensnobelpreis geben.
Stichwort Sanktionen: Was müsste sich ändern, dass Putin von seinen Maximalforderungen abweicht, auch mit Blick an die Front?
Die Ukraine bräuchte mehr Möglichkeiten, Langstreckenschläge gegen Russland auszuüben. Dann würde die Ukraine in der Lage sein, sowohl militärische als auch kriegswichtige Industrieanlagen in Russland zu zerstören. Dann würde sich Moskaus Kalkulus ändern. Der zweite Faktor sind Sanktionen. Wenn Russland unter ökonomischem Druck gerät, würde es seine Position ändern.

USA, Russland und China gegen die Ukraine: Wieso das Weltsystem nach 1945 zu Ende ist

Was beunruhigt Sie besonders an dem Friedensplan der Trump-Regierung?
Das Beunruhigende daran ist, dass sich nunmehr drei der fünf ständigen UNO-Sicherheitsratsmitglieder und offiziellen NVV-Kernwaffenstaaten – also Russland, China und die USA – an der Zerstörung eines regulären UN-Mitglieds beteiligen. Zudem hatte die Ukraine früher Kernwaffen, die sie im Austausch gegen Sicherheitszusagen und Sicherheitsgarantien dieser fünf Staaten abgegeben hat. Das bedeutet im Grunde, dass das UN-System und Nichtverbreitungsregime am Ende sind. Der Sinn der Vereinten Nationen und des Nichtverbreitungsregimes für Nuklearwaffen wird mit dem russisch-chinesisch-amerikanischen Druck auf die Ukraine auf den Kopf gestellt.
Die Ukraine wird dafür bestraft, dass sie auf die Vereinten Nationen, Logik des Nichtverbreitungsregimes und Sicherheitszusagen von 1994 im Budapester Memorandum und weiteren Dokumenten vertraut hat. (Damals hat auch Peking eine Regierungserklärung abgegeben, was weniger bekannt ist. Auch China hat 1994 und später in einem Freundschaftsvertrag mit der Ukraine die Grenzen und Souveränität der Ukraine ausdrücklich anerkannt.) Doch die praktische Politik läuft dem nun zuwider. Das Weltsystem, wie es nach 1945 entstanden ist, ist somit zu Ende.

Interview: Simon Schröder

Rubriklistenbild: © IMAGO/Belkin Alexey/Russian Look

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