VonSebastian Richterschließen
Die Armee Israels bereitet sich auf Kämpfe in dicht besiedelten Gebieten in einer eigens errichteten Stadt vor – auch für die Offensive im Gazastreifen.
Tel Aviv – Seit dem Überfall der Terrorgruppe Hamas auf Israel schwebt eine großangelegte Bodenoffensive der israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) im Raum. Schon seit Jahren bereitet sich Israel auf einen derartigen Angriff vor, der besondere Probleme für die IDF mit sich tragen könnte. Um sich besser auf die Operation vorzubereiten, wurde eine eigens dafür nachgebildete Stadt errichtet, in der IDF-Soldatinnen und Soldaten für den Ernstfall trainieren.
Das Schlachtfeld für Übungszwecke trägt den Spitznamen Baladia, übersetzt aus dem Arabischen bedeutet der Name schlicht „Stadt“. Offiziell wird das Trainingsgelände Tze‘elim genannt. Es liegt in der Negev Wüste und hat eine Fläche von rund 18 Quadratkilometern.
Tze‘elim, die „Stadt“: Hier bereitet sich Israel auf die Straßenkämpfe im Gazastreifen vor
Dort wird nicht nur der potenzielle Bodenangriff der IDF auf den Gazastreifen vorbereitet. Auch Truppen der US-Armee und Friedenstruppen der Vereinten Nationen proben in Baladia den Einsatz in urbaner Kriegsführung und dem Guerillakrieg. Laut der italienischen Zeitung La Reppublica wurde das Gelände 2005 kurz nach dem Rückzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen errichtet. Die USA unterstützten den Bau, der umgerechnet rund 40 Millionen Euro gekostet hat.
Rund 600 Bauwerke zählt das Gelände, dazu gehören Straßen, Ladenfronten, Schulen, Häuser, Wohnblöcke und Moscheen. Während einige der Häuser bloß über Pappfassaden verfügen, haben die Ingenieure aus Israel einige Häuser vollständig nachgebaut. Die Armee legt dabei Wert auf Authentizität. So finden sich anti-israelische Slogans an den Wänden, wie La Reppublica weiter berichtet. Laut dem US-Magazin Newsweek ist ab und an sogar ein Muezzin zu hören, der traditionell im Islam zum Gebet aufruft. Nach dem Angriff der Hamas auf Israel haben sich in Baladia so viele Soldaten eingefunden, wie noch nie, um den Ernstfall einer Bodenoffensive zu simulieren, heißt es weiter. (spr)
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