Ukraine-Krieg

„US-Soldaten würden es nicht einmal versuchen“: Ex-US-General mit ernüchternder Bilanz zu Gegenoffensive

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Ein ehemaliger US-Generalleutnant zieht ernüchternde Bilanz für den Ukraine-Krieg. Der Westen müsse dringend benötigtes Kriegsgerät an die Ukraine liefern, fordert der Experte.

Kiew/London – Trotz verschiedener Schwierigkeiten setzt die ukrainische Armee ihre Gegenoffensive fort. Ein Bericht der britischen Denkfabrik, dem Royal United Kingdom Institute for Defence and Security Studies, sagt, dass die westlichen Staats- und Regierungschefs im Vorfeld der Gegenoffensive zu lange gezögert hätten, wichtige Waffen zu schicken. „Wäre die Entscheidung, die ukrainischen Streitkräfte auszurüsten und auszubilden, zum Zeitpunkt der Bedarfsermittlung im Herbst getroffen und umgesetzt worden, wäre es für die Ukraine wesentlich einfacher gewesen, ihr Territorium zurückzuerobern“, so die britischen Experten.

Ukraine hat keine überlegene Artillerie und Luftüberlegenheit

Amerikanische Militärexperten ziehen eine ernüchternde Bilanz im Ukraine-Krieg. „Die ukrainische Gegenoffensive steht vor der schwierigsten taktischen Herausforderung, die man sich vorstellen kann“, sagt der im Ruhestand befindliche Generalleutnant der US-Armee, Douglas Lute, in einem Interview mit dem georgischen Dienst von Voice of America.

Die ukrainischen Soldaten müssten sich aufeinanderfolgende Streifen von Minenfeldern, Hindernisse wie Gräben und Panzerfallen sowie russischen Kampfhubschraubern hindurchkämpfen. „Eine amerikanische Einheit wäre nur dann in der Lage, diese Aufgabe zu bewältigen, wenn sie über eine überlegene Artillerie verfügt, was bei den Ukrainern nicht der Fall ist“. Auch hätten die Ukrainer keine Luftüberlegenheit, die bei einem solchen Unterfangen wichtig wäre. US-Soldaten würden es nicht einmal versuchen.

Fortschritt im Ukraine-Krieg nur langsam und mit Verlusten

„Wir müssen also realistische Erwartungen haben, realistisch in dem Sinne, dass dieser Fortschritt langsam sein wird, aber auch realistisch in dem Sinne, dass es auf ukrainischer Seite Verluste geben wird, weil sie nicht über alle notwendigen Fähigkeiten verfügen“, so Lute. Die Ukraine habe westliche Waffen nur bei der Verteidigung ihres Territoriums verwendet und nicht für Angriffe auf russisches Territorium. „Es gibt keine militärische Logik, der Ukraine die Fähigkeiten vorzuenthalten, die sie braucht, um sich zu wehren“, so der frühere Generalleutnant, der auch einen Angriff auf die russische Schwarmeerflotte fordert, die auf der Krim stationiert sei.

Die Ukraine braucht laut Experten dringen moderne Präzisions-Waffensysteme wie das ATACMS aus den USA.

„Diese Flotte rüstet auf, fährt ins Schwarze Meer und schießt Marschflugkörper auf ukrainische zivile Ziele ab. Dies kann nicht zugelassen werden, es ist ein Verstoß gegen das Völkerrecht. Und doch haben wir der Ukraine bisher die Möglichkeit verweigert, einen Schlag zu führen, der Russland am Beschuss (vom Schwarzen Meer aus) hindern würde“. Die Ukraine habe nicht die nötigen Mittel, den Krieg gegen Russland zu gewinnen.

Die Ukraine brauche deswegen dringend das benötigte Militärgerät. Neben gepanzerten Fahrzeugen, Artilleriesystemen sowie Munition auch Präzisionsschlagsysteme mit größerer Reichweite, wie das US-amerikanische ATACMS. Zudem brauche das Land auch Kampfflugzeuge vom Typ F-16.

Ukraine-Krieg: Spielt Putin auf Zeit?

Der Militärexperte geht in dem Interview davon aus, dass Wladimir Putin auf Zeit spielt. Er hoffe, dass der Westen sich von den politischen Ereignissen im Westen, wie etwa den US-Präsidentschaftswahlkampf im nächsten Jahr ablenken lässt. Allerdings habe der Nato-Gipfel in Vilnius gezeigt, dass der Westen die militärische Unterstützung für die Ukraine verdoppeln möchte, „damit der Krieg nicht zu einem eingefrorenen Konflikt, sondern zur Niederlage Russlands führt“.

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