Interview

„Moralische Autorität“: Papst-Kenner verrät die politische Macht des Franziskus-Nachfolgers

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Nach der Beerdigung von Papst Franziskus sucht die Kirche einen Nachfolger. Doch wie politisch ist das Amt? Und wie groß die Gefahr der Einflussnahme? Ein Interview.

Vatikanstadt – Papst Franziskus galt im Vatikan als Reformer. Nach seinem Tod am Ostermontag überhäuften Politikerinnen und Politiker aus aller Welt den Pontifex mit Lob und betonten dessen Einsatz für die Ärmsten der Gesellschaft. Doch Franziskus setzte sich nicht nur für Arme und Geflüchtete ein. Auch bei großen internationalen Konflikten meldete sich das Oberhaupt der katholischen Kirche stets zu Wort. „Krieg ist immer eine Niederlage. Ich fordere noch einmal, den Irrsinn der Gewalt zu beenden und sich für einen gerechten und dauerhaften Frieden einzusetzen“, schrieb Franziskus beispielsweise auf X.

Nach Beerdigung von Papst Franziskus: Suche nach Nachfolger hat bereits begonnen

Jetzt ist Papst Franziskus mit 88 Jahren gestorben. Am Samstag (26. April) soll in Rom die Beerdigung stattfinden – mit einer langen Reihe von Staatslenkern als Gäste. Die Suche nach einem Nachfolger für das verstorbene Kirchenoberhaupt beginnt. Eine Reihe potenzieller Päpste stehen schon bereit – und ihre politischen Ansichten unterscheiden sich drastisch. Doch wie groß ist der Einfluss des Papstes auf die Politik außerhalb des Vatikans wirklich? Im Interview mit fr.de von IPPEN.MEDIA erklärte Prof. Thomas Söding, Theologe an der Ruhr-Universität Bochum und Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), welche politische Wirkkraft der Papst tatsächlich hat.

Die politische Macht des Papstes – Experte erklärt „moralische Autorität“ des Pontifex

Der Papst ist zwar auch das Staatsoberhaupt des Vatikans, besitzt aber keine eigene „politische oder ökonomische Macht“, erklärt Söding. Jedoch werde ihm eine „moralische Autorität“ zugeschrieben. Die katholische Kirche agiere dabei meist „in Analogie zu einer humanitären Organisation“. Das bedeute, dass der Papst sich beispielsweise im Ukraine-Krieg nicht auf eine Seite zu stellen versuche – um die Gespräche mit beiden Seiten weiterführen zu können.

„Das ist sehr schwer und es ist auch nicht immer gelungen“, gibt Söding zu. Als Beispiel nennt er den Vorschlag von Franziskus an die Ukraine im Frühjahr 2024, im Abwehrkampf gegen Russland eine „weiße Fahne“ zu hissen. Das hatte international für Empörung gesorgt. In der Ukraine wurden die Worte des Papstes als eine Aufforderung zur Kapitulation verstanden. Für Söding zeuge dies allerdings von der katholischen Grundidee, Kriege nicht zu entfachen, sondern davon, diese zu beenden.

Papst-Beerdigung in Rom: Trump trägt blau, Selenskyj im Anzug

Mit schwarzem Kopftuch: Melania Trump mit ihrem Mann, US-Präsident Donald Trump, bei der Trauerfeier zum Begräbnis von Papst Franziskus im Vatikan. Die First Lady der USA feierte an dem Tag auch ihren 55. Geburtstag.
Mit schwarzem Kopftuch: Melania Trump mit ihrem Mann, US-Präsident Donald Trump, bei der Trauerfeier zum Begräbnis von Papst Franziskus im Vatikan. Die First Lady der USA feierte an dem Tag auch ihren 55. Geburtstag.  © IMAGO/Markus Ulmer
Die italienische Regierungschefin Georgia Meloni mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Samstag beim Papst-Begräbnis in Rom.
Die italienische Regierungschefin Georgia Meloni mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Samstag beim Papst-Begräbnis in Rom. © Handout / UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE / AFP
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit Ehefrau Brigitte Macron bei der Trauerfeier für Papst Franziskus in Rom.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit Ehefrau Brigitte Macron bei der Trauerfeier für Papst Franziskus in Rom. © IMAGO/Anna Maria Tinghino
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und die ukrainische First Lady Olena Selenska bei der Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und die ukrainische First Lady Olena Selenska bei der Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz. © Michael Kappeler/dpa
Der ungarische Staatschef Viktor Orban mit Ehefrau Aniko Levai bei der Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.
Der ungarische Staatschef Viktor Orban mit Ehefrau Aniko Levai bei der Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.  © IMAGO/Anna Maria Tinghino
Donald Trump (l.) neben seiner Frau Melania sowie König Felipe VI. (2.v.r.) und Königin Letizia (r.) auf der Trauerfeier für Papst Franziskus in Rom. Auffällig war, dass Trump fast der einzige war, der anstatt eines schwarzen einen dunkelblauen Anzug trug.
Donald Trump (l.) neben seiner Frau Melania sowie König Felipe VI. (2.v.r.) und Königin Letizia (r.) auf der Trauerfeier für Papst Franziskus in Rom. Auffällig war, dass Trump fast der einzige war, der anstatt eines schwarzen einen dunkelblauen Anzug trug.  © IMAGO/Markus Ulmer
Der britische Premier Keir Starmer mit Ehefrau Victoria Starmer bei der Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.
Der britische Premier Keir Starmer mit Ehefrau Victoria Starmer bei der Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.  © IMAGO/Anna Maria Tinghino
Der ehemalige US-Präsident Joe Biden mit Ehefrau Jill Biden bei der Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.
Der ehemalige US-Präsident Joe Biden mit Ehefrau Jill Biden bei der Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.  © IMAGO/Anna Maria Tinghino
Karina Milei mit ihrem Bruder Javier Milei, Staatschef von Argentinien, bei der Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.
Karina Milei mit ihrem Bruder Javier Milei, Staatschef von Argentinien, bei der Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.  © IMAGO/Anna Maria Tinghino
Prinz William von Wales (Mitte) und Bundeskanzler Olaf Scholz (r.) bei der Trauerfeier für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz in Rom.
Prinz William von Wales (Mitte) und Bundeskanzler Olaf Scholz (r.) bei der Trauerfeier für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz in Rom. © IMAGO/Markus Ulmer
US-Präsident Donald Trump (r.) und der finnische Präsident Alexander Stubb unterhalten sich bei der Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.
US-Präsident Donald Trump (r.) und der finnische Präsident Alexander Stubb unterhalten sich bei der Trauermesse für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz.  © Michael Kappeler/dpa
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (l.) kommt an auf dem Petersplatz. Auch sie wohnt dem Trauergottesdienst für Papst Franziskus in Rom bei.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (l.) kommt an auf dem Petersplatz. Auch sie wohnt dem Trauergottesdienst für Papst Franziskus in Rom bei.  © Filippo Monteforte/AFP
Aus Deutschland zu Gast bei der Papst-Beerdigung (v.l.): Anke Rehlinger (SPD), Ministerpräsidentin des Saarlands, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), sowie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (2.v.r.) und Ehefrau Elke Büdenbender.
Aus Deutschland zu Gast bei der Papst-Beerdigung (v.l.): Anke Rehlinger (SPD), Ministerpräsidentin des Saarlands, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), sowie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (2.v.r.) und Ehefrau Elke Büdenbender.  © Michael Kappeler/dpa
Papst Franziskus hält den Hirtenstab, als er nach einer Messe im Petersdom im Vatikan anlässlich des Dreikönigstages. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche starb nach Angaben des Vatikans am Ostermontag im Alter von 88 Jahren.
Papst Franziskus ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche starb nach Angaben des Vatikans am Ostermontag. Während seiner Amtszeit hatte er so manchen namhaften Politiker zu Gast. Wer alles seine Trauer bekundete, und wer sein Kommen zum Begräbnis bestätigte, zeigen die folgenden Fotos.  © Andrew Medichini/picture alliance/dpa/AP
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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat seine Teilnahme an der Beisetzung des Papstes angekündigt. Entschlossen erklärte er: „Wir werden bei der Beerdigung des Papstes sein, wie es sich gehört.“ © LUDOVIC MARIN/AFP
Bundeskanzler Scholz zu Besuch beim Papst in Rom
Noch-Bundeskanzler Olaf Scholz wird gemeinsam mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Rom reisen. Der konfessionslose Politiker traf im März 2024 auf den Pontifex, und überreichte ihm damals den offiziellen Ball der Heim-EM, sowie eine Porzellanfigur. Scholz erhielt von Franziskus eine Bronzeskulptur mit dem Titel „Soziale Liebe“.  © --/Vatican Media/dpa
Friedrich Merz
Ebenfalls nicht an der Beisetzung teilnehmen, wird der kommende Bundeskanzler Friedrich Merz. In Bezug auf den Papst schreibt er „Franziskus wird in Erinnerung bleiben für seinen unermüdlichen Einsatz für die Schwächsten der Gesellschaft, für Gerechtigkeit und Versöhnung“, so Merz. © Boris Roessler/dpa
Vor der Präsidentenwahl in Argentinien
Javier Milei, der Präsident von Franziskus‘ Heimatland Argentinien, reist zum Gottesdienst. Zuvor lagen Papst und Präsident im Streit. Vor seinem Amtsantritt bezeichnete Milei, Franziskus als „Vertreter des Bösen auf Erden“. Die Nachricht über den Tod des Pontifex ließ auch Milei versöhnliche Töne anschlagen. Er zeigte sich betrübt über den Verlust und lobte die Güte und Weisheit von Franziskus. © Natacha Pisarenko/AP/dpa
US-Präsident Barack Obama, links, trifft sich mit Papst Franziskus am 27. März 2014 im Vatikan. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche starb laut Vatikan am Ostermontag im Alter von 88 Jahren.
US-Präsident Barack Obama traf Papst Franziskus bereits 2014 im Vatikan. Gemeinsam mit Frau Michelle würdigte er Franziskus als „unscheinbaren Anführer, der uns dazu brachte, bessere Menschen sein zu wollen.“  © Pablo Martinez Monsivais/ picture alliance/dpa/AP
Massud Peseschkian, Präsident des Iran
Auch Massud Peseschkian, Präsident des Iran, hat seine Kondolenzbotschaft übermittelt: „Papst Franziskus hat sein Leben der Förderung der Lehren Christi von Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit und interreligiösem Dialog gewidmet.“  © Atta Kenare/AFP
US-Vizepräsident Vance beim Papst im Vatikan
US-Vizepräsident Vance traf sich noch am Ostersonntag mit Papst Franziskus. Er schreibt nun: „Mein Mitgefühl gilt den Millionen von Christen in der ganzen Welt, die ihn geliebt haben. Ich […] werde mich immer an die Predigt erinnern, die er in den ersten Tagen von Covid gehalten hat. Sie war wirklich sehr schön.“ Ob Trumps Vize zur Beisetzung erscheint, steht noch aus.  © Vatican Media/Vatican Media/AP/dpa
Bayern, München: Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident (CSU), hängt ein Kreuz im Eingangsbereich der bayerischen Staatskanzlei auf. (zu dpa „Das war 2018 - ein bayerischer Rückblick“ vom 28.12.2018) Foto: Peter Kneffel/dpa
Auch der bayrische Ministerpräsident Markus Söder, bekundete seine Trauer für Papst Franziskus. „Ein großer Mahner für Frieden und Versöhnung ist von uns gegangen. Ausgerechnet an Ostern – einer ganz besonderen Zeit im Zeichen des Abschieds, der Trauer und der Auferstehung“ so schreibt der gläubige Protestant auf X. (Archivbild)  © Peter Kneffel/ picture alliance/ dpa
Papst empfängt König Charles und Königin Camilla im Vatikan
Im April empfing der Papst König Charles und Königin Camilla. In einem offenen Brief würdigten sie schweren Herzens seinen unermüdlichen Einsatz für die Menschen und sein Mitgefühl. Der König erklärte, sie seien zwar „tief betrübt“, doch ihre Trauer sei „etwas gelindert“ worden. Der Papst konnte am Sonntag, bevor er im Alter von 88 Jahren starb, noch einen Ostergruß an die Welt richten. © -/Vatican Media/dpa
Papst Franziskus
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den Papst als einen „Mann des Friedens“. Er kündigte sein Kommen zur Beisetzung im Vatikan an. Dort wird er voraussichtlich unter anderem mit Olaf Scholz und Ursula von der Leyen teilnehmen. Steinmeier schloss seinen Brief, mit den Worten: „Wir alle können dankbar sein für Franziskus und sein segensreiches Wirken“. © Evandro Inetti/ZUMA Wire/dpa
Der russische Präsident Wladimir Putin und Papst Franziskus am 25. November 2013.
Bereits am 25. November 2013 trafen der russische Präsident Wladimir Putin und Papst Franziskus aufeinander. Nach Informationen des Spiegels werde Wladimir Putin nicht an der Beisetzung von Papst Franziskus teilnehmen – so Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Zur Beisetzung werden unter anderem Wolodymyr Selenskyj, Donald Trump und Ursula von der Leyen erwartet. © imago stock&people/xim.gs international
Julia Klöckner
Auch die frisch gewählte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner versetzte der Tod des Pontifex in tiefe Trauer: „Papst Franziskus verstand es in einzigartiger Weise, Brücken zu bauen – zwischen Religionen, Kulturen und verfeindeten Parteien“, so die Katholikin von der CDU. © Kay Nietfeld/dpa
Papst Franziskus und Andrzej Duda in der Wawel Kathedrale in Krakau KRAKOW Papst Franziskus PREZYDEN 2016
Auch Polens rechtsnationaler Präsident, Andrzej Duda, kündigte sich bereits für die Bestattung am Samstag an. Er erklärte den Tag der Beisetzung außerdem zu einem Tag der nationalen Trauer Polens. Papst Franziskus und Andrzej Duda trafen sich 2016 in der Krakauer Wawel Kathedrale.  ©  IMAGO / newspix
Britischer Premierminister Keir Starmer
Der britische Premierminister Keir Starmer bekundete auf X seine Trauer. Er lobte dessen „unermüdlichen Einsatz für eine gerechtere Welt welcher ein bleibendes Vermächtnis hinterlassen wird.“ Weiter sprach der Premierminister sein aufrichtiges Beileid aus. Starmer kündigte sein Kommen für die Beisetzung am Samstag bereits an.  © Alastair Grant/AP POOL/AP/dpa
Chinas Außenamtssprecher Guo Jiakun
Einen Tag brauchte Peking, um auf den Tod des Papstes zu reagieren. Nach Informationen der Agentur KNA, sehe die kommunistische Führung Fortschritte in den Beziehungen zum Vatikan. Auch der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Guo Jiakun, drückte seine Anteilnahme aus. „China ist bereit, gemeinsam mit dem Vatikan die fortlaufende Verbesserung der chinesisch-vatikanischen Beziehungen zu fördern“. (Symbolbild)  © Johannes Neudecker/ picture alliance/dpa
US-Präsident Trump im Vatikan
US-Präsident Donald Trump kündigte sein Kommen zur Beisetzung am Samstag bereits an – auch seine Frau Melania soll dabei sein. Zuletzt befand sich Trump eher im Zwist mit dem Papst. Dieser hatte Trumps Migrationspolitik offen kritisiert. Seine Massenabschiebung „würde viele Männer und Frauen und ganze Familien“ verletzen.  © picture alliance / Alessandra Tarantino/AP Pool/dpa
Im Juni 2024 besuchte die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni Papst Franziskus. Sie betrauert dessen Ableben und erklärt dem Sender RAI: „Der Papst und ich hatten eine aktivere Beziehung, als es den Anschein hat. Sie ging weit über unsere jeweiligen institutionellen Rollen hinaus“.
Im Juni 2024 besuchte die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni Papst Franziskus. Sie betrauert dessen Ableben und erklärt dem Sender RAI: „Der Papst und ich hatten eine aktivere Beziehung, als es den Anschein hat. Sie ging weit über unsere jeweiligen institutionellen Rollen hinaus“. © IMAGO/Massimo Valicchia/ NurPhoto
Israels Präsident Isaac Herzog drückte öffentlich sein Bedauern aus und lobte Papst Franziskus als Mann des Friedens und des interreligiösen Dialogs.
Israels Präsident Isaac Herzog drückte öffentlich sein Bedauern aus und lobte Papst Franziskus als Mann des Friedens und des interreligiösen Dialogs. Die Beziehungen zwischen Israel und dem Papst hatten sich zuletzt angespannt. Franziskus wurde kritisiert, weil er Israel des Völkermords verdächtigt haben soll. In sozialen Netzwerken wird er als „Judenhasser“ oder „psychotisch“ bezeichnet. © Ilia Yefimovich/ picture alliance/dpa
Vatikanstadt, 18. Mai 2013 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Besuch bei Papst Franziskus im Vatikan
Auch Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel, selbst protestantische Pfarrerstochter, zeigte sich vom Tod des Papstes ergriffen: „Er wird mir als eine Persönlichkeit in Erinnerung bleiben, deren Handeln von der Liebe zu den Menschen geprägt war.“ erklärt sie. Merkel und Franziskus trafen sich im Jahr 2013 in Rom.  ©  IMAGO / xim.gs

Doch schon die Wahl von dem aus Argentinien stammenden Franziskus zum Papst wertet Söding als ein politisches Zeichen. „Denn hier kommt der globale Süden zu Wort.“ Damit habe sich die katholische Kirche eine neue „Weltoffenheit“ angeeignet, sagt Söding im Gespräch mit unserer Redaktion. „Selbst wenn jetzt der nächste Papst aus Italien kommt, wird er eben halt der Papst einer ganz neu aufgestellten Weltkirche sein“, erklärt der Theologe weiter.

Trump-Vize Vance nutzt die Kirche für die eigene Politik – „Gefahr“ der Aneignung?

Nach dem Tod von Franziskus meldeten sich nicht nur Vertreter der westlichen Welt zu Wort. Auch Persönlichkeiten wie Wladimir Putin lobten das Lebenswerk des Papstes. In seinem eigenen Land nutzt der russische Machthaber die russisch-orthodoxe Kirche für seinen Propagandaapparat. So rechtfertigte der Vorsitzende der Kirche in Russland, Patriarch Kirill, den brutalen Überfall auf die Ukraine als einen „Heiligen Krieg, in dem Russland und sein Volk den einzigen spirituellen Raum des Heiligen Russlands verteidigen“. Auch US-Präsident Donald Trump umgibt sich im Weißen Haus mit religiösen Größen in den USA. Vor allem Evangelikale stehen eng an der Seite des Republikaners.

Besteht die Gefahr für die katholische Kirche, unfreiwillig zum Spielball politischer Regime zu werden? „Es wird immer wieder versucht“, schätzt Söding. Man habe das „ganz klar“ bei dem Besuch des US-Vizepräsidenten JD Vance bei Papst Franziskus beobachten können. Vorher hatte Vance Augustinus‘ „Ordo Amoris“, also „Ordnung der Liebe“ zitiert, „um damit die Migrationspolitik und Remigration in den Vereinigten Staaten zu rechtfertigen“, klagt Söding. „Was natürlich kompletter Unsinn ist.“

Franziskus habe daraufhin interveniert. Doch wie soll die Kirche damit umgehen, wenn Politikerinnen und Politiker ihre unchristlichen Handlungen mit der katholischen Kirche rechtfertigen wollen? Zunächst müsse sie „aufmerksam“ sein, erklärt Söding. Die „Beschwörung des christlichen Abendlandes“ sei beispielsweise eine beliebte Floskel unter Rechtsextremen in Deutschland. Und dann müsse sie „das, was ihre Sendung ausmacht, neu buchstabieren“. Damit könne deutlich gemacht werden, dass die Kirche für ein „identitäres Denken“ nicht zur Verfügung stehe.

Nach Tod von Papst Franziskus: Müssen sich die Nachfolge Kandidaten vor politischem Einfluss schützen?

Letztlich geht es jedoch auch um die Frage, wer am Ende als Nachfolger von Franziskus die Geschäfte im Vatikan übernimmt. Und auch darum, ob die Papstwahl durch politische Einflussnahme womöglich unterwandert wird. Hier ist es laut Söding vor allem China, das ein großes Interesse daran haben könnte, Einfluss auf das Amt zu nehmen. „Das wird sicherlich versucht werden“, so der Theologe.

In China gebe es eine wachsende katholische Kirche und gleichzeitig einen „ungelösten Konflikt zwischen einer Staatskirche und einer Untergrundkirche“. Dass hier aber ein wirklicher Einfluss auf das Konklave und die Papstwahl genommen werden könne, sei recht unwahrscheinlich.

Der Papst hat auch politische Wirkkraft. (Archivbild)

Abseits chinesischer Einflüsse gebe es allerdings noch den Kulturkampf aus den USA. Die Bischofskonferenz in den Vereinigten Staaten sei gespalten in ihrer Ablehnung und Unterstützung für Donald Trump. „Da erwarte ich, dass sich das gegenseitig neutralisieren wird“, so Söding. Zudem erwarte er, dass jeder Versuch der äußeren Einflussnahme einen gegenteiligen Effekt erzielen werde. „Weil mit den Kardinälen ein – nicht im negativen Sinne – elitäres Wahlgremium vorherrscht, glaube ich, dass solche Manöver sofort durchschaut werden.“

Viel entscheidender werde jedoch ein innerkirchlicher Prozess sein. „Ist dieser synodale Erneuerungsprozess schon weit genug gegangen oder nicht und welcher Person trauen wir dann auch das Charisma zu, dieses überwältigende Amt auszufüllen?“ Die Kirche müsse sich darüber klar werden, wo sie heute stehe.

Papst Franziskus tot: Reformer oder „weiter so“ im Vatikan? Theologe hebt wichtige Erfolge hervor

Die Vorwürfe richten sich aber auch gegen die katholische Kirche selbst. Franziskus hat es nach Meinung vieler nicht geschafft, entgegen der eigenen Ansprüche, große Reformen durchzubringen. Der Historiker Volker Reinhardt sagte im Interview mit der Zeit gar, dass es „keine einschneidenden Veränderungen“ in der Amtszeit von Papst Franziskus gegeben habe. So habe er beispielsweise zwar die Segnung Homosexueller erlaubt – jedoch keine gleichgeschlechtlichen Ehen akzeptiert.

Für Söding liegt der Grund für die langsame Modernisierung der katholischen Kirche vor allem in ihrem globalen Charakter. Weiter gebe es den „Willen, beisammen zu bleiben, die Einheit nicht aufzugeben“. So sei Sexualität für die „Liberale Welt des Nordens und Westens“ vor rund 50 Jahren noch ein Problem gewesen. Heute gehe man damit aber offen um. Im globalen Süden „und dann auch in der katholischen Kirche“ werde dies noch anders gesehen. Wolle man nun die Lehre innerhalb der Kirche ändern, müsse der Papst diese Spannungen beilegen. Bei der Größe der katholischen Kirche müsse man wohl akzeptieren, dass Veränderungen „in kleinen Schritten“ durchgeführt werden.

Dass Franziskus keine substanziellen Veränderungen durchgerungen habe, weist Söding allerdings zurück. Denn gerade in der ökologischen Frage habe er das Augenmerk „auf die gerne mal vergessenen Orte“ gelegt. Diese würden unter dem Klimawandel am stärksten leide, jedoch wenig Schuld daran tragen. „Das halte ich für ein enormes politisches Zeichen und auch ein politisches Vermächtnis.“ Außerdem habe in der Migrationspolitik einen völlig anderen Ansatz, als jede nationalistische Politik. (nhi)

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