Geleakte Aufnahmen: Trumps Anwälte finden Geheimdokumente nicht
VonDaniel Dillmann
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Tonbandaufnahmen beweisen, dass Donald Trump mit dem Besitz von Geheimdokumenten prahlte. Nun bezieht der Ex-Präsident Stellung. Seine Anwälte wollen von nichts wissen.
Update vom 2. Juni, 21.10 Uhr: Auf geleakten Tonbandaufnahmen hat Donald Trump darüber gesprochen, geheime Dokumente einbehalten zu haben. Seine Anwälte wollen davon jedoch nichts wissen. Der Aufnahme zufolge bezieht sich Trump auf ein angebliches Pentagon-Dokument, in dem ein Angriff auf den Iran thematisiert wurde. Wie CNN berichtet, konnten dessen Anwälte das besagte Dossier nach einer Vorladung allerdings nicht finden – und wissen nichts offenbar nichts von dessen Existenz.
Update vom 2. Juni, 13.08 Uhr: Falsch gemacht habe er nichts. Das sagte Donald Trump zu seinem engen Verbündeten Sean Hannity, Moderator beiFox News, während einer Veranstaltung im US-Bundesstaat Iowa. „Alles, was ich getan habe, war richtig“, so Trump zu den Berichten über bekannt gewordene Tonbandaufnahmen, auf denen er zugegeben haben soll, geheime Dokumente behalten zu haben. Im Rahmen derselben Veranstaltung kam Trump auch auf Joe Bidens Sturz in Colorado zu sprechen, zeigte sich aber überraschend empathisch gegenüber seinem Rivalen.
Update vom 1. Juni 2023, 16.20 Uhr: Donald Trumps Anwälte bleiben trotz der neuen Enthüllungen bei der Verteidigungslinie des Ex-Präsidenten. Laut Jim Trusty, Trumps Anwalt, sei dieser am 21. Januar, dem Tag der Amtseinfühung von Joe Biden, noch mindestens eine Stunde nach Ankunft in Mar-a-Lago amtierender Präsident gewesen. Er habe also genug Zeit gehabt, die mitgenommenen Geheimdokumente für sich selbst freizugeben.
Donald Trumps Skandale, Fehltritte und Eklats in der Übersicht
Update vom 1. Juni 2023, 14.30 Uhr: Nun hat sich auch Donald Trump zu den neuen Enthüllungen um seine Person geäußert. Deren Inhalt bestritt der ehemalige Präsident nicht. Reue zeigte Trump ebenfalls keine. Dagegen attackierte er in einer Nachricht auf seiner eigenen Social-Media-Plattform Truth Social das Justizministerium, das Trumps Meinung nach für die Veröffentlichung der Tonbandaufnahmen verantwortlich gewesen sein soll. „Werden sie zurücktreten und wird es eine Untersuchung geben?“, fragte Trump.
Bislang ist nicht bekannt, wer für die Veröffentlichung der Tonbandaufnahmen mit Trumps Aussagen verantwortlich ist. Angefertigt wurden die Aufnahmen wohl von Autoren, die damit beauftragt waren, Trumps ehemaligen Stabschef Mark Meadows beim Schreiben seiner Autobiografie zu helfen. Sie trafen Trump demnach 2021 in seinem Golfclub „Bedminster“ in New Jersey.
Experte nennt Trumps Tonbandaufnahmen eine Spionage-Affäre
Update vom 1. Juni 2023, 11.40 Uhr: Die Tonbandaufnahmen von Donald Trump schlagen in den USA immer höhere Wellen. Ryan Goodman, ehemaliger Sonderberater des US-Verteidigungsministeriums, sieht in dem Fall eine Spionage-Affäre. „Kriegspläne gehören zu den am strengsten geheimen Dokumenten. Das setzt das Justizministerium unter Druck, Anklage zu erheben und die Geschworenen zu verurteilen“, so der Rechtsprofessor der Universität in New York in einem Tweet. Die Angelegenheit ginge weit über den Vorwurf der Behinderung der Behörden hinaus.
Tonbandaufnahmen von Donald Trump beschäftigen die USA
Erstmeldung vom 1. Juni 2023: New Jersey - Im Dunstkreis von Donald Trump scheint es Usus zu sein, seine Gesprächspartnerinnen und -partner abzuhören. Nun sind neue Tonbandaufnahmen aufgetaucht, auf denen der US-Präsident offen zugibt, im Besitz von Dokumenten zu sein, die das US-Verteidigungsministerium als geheim eingestuft hat. Das berichtete in den USA exklusiv der Nachrichtensender CNN. Andere US-Medien bestätigten aus eigenen Quellen Existenz und Inhalt der Tonbandaufnahmen.
Doch die Aufnahmen beweisen noch mehr: Donald Trump wusste, dass er die vom Pentagon als geheim eingestuften Dokumente gar nicht hätte besitzen dürfen. Vielmehr sei er sich im Klaren darüber gewesen, dass er die Dokumente nach dem Verlassen des Weißen Hauses hätte abgeben müssen. Das wiederum könnte Trumps Argumentation untergraben, er habe jegliches Material, das nach dem Ausscheiden aus dem Amt bei ihm gefunden worden sei, zuvor freigegeben – also die Geheimhaltung der Unterlagen aufgehoben.
Details zu den Tonbandaufnahmen von Donald Trump
Die Aufnahmen Trumps stammen laut CNN aus dem Sommer 2021, also nach Trumps Zeit im Weißen Haus und nach der Amtsübernahme durch Joe Biden. Sowohl der Nachrichtensender als auch die Zeitung New York Times berichten, die Aufnahmen seien bei einem Treffen von Trump mit mehreren Personen entstanden. Das Treffen soll in Trumps Golfclub „Bedminster“ in New Jersey stattgefunden haben. Zusammengekommen sei man, um Trumps ehemaligen Stabschef Mark Meadows beim Schreiben seiner Memoiren zu helfen.
Trump soll auf den Aufnahmen zu hören sein, wie er sagt, er würde ein Dokument gerne weitergeben, er wisse aber, dass er das als ehemaliger Präsident nicht könne. Bei dem Dokument soll es sich um ein Schreiben handeln, dass einen möglichen Angriff der USA auf den Iran skizziert. Rund zwei Minuten soll Trump mit den Anwesenden über den Iran gesprochen haben.
Tonbandaufnahmen beeinflussen Trumps Wahlkampf
Im August 2022 hatte das FBI Donald Trumps Wohnsitz, den Golfclub Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida, durchsucht. Dabei hatten die Ermittler zahlreiche Verschlusssachen beschlagnahmt, einige mit höchster Geheimhaltungsstufe. Trump, der sich aktuell um die Nominierung der Republikaner für die US-Wahl 2024 bewirbt, könnte sich dadurch strafbar gemacht haben. Ein Sonderermittler des US-Justizministerium untersucht die Vorwürfe. Trump selbst bezeichnet sie als politisch motivierte Hexenjagd. (mit dpa)