Wahlmanipulation und große Bühne

Trotz Verbots: Trump will Live-Übertragung aus dem Gericht – wohl mit Hintergedanken

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Donald Trump wird versuchte Wahlmanipulation vorgeworfen. Den Prozess will er offenbar für Wahlkampfauftritte nutzen.

Washington – Seit Jahrzehnten gilt in den USA der Grundsatz, dass Prozesse vor Bundesgerichten nicht live im Fernsehen übertragen werden dürfen. Daran rüttelt nun Donald Trump, der mit einer ganzen Reihe von Straf- und Zivilverfahren konfrontiert ist. Unter anderem wird ihm der Versuch vorgeworfen, das Ergebnis der US-Wahlen von 2020 zu verfälschen.

Der im August eröffnete Prozess wegen Wahlmanipulation ist eines der insgesamt vier Strafverfahren, mit denen der ehemalige US-Präsident aktuell zu tun hat. Ausgefochten wird er vor einem Bundesgericht in Washington D.C.. Geplanter Verhandlungsbeginn ist der 4. März 2024.

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump (M.) zwischen seinen Anwälten im Gerichtssaal des Obersten Gerichtshofs von New York. Im New Yorker Betrugsprozess gegen ihn ist er Anfang November persönlich zu einer Aussage unter Eid erschienen.

Im Vorfeld der eigentlichen Verhandlung bringen Donald Trump und seine Anwälte bereits regelmäßig Anträge ein. So verlangten sie etwa von der vorsitzenden US-Bezirksrichterin Tanya Chutkan den Fall abzugeben, da sie gegenüber Trump voreingenommen sei. Am Freitag (10. November) beantragten Trumps Anwälte eine Genehmigung für Live-Übertragungen aus dem Gerichtssaal, wie The Guardian berichtete.

Donald Trump will vor dem Bundesgericht mit Jahrzehnte alter Regel brechen

Dabei sind Verfahren vor diesen Gerichten in der Regel öffentlich und können von jedermann besucht werden. Das gilt auch für den Prozess gegen Trump.

Der Antrag erwähnt das eigentlich gültige Übertragsungsverbot nicht. Stattdessen enthält er die üblichen Vorwürfe von Trumps Seite gegen die Justiz: Der Ex-Präsident sei Opfer einer Verfolgung durch die Regierung des demokratischen Amtsinhabers Joe Biden. „Die Staatsanwaltschaft möchte diese Travestie im Dunkeln fortsetzen. Präsident Trump fordert Sonnenlicht“, heißt es blumig darin, wie das US-Magazin Politico aus dem Papier zitierte.

Mugshots in Georgia: Polizeifotos von Trump und weiteren Angeklagten

Donald Trump im Polizeifoto (Mugshot).
Die Behörden im US-Bundesstaat Georgia haben im Zusammenhang mit der Anklage wegen versuchten Wahlbetrugs gegen Donald Trump ein Polizeifoto des früheren US-Präsidenten veröffentlicht. Das Büro des zuständigen Sheriffs machte die denkwürdige Aufnahme publik, nachdem sich Trump zuvor im Bezirksgefängnis in Atlanta den Behörden gestellt hatte. Trotz diverser rechtlicher Probleme Trumps ist es das erste Mal, dass er ein Polizeifoto von sich machen lassen musste. © Fulton County Sheriff's Office/Imago
Rudy Giuliani: Polizeifoto (Mugshot)
Trump war gemeinsam mit 18 weiteren Beschuldigten angeklagt worden wegen seiner Versuche, den Ausgang der Präsidentenwahl 2020 in Georgia zu beeinflussen. Vor ihm waren bereits diverse Angeklagte in dem Fall im Bezirksgefängnis in Atlanta erschienen, wo ihre Personalien aufgenommen und Polizeibilder gemacht wurden, darunter auch Trumps ehemaliger Anwalt Rudy Giuliani.  © afp
John Eastman: Polizeifoto (Mugshot)
Trumps früherer Anwalt John Eastman gilt als einer der wichtigsten Köpfe hinter dem versuchten Wahlbetrug, für ihn war eine Kautionssumme von 100.000 Dollar festgesetzt worden. „Meine Anwälte und ich werden jeden einzelnen Aspekt dieser Anklage energisch bekämpfen“, hieß es in einer Mitteilung von Eastman. © afp
Mark Meadows: Polizeifoto (Mugshot)
Auch Mark Meadows muss sich in Georgia vor Gericht verantworten. Trumps früherer Stabschef im Weißen Haus werden zwei Anklagen vorgeworfen: Verstoß gegen die Gesetze in Georgia gegen illegale Kriminalität und Aufforderung zur Verletzung des Eides durch einen Beamten. © Fulton County Sheriff's Office/Imago
Sidney Powell: Polizeifoto (Mugshot)
Sidney Powell trat zusammen mit Rudy Giuliani am 18. November 2020 als Teil des Anwaltsteams auf, das gegen die Wahlergebnisse der Präsidentschaftswahl vorgehen und Trumps Wiederwahl sichern sollte. Ihr werden sieben Anklagepunkte zur Last gelegt. Legendär wurde ihr Spruch, in Anspielung auf eine Figur im Film „Kampf der Titanen“ sie werde die Riesenkrake („release the Kraken”) freisetzen. © Fulton County Sheriff'S Office/Imago
Jenna Ellis: Polizeifoto (Mugshot)
Auch Jenna Ellis gehört zu Trumps Anwältinnen. Berichten zufolge hat sie mindestens zwei juristische Memos an Trump geschrieben, in denen sie den damaligen Vize Mike Pence dazu aufforderte, die Bestätigung von Bidens Sieg durch den Kongress am 6. Januar zu verhindern. Ellis wurde in zwei Punkten angeklagt. © Fulton County Sheriff/Imago
Kenneth Chesebro: Polizeifoto (Mugshot)
Kenneth Chesebro ist ebenfalls einer von Trumps Anwälten. Er wurde in sieben Punkten angeklagt. Besonders heikel ist dabei ein Straftatbestand aus dem sogenannten Rico-Gesetz. Es wurde ursprünglich erlassen, um gegen Schutzgelderpressung der Mafia vorzugehen. © afp
Ray Smnith: Polizeifoto (Mugshot)
Als Anwalt für Trump nahm Ray Smith in Georgia an einer Anhörung im Senat von Georgia teil, bei der er laut Anklage fälschlicherweise behauptete, dass es bei den Wahlen des Bundesstaates zu weitverbreitetem Wahlbetrug und Wahlunregelmäßigkeiten gekommen sei. Er ist in zwölf Punkten angeklagt. © afp
David Shafer: Polizeifoto (Mugshot)
David Shafer ist der ehemalige Vorsitzende der Republikaner in Georgia. Zuvor hatte er im Senat des Bundesstaates gesessen. Ihm werden acht Straftaten vorgeworfen. © afp
Harrison Floyd: Polizeifoto (Mugshot)
Harrison Floyd wird vorgeworfen, die Wahlhelferin Ruby Freeman unter Druck gesetzt und bedroht zu haben. Dem ehemaligen Chef der „Black Voices for Trump“ wurde unter anderem wegen Beeinflussung von Zeugen angeklagt. © Fulton County Sheriff's Office/Imago
Cathleen Latham: Polizeifoto (Mugshot)
Cathleen Latham erklärte sich bereit, in Georgia als Wahlfrau im „Electoral College“ zu fungieren, das alle vier Jahre den Präsidenten und den Vizepräsidenten wählt. Es besteht aus 538 Wahlleuten, die von den 50 Bundesstaaten sowie dem Bundesdistrikt entsandt werden. Sie ist in elf Punkten angeklagt, unter anderem Verschwörung zum Betrug am Staat. © afp
Scott Graham Hall: Polizeifoto (Mugshot)
Scott Graham Hall ist in sieben Punkten angeklagt, darunter Verschwörung zum Wahlbetrug. Der Trump-Fan stammt aus der Gegend von Atlanta. © Fulton County Sheriff's Office/Imago

„Jeder Mensch in Amerika und darüber hinaus sollte die Möglichkeit haben, diesen Fall aus erster Hand zu studieren und zu beobachten, wie sich Präsident Trump im Falle eines Prozesses von diesen unbegründeten und politisch motivierten Anschuldigungen entlastet“, schreiben Trumps Verteidiger zur Begründung. Der Antrag endet mit der obligatorischen Behauptung Trumps, die Wahl 2020 sei „manipuliert und gestohlen“ worden.

Trump-Prozess in Washington: Auch Medien fordern eine Live-Übertragung aus dem Gerichtssaal

Mit dem Antrag unterstützt Donald Trump indirekt Forderungen von Medienunternehmen, den anstehenden Prozess live übertragen zu dürfen. Sie verweisen auf das außerordentlich große öffentliche Interesse an diesem Fall und auf mögliche Probleme bei der Unterbringung von Prozesszuschauern im Gerichtsgebäude. Dieser Forderung erteilte das zuständige Bundesgericht eine Absage. Zu hören war in der politischen Debatte auch, dass eine Live-Übertragung Risiken für das Verfahren darstellen könnte, etwa über eine mögliche Einschüchterung von Zeugen und Geschworenen.

Allerdings wird Donald Trump, der erst jüngst die US-Wahlen 2024 zur „letzten Schlacht“ gegen das „tyrannische Establishment“ in Washington erklärt hat, kaum die ihm verhassten Medien unterstützen wollen. Vielmehr will der 77-Jährige offenbar den Gerichtssaal als Wahlkampfbühne nutzen, um sich effektvoll als Opfer einer korrupten Justiz inszenieren zu können. Eine Live-Übertragung dieses Prozesses vor dem Bundesgericht würde ihm dabei zur Umgehung einer Anordnung dienen, die gegen ihn verhängt wurde.

Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus

Donald Trump will wieder US-Präsident werden
Nun ist es raus: Donald Trump will 2024 erneut als US-Präsident antreten. Dann wird der Milliardär aus New York 78 Jahre alt sein. Trump hatte das Amt 2017 bis 2021 inne, verlor 2020 aber die Wahl und musste auf eine zweite Amtszeit verzichten. Die soll nun im dritten Anlauf gelingen. Trump wäre erst der zweite Präsident in der Geschichte der USA, dem ein solches Comeback gelingen würde. © Andrew Harnik/dpa
Nikki Haley tritt als US-Botschafterin bei der UN zurück und 2024 vielleicht noch einmal an
Nikki Haley war Trumps letzte verbliebene Rivalin. Doch am Ende zog auch sie sich aus dem parteiinternen Rennen um die US-Präsidentschaft zurück. Nach ihrer Serie von Niederlagen am Super Tuesday verkündete Haley ihren Ausstieg. Die ehemalige Gouverneurin des Bundesstaates South Carolinas wechselt ihre Haltung zu Donald Trump wie andere Leute die Kleidung. Als Botschafterin Trumps bei den Vereinten Nationen war sie enge Vertraute des Ex-Präsidenten, nach dem Sturm aufs Kapitol distanzierte sie sich. Dann sagte sie, sie werde nicht kandidieren, sollte Trump erneut antreten. Haley gilt als Establishment-Republikanerin, die für möglichst geringe Sozialausgaben, niedrige Steuern und eine aggressive Außenpolitik steht. © Evan Vuccid/dpa
Floridas Gouverneur Ron de Santis spricht nach dem Sieg bei den Midterms zu seiner Anhängerschaft
Als härtester Konkurrent für die Nominierung bei den Republikanern für die US-Wahl 2024 galt lange Ron DeSantis. Der Gouverneur Floridas feierte bei den Midterms einen klaren Sieg und wurde von der Wählerschaft im Amt bestätigt. Er galt als der Hoffnungsträger in der Partei. Das Rennen um die Präsidentschaftsnominierung hat er aber inzwischen aufgegeben. DeSantis hatte sich in der Vergangenheit als Trump-Fan inszeniert, geht mittlerweile aber auf Distanz zum Ex-Präsidenten. Hier zu sehen ist der Politiker mit seiner Frau Casey DeSantis und den drei gemeinsamen Kindern. © IMAGO/Luis Santana
Der erfahrene Politiker Asa Hutchinson tritt als Anti-Trump-Kandidat an
Er war bereits Staatsanwalt, Abgeordneter im Repräsentantenhaus, Behördenleiter der Anti-Drogenbehörde DEA und Gouverneur des Bundesstaates Arkansas. Jetzt wollte Asa Hutchinson 2024 republikanischer Präsidentschaftskandidat werden, doch nach der Vorwahl in Iowa zog er seine Kandidatur zurück. Hutchinson trat als Alternative zu Donald Trump an, denn seines Erachtens sollte dieser „nicht der nächste Anführer unseres Landes sein“. Hutchinson forderte Trump auf, seine Kandidatur aufgrund der Anklage gegen ihn in New York zurückzuziehen – eine Sicht, die die republikanische Wählerschaft nicht teilt. © SCOTT OLSON / AFP
Vivek Ramaswamy, Trump-Fan mit Anti-Woke-Agenda
Vivek Ramaswamy hatte Großes vor. Der 38-jährige, rechtslibertäre Tech-Unternehmer mit indischen Wurzeln wollte US-Präsident werden. Nach seinem enttäuschenden Abschneiden bei der Vorwahl in Iowa warf er aber das Handtuch und empfahl, Trump zu Wählen. Der Trump-Fan sieht die USA in einer „nationalen Identitätskrise“ und fordert eine „nationale Wiederbelebung“. Dazu will er z.B. das FBI und das Bildungsministerium abschaffen. Er wolle Trumps „America-First-Aganda auf die nächste Stufe bringen“.  © Anna Moneymaker / AFP
US-Wahl 2024: Ehemaliger Trump-Vertrauter Christie will ins Weiße Haus
Chris Christie hatte auch noch einmal Ambitionen auf das Weiße Haus angemeldet. Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaats New Jersey war einst ein enger Vertrauter von Donald Trump, hat sich aber mittlerweile von ihm losgesagt und kritisiert ihn sogar öffentlich. So bezeichnete er den früheren Präsidenten wegen dessen Haltung zum Ukraine-Krieg als „Feigling“ und „Marionette“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Christie wollte 2016 schon einmal Präsidentschaftskandidat seiner Partei werden, zog nach schlechten Ergebnissen bei den Vorwahlen aber zurück. Diesmal gab er bereits vor den Vorwahlen der Republikaner auf. © Charles Krupa/dpa
Zu den krassen Außenseitern zählt auch Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt.
Zu den krassen Außenseitern zählte von Beginn an Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt. Der Republikaner, der am 4. Dezember aus dem Rennen ausstieg, ist seit dem 15. Dezember 2016 Gouverneur von North Dakota. Vor seiner politischen Karriere war er Softwareunternehmer, Microsoft-Manager und Risikokapitalgeber. Im April unterzeichnete Burgum ein Gesetz, das Abtreibungen in der sechsten Schwangerschaftswoche verbietet. Zudem hat er zahlreiche Gesetze unterzeichnet, die die Rechte von trans Menschen einschränken. © SCOTT OLSON/afp
Senator Tim Scott aus dem Bundesstaat South Carolina begreift seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen als Verkörperung des amerikanischen Traumes. In einem im April veröffentlichten Video spricht er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und fordert mehr Optimismus. Scott betont darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nennt er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung.
Tim Scott (blaues Hemd) hat sich aus dem Rennen um die Kandidatur verabschiedet. Am 12. November zog der Senator aus South Carolina seine Kandidatur zurück. In einem im April veröffentlichten Video sprach er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und forderte mehr Optimismus. Scott betonte darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nannte er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung. Seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen begreift Scott als Verkörperung des amerikanischen Traumes.  © ALLISON JOYCE
Mike Pence könnte 2024 bei der US-Wahl für das Amt des Präsidenten kandidieren.
Ausgestiegen ist auch Trumps ehemaliger Vizepräsident. „Dies ist nicht meine Zeit“, sagte Mike Pence am 28. Oktober 2023. Pence war in Umfragen weit abgeschlagen und hatte Medienberichten zufolge Probleme bei der Beschaffung von Geldern für seine Kampagne. „Wir wussten immer, dass dies ein harter Kampf sein würde, aber ich bereue nichts“, erklärte Pence. Mit kritischen Kommentaren nach den Midterms hatte sich der ultrakonservative Pence für einen möglichen Machtkampf innerhalb der Republikanischen Partei in Stellung gebracht. © IMAGO/Aimee Dilger
Larry Elder ist 2024 der erste schwarze Präsidentschaftskandidat bei den Republikanern
Am 26. Oktober zog sich Larry Elder zurück. Schon bei seinem ersten Versuch als Politiker war er gescheitert: 2021 versuchte der rechte Radiomoderator und Rechtsanwalt erfolglos, Kaliforniens demokratischen Gouverneur Gavin Newsom abzulösen. Elder vertritt rechtsradikale Ansichten, wie ein Abtreibungsverbot, glaubt, dass an Grenzen „Mauern funktionieren“, Antirassismus sowie Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion hingegen nicht. © SCOTT OLSON / AFP
Perry Johnson ist im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur.
Am 20. Oktober zog sich auch Perry Johnson aus dem Wahlkampf zurück. Er war im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur. Aufgefallen war der Unternehmer zuvor nur im Jahr 2022, als er für das Amt des Gouverneurs in Michigan kandidieren wollte. Wegen unsauberer Machenschaften wurde er allerdings von den republikanischen Vorwahlen vorzeitig ausgeschlossen. Johnson positionierte sich im Wahlkampf gegen Abtreibungen. Zudem kritisierte er die Höhe der Hilfsgelder, die die USA der Ukraine zur Verfügung stellen. Zugleich stellte Johnson aber klar, dass er Wladimir Putin nicht vertraue. © SCOTT OLSON/afp
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung sind bisher Ryan Binkley, Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez.
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung waren auch Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez. Auch sie haben ihre Kandidatur bereits wieder zurückgezogen. Im Rennen sind dagegen noch Ryan Binkley, John Anthony Castro und E. W. Jackson. Chancen auf eine Nominierung dürften sie allerdings kaum haben. Großer Favorit bleibt allen Anklagen und Prozessen zum Trotz weiter der frühere Präsident Donald Trump. Die Republikaner haben auf jeden Fall die Qual der Wahl. © ALLISON JOYCE/afp

Live-Übertragung würde Trump helfen, ein vom Gericht verhängtes Redeverbot zu umgehen

Am 16. Oktober hatte das Bundesgericht gegen Trump für den Prozess eine sogenannte „gag order“, das heißt ein Redeverbot, erlassen worden. Sie verbietet es Trump, die Staatsanwaltschaft oder Zeugen öffentlich verbal anzugehen. Anlass waren zahlreiche Verbalattacken des Ex-Präsidenten, der unter anderem den Sonderermittler Jack Smith als „geistesgestörten Irren“ bezeichnet hatte. Die Staatsanwaltschaft sah in anderen verbalen Angriffen Trumps gegen potenzielle Zeugen sogar einen Einschüchterungsversuch.

Die „gag order“ war zwischenzeitlich ausgesetzt, wurde aber Ende Oktober von der vorsitzenden Richterin Tanya Chutkan wieder in Kraft gesetzt. Noch am selben Tag verstieß Trump jedoch gegen diese richterliche Verfügung und griff auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social seinen ehemaligen Justizminister William P. Barr an, den er „dumm, schwach, langsam, lethargisch, feige und faul“ nannte. Weil Barr ein potenzieller Zeuge im Wahlmanipulations-Prozess ist, stellte die Verbalattacke einen Verstoß gegen die „gag order“ dar.

Bereits zuvor hatte der Ex-Präsident in zwei Fällen gegen das Redeverbot verstoßen und insgesamt Geldstrafen über 15.000 US-Dollar zahlen müssen. Nach dem Angriff auf Barr drohte Trump gar eine Gefängnisstrafe, vor der ihn nur Richterin Chutkan bewahrte.

Donald Trump nutzt Gerichtssäle gerne für Wahlkampfauftritte

Weil die geltende „gag order“ nicht im Gerichtssaal selbst gilt, würde es eine Live-Übertragung seines Auftritts vor Gericht Trump erlauben, das Redeverbot öffentlichkeitswirksam zu umgehen. Er könnte aus dem Gerichtssaal heraus seine Anhänger erreichen und sie mit den üblichen verbalen Attacken gegen das Justizssystem aufstacheln. Trump gilt aktuell als aussichtsreichster Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner für die kommende US-Wahl.

Einen Vorgeschmack auf einen solchen Wahlkampfauftritt vor Gericht gab Trump in einem seiner Zivilverfahren. Vor dem Obersten Gerichtshof von New York, der dem ihm und seinen Kindern in einem bereits laufenden Gerichtsprozess Geschäftsbetrug vorwirft, führt Trump mit Unterstellungen und Beleidigungen de facto Wahlkampf im Gerichtssaal. Er stellte sich vor dem New Yorker Gericht als Opfer einer „politischen Hexenjagd“ dar und behauptete, die Justiz werde als „Waffe“ gegen ihn verwendet.

Eine Entscheidung über den Antrag, eine Live-Übertragung des Prozesses vor dem Bundesgericht zuzulassen, steht noch aus. Einen anderen Antrag, der erneut eine Aufhebung der „gag order“ forderte, lehnte Richterin Chutkan bereits ab. (rowa)

Rubriklistenbild: © Eduardo Munoz Alvarez/dpa

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