US-Wahl

Trump trumpft bei TV-Duellen auf: So sabotierte er bisherige Debatten

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Trump erstickte durch sein aggressives Verhalten TV-Debatten oft im Keim. Ex-Außenministerin Clinton warnt vor Lügen und Beleidigungen. Der Sender CNN trifft auf Wunsch Bidens Vorkehrungen.

Washington D.C. – Ex-US-Präsident Donald Trump läuft sich auf seinen Social-Media-Kanälen bereits warm, für die TV-Debatte gegen US-Präsident Joe Biden am Donnerstag (27. Juni). Auf Truth Social, seiner privaten Echokammer für rechtsradikales Gedankengut, unterstellte Trump Biden bereits, dass er vor der Debatte aufputschende Drogen einnehmen würde. Selbstredend stritt Bidens Team dies als eine von Trumps tausenden Lügen gegenüber der New York Times (NYT) ab. Diese Lügen über Biden passen zu Trumps Stil, mit dem der Ex-Präsident jegliche Debatte erstickt.

Hillary Clinton hat in einer US-Talkshow eindringlich vor einer Wiederwahl Donald Trumps als Präsident gewarnt. (Archivbild)

Unterbrechungen, Beleidigungen und Lügen.

Ex-US-Außenministerin Hillary Clinton über Trumps Debattenstil in der New York Times

Hillary Clinton erinnert sich an „überforderte“ Moderatoren in TV-Duellen gegen Trump

Da Trump bisher an keiner Vorwahldebatte seiner Republikaner zur US-Präsidentschaftswahl im November teilnahm, lohnt ein Rückblick auf Debatten bei Trumps ehemaligen Lieblingssender FOX News: Trumps Debatten-Taktiken eigenen Leib erfahren, hat Hillary Clinton, ehemalige US-Außenministerin, die 2016 gegen Trump kandidierte.

In einem Gastbeitrag für die NYT beschrieb sie, wie Trump die Debatten sabotierte: Trump habe eine Welle an „Unterbrechungen, Beleidigungen und Lügen“ losgelassen, beklagte Clinton. Die Moderatoren seien damit „überfordert“ gewesen.

Nach offensichtlicher Lüge in TV-Duell: Trump-Fans übertönten FOX-Moderatorin

Ein sehr frühes Beispiel hierfür findet sich in einer republikanischen Vorwahldebatte 2016: Die Fox-Moderatorin Megyn Kelly fragte Trump nach der Hetze gegen Frauen, die er auf Twitter betreibe. Trump reagierte mit der Lüge, er habe „nur“ die Komikerin Rosie O‘Donnell beschimpft.

Trumps Fans johlten, die Moderatorin braucht mehrere Sekunden, um die Lüge einzuordnen. Eine weitere Gefahr solcher Situationen bei dieser Wahl: Ein etwaiger Videoclip auf TikTok oder anderen Plattformen käme in solchen Fällen ohne die journalistische Einordnung aus und würde mit johlendem Applaus für Trump enden.

Donald Trump gegen Joe Biden: Bei der US-Wahl 2020 ging es in den TV-Debatten hoch her.

Hillary Clinton Trumps „Argumente“ in TV-Duellen sind „Zeitverschwendung“

Neben offensichtlicher Sabotage der Debatte, sei es zudem „Zeitverschwendung“ sich mit Trumps „Argumenten“ auseinanderzusetzen, spottete Clinton. „Er fängt mit Unsinn an und schweift dann ins Geschwätz ab. Das ist in den Jahren seit unserer Debatte nur noch schlimmer geworden“, schrieb Clinton. So zeigte sich Trump auch in einer Debatte mit Biden vor der Präsidentschaftswahl 2020:

US-Wahlen: Bilder zeigen denkwürdige Momente in den TV-Duellen der Kandidaten

Trump in TV-Duellen an rechtsextreme Proud Boys: „Zurückhalten und abwarten“

Der damalige Fox-Moderator Chris Wallace fragte Trump, ob er bereit wäre, Rechtsextreme zu verurteilen. Trump setzte daraufhin zu einer langen Schimpftirade über „Linksextremisten“ und „die Antifa“ an. Biden warf ein, dass es darum nicht gehe. Trump erstickte den Einwurf mit einer – offenbar frei erfundenen – Partnerschaft zwischen den Demokraten und der extremen Linken. Wobei letztere in den USA noch deutlich irrelevanter ist, als in Europa.

Abschließend verstieg Trump sich dazu, der rechtsextremen Proud-Boys-Miliz auszurichten, dass sie sich „zurückhalten und abwarten“ sollen. Viele in den USA werteten das damals als Drohung. Die Proud Boys waren maßgeblich am Sturm der Trump-Anhänger auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 beteiligt.

6. Januar 2021 - der Sturm aufs Kapitol in Bildern

Donald Trump bei seiner Rede am 6. Januar 2021 in Washington DC
Alles begann mit einer Rede von Donald Trump. Der noch amtierende Präsident hatte seine Anhängerinnen und Anhänger nach Washington DC gerufen, um dort gegennnnnnn die Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten zu demonstrieren. Der hatte die Wahl im November gewonnen, am 6. Januar sollten dann die Wahlmänner der Bundesstaaten Bidens Sieg in Washington DC bestätigen. Eigentlich ein formaler, zeremonieller Akt. In Trumps Wahrnehmung aber wohl die letzte Chance, die Niederlage gegen Biden noch zu verhindern. Seine tausenden Zuhörer forderte Trump auf, „gemeinsam zu Kapitol“ gehen um „unser Land zurückzuerobern“. © Brendan Smialowski/afp
Tausende Menschen finden sich am 6. Januar auf den Stufen des Kapitols in Washington DC ein
Der Mob aus MAGA-Fans gehorchte Donald Trump und zog in Richtung Kapitol. Gegen 12 Uhr Ortszeit fanden sich tausende Menschen auf den Stufen zu den Parlamentsgebäuden ein. Viele trugen Camouflage-Kleidung und Gasmasken. Trump-Flaggen und Devotionalen waren überall zu sehen. Entgegen seiner Ankündigung war der abgewählte US-Präsident aber nirgends zu sehen. Das Sicherheitspersonal, bestehend aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Secret Service, soll Trump eine Teilnahme an der Demonstration verboten haben. © Roberto Schmidt/afp
Ein Galgen, wohl für Mike Pence, ist vor den Stufen des Kapitols in Washington DC am 6. Januar zu sehen.
Donald Trumps Getreue hatten es aber nicht nur auf die Demokraten und Joe Biden abgesehen. Auch Mike Pence geriet ins Visier des Mobs. Trump hatte in den Tagen zuvor von seinem Vizepräsidenten gefordert, die Wahl von Biden nicht zu ratifizieren – eine formale Aufgabe, die im politischen System der USA dem Vize zufällt. Pence weigerte sich, was Trumps Fans zu dem Schlachtruf „Hang Mike Pence“ (Hängt Mike Pence“) inspirierte. Ihre Forderung unterstrich der Mob mit selbstgebastelten Galgen vor dem Kapitol. © Andrew Caballero-Reynolds/afp
Der Maga-Mob prügelt sich am 6. Januar vor dem Kapitol in Washington DC mit der Polizei
Vor dem Kapitol traf der Mob auf hoffnungslos unterbesetzte Sicherheitskräfte. Die Polizei war machtlos und konnte die Barrikaden vor dem Kapitol nicht lange halten. Gegen 12.30 durchbrach der wütende Mob schließlich die Absperrungen. Zwei Stunden hatte die Polizei endgültig aufgegeben und die Trump-Fans verschafften sich Zugang zu den Parlamentsgebäuden. © Joseph Prezioso/afp
Mike Pence und Nancy Pelosi im Kapitol in Washington DC am 6. Januar
Während draußen die Schlacht zwischen MAGA-Fans und Kapitolspolizei tobte, lief im US-Senat die Sitzung, in der Joe Biden endgültig zum Präsidenten erklärt werden sollte. Kurz nachdem der Mob sich Zugang zu den Gebäuden verschafft hatte, unterbrachen Vizepräsident Mike Pence und Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Sitzung. Der Plenarsaal wurde von den Sicherheitskräften evakuiert. © Erin Schaff/afp
Anhänger von Donald Trump in den Gebäuden des Parlaments auf dem Kapitol in Washington DC am 6. Januar
Im Kapitol begannen die Anhänger Donald Trumps in den heiligen Hallen der amerikanischen Demokratie zu randalieren. Zahlreiche Kunstwerke wurden zerstört, die Wände mit Exkrementen beschmiert und ein Rednerpult gestohlen, das kurz darauf auf Ebay zum Verkauf angeboten wurde. Währenddessen verbarrikadierten sich Abgeordnete, die nicht rechtzeitig evakuiert werden konnten, in einzelnen Räumen des Kapitols. © Roberto Schmidt/afp
Richard Barnett im Büro von Nancy Pelosi beim Sturm aufs Kapitol am 6. Januar in Washington DC in den USA
Die Anhänger von Donald Trump hatten es besonders auf das Büro von Nancy Pelosi abgesehen. Richard Barnett war unter denen, die sich Zugang zu den Räumen der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses verschaffte. Dort machte Barnett Fotos von sich im Stuhl Pelosis, veröffentlichte diese auf Facebook und schrieb Pelosi beleidigende Nachrichten auf den Schreibtisch. Kurze Zeit nach dem Sturm aufs Kapitol wurde Barnett verhaftet. © Saul Loeb/afp
Jake Angeli, der QAnon Schamane beim Sturm aufs Kapitol in Washington DC am 6. Januar
Zweifelhafte Berühmtheit erlangte am 6. Januar 2021 auch Jake Angeli. Der sogenannte „QAnon-Schamane“ beteiligte sich in Kriegsbemalung und mit Fellmütze inklusive Hörnern am Sturm aufs Kapitol. Tage später wurde Angeli festgenommen und des vorsätzlichen Betretens oder Verbleibs in gesperrten Gebäuden oder Geländen ohne rechtmäßige Befugnis sowie des gewaltsamen Betretens und des ordnungswidrigen Verhaltens auf dem Gelände des Kapitols angeklagt. Die Fahndung sei aufgrund der „einzigartigen Kleidung und den umfangreichen Tätowierungen auf seinem Oberkörper“ leicht gefallen, gaben die Behörden im Anschluss an. © Saul Loeb/afp
Anhänger Donald Trumps beim Sturm aufs Kapitol am 6. Januar in den Gebäden des Parlaments in Washington DC.
Überall in den Gebäuden tummelten sich stundenlang die Anhänger Donald Trumps. Der abgewählte US-Präsident zögerte, die Nationalgarde zur Unterstützung der Kapitolpolizei zu entsenden und weigerte sich zunächst, den Mob per Videobotschaft zur Ruhe zu bringen. Erst vier Stunden, nachdem die Türen des Kapitols eingeschlagen worden waren, wandte sich der noch amtierende Präsident an die Demonstranten. Nur halbherzig verurteilte er die Gewalt des Tages und lobte die Randalierer noch als „große Patrioten“. © Saul Loeb/afp
Nationalgardist im Einsatz beim Sturm aufs Kapitol am 6. Januar in Washington DC
Erst gegen 16.30 Uhr, also zweieinhalb Stunden, nachdem das Kapitol gestürmt worden war, wurde die Nationalgarde geschickt. Wer diesen Einsatz, den die Kapitolpolizei zwei Stunden zuvor bereits beantragt hatte, letztlich genehmigt hat, ist nicht bekannt. Laut offizieller Anrufliste hat Donald Trump von 11 Uhr bis 18 Uhr kein einziges Telefonat geführt. Die Theorie liegt nahe, dass Mike Pence letztlich den Einsatz der Nationalgarde in die Wege geleitet hatte. Den Sicherheitskräften gelang es gegen 17.30 Uhr, den Mob aus den Parlamentsgebäuden im Kapitol zu drängen. © Olivier Douliery/afp
Anhänger von Donald Trump beim Sturm aufs Kapitol in Washington DC am 6. Januar
Die Bilanz des Kapitolsturms am 6. Januar in Washington DC fällt verheerend aus. Insgesamt kamen zehn Menschen ums Leben, fünf davon Polizisten. Vier dieser Männer begangen in den Tagen nach dem Sturm Suizid. 140 weitere Sicherheitsbeamte und unzählige Demonstranten wurden verletzt. Bis heute laufen Gerichtsverfahren gegen Beteiligte des Aufstands. Doch für Donald Trump ändert das alles nichts. Bis heute hat er seine Wahlniederlage nicht akzeptiert und lässt seit dem 6. Januar keine Gelegenheit aus, den Beinahe-Sturz der Demokratie in den USA kleinzureden. © Samuel Corum/afp

Harte Regeln bei CNN-Duell: Auf Bidens Wunsch bleiben die Mikros bei Zwischenrufen aus

Wallace kam damals allerdings kaum dazu, Trumps Aussagen einzuordnen, da sie häufig auf mehreren Ebenen falsch oder irreführend sind. Es war wohl die begrenzte Sendezeit, die Wallace dazu bewog, sich solche Falschbehauptungen bieten zu lassen.

Jake Tapper und Dana Bash, die beim Sender CNN die anstehende Debatte zwischen Trump und Biden moderieren, haben andere Möglichkeiten auf Trump zu reagieren. Auf Wunsch von Bidens Team sind die Mikrofone beider Kandidaten nur eingeschaltet, wenn sie am Wort sind, um Zwischenrufe zu vermeiden. Zudem findet die Debatte ohne Publikum statt, was Trump eine weitere Möglichkeit nimmt, die Diskussion zu sabotieren. (kb mit dpa)

Rubriklistenbild: © Brendan Smialowksi und Jim Watson/AFP

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