Wer in den USA geboren ist, soll nicht mehr automatisch die Staatsbürgerschaft erhalten – findet Donald Trump, der bei der US-Wahl 2024 antreten will.
New York/Palm Beach – Wer in den USA geboren ist, erhält auch die US-Staatsbürgerschaft. Geburtsortprinzip nennt sich das. Manche glauben, dass dieses Geburtsrecht von Eingewanderten ohne Papiere ausgenutzt wird.
Donald Trump glaubt das offenbar auch, denn der frühere Präsident hat jetzt eine alte Idee wieder hervorgeholt: In einer Videobotschaft kündigte der Republikaner, der 2024 erneut als Präsidentschaftskandidat für seine Partei antreten will, nun an, die Staatsbürgerschaft kraft Geburt abschaffen zu wollen.
Stopp für Staatsbürgerschaft kraft Geburt? Trump stünde vor Hürden
Trumps Plan wäre jedenfalls eine Zäsur für das Einwanderungsland USA – und Fachleute zweifeln, ob Trump ihn einfach per Dekret umsetzen könnte. Es ist in der Verfassung verankert, das letzte Wort hätte also der Supreme Court. Hier ist aber zu bedenken, dass der Oberste Gerichtshof der USA unter Trump deutlich nach rechts gerückt ist. Immerhin haben allein drei der neun Mitglieder erst in Trumps Amtszeit ihre Arbeit dort aufgenommen: Neil Gorsuch, Brett Kavanaugh und Amy Coney Barrett.
Anrecht auf Staatsbürgerschaft: Wie sieht es in Deutschland aus?
Abstammungsprinzip: Die deutsche Staatsangehörigkeit wird im Regelfall nicht aufgrund der Geburt in Deutschland erworben, sondern aufgrund der Abstammung von einem deutschen Elternteil.
Geburtsortprinzip: 2000 wurde das deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz überarbeitet. Zum Abstammungsprinzip trat das „Geburtsortsprinzip“. Seither können auch hierzulande geborene Kinder ausländischer Eltern unter bestimmten Voraussetzungen die Staatsangehörigkeit erwerben: Mindestens ein Elternteil muss seit acht Jahren in Deutschland leben und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht haben.
Generationenschnitt: 2000 wurde auch der „Generationenschnitt“ eingeführt. Im Ausland geborene Kinder deutscher Eltern erwerben hiernach unter bestimmten Voraussetzungen nicht mehr automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit.
Quelle: Auswärtiges Amt, Stand 2023
Verfassungsexpertin über Trumps Plan: „Kann er nicht allein entscheiden“
Bereits 2018 trug Trump seine Idee im Gespräch mit dem Portal Axios vor. Die BBC fragte damals Fachleute nach ihrer Umsetzbarkeit und stieß auf große Skepsis. „Er würde viele Menschen verärgern, aber letztlich werden die Gerichte darüber entscheiden“, sagte etwa die Verfassungsexpertin Saikrishna Prakash dem Sender. „Das kann er nicht alleine entscheiden.“
Der US-Präsident könne zwar die Mitarbeiter von Bundesbehörden anweisen, die Staatsbürgerschaft enger auszulegen, sagte Prakash weiter. Dies würde jedoch unweigerlich zu rechtlichen Anfechtungen seitens der Betroffenen führen – und einem langwierigen Gerichtsstreit, der schließlich vor dem Supreme Court landet.
Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus
Hardliner sehen Geburtsortprinzip als Anreiz für „Ankerbaby“
Die BBC machte in ihrem Bericht auch auf Trumps damalige Behauptung aufmerksam, die USA seien das einzige Land mit Geburtsortprinzip. Das ist falsch. Mehr als 30 Länder praktizieren es, und weitere Länder in modifizierter Weise. Dennoch sind in kritischen Kreise abfällige Begriffe wie „Geburtstourismus“ oder „Ankerbaby“ an der Tagesordnung.
Eine harte Einwanderungspolitik war schon bei der US-Wahl 2016 Trumps Kurs. Wird er 2024 Präsidentschaftskandidat, wird es wohl wieder so sein, wie seine Begründung für einen Geburtsortprinzip-Stopp zeigt. Seine Videobotschaft hier:
Die Republikaner küren ihren Präsidentschaftskandidaten am Ende in einer parteiinternen Vorwahl. So läuft das auch bei den Demokraten, bei denen sich US-Präsident Joe Biden um eine Wiederwahl bewirbt. (frs)