Trumps „Komm-aus-dem-Gefängnis-frei-Karte“: ein Wahlsieg 2024
VonChristoph Gschoßmann
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Donald Trump bleibt als potenzieller republikanischer Präsidentschaftskandidat im Rennen für eine neue Amtszeit. Was bedeutet das für seine Klagen?
München - Donald Trump wird angeklagt. An sich nichts Neues, wenn man die Politik der Vereinigten Staaten von Amerika verfolgt. Nach der viel beachteten Anklage um die Schweigegeldzahlungen an die Ex-Pornodarstellerin Stormy Daniels war Trump kürzlich wegen seiner Handhabung von Geheimdokumenten aus dem Weißen Haus im Rampenlicht. Eine Grand Jury in Florida klagte den Unternehmer in sieben Anklagen an, darunter wegen Verschwörung und Behinderung. Trump könnte der erste ehemalige Präsident sein, der im Gefängnis landet. Doch einen Trumpf hat Trump noch in der Hinterhand: Seine „Komm-aus-dem-Gefängnis-frei-Karte“ sozusagen: Eine weitere Amtszeit als US-Präsident.
Trump könnte Exekutivgewalt missbrauchen und sich selbst begnadigen
Ein Sieg Trumps im Jahr 2024 als Präsidentschaftskandidat könnte Anklagen zumindest gefährden, schreibt auch der Sender MSNBC. Trump ist der erste ehemalige Präsident, der bundesstaatlich angeklagt wird. Bundesklagen gegen einen gewählten Präsidenten wären neues Terrain. Trump ist dafür berüchtigt, die Mechanismen des Justizministeriums zu seinen Gunsten zu nutzen. Ein Beispiel ist die Untersuchung des Sonderermittlers Robert Mueller - in Trumps vorheriger Amtszeit war es die Politik des Ministeriums, keine Anklage gegen amtierende Präsidenten zu erheben.
Dass Anklagen einen Präsidenten daran hindern, seine Aufgabe wahrzunehmen - dieser Grundgedanke könnte auch auf einen Präsidenten zutreffen, der bereits angeklagt sein Amt antritt. Trump könnte auch die Exekutivgewalt zu einer Waffe machen, indem er versucht, sich selbst zu begnadigen. Eine solche Verfassungskrise wäre ebenfalls Neuland in den Staaten.
Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus
Ein Wahlsieg könnte alle gegen ihn erhobenen Bundesanklagen auf den Kopf stellen, und das Gleiche gilt auch für Fälle im Zusammenhang mit dem Aufstand vom 6. Januar, einschließlich der jüngsten Verurteilungen wegen aufrührerischer Verschwörung. Diese Fälle, einschließlich etwaiger Bundesanklagen, denen Trump am 6. Januar ausgesetzt sein könnte, könnten bei seiner Wahl auf der Strecke bleiben. Sein republikanischer Rivale Ron DeSantis hat ebenfalls darüber nachgedacht, die Aufständischen vom 6. Januar zu begnadigen.
Trump wettert nach Klage gegen ihn: „Politischer Auftragsmord“
Dass Trump trotz der Klagen weiter um eine zweite Amtszeit kämpfen will, steht außer Frage. Nach der Veröffentlichung der Anklageschrift gegen Trump in der Affäre um geheime Regierungsdokumente gab sich der frühere US-Präsident entschlossen. Bei einem Wahlkampfauftritt in Columbus im Bundesstaat Georgia bezeichnete Trump die Anklage am Samstag (10. Juni 2023) als „lächerlich“, unbegründet und einen der schrecklichsten Fälle von Machtmissbrauch in der Geschichte der USA. Er stellte sich erneut selbst als Opfer dar. „Das ist ein politischer Auftragsmord“, wetterte der republikanische Präsidentschaftsbewerber. US-Präsident Joe Biden versuche, „seinen führenden politischen Konkurrenten ins Gefängnis zu bringen“, behauptete Trump und kündigte an: „Wir werden dagegen ankämpfen, wie noch nie jemand gekämpft hat.“ Trump gilt weiter als aussichtsreichster Kandidat der Republikaner für die anstehende Wahl. (cgsc mit dpa)