Sorge um Kernkraftwerk

Saporischschja unter Drohnen-Beschuss: Was passiert, wenn das AKW explodiert

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Drohnenangriffe auf das russisch besetzte Atomkraftwerk Saporischschja verunsichern viele Menschen. Droht im Falle einer AKW-Explosion eine Evakuierung?

Saporischschja – Das AKW in Saporischschja ist von Russland bereits im März 2022 eingenommen worden und steht seitdem dicht an der Frontlinie im Ukraine-Krieg. Die sechs Reaktoren liegen still, müssen aber weiter gekühlt werden. Immer wieder gab es Beschuss auf das Werk. Die internationale Öffentlichkeit ist in Sorge um die nukleare Sicherheit. Aktuell sorgen Meldungen ukrainischer Drohnenangriffe auf das AKW in Saporischschja für Aufsehen:

Die russische Kraftwerksleitung des besetzen ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja hat am Sonntag von der Explosion einer Drohne über der Kuppel des sechsten Reaktors berichtet. Experten haben sich bereits mit der Frage auseinandergesetzt, was bei einer Explosion des AKW Saporischschja passiert.

AKW Saporischschja: Was passieren könnte, wenn das Atomkraftwerk explodiert

Bereits im vergangenen Jahr kam die Frage auf, was passieren könnte, wenn Russland selbst Europas größtes Atomkraftwerk zerstört. Zunächst einmal gilt festzuhalten: Von außen sei das AKW Saporischschja gut geschützt und kann einiges an Beschuss einstecken. Die positive Nachricht zudem: Sämtliche Reaktoren des AKW Saporischschja wurden bereits vor Monaten abgeschaltet. William Alberque, Direktor für Strategie, Technologie und Rüstungskontrolle am International Institute for Strategic Studies, sagte damals gegenüber ABC News: „Ein Zwischenfall würde keinen aktiven Reaktor betreffen, der enorme Umweltgefahren, Schäden und Todesfälle verursachen könnte.“

Das AKW in Saporischschja ist von Russland bereits im März 2022 eingenommen worden.
Name:Atomkraftwerk Saporischschja
Ort:Saporischschja
Eröffnung:25. Dezember 1985
Reaktoren:sechs
Entfernung zu Deutschland:Circa 1600 Kilometer
Mitarbeiter:Circa 3500 Menschen

Dem schloss sich auch Mark Zheleznyak, Professor am Institut für Umweltradioaktivität der Universität Fukushima, an. Anders als etwa in Fukushima würde in Saporischschja „keine Strahlenkatastrophe geben, weil es in einem abgeschalteten Block nicht zu einer Freisetzung von radioaktivem Jod kommen kann“, sagt der Wissenschaftler. Eine Schwachstelle ist jedoch das Kühlsystem: Zwar sind die Reaktoren nicht mehr aktiv, müssen aber noch gekühlt werden, da die Brennelemente weiterhin Wärme abgeben. Würde das Kühlsystem zerstört, käme es den Experten zufolge nach acht Tagen zu einer Havarie

Kachowka-Staudamm in der Ukraine gesprengt: Erste Fotos zeigen die schlimmen Folgen

Eine Ansicht zeigt das von Überschwemmungen betroffene Zentrum von Nowaja Kachowka nach einem Dammbruch im Wasserkraftwerk Kachowka.
Eine Ansicht zeigt das von Überschwemmungen betroffene Zentrum von Nowaja Kachowka nach einem Dammbruch im Wasserkraftwerk Kachowka.  © IMAGO/Alexei Konovalov/Tass
Dieses vom ukrainischen Präsidialamt über AP veröffentlichte Videostandbild zeigt den beschädigten Kachowka-Staudamm in der Nähe von Cherson.
Dieses vom ukrainischen Präsidialamt über AP veröffentlichte Videostandbild zeigt den beschädigten Kachowka-Staudamm in der Nähe von Cherson.  © dpa/Ukraine‘s Presidential Office
Dieses von Planet Labs PBC zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt einen Überblick über die Schäden am Kachowka-Damm im Süden der Ukraine.
Dieses von Planet Labs PBC zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt einen Überblick über die Schäden am Kachowka-Damm im Süden der Ukraine.  © dpa/Planet Labs PBC
Weitere Satellitenbilder zeigen die Zerstörungen.
Weitere Satellitenbilder zeigen die Zerstörungen. © dpa/Maxar Technologies
Dieses vom ukrainischen Präsidialamt über AP veröffentlichte Videostandbild zeigt Wasser, das durch einen Durchbruch im Kachowka-Staudamm fließt.
Dieses vom ukrainischen Präsidialamt über AP veröffentlichte Videostandbild zeigt Wasser, das durch einen Durchbruch im Kachowka-Staudamm fließt.  © dpa/Ukrainian Presidential Office
Das Turbinengebäude des Wasserkraftwerks Kachowka stürzt in Nowaja Kachowka ein.
Das Turbinengebäude des Wasserkraftwerks Kachowka in Nowaja Kachowka stürzt laut russischen Meldungen ein. © IMAGO/Alexei Konovalov/Tass
Das Gemeindezentrum steht in der von Überschwemmungen heimgesuchten Stadt Nowaja Kachowka nach einem Dammbruch im Wasserkraftwerk Kachowka.
Das Gemeindezentrum steht in der von Überschwemmungen heimgesuchten Stadt Nowaja Kachowka nach einem Dammbruch im Wasserkraftwerk Kachowka unter Wasser. © IMAGO/Alexei Konovalov/Tass
Eine Ansicht zeigt das von Überschwemmungen betroffene Zentrum von Nowaja Kachowka
Eine Ansicht zeigt das von Überschwemmungen betroffene Zentrum von Nowaja Kachowka © IMAGO/Alexei Konovalov/Tass
Eine Ansicht zeigt das von Überschwemmungen betroffene Zentrum von Nowaja Kachowka nach einem Dammbruch im Wasserkraftwerk Kachowka.
Eine Ansicht zeigt das von Überschwemmungen betroffene Zentrum von Nowaja Kachowka nach einem Dammbruch im Wasserkraftwerk Kachowka. © IMAGO/Alexei Konovalov/Tass
Eine Ansicht zeigt das von Überschwemmungen betroffene Zentrum von Nowaja Kachowka nach einem Dammbruch im Wasserkraftwerk Kachowka.
Eine Ansicht zeigt das von Überschwemmungen betroffene Zentrum von Nowaja Kachowka nach einem Dammbruch im Wasserkraftwerk Kachowka. © IMAGO/Alexei Konovalov/Tass
Das Gemeindezentrum steht in der von Überschwemmungen heimgesuchten Stadt Nowaja Kachowka nach einem Dammbruch im Wasserkraftwerk Kachowka unter Wasser.
Das Gemeindezentrum steht in der von Überschwemmungen heimgesuchten Stadt Nowaja Kachowka nach einem Dammbruch im Wasserkraftwerk Kachowka unter Wasser.  © IMAGO/Alexei Konovalov/Tass

Wenn die Reaktoren im AKW Saporischschja nicht mehr gekühlt werden: Szenarien für eine Havarie

Das Zentrum für Nuklear- und Strahlensicherheit der Ukraine hat zwei Szenarien für eine mögliche Havarie im Kernkraftwerk veröffentlicht. Im ersten Szenario bleibt die ein Meter dicke Schutzhülle des Reaktors intakt, und nur die Anlage darunter schmilzt. Dies könnte eintreten, wenn der Strom vollständig ausfällt oder das Kühlsystem beschädigt wird. Gemäß den Wissenschaftlern würde bei einem solchen Szenario ein Gebiet von 2,5 Kilometern rund um das AKW mit Strahlung belastet.„Dies würde im Grunde ausschließlich das Personal des Kraftwerks betreffen. In diesem Fall sollten sich Menschen nur innerhalb einer Schutzzone im Freien aufhalten. Eine Jodprophylaxe ist nicht erforderlich“, heißt es in einer Mitteilung des Zentrums.

Das andere Szenario wäre eine Havarie eines Reaktors mit beschädigter Schutzhülle. Hierbei würde die Strahlenbelastung ein größeres Gebiet betreffen und schwerwiegendere Folgen haben, wobei das Ausmaß der Kontamination von den Wetterbedingungen abhängt, erklärt das Zentrum für Nuklear- und Strahlensicherheit.

Nach Berechnungen von Iwan Kowalez, einem Experten für Umweltinformatik an der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, könnte je nach Windstärke und -richtung ein Gebiet von bis zu 20 Kilometern um das Kraftwerk herum schwerwiegende Folgen erleiden, berichtet die Deutsche Welle. „In diesem Fall ist eine sofortige Evakuierung der Menschen erforderlich“, so der Experte.

Auch in Gebieten bis zu 550 Kilometer vom Kraftwerk entfernt könnten gewisse gesundheitliche Auswirkungen auftreten. „Bei solchen Entfernungen besteht aber keine Notwendigkeit für sofortige Gegenmaßnahmen oder eine Evakuierung“, sagt Kowalez.

Rubriklistenbild: © Ukrinform/dpa

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