Da sich die Hamas hinter der Zivilbevölkerung versteckt, muss Israel sich eine passende Taktik für die Bodenoffensive überlegen. Drei Punkte, die aufgefallen sind.
Tel Aviv/Gaza – Im Kampf gegen die Terrormiliz Hamas wird seit Mitte Oktober eine Bodenoffensive der israelischen Armee erwartet, doch eine groß angelegte Operation im Gazastreifen blieb bislang aus. Vielmehr konzentrieren sich die Verteidigungskräfte (IDF) auf Luftangriffe und vereinzelte Bodeneinsätze, die vor allem in der Nacht durchgeführt worden sind.
Medien berichteten zuletzt, dass die USA Israel zu einer Verschiebung der Bodenoffensive geraten hätten. Die US-Regierung bestätigt das nicht öffentlich. Vieles spricht aber dafür – auch mit Blick auf die mindestens 240 Geiseln in den Händen der Miliz.
1. Auffälligkeit vor der Bodenoffensive: Die Geiseln bleiben ein Druckmittel der Hamas
Unter den vielen Geiseln der Hamas befinden sich neben US-Amerikanerinnen und -Amerikaner auch Deutsche. Tragische Bekanntheit erreichte jüngst der Fall der 22-jährigen Deutsch-Israelin Shani Louk, deren Tod nach ihrer Verschleppung in den Gazastreifen schlussendlich von ihrer Mutter und der israelischen Armee bestätigt wurde. Angaben der Deutschen Presse-Agentur zufolge hat die Bundesregierung keinen Kontakt zu den verschleppten Deutschen.
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Die israelische Nachrichtenseite ynet berichtete, Angehörige der Geiseln hätten nach Ausweitung der Bodeneinsätze ein dringendes Treffen mit dem sogenannten Kriegskabinett gefordert. Es herrsche große Ungewissheit hinsichtlich des Schicksals der Geiseln in Gaza, „die dort festgehalten werden und auch den schweren Bombardements ausgesetzt sind“. Gleichzeitig herrscht die Sorge, dass die israelische Regierung international an Ansehen verlieren könnte, falls die humanitäre Hilfe unter Benjamin Netanjahus Kriegsstrategie weiter leiden sollte.
2. Das zivile Schild der Hamas behindert einen Einmarsch
Dass sich die Kämpfer der Hamas zwischen Wohnhäusern verschanzen, schützt nicht nur dem eigenen Überleben, sondern auch der Propaganda. Denn fallen an diesen Stellen die israelischen Bomben, stehen die Chancen auf zivile Opfer hoch – und die Terrormiliz kann ihr Narrativ vom Unterdrücker Israel weiterspinnen. Um die eigenen Truppen zu schützen und zivile Opfer zu minimieren, setzt die IDF auf gepanzerte Trägerfahrzeuge. Bei den Caterpillar D9 handelt es sich um bewaffnete Planierraupen, die den Israelis auch die Räumung von Sprengfallen, Minen und anderen Hinterhalten ermöglichen soll.
Dazu nutzt die Armee laut einem Bericht der Jerusalem Post „eine Vielzahl von Ablenkungsmanövern“, um den Hamas-Truppen die Gegenwehr zu erschweren. Die stärkere Beteiligung von Artillerie und gepanzerten Fahrzeugen soll eine direktere Zerstörung von Hamas-Verstecken möglich machen – doch in engen Korridoren bleibt die Zivilbevölkerung von Trümmern und Querschlägern bedroht.
3. Drohnenschläge werden für Israel immer wichtiger
In den vergangenen Tagen lockte die israelische Armee die Terroristen der Hamas mit Bodenangriffen aus ihren Verstecken, um anschließend Luftunterstützung – in diesem Fall Drohnenschläge – anzufordern. Der Vorteil: der Einschlagradius ist geringer, zivile Opfer werden im offenen Gelände minimiert oder gänzlich vermieden. Klassische Luftangriffe zwingen die Hamas-Truppen indes nicht zwingend aus ihren Unterschlüpfen.
Doch auch auf der anderen Seite stützt man sich auf moderne Kriegsführung und überlässt den Drohnen viele Angriffe. Doch nicht nur die Hamas, sondern auch die schiitische Hisbollah-Miliz aus dem Libanon sowie die jemenitischen Huthi-Rebellen sollen schon mehrfach Drohnen und Raketen auf Israel gefeuert haben.
Zumindest hat die IDF nach eigenen Angaben den Verantwortlichen der Hamas für Luftverteidigung und Co-Planer der Terrorattacke vom 7. Oktober getötet. Auf Grundlage nachrichtendienstlicher Informationen habe ein Kampfjet Asem Abu Rakaba „ausgeschaltet“, teilte das Militär am vergangenen Samstag (28. Oktober) auf Telegram mit. Demnach kümmerte sich Abu Rakaba für die Hamas um Drohnen, Gleitschirme sowie Luftaufklärung- und -verteidigung. Die israelische Armee veröffentlichte dazu ein Video, das die Explosion eines Gebäudes aus der Luft zeigte. (nak/dpa)