Machtgerangel

Trump zieht Schlinge um Russlands Wirtschaft fester: USA erwarten Verzicht auf Putins Öl – Ungarn reagiert

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Orbán will sich Trumps Druck auf Russlands Wirtschaft entziehen. Washington will das nicht hinnehmen: Ungarn müsse sich den Sanktionen beugen.

Update vom 28. Oktober, 7:36 Uhr: Ungarn steht wegen der Sanktionen gegen Russlands Wirtschaft inzwischen im Visier von Donald Trump. Außenminister Péter Szijjártó erklärte nun laut Bloomberg, dass sich Ministerpräsident Viktor Orbán und der US-Präsident nächste Woche treffen werden, um über US-Sanktionen gegen russisches Öl zu beraten. Der Politiker sagte Journalisten, dass Ungarn diese Woche die „genauen rechtlichen und physischen Auswirkungen“ der Sanktionen bewerten werde, die Trump letzte Woche gegen russische Unternehmen verhängt habe.

Ungarn wegen Sanktionen gegen Russlands Wirtschaft im Visier von Trump

Erstmeldung: Washington D.C. – Im Zuge einer erneuten Wende in seinem Ukraine-Kurs versucht US-Präsident Donald Trump mit Druck auf Russlands Wirtschaft den Kreml zum Einknicken zu zwingen – und nimmt nun explizit Länder wie Ungarn in die Pflicht. Erstmals in Trumps zweiter Amtszeit hatte die US-Regierung am Mittwoch (22. Oktober) neue Strafmaßnahmen gegen Russland verhängt – und die beiden größten russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil mit Sanktionen belegt.

Donald Trump zieht die Schlinge um Russlands Wirtschaft enger: Die USA erwarten den Verzicht Ungarns auf Putins Öl. (Symbolbild)

Ein möglicher Schlag für Russlands Wirtschaft, dem jedoch nicht alle Staaten Folge leisten wollen. Ungarn kündigte prompt an, sich um die Beschränkungen herummogeln zu wollen. Premier Viktor Orbán erklärte in einem Radiointerview, man arbeite an Wegen, die Sanktionen zu umgehen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Das will Washington wohl nicht auf sich sitzen lassen. Und so konterte der US-Botschafter bei der NATO, Matthew Whitaker, in einem Interview mit dem US-Sender Fox News: Washington erwarte, dass Länder wie Ungarn einen Plan entwickeln, um sich von russischem Öl und Gas zu lösen.

Trump-Regierung macht Druck auf Russlands Wirtschaft – und erwartet Ungarns Verzicht auf Putins Öl

„Ungarn hat im Gegensatz zu vielen seiner Nachbarn weder Pläne noch aktive Schritte unternommen“, erklärte Whitaker. „Deshalb werden wir weiterhin mit ihnen zusammenarbeiten und mit ihren Nachbarn wie Kroatien und anderen Ländern, die ihnen beim Ausstieg helfen können.“ Für Trumps Regierung dürfte es dabei wohl nicht nur um einen Schlag gegen Russlands Wirtschaft gehen; die Debatte um Ungarn mutet einem Machtkampf an.

Orbán hatte seine Ankündigung, die US-Sanktionen gegen Russlands Wirtschaft umgehen zu wollen, mit nationalen Interessen begründet: „Wer eine Senkung der Energiepreise will, muss Ungarns Recht verteidigen, Öl und Gas aus Russland zu kaufen, oder zum gleichen Preis wie in Russland oder billiger.“ Orbán gilt als enger Verbündeter Putins – trotz des Ukraine-Kriegs ist Ungarn nach wie vor stark von russischem Öl abhängig.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Russlands Wirtschaft unter Druck: Trump-Regierung soll weitere Sanktionen vorbereiten

Trump hatte die Europäer bereits vor einem Monat angegriffen und ihnen vorgeworfen, weiterhin „unentschuldbar“ Energie aus Russland zu kaufen – und so Russlands Ukraine-Krieg mitzufinanzieren. Damals hatte der US-Präsident als eine Art Ultimatum formuliert, dass er bereit sei „massive Sanktionen“ gegen Russland zu verhängen, „sobald alle NATO-Staaten aufhören, Öl aus Russland zu kaufen“. Die am Mittwoch verkündeten Sanktionen könnten dabei nur ein Anfang sein, sollte Trump seinen Kurs in Sachen Ukraine-Krieg dieses Mal entgegen aller Zweifel halten. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf US-Beamte berichtet, habe die Trump-Regierung bereits weitere Sanktionen vorbereitet, um Russlands Wirtschaft unter Druck zu setzen.

Trump zeigt sich frustriert: US-Sanktionen gegen Russland und Absage für Putin

Die US-Sanktionen gegen russische Ölkonzerne zeigen eine Kehrtwende des Präsidenten, die sich in seinen unbeständigen Kurs einreiht. In der Bestrebung, sein selbstgestecktes Ziel – ein Ende des Ukraine-Kriegs – zu erreichen, schien Trump in den Monaten seit Beginn seiner Amtszeit immer wieder zu schwanken: Mal schien sein Frust über Kiew, mal seine Enttäuschung von Putin größer. Zuletzt überwiegt wohl die Frustration über Moskaus mangelnde Bereitschaft, den Krieg in der Ukraine zu beenden.

So erhöhte Trump nicht nur den Druck auf Russlands Wirtschaft, sondern sagte auch ein zuvor geplantes Treffen mit Putin in Budapest ab: „Es fühlte sich für mich einfach nicht richtig an.“ Er habe nicht den Eindruck gewonnen, „als würden wir dorthin gelangen, wo wir hinwollen“, erklärte Trump. Putin wolle er erst treffen, wenn ein Deal steht, kündigte der US-Präsident Tage später an: „Ich werde wissen müssen, dass wir einen Deal erzielen werden. Ich werde meine Zeit nicht verschwenden“, sagte Trump laut Bericht der Deutschen Presse-Agentur am Samstag an Bord der Regierungsmaschine Air Force One vor Journalisten.

Schlag gegen Russlands Wirtschaft: Indien und China folgen wohl Trumps Druck

Moskau zeigt sich bezogen auf einen Deal, der sowohl für die Ukraine als auch für die Europäer annehmbar sein könnte, bislang unnachgiebig. An einer Waffenruhe im Ukraine-Krieg scheint der Kreml kein Interesse zu haben und rückt von seinen Forderungen nicht ab. Ob Trumps neuer Kurs und der Druck auf Russlands Wirtschaft den Kreml zum Einlenken zwingen können, bleibt abzuwarten. Erste Wirkung scheinen die Sanktionen jedoch zu entfalten: Anders als Ungarn sollen sich Indien und China, die wichtigsten Abnehmer russischen Öls, dem Druck bereits in Teilen beugen. (Reuters, Fox News, dpa, AFP) (pav)

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