Nordkorea hilft mit: Russland plant in der Ukraine offenbar eine neue Offensive
VonFelix Lill
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Indizien sprechen dafür, dass Russland in der Ukraine aller Diplomatie zum Trotz neue Angriffe vorbereitet – mit Waffen und Soldaten aus Nordkorea.
Moskau – Während Donald Trump großspurig verkündet, dass in der Ukraine bald nicht mehr gekämpft werde, deutet sich das Gegenteil an. Ein Friedensdeal, den der seit Ende Januar erneut als US-Präsident amtierende Rechtspopulist angekündigt hat, könnte sich als Farce entpuppen. Es droht nicht nur eine Fortführung des russischen Angriffs auf die Ukraine, sondern eine neue Offensive.
Mehrere Medien berichten, was der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schon Ende März gesagt hatte: Während Russlands Präsident Wladimir Putin öffentlich behauptet, er sei an einem Frieden interessiert, bereite er hinter den Kulissen einen neuen Angriff vor. Berichte des ZDF und der Nachrichtenagenturen Reuters und dpa kommen zu einem ähnlichen Schluss. In die Pläne mit einbezogen ist offenbar der Verbündete Russlands in dem Angriffskrieg: der ostasiatische Nachbar Nordkorea.
Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern
Schwere Geschütze aus Nordkorea für den Ukraine-Krieg
Bei der geplanten Offensive soll es um den Nordosten der Ukraine gehen, mit den Großstädten Charkiw und Sumy. Weiteres mögliches Ziel ist der Südosten um Saporischschja, wo ein großes Atomkraftwerk liegt. Auf Übungsplätzen soll sich das russische Militär bereits auf eine Doppeloffensive vorbereiten.
Hinzu kommen Soldaten aus Nordkorea, von denen sich wohl um die 3000 in der Region befinden. Der ostasiatische Ein-Parteienstaat könnte aber für Nachschub sorgen. Die Beziehungen zwischen Diktator Kim Jong-un und Wladimir Putin sind seit Russlands Angriff auf die Ukraine ab Februar 2022 herzlich. Nachdem westliche Staaten Russland wegen des Krieges sanktioniert hatten, machte sich Putin auf die Suche nach Verbündeten. Nordkorea – im Kalten Krieg ein Partner der Sowjetunion – ist vor dem Hintergrund des Atomprogramms und schwerer Menschenrechtsverletzungen schon länger mit schweren Sanktionen belegt.
Kinder getötet
Nach Luftangriffen der russischen Armee fordert Ukraines PräsidentWolodymyr Selenskyj mehr Druck auf Russlands Machthaber Wladimir Putin. „Diese Angriffe sind Putins Antwort auf alle internationalen diplomatischen Bemühungen“, schrieb Selenskyj im sozialen Netzwerk X.
Nach Angaben Selenskyjs hat Russland die Ukraine in der vergangenen Woche aus der Luft mit mehr als 1460 Gleitbomben, fast 670 Kampfdrohnen und mehr als 30 Raketen beschossen. Besonders folgenschwer war ein Raketentreffer auf die Industriestadt Krywyj Rih, Selenskyjs Geburtsstadt, am Freitag. Dort wurden 18 Menschen getötet, darunter 9 Kinder und Jugendliche.
Die Gespräche zwischen Russland und den USA könnten laut dem russischen Sondergesandten Kirill Dmitrijew noch in dieser Woche Woche weitergehen. dpa/afp
Nordkorea unterstützt Russland im Ukraine-Krieg auch mit Waffenzubehör
Neben der Beteiligung nordkoreanischer Soldaten bei dem Angriff auf die Ukraine unterstützt Kim Jong-un Russland auch mit Waffenzubehör. Bei der mutmaßlich geplanten neuen Offensive werden demnach auch schwere Waffen aus Nordkorea mitgedacht. So berichtet das ZDF über den Transport von Artilleriegeschützen des Typs „Koksan“ in die von Russland annektierte Region Krim im Süden der Ukraine. Deren Reichweite beträgt laut ZDF je nach Geschoss 40 bis 60 Kilometer.
Falls auch nordkoreanische Soldaten künftig in der Ukraine eingesetzt würden, wäre das laut ZDF eine klare Eskalation – bisher kämpften nordkoreanische Bodentruppen nur innerhalb der international anerkannten Grenze Russlands, hauptsächlich in der Region Kursk. Für Russland scheint das Kalkül zu sein, dass die Verhandlungsposition umso besser wird, je mehr ukrainisches Territorium es besetzt oder zumindest unter Druck hält.
Nordkorea kann darauf zählen, im Gegenzug für die Kriegshilfe ökonomische und militärische Hilfe von Russland zu erhalten. Das Land arbeitet an einem Atom- und Satellitenprogramm. Auch landwirtschaftliche Unterstützung für die teils sehr arme Bevölkerung kann das Land gut gebrauchen. Viele Details sind allerdings unklar.
Pläne für weitere Kooperation zwischen Nordkorea und Russland im Ukraine-Krieg
Was bekannt ist: Diese Woche hat Nordkorea in der Hauptstadt Pjöngjang erneut Staatsvertreter aus Russland empfangen. Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA betonte, es sei „in einer freundschaftlichen Atmosphäre“ gesprochen worden. Die südkoreanische Presseagentur Yonhap berichtet von Plänen, in den Bereichen Militär, Wirtschaft und Gesundheit noch näher zu kooperieren. Nordkoreas Kim Il-Sung-Universität soll ein Forschungszentrum in Sibirien eröffnen. Hier kann es auch um militärische Forschung gehen.
Aus Nordkoreas Perspektive ist die Aussicht auf ein Ende des Kriegs in der Ukraine ein zweischneidiges Schwert. Diplomatisch hat kaum ein Land vom Krieg mehr profitiert. Sollte es US-Präsident Donald aber gelingen, eine dauerhafte Waffenruhe zu verhandeln, gilt es als wahrscheinlich, dass er sich als nächstes Kim Jong-un zuwenden würde, um mit Nordkorea – mit dem die USA verfeindet sind – einen Deal zu bemühen. Eine für das Regime gute Aussicht. Andererseits: Wenn in der Ukraine nicht mehr gekämpft wird, braucht Russland die militärische Unterstützung aus Nordkorea nicht mehr. Russland könnte das zum Anlass nehmen, die Hilfen an Nordkorea einzustellen oder zu reduzieren.