Angriff auf Russland? Wohnhaus in Belgorod stürzt ein – Kreml beschuldigt Ukraine
VonVictoria Krumbeck
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Russland beschuldigt die Ukraine, für den Zusammenbruch eines Wohnblocks in Belgorod verantwortlich zu sein. Das ukrainische Militär äußert sich bislang nicht.
Belgorod – Am Sonntag (12. Mai) brach in der russischen Grenzregion ein zehnstöckiger Wohnblock ein. Russischen Angaben zufolge sollen mehrere Menschen verstorben und verletzt worden sein. Der Vorfall ereignete sich, während die Kämpfe im Ukraine-Krieg vor allem in der ukrainischen Grenzregion Charkiw wieder stärker geworden sind. Russland macht für den Einsturz des Wohnblockes die Ukraine verantwortlich. Derzeit kursieren zwei unterschiedliche Versionen davon, wie es zum Kollaps gekommen sein soll.
Einsturz in Belgorod – Russland macht Ukraine für Angriff mitten in Charkiw-Offensive verantwortlich
Das russische Verteidigungsministerium schrieb am Sonntag auf Telegram, dass die Ukraine einen Raketenangriff auf die Region Belgorod gestartet hatte. Dabei soll die Ukraine das taktische Raketensystem Tochka-U, das Mehrfachraketensystem Vilkha und das RM-70 Vampire (MLRS) verwendet haben, um die Angriffe auszuüben. Die russischen Luftverteidigungskräfte sollen die Angriffe abgewehrt haben, wobei ein Wrack einer abgeschossenen Tochka-U-Rakete das Wohnhaus getroffen und das Treppenhaus zum Einsturz gebracht habe, so das Verteidigungsministerium.
Auch die russische Nachrichtenagentur Tass nannte herabfallende Trümmer als Ursache für den Einsturz des Gebäudes. Der Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Gladkow, nannte jedoch einen ukrainischen „Volltreffer einer Granate“ als Grund des Zusammenbruchs. Die Behauptungen der russischen Seite lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Bisher hat sich die Ukraine nicht zu den Vorwürfen geäußert.
Russische Medien: Viele Tode und Verletzte in Belgorod – Erneute Raketenwarnungen
Aufnahmen, die in den sozialen Medien verbreitet wurden, sollen den Einsturz des Wohnblocks zeigen. In einem Video ist zu sehen, wie Rettungskräfte, die nach Verschütteten suchen, weglaufen, als das Dach des Wohnhauses einstürzt. Die genaue Anzahl der Todesopfer bleibt unklar. Laut Tass wurden bis zum Montagmorgen (13. Mai) 15 Leichen geborgen. Außerdem sprach Gouverneur Gladkow auf Telegram von 20 verletzten Personen. Während des Rettungseinsatzes soll es laut einem Bericht der Independent weiterhin Raketenwarnungen gegeben haben.
Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks
In Belgorod häuften sich zudem Vorfälle, bei denen Menschen verletzt oder Gebäude beschädigt wurden. Oftmals gerät Russland in Verdacht, Bomben bei Angriffen auf die Ukraine aus Versehen auf sein eigenes Territorium abzuwerfen.
Russlands „taktische Erfolge“ bei Charkiw-Offensive – Starke Kämpfe in Grenzregion
Der Zusammenbruch des Wohnhauses ereignete sich im Schatten der am Freitag beginnenden russischen Bodenoffensive in der ukrainischen Region Charkiw. „Diese Woche hat sich die Lage im Oblast Charkiw erheblich verschlechtert. Derzeit kommt es entlang der Staatsgrenze zu Russland zu anhaltenden Kämpfen“, schrieb der ukrainische Militärchef Oleksandr Syrskyi am Sonntag auf Telegram. „Die Situation ist herausfordernd, aber die Verteidigungskräfte tun ihr Möglichstes, um die Verteidigungslinien und -positionen aufrechtzuerhalten, was zur Niederlage des Gegners führt“, hieß es weiter.
Laut dem ukrainischen Generalstab verzeichnet Russland derzeit „taktische Erfolge“, wie er in der Nacht auf Montag auf Facebook schrieb. Besonders in der an der russischen Grenze gelegenen Stadt Wowtschansk sollen die Kämpfe weitergegangen sein. Am Sonntag hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj von „erbitterten Kämpfen“ in der Region Charkiw gesprochen. Bislang sollen rund 4000 Menschen aus den ukrainischen Grenzgebieten evakuiert worden sein. (vk)