Elon Musk und die AfD: Gegenseitige Unterstützung im Netz
VonPaula Völkner
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Thüringens AfD-Chef Höcke ist angeklagt und Musk reagiert. Auch die AfD zeigt sich solidarisch mit Musk, dem ebenso ein juristisches Verfahren droht.
München – Nicht nur Thüringens rechtsextremem AfD-Chef Björn Höcke stehen juristische Konsequenzen für sein Handeln bevor, auch gegen Techmilliardär und Tesla-Chef Elon Musk wird zurzeit ermittelt. Schon in der Vergangenheit sympathisierte Musk mit der AfD und umgekehrt. Nun hat sowohl Musk sich zu Höckes ausstehendem Verfahren geäußert, als auch Beatrix von Storch (AfD) zu den Vorwürfen gegen den Tesla-Chef.
Wegen einer Aussage bei einer Wahlkampfveranstaltung der Alternative für Deutschland ist Höcke angeklagt. Unterstützung hatte der AfD-Politiker auf X gesucht und eine Antwort von Elon Musk erhalten. Höcke inszeniert sich in seinem Post als Opfer „politischer Verfolgung“. Dem AfD Politiker wird vorgeworfen, die verbotene Losung der Sturmabteilung (SA) der NSDAP, „Alles für Deutschland!“, bei einer Veranstaltung verwendet zu haben. Dafür muss sich Höcke Mitte April vor dem Landgericht in Halle verantworten.
Höcke vor Gericht wegen verbotener SA-Aussage: Musk zeigt Interesse
Musks Aufmerksamkeit scheint Höcke mit seinem Post erlangt zu haben. Dieser antwortete: „Was haben Sie gesagt?“ Höcke erklärte daraufhin: „Am Ende einer Wahlkampfrede im Jahr 2021 habe ich folgenden Slogan verwendet: Alles für unsere Heimat, alles für Sachsen-Anhalt, alles für Deutschland.“ Dass es sich bei dem letzten Satz um eine SA-Losung handelt, deren Verwendung in Deutschland strafbar ist, erwähnte Höcke nicht.
Auch auf Musks Frage, warum das illegal sei, antwortete der AfD-Politiker nicht mit dieser Einordnung. Stattdessen holt er zu einem weiteren Schlag gegen den deutschen Rechtsstaat aus und schrieb: „Denn jeder Patriot in Deutschland wird als Nazi diffamiert, da es in Deutschland Gesetzestexte im Strafgesetzbuch gibt, die in keiner anderen Demokratie zu finden sind. Diese zielen darauf ab, zu verhindern, dass Deutschland wieder zu sich selbst findet.“
Gegenseitige Sympathie: Musk teilte Wahlaufruf für AfD
Musk zeigte sich bereits in der Vergangenheit interessiert an der rechtspopulistischen AfD und solidarisch mit deren Inhalten. Im September 2023 teilte er einen Wahlaufruf für die AfD auf seiner Plattform X. Die Sympathie wird von der Alternative für Deutschland erwidert. Ende 2023 lobte die AfD-Chefin Alice Weidel gegenüber Rheinische Post den Kurs von Musk auf seiner Plattform und auch Beatrix von Storch zeigte sich nun solidarisch mit Musk, gegen den in Brasilien ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde.
Hetze gegen brasilianischen Richter – juristische Folgen für Musk
Auf X wetterte Musk gegen den Richter Alexandre de Moraes vom Obersten Gerichtshof Brasiliens, wie Spiegel berichtet. Beispielsweise schrieb Musk über Moraes: „Dieser Richter hat schamlos und wiederholt die Verfassung und das brasilianische Volk verraten.“ Er forderte außerdem dessen Rücktritt oder Absetzung und schrieb, „Schande über dich, Alexandre, Schande“.
Hintergrund von Musk Äußerungen sind die Schließung von Konten sogenannter digitaler Milizen. Moraes hatte im Rahmen eines Verfahrens die Konten mehrere Verdächtiger schließen lassen, die in den sozialen Netzwerken Falschinformationen und Hassreden verbreitet haben sollen. Musk drohte außerdem damit, die Anordnung zur Sperrung der X-Konten zu veröffentlichen, was der Oberste Gerichtshof zuvor untersagt hatte.
Storch (AfD) unterstützt Musk: „Bollwerk gegen Despoten“
Für die Provokation, wegen der gegen Musk nun ein Ermittlungsverfahren läuft, bedankte sich die AfD-Politikerin Storch bei Musk. Auf X nannte sie ihn „den wichtigsten Mann der freien Welt als Bollwerk gegen Despoten“ und unterstützt damit Musk als selbsternannten Retter der Meinungsfreiheit.
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Musks Interesse an Rechtsextremisten im deutschsprachigen Raum
Musk solidarisierte sich bereits in der Vergangenheit mit Rechtsextremisten aus dem deutschsprachigen Raum. Als der prominente österreichische Rechtsextremist Martin Sellner in der Schweiz bei einem Treffen von der Polizei abgeführt wurde, schaltete sich Musk auf X ein und kommentierte unter einem Post von Sellner, in dem dieser sich ähnlich wie Höcke als Opfer der Staatsgewalt darstellte. Zum Vorgehen der Polizei in der Schweiz fragte Musk: „Ist das legal?“.
Wie dasRedaktionsNetzwerk Deutschland berichtete, hat Musk auf der US-Plattform X im März die Konten der rechtsextremen Identitären Bewegung wieder freigeschaltet. Sellner ist Sprecher dieser Bewegung. Sein Konto hatte Musk kurz vorher ebenfalls wieder aktiviert. Die Konten waren im Juli 2020 wegen Verstößen gegen die damals noch Twitter-Regeln zu Terrorismus oder gewalttätigem Extremismus gesperrt worden. (pav)