VonNadja Orthschließen
Ukrainischen Spezialtruppen sind am Ostufer des Dnipro im Gebiet Cherson an Land gegangen und haben offenbar erheblichen Schaden angerichtet.
Kiew – Ukrainische Streitkräfte haben offenbar einen Angriff über den Fluss Dnipro unternommen und russische Verteidigungslinien am Ostufer des Gebiets Cherson durchbrochen. Laut Informationen des Institute for the Study of War (ISW) ist bislang unklar, ob der Angriff nur von kurzer Dauer war oder es den Truppen gelungen ist, eine dauerhafte Präsenz im Gebiet aufzubauen.
Wie das ISW am Dienstag (8. August) unter Berufung auf mehrere russische Militärblogger berichtete, sollen am Ostufer des Dnipro in der Nähe der Siedlung Kozachi Laheri „bis zu sieben Boote mit jeweils sechs bis sieben Personen“ an Land gekommen sein. Die Soldatinnen und Soldaten hätten bei ihrem Angriff Verteidigungslinien Russlands durchbrochen und seien bis zu 800 Meter tief in das Gebiet vorgerückt.
Überfall auf russisches Lager am östlichen Ufer von Dnipro: „Äußerst schmerzhafte Probleme“
Laut einem Militärblogger soll erst vor kurzem eine „vorbereitete Gruppe“ russischer Luftlandetruppen von Kozachi Laheri in die Oblast Saporischschja verlegt worden sein, so das ISW weiter. Die Gruppe sei durch mobilisierte Soldaten ersetzt worden, wodurch die Verteidigung vor Ort geschwächt wurde. Laut Informationen der Kyiv Post schrieb ein pro-russischer Milblogger, dass der Angriff den russischen Streitkräften „einige unvermeidliche und äußerst schmerzhafte Probleme“ im Ukraine-Krieg bereitet.
Nur einen Tag vor dem Angriff informierte der ukrainische Geheimdienst auf seiner Website, dass Spezialeinheiten erfolgreich in der Uferregion bei Kherson operieren. „Die Kämpfer des ‚Schamanenbataillons‘, einer Spezialeinheit der Direktion des Verteidigungsnachrichtendienstes (HUR) des Verteidigungsministeriums, bewegen sich tief in die besetzten Gebiete hinein und fügen dem Feind weiterhin Verluste zu“, so HUR am Montag (7. August). Laut der Kyiv Post wird das „Schamanenbataillon“ von prorussischen Milbloggern bereits als „Teufel“ bezeichnet, da es sich um einer der gefährlichsten Truppen der Ukraine handelt.
NEW: #Ukrainian forces appear to have conducted a limited raid across the #Dnipro River and landed on the east (left) bank of #Kherson Oblast, although it remains unclear whether Ukrainian troops have established an enduring presence on the east bank. https://t.co/qwqKHsDvS1 pic.twitter.com/2JXTNdmcy4
— ISW (@TheStudyofWar) August 8, 2023
„Teufel von Dnipro“: Russland streitet Erfolg der Ukraine ab
Der Leiter der Besatzung des Gebiets Cherson, Wladimir Saldo, bestritt die erfolgreiche Operation der Ukraine und behauptete laut dem ISW, dass die ukrainischen Boote in der Nähe von Kozachi Laheri abgewehrt wurden. Die Mehrheit der prominenten russischen Militärblogger würde hingegen die Attacke bestätigen.
Ob sich die ukrainischen Streitkräfte mit ihrem Angriff über den Fluss eine dauerhafte Präsenz am Ostufer des Dnipro aufbauen konnten, war zunächst unklar. Verfügbare Daten der NASA würden zwar bestätigen, dass es zumindest schwere Gefechte im Gebiet Cherson gab. Russische Quellen hätten am Dienstagabend ihre Angaben aber aktualisiert und berichtet, dass die „russischen Streitkräfte die Kontrolle über Kozachi Laheri behalten und die ukrainischen Streitkräfte an die Küste zurückgedrängt haben“, so das ISW weiter. Da es aktuelle keine visuellen Beweise für eine größere Anzahl ukrainischer Soldaten oder ukrainischer Fahrzeuge in der Nähe von Kozachi Laheri gebe, will das ISW die weitere Entwicklung mit Vorsicht einschätzen. (nz)
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