Epstein-Akten: Welche Gefahr birgt die Affäre für Trump?
VonChristian Stör
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Trumps Verhalten bezüglich der Epstein-Akten erzeugt Unmut. Selbst in der MAGA-Welt herrschen Zweifel. Eine Abstimmung im Repräsentantenhaus rückt näher.
Washington, DC – Donald Trump wird den Skandal um Jeffrey Epstein nicht los. Noch vor einem Jahr hat er erklärt, als Präsident nach der US-Wahl alle FBI-Akten zu dem Fall offenzulegen. Nun will er nichts mehr davon wissen. Im Gegenteil: Alle neuen Details zu dem Skandal erklärt er rundheraus zu einem Schwindel der Demokraten. Von einer vollständigen Freigabe der Akten ist schon längst keine Rede mehr.
Wie problematisch ist der Fall Epstein aber für Trump? Bis jetzt hat ihm kein Skandal je etwas anhaben können. Schon als er sich vor der US-Wahl 2016 vor laufenden Kameras über einen Journalisten mit Behinderung lustig machte, dachte man ja, Trump hätte sich damit selbst ins Aus geschossen. Doch der MAGA-Welt war das egal. Auch dass er einst damit angab, Frauen ungestraft sexuell belästigen zu können, war schnell vergessen. Und auch die zahlreichen Prozesse perlten einfach an ihm ab.
Epstein-Affäre lässt Donald Trump nicht los
Auf den ersten Blick scheint es deshalb kaum denkbar, dass ausgerechnet jemand, der bereits seit sechs Jahren tot ist, zum Problem für ihn werden könnte. Dennoch steht nach wie vor eine simple Frage im Raum: Warum besteht Trump so vehement darauf, die Akten unter Verschluss zu halten, obwohl es bisher keinerlei Beweise für ein kriminelles Fehlverhalten seinerseits gibt? Eine Veröffentlichung aller Akten könnte ihm die Affäre eventuell schnell vom Hals schaffen.
So sieht es auch der demokratische Abgeordnete James Walkinshaw. „Es wäre viel sinnvoller, wenn er einfach sagen würde: ‚Lasst uns die vollständigen Akten veröffentlichen, alles ans Licht bringen und die Sache damit beenden‘“, sagte er in einem Interview mit Erin Burnett von CNN. „Warum will er das nicht tun? Was steht in diesen Akten, dass er diesen stetigen Strom schlechter Nachrichten weiterhin zulassen will?“
Die lange Liste Jeffrey Epsteins: Donald Trump, Prinz Andrew und viele mehr
Mails aus Epstein-Nachlass rücken Trump in ein schlechtes Licht
Eine Antwort auf diese Frage ist nicht leicht. Sicher ist, dass der Inhalt des jüngst veröffentlichten Mailverkehrs aus Epsteins Nachlass, der und 20.000 Seiten umfasst, Trump zumindest in ein schlechtes Licht rücken. So legen die Mails nahe, dass Trump sehr viel mehr über Epstein wusste, als er bisher zugeben wollte. So soll er über den Missbrauch minderjähriger Frauen im Bilde gewesen sein. „Natürlich wusste er von den Mädchen“, schrieb Epstein über Trump in einer Mail von Januar 2019. In einer älteren Mail von April 2011 heißt es demnach, eines von Epsteins Missbrauchsopfern habe „Stunden“ mit Trump in dem Haus des Sexualstraftäters verbracht. Der Name des Opfers ist darin geschwärzt.
Dem Weißen Haus zufolge handelt es sich bei der jungen Frau um Virginia Giuffre, die sich im April im Alter von 41 Jahren das Leben genommen hatte. Im Oktober erschienen posthum die Memoiren der US-Australierin. Sie klagte darin den britischen Prinzen Andrew an, sie als Minderjährige missbraucht zu haben. Dagegen habe Giuffre „wiederholt gesagt, dass Präsident Trump in keinerlei Fehlverhalten verwickelt war“, betonte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt.
„Verrückt, niederträchtig, böse“: Wie Epstein seinen Kumpel Trump beschrieben hat
Anderes Material war für Trump peinlich. So bot Epstein einem Reporter der New York Times, der2015 für das New York Magazine ein Porträt von Epstein verfasste, „Fotos von Donald und Mädchen in Bikinis in meiner Küche“ an. In einer weiteren E-Mail aus ihrem Austausch schrieb Epstein, dass Trump seinen Nasenabdruck auf einer Glastür hinterlassen hätte, während junge Frauen im Pool schwammen. Dabei sei er so tief versunken gewesen, „dass er direkt gegen die Tür lief“. In einer anderen Mail machte eines der Epstein-Opfer deutlich, was sie von Trump hielt: „Ich möchte nicht früh nach Hause kommen und Trump in Ihrem Haus vorfinden.“
Und dann gibt es noch andere Mails, in denen Epstein seinen ehemaligen Kumpel als „niederträchtig“, „korrupt“ oder „nahezu verrückt“ bezeichnet. In einer Mail deutete Epstein auch an, dass Trump möglicherweise an einer „beginnenden Demenz“ leide. In einer weiteren Reihe von Nachrichten behauptete Epstein, Trump fühle sich „allein und sei verrückt!!!“ Und mehr: „Ich habe es von Anfang an allen gesagt. Unfassbar böse. Wahnsinnig. Und die meisten dachten, ich spräche metaphorisch“, schrieb er. „Es ist offensichtlich, dass er durchdrehen könnte.“
Risse in der MAGA-Basis? Epstein-Skandal könnte Trump gefährlich werden
Die Frage ist nun, ob Trump den Epstein-Skandal jemals abschütteln kann. Bis jetzt hat die MAGA-Basis eisern zu ihm gehalten – komme, was da wolle. Doch in diesem Fall hat es Trump nicht geschafft, die Republikaner auf Linie zu bringen. Tatsächlich sind manche von Trumps Parteifreunden sogar dazu bereit, mit den Demokraten zusammenzuarbeiten. Nachdem Justizministerin Pam Bondi die Epstein-Akten im Sommer auf eine Veröffentlichung verzichtet hatte, gab es erste Risse in der MAGA-Welt.
Damals wetterte Trump, dessen Zustimmungswerte zuletzt rapide gesunken sind, auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social gegen seine eigenen Fans. „Was ist nur los mit meinen ‚Jungs‘ und in manchen Fällen auch mit meinen ‚Mädels‘? Wir sind alle ein Team, MAGA, und mir gefällt nicht, was da passiert.“ Dann forderte er sie auf, „keine Zeit und Energie an Jeffrey Epstein zu verschwenden, jemanden, der niemanden interessiert.“
Worum geht es beim Epstein-Fall?
Der einflussreiche US-Multimillionär Epstein hatte über viele Jahre einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Dabei verging er sich auch selbst an seinen Opfern. Nach seiner Festnahme und Verurteilung als Straftäter starb der Finanzier aus New York 2019 mit 66 Jahren in seiner Gefängniszelle. Im Obduktionsbericht wurde Suizid als Todesursache genannt.
Epsteins plötzlicher Tod und seine breiten Kontakte in die amerikanische High Society lösten Spekulationen über die mögliche Verwicklung einflussreicher Kreise aus. Vor seiner Festnahme waren Prominente und Milliardäre bei ihm ein und aus gegangen - auch Trump verbrachte Zeit mit Epstein, wie mehrere Party-Videos belegen. Zu dem Fallkomplex gibt es umfangreiche Akten, aus denen bislang nur Auszüge bekannt sind.
Werden alle Epstein-Akten freigegeben? Abstimmung rückt näher
„Viele MAGA-Anhänger haben das Gefühl, die Regierung sei korrupt und kümmere sich nicht um die Interessen der einfachen Amerikaner“, sagte der demokratische Abgeordnete Ro Khanna in einem Interview mit der Washington Post. Khanna. „Einer der Gründe, warum sie Trump unterstützten, obwohl er nicht perfekt war, war, dass er sagte: ‚Ich werde alles aufdecken. Ich werde alles zerstören. Ich werde gegen diese korrupte Elite vorgehen, die euch ausgenutzt und den amerikanischen Traum zerstört hat.‘“
In diesem Sinne sei die Veröffentlichung der Epstein-Akten „Kernbestandteil von Trumps Wahlversprechen“ gewesen, so Khanna. „Es war keine nebensächliche oder Randnotiz. Es war sein zentrales Thema, dass die korrupte amerikanische Elite die vergessenen Amerikaner verraten hatte.“
Khanna hat zusammen mit dem Republikaner Thomas Massie eine Petition vorangetrieben, die eine Abstimmung im US-Repräsentantenhaus über die vollständige Freigabe der Epstein-Akten erzwingen würde. Tatsächlich hat Mike Johnson, der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, inzwischen die Abstimmung über die Veröffentlichung für die kommende Woche angekündigt. Ob die Epstein-Akten Trump aber wirklich zu Fall bringen können, bleibt vorerst abzuwarten. (Quellen: CNN, Independent, Washington Post, Agenturen) (cs)