Epstein-Skandal: Trumps Nichte zerlegt seine Ausreden – Vorwürfe wegen Geburtstagsbuch
VonMarcus Giebel
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Demokraten veröffentlichen einen Geburtstagsgruß an Jeffrey Epstein, der von Donald Trump stammen soll. Auch dessen Nichte äußert sich.
Washington – Beinahe täglich präsentiert Donald Trump seine Unterschrift mit stolz geschwellter Brust vor Kameras. Vor allem, wenn er Dekrete und andere wichtige Dokumente signiert, um seine kontroverse Politik voranzutreiben. Mancher Schriftzug erfolgt dabei auch in aller Öffentlichkeit. Quasi als Beweis, dass der US-Präsident auch wirklich selbst dahintersteht.
Trump und der Epstein-Fall: Demokraten veröffentlichen Brief – vom heutigen US-Präsidenten?
Veröffentlicht wurde das Schreiben von den im Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses sitzenden Demokraten. Auf X schrieben sie dazu: „Hier ist es: Wir haben Trumps Geburtstagsgruß an Jeffrey Epstein, von dem der Präsident behauptet, er würde nicht existieren. Trump spricht von einem ‚wunderschönen Geheimnis‘, das die beiden teilen. Was verheimlicht er? Veröffentlicht die Akten!“
Trump wegen Gruß an Epstein unter Druck? Nichte meldet sich wegen Unterschrift zu Wort
Trump will zu jener Zeit schon lange keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt haben. Als Grund nannte er unter anderem, Epstein habe Angestellte von ihm abgeworben. Der Name des 79-Jährigen soll in den Akten auftauchen – allerdings ist unklar, in welchem Zusammenhang. Epstein wurde vorgeworfen, einen Ring zu unterhalten, um Minderjährige sexuell auszubeuten.
Nach der Veröffentlichung des vermeintlichen Trump-Geburtstagsgrußes an Epstein meldete sich auch dessen Nichte Mary L. Trump via X zu Wort. Sie schrieb: „Das ist definitiv seine Unterschrift. Nur so nebenbei.“ Die Autorin gilt als eine der schärfsten Kritikerinnen des Staatsoberhauptes und veröffentlichte 2020 das Enthüllungsbuch „Zu viel und nie genug: Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf“.
Geburtstagsbuch mit Folgen für Trump? Republikaner kritisieren Vorgehen der Demokraten
Ihren Tweet kannte James Comer wohl noch nicht, als er ein Statement veröffentlichen ließ. Darin geht der republikanische Vorsitzende des Aufsichtsausschusses auf Konfrontation zu den politischen Konkurrenten: „Es ist erschreckend, dass die Demokraten im Aufsichtsausschuss Dokumente herauspicken und Informationen, die sie aus dem Epstein-Nachlass erhalten haben, politisieren.“
Er kündigte eine „gründliche Untersuchung“ an, „um Transparenz und Rechenschaftspflicht für die Überlebenden von Epsteins abscheulichen Verbrechen und das amerikanische Volk zu schaffen“. Dem Präsidenten werde kein Fehlverhalten vorgeworfen. Es liege nun an den Demokraten, zu „entscheiden, ob für sie Gerechtigkeit der Überlebenden oder Politik Priorität hat“.
Geburtstagsgruß an Jeffrey Epstein
Voice Over: „Es muss im Leben mehr geben als alles zu haben.“
Donald: „Ja, es gibt mehr, aber ich werde nicht sagen, was es ist.“
Jeffrey: „Ich ebenfalls nicht, auch wenn ich es weiß.“
Donald: „Wir haben einige Gemeinsamkeiten, Jeffrey.“
Jeffrey: „Ja, haben wir, wenn ich so darüber nachdenke.“
Donald: „Rätsel altern nie, ist dir das schon aufgefallen?“
Jeffrey: „Tatsache ist, dass mir das klar geworden ist, als ich dich das letzte Mal gesehen habe.“
Donald: „Kumpels sind wunderbar. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag – und möge jeder Tag ein weiteres wunderbares Geheimnis sein.“
Quelle: Veröffentlichte Dokumente des Aufsichtsausschusses des US-Repräsentantenhaus
Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass weitere Dokumente nun öffentlich einsehbar seien. Neben Epsteins Testament und Einträgen aus seinen Adressbüchern befindet sich darunter auch ein Geburtstagsbuch, das seine inhaftierte Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell für Epsteins 50. Geburtstag im Jahr 2003 zusammengestellt habe. In jenem Buch findet sich auch der vermeintliche Trump-Gruß.
Trump-Sprecherin über Epstein-Gruß: „Weder von ihm gezeichnet noch unterschrieben“
Das Wall Street Journal hatte bereits im Juli ausführlich darüber berichtet. Der US-Präsident bestritt die Echtheit des Geburtstagsgrußes und konterte seinerseits mit einer Klage gegen die Reporter.
Nun schickte er seine Sprecherin vor. Karoline Leavitt ließ via X wissen: „Der jüngste Artikel des Wall Street Journal beweist, dass die ganze ‚Geburtstagskarten‘-Geschichte falsch ist. Wie ich schon immer gesagt habe, ist es ganz klar, dass Präsident Trump dieses Bild weder gezeichnet noch unterschrieben hat.“
Foto aus gemeinsamen Zeiten: Ein Abgeordneter hält im Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses ein Bild hoch, das Donald Trump neben Jeffrey Epstein zeigt.
Das Anwaltsteam werde sich in dem Rechtsstreit weiterhin zur Wehr setzen. Zudem warf sie dem verantwortlichen Journalisten vor, erst in jenem Moment um einen Kommentar des Weißen Hauses gebeten zu haben, als der Artikel veröffentlicht worden sei.
Analyse des Grußes an Epstein: Wall Street Journal zieht Vergleiche mit Trump-Reden und -Werken
Die Reporter wiederum unterzogen den Geburtstagsgruß einer eingehenden Analyse. Darin wurde die Unterschrift mit offiziellen Trump-Signaturen verglichen. Ebenso die Schwünge bei der Zeichnung des Frauenkörpers mit Werken, die offiziell Trump zugeschrieben werden.
Dokumentiert wurde zudem, dass der US-Präsident häufiger von sich in dritter Person spricht und es daher passen würde, dass über den Aussagen „Donald“ und nicht etwa „Ich“ zu lesen ist. Und auch einige Wörter, die jener Donald in dem Gruß benutzt, verwendet Trump demnach in seinen Büchern oder Reden. Als Beispiele werden „enigma“ und „wonderful thing“ herangezogen. (mg)