Epstein-Opfer im Rampenlicht: Politiker beider Parteien erhöhen Druck auf Trump
VonBabett Gumbrecht
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Zur Freigabe der Epstein-Akten beabsichtigen ein demokratischer und ein republikanischer Abgeordneter, Opfern eine Plattform vor dem Kapitol zu bieten.
Washington D.C. – Nach der einmonatigen Sommerpause kehren die Abgeordneten des US-Kongresses diese Woche in ein politisches Minenfeld zurück. Die Stimmung ist aufgeladen, denn direkt am Mittwoch (3. September) ist eine prekäre Pressekonferenz auf den Stufen des Kapitols geplant. Das Thema: Die Verschleierung der Epstein-Akten.
Die lange Liste Jeffrey Epsteins: Donald Trump, Prinz Andrew und viele mehr
Veranstaltet wird diese vom demokratischen Abgeordneten Ro Khanna gemeinsam mit dem Republikaner Thomas Massie. Gegen 16.30 Uhr (10:30 Uhr Ortszeit) sollen auf den Stufen des Kapitols, zehn Opfer des Missbrauchs von Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell sprechen – manche von ihnen zum ersten Mal. Auch die Anwälte der Überlebenden, Brad Edwards und Brittany Henderson, werden anwesend sein. Die Pressekonferenz ist auch ein Angriff gegen US-Präsident Donald Trump, der einst enge Verbindungen zu Epstein unterhielt.
Die Akte Jeffrey Epstein: Trump-Regierung steht wegen Umgang mit Missbrauchs-Fall in der Kritik
Zur Einordnung: Epstein wurde vorgeworfen, zahlreiche Mädchen und junge Frauen missbraucht und Prominenten zugeführt zu haben. Der Milliardär wurde 2019 erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden. Trump war in dem Fall im eigenen Lager unter Druck geraten, weil seine Regierung nicht wie versprochen Licht in den Skandal gebracht und entsprechende Akten veröffentlicht hat.
Im Frühjahr entstand deswegen innerhalb der US-Regierung erhebliche Kritik bezüglich der Behandlung des Epstein-Falls durch die Trump-Administration. Der Unmut brach aus, nachdem FBI und Justizministerium verkündet hatten, keine Belege für eine sogenannte Kundenliste gefunden zu haben und die Untersuchungen praktisch zu beenden.
Diese Entscheidung sorgte für Empörung auch unter Trump-Anhängern, die sich erhofft hatten, mehr Details über den verurteilten Sexualstraftäter und seine Verbindungen zu gesellschaftlichen Eliten zu erfahren. Verschiedene prominente MAGA-Unterstützer, darunter Laura Loomer und Liz Wheeler, gingen so weit, den Rücktritt von Justizministerin Pam Bondi zu fordern.
Für Veröffentlichung weiterer Epstein-Dokumente: Parteiübergreifende Koalition plant Angriff auf Trump
Am Mittwoch soll erneut Druck auf die Trump-Administration aufgebaut werden. Neben der Pressekonferenz bereiten Khanna und Massie eine Abstimmung zur Erzwingung der Veröffentlichung sämtlicher nicht geheimer Regierungsunterlagen in dem Fall vor. Dafür soll diese Woche mit einer Unterschriftensammlung begonnen werden.
Pressekonferenz mit Epstein-Opfern: Wo die Pressekonferenz im TV verfolgt werden kann
CNN International Europe: Ab 16 Uhr die Sendung „Connect the World“
BBC News: 16 Uhr „Verified Live“ Nachrichtensendung mit Matthew Amroliwala
ntv: 16:30 Uhr „News Spezial“ Spezialsendung zu wichtigen Nachrichtenthemen mit Politikern und Experten
Phoenix: 17:30 die Sendung „Phoenix der Tag“ mit politischem Schwerpunkt
Welt: ab 16 Uhr „Welt Newsroom“ Nachrichten aus aller Welt
Khana zeigte sich „sehr zuversichtlich“, dass die parteiübergreifende Initiative zur Freigabe der Akten im Repräsentantenhaus Erfolg hat: „Wir werden die Petition am 2. September live schalten. Wir haben alle 212 Demokraten … Er [Massie] hat 12 Republikaner. Nur sechs von ihnen müssen unterschreiben“, so Khanna in der NBC-Polit-Talkshow Meet the Press. Tatsächlich reichen, um die sogenannte Entlassungspetition anzuwenden, um die Parteiführung zu umgehen, 218 Abgeordneten-Unterschriften.
Die Resolution würde Justizministerin Bondi verpflichten, „alle unklassifizierten Aufzeichnungen, Dokumente, Kommunikationen und Ermittlungsunterlagen […] in einem durchsuchbaren und herunterladbaren Format“ binnen 30 Tagen zu veröffentlichen. „Weniger als ein Prozent der Akten wurden freigegeben. Das Justizministerium blockiert. Die Überlebenden verdienen Gerechtigkeit und die Öffentlichkeit Transparenz“, schreibt Khanna auf seiner Webseite.
Trump wird Berichterstattung nicht gefallen: Pressekonferenz mit Epstein-Opfern dennoch im US-TV
Die Pressekonferenz wird voraussichtlich am Mittwoch (3. September) auf sämtlichen US-Sendern thematisiert werden. Eine direkte Live-Schalte ist aber nicht geplant. Die großen kommerziellen Nachrichtensender wie Fox News, CNN und MSNBC werden aber höchstwahrscheinlich Ausschnitte und Zusammenfassungen in ihren regulären Nachrichtensendungen zeigen.
Auch im deutschen Fernsehen werden empfangbare Kanäle wie ntv oder Phoenix in ihren Nachmittagssendungen über das Geschehen vor dem Kapitol berichten. Eine andere Option bieten auch Social-Media-Plattformen wie YouTube oder Twitter/X an, wo oft Reporter und Nachrichtenorganisationen eigene Livestreams anbieten.
Trump wird die Berichterstattung sicherlich nicht gefallen. Erst Ende August zog er gegen verschiedene Medien ins Feld, deren Berichterstattung ihm zuwiderläuft. Zuletzt war das Wall Street Journal nach einem Bericht über Trumps Kontakt zum Sexualstraftäter Epstein von der Mitreise im Regierungsflieger ausgeschlossen worden. (bg)