Nach Naturkatastrophe

Erdogan reist mit rechtsradikaler Begleitung durch Erdbebengebiet

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Erdogan besucht gemeinsam mit dem Führer der rechtsradikalen MHP, Devlet Bahceli, die Erdbebenregion . Dort kündigen sie an, die Städte „von Null“ aufzubauen.

Hatay - Gestern haben Präsident Recep Tayyip Erdogan und der Führer der rechtsradikalen MHP, Devlet Bahceli, die Erdbebenregion in der Türkei besucht. Begleitet wurden sie dabei von Innenminister Süleyman Soylu, Verteidigungsminister Hulusi Akar, Gesundheitsminister Fahrettin Koca und Land- und Forstwirtschaftsminister Vahit Kirişci. Es war der erste Besuch von Bahceli im Katastrophengebiet.

Die Kritik an Erdogan und Bahceli ist groß. Der türkische Präsident wird von der Opposition für Fehler in der Vergangenheit kritisiert. So hatte Erdogan bereits in seinem Wahlkampf 2018 gesagt, durch den sogenannten „Baufrieden“ Hunderttausende Gebäude nachträglich genehmigt zu haben, die gegen das Baurecht verstoßen würden. Auch ist der Verbleib von 37 Milliarden Euro nicht bekannt, die im Rahmen der Erdbebensteuer eingenommen wurden.

Schlechte Koordination nach Erdbeben durch Katastrophenschutzbehörde

Die AKP-Regierung wird außerdem für die mangelhafte Koordination durch die Katastrophenschutzbehörde AFAD kritisiert. „Nicht das Erdbeben hat uns umgebracht, sondern die Inkompetenz der staatlichen Institutionen, die Gleichgültigkeit, Nachlässigkeit und das Desinteresse. Wir konnten sehen, wie nutzlos die AFAD ist, für die sie so viel Aufhebens gemacht haben“, so die Abgeordnete Tülay Hatimogullari (HDP) in einer Pressekonferenz am Montag.

Präsident Recep Tayyip Erdogan in Erdbebenregion

Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu (CHP) kritisiert immer wieder die AKP-Regierung wegen der mangelhaften Hilfen nach dem Erdbeben in der Türkei. „Hört auf, eine Show abzuziehen. Ihr habt in den vergangenen zwei Wochen den Menschen keine Zelte, Container, mobile Duschen und Toiletten gebracht“, schrieb Kilicdaroglu heute Morgen auf Twitter. Deswegen seien viele wieder in ihre beschädigten Häuser zurückgekehrt.

Erdbeben soll laut Bahceli „geheimnisvolle Bedeutung“ haben

Die Rede des Führers der türkischen Rechtsradikalen in der Türkei, Devlet Bahceli, in Hatay sorgt weiterhin für Verwirrung. „Diese große Katastrophe hat eine geheimnisvolle Bedeutung. Mir kommt es so vor, als sei es ein Ereignis, dass ein Geheimnis verbirgt. Deswegen werden wir mit der großen Gnade Gottes diese Katastrophe überwältigen“. Bahceli wird auch dafür kritisiert, dass seine Villa in der Katastrophenstadt Osmaniye leer steht und keine Überlebenden dort aufgenommen werden.

Erdbeben in der Türkei und in Syrien: Bilder zeigen Ausmaß der Zerstörung

Erdbeben erschüttern Türkei und Syrien
Zivilschutzmitarbeiter und Anwohner durchsuchen die Trümmer eingestürzter Gebäude nach Überlebenden. © Ghaith Alsayed/AP/dpa
Erdbeben
Die Moschee in Malatya (Türkei) wurde durch das Erdbeben zerstört. © Uncredited/DIA Images/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe
Frauen weinen, während sie zusehen, wie die Rettungskräfte in den Trümmern eines zerstörten Gebäudes in Adana nach Menschen suchen. © Khalil Hamra/AP/dpa
Erdbeben
Menschen und Rettungskräfte bergen eine Person auf einer Bahre aus einem eingestürzten Gebäude in Adana. © Elifaysenurbay/IHA/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe
Rettungskräfte suchen nach Menschen in den Überresten der zerstörten Häuser. © Khalil Hamra/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe in der Türkei und Syrien
Ein Mann sucht nach Menschen in den Trümmern eines zerstörten Gebäudes. © Khalil Hamra/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe
Bild der Verwüstung: Eingestürzte Gebäude in Aleppo in Syrien. © -/SANA/dpa
Erdbeben
Die Zahl der Opfer des Erdbebens steigt am Dienstagmorgen auf fast 5000. © Elifaysenurbay/IHA/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe
Zivilisten und Mitglieder des syrischen Zivilschutzes bergen in Harem in der Region Idlib ein Erdbebenopfer. © Anas Alkharboutli/dpa
Erdbebenkatastrophe
Dichter schwarzer Rauch steigt auf aus brennenden Containern im Hafen von Iskenderun in der Türkei. © Serdar Ozsoy/Depo Photos/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe - Gaziantep
Rettungskräfte suchen nach Überlebenden in den Trümmern von Gebäuden in Gaziantep. © Muhammad Ata/IMAGESLIVE/ZUMA/dpa
Erdbebenkatastrophe
Notfallteams suchen nach Menschen in den Trümmern eines zerstörten Gebäudes in Adana. © Hussein Malla/AP/dpa
Erdbebenkatastrophe - Idlib
Idlib in Syrien: Mit allen Mitteln versuchen Rettungskräfte die unter den Trümmern eingeschlossenen Menschen zu retten. © Anas Alkharboutli/dpa
Erdbebenkatastrophe - Adana
Zwei Männer tragen eine Leiche aus einem zerstörten Gebäude. © Hussein Malla/AP/dpa

Erdogan will Städte nach Erdbeben „von Null“ aufbauen

Erdogan kündigte derweil an, dass sie bereits mit dem Wiederaufbau der Stadt begonnen hätten. „Wir haben auch im Auto mit Devlet darüber gesprochen, dass wir die Stadt von null aufbauen werden. Wir werden Antakya, Arsuz, Iskenderun und so weiter von neuem aufbauen. Gibt uns dafür mindesten ein Jahr Zeit,“ sagte Erdogan.

Die Architektenkammer in der Türkei, TMMOB, hat allerdings davor gewarnt, die Trümmer wegzuräumen. Viele eingestürzte Gebäude seien laut TMMOB gegen die Bauvorschriften gebaut worden und es müssten Proben als Beweismittel entnommen werden, um dagegen vorgehen zu können. Zuvor hatte die TMMOB eine Delegation in die Katastrophenregion geschickt. Auch kritisierten die Experten einen zu schnellen Wiederaufbau, ohne vorher wissenschaftlich zu prüfen, wo und wie man bauen sollte. (Erkan Pehlivan)

Rubriklistenbild: © Celestino Arce/IMAGO

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