Energiewende

Erneuerbare Energien in Deutschland: Ökostrom-Wirtschaft glaubt nicht an Ausbauziele

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Die Klimakrise drängt, doch die Energiewende schleppt sich. Auch in der Führung von Ökostrom-Konzernen glaubt man kaum noch an das Erreichen der Ausbauziele.

Berlin – Bei ihrem Antritt gab sich die Ampelkoalition zum Thema Erneuerbare Energien in Deutschland ambitioniert. Das tut sie immer noch, doch die Zweifel am Erreichen ihrer Zielvorgaben wachsen. Auch zahlreiche Führungsfiguren der Ökostrom-Wirtschaft haben Bedenken, ob die deutschen Ausbauziele tatsächlich erreicht werden. Es geht voran, doch vielen nicht schnell genug. Denn: Es gibt noch viele Stellschrauben, an denen gedreht werden muss.

Erneuerbare Energien Deutschland: In der Ökostrom-Wirtschaft zweifelt man an den Ausbauzielen

Die Ausbauziele der Ampel-Koalition für Erneuerbare Energien in Deutschland sind ambitioniert, doch in Anbetracht der Klimakrise von hoher Bedeutung: Bis zum Jahr 2030 sollen rund 80 Prozent des Stromverbrauchs durch „Erneuerbare“ gedeckt sein, das hatte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zum Start der Ampel verkündet. Davon ist man mit bislang der Hälfte noch weit entfernt, von einer Vorreiterrolle Deutschlands kann in vielen Punkten kaum gesprochen werden. Zu bedenken gilt ebenso: Bis 2030 wird der Stromverbrauch in Deutschland deutlich steigen, im Vergleich zu heute. Wo steht die Ampel beim Ausbau? Energievertreter melden Zweifel am Erreichen der Ziele an.

Der Ausbau Erneuerbarer Energien in Deutschland geht vielen nicht schnell genug. (Symbolbild)

Frank May, Chef von Alterric, dem deutschlandweit größten Betreiber von Onshore-Windparks, erklärt laut FAZ, die Energiewende „verliere an Fahrt“. Der Chef des Konzerns Enercon, ein Windturbinenhersteller aus Niedersachsen wird in der Zeitung noch deutlicher: „Unter den aktuellen Rahmenbedingungen erscheint es nicht realistisch, dass die Zielvorgaben erreicht werden“, so Jürgen Zeschky. In ein ähnliches Horn bläst der Deutschland-Chef des Windradbauers Nordex, denn auch er sieht Deutschland „noch nicht auf dem notwendigen Ausbaupfad“ – und es gibt noch mehr Stimmen dieser Art, von denen die FAZ berichtet.

Erneuerbare Energie statt fossile Energie: Es tut sich etwas – nur nicht schnell genug

Besonders unter einigen Grünen-Parteimitgliedern hatte man gehofft, mit einer grünen Regierungsbeteiligung stünde ein grundlegender Umbruch in der Klimapolitik an – davon kann bislang keineswegs die Rede sein. Stattdessen hat sich die Partei nicht zuletzt in Lützerath für viele – vor allem junge – ehemalige Unterstützerinnen und Unterstützer unglaubwürdig gemacht. Einst programmatische Grundpfeiler der Partei hatten sich in den vergangenen Monaten als flexibler erwiesen, als es für einige vorstellbar gewesen wäre. Dennoch bleibt die Frage: Tut sich etwas beim Thema Erneuerbare Energie statt fossile Energie?

Tatsächlich hat die Ampel unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) Maßnahmen ergriffen, um den Ausbau zu beschleunigen, allerdings noch nicht genug. Das sieht man zumindest in der Energiewirtschaft so. Vom Chef des Projektentwicklers IBC Solar, Udo Möhr­stedt, heißt es beispielsweise, Gesetzesinitiativen gingen „zwar in die richtige Richtung“, müssten jedoch „an vielen Stellen massiv verbessert werden“. Erst kürzlich hatte Habeck Solar- und Windpakete angekündigt, um bürokratische Hürden abzubauen. Tatsächlich waren bereits verschiedene Gesetze zum Ausbau von Erneuerbaren Energien unter der Ampel geplant, erlassen und reformiert worden, es folgen wohl weitere Pakete. Ob das allerdings reicht, bezweifelt man nicht nur in der Energiewirtschaft.

Der Mittelstand zeigt Interesse an Erneuerbaren Energien

Eine repräsentative Umfrage der DZ Bank zu Erneuerbaren Energien in Deutschland hatte derweil kürzlich gezeigt, dass man im Mittelstand durchaus Interesse an erneuerbaren Energieträgern zeigt. Von 1000 befragten Unternehmen erklärten laut Handelsblatt 87 Prozent in Erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu investieren. Besonders groß scheint das Interesse dabei im Bereich der Photovoltaik. Das dürfte auch mit den trotz allem weiterhin hohen bürokratischen, Hürden etwa bei Windkraft zusammenhängen. Die Ampel will entbürokratisieren, die Energiewende beschleunigen. Vielen gehen die bisherigen Bemühungen – wenngleich sie erkennbar sind – nicht schnell und weit genug.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Wolfgang Maria Weber

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