Konflikte möglich

Flucht vor Putin: Mittelmeer-Badeort zieht Russen an – erst Oligarchen, nun auch Normalbürger

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Limassol
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Russland sieht sich im Ukraine-Krieg harten Sanktionen ausgesetzt. Russische Unternehmen und Arbeitskräfte wandern nun in die zyprische Stadt Limassol ab.

Limassol - Die zyprische Stadt Limassol ist ein Zufluchtsort für Russen. Im Zuge des eskalierten Ukraine-Konflikts werden die Sanktionen gegen Russland immer belastender für die Bevölkerung. Für viele Russen sind die Sanktionen und Angst vor der Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin scheinbar Anlass, ihr Land zu verlassen. In Limassol auf Zypern wartet bereits eine russische Gemeinde auf die Auswanderer.

Doch auch Stoff für Konflikte gibt es: Trotz jahrelanger enger Beziehungen zwischen Moskaus wirtschaftlicher Elite und Zypern unterstützt der Inselstaat die Ukraine im Verteidigungskrieg gegen Russland.

Limassol: Russen und russische Unternehmen fliehen ans Mittelmeer

Der Badeort im Inselstaat Zypern hat circa 200.000 Einwohner. Rund 50.000 Einwohner der Stadt sprechen Russisch, wie unter anderem ntv berichtet. Dem Guardian zufolge leben allein 40.000 Russen in der Stadt. Viele Geschäfte schreiben ihre Namen in kyrillischen Schriftzeichen. Seit mehreren Jahren bereits gebe es viele Russen in der zyprischen Stadt - und den Spitznamen „Limassolgrad“.

Limassol zog lange Zeit vor allem wohlhabende Russen an, die sich ein luxuriöses Leben am Mittelmeer leisteten. Ein Grund für die Attraktivität der Stadt auf Zypern ist wahrscheinlich die bereits existierende russische Kultur und Gemeinde. Schon seit den frühen 90er-Jahren ist die Insel ein sicherer Hafen für russisches Geld aus allen erdenklichen Quellen, wie unter anderem Politico.eu berichtet.

Jahrelang haben wohlhabende Russen die zyprische Staatsbürgerschaft im Gegenzug für Investitionen in den Inselstaat erhalten können. Heute ist der sogenannte „cash-for-passports scheme“ nicht mehr möglich. Er soll jedoch mehrere Milliarden Euro an Investitionen für das Land eingebracht haben, wie der Guardian berichtet.

Limassol

Limassol: Russen werden auf Zypern herzlich willkommen geheißen

In einer Reportage von n-tv erklärte eine 38-jährige Russin ihre Entscheidung, ihre Heimat zu verlassen und nach Zypern zu ziehen. Die Programmiererin aus Moskau ist eine von vielen jüngeren, qualifizierten Arbeitskräften, die Russland verlassen haben. Russische Unternehmen wandern nach Zypern ab, um die Sanktionen gegen Russland zu umgehen. Es folgen die jungen Arbeitskräfte, die sich ein Leben außerhalb Russlands vorstellen können. Die Programmiererin aus Moskau besitzt gegenwärtig ein einjähriges Arbeitsvisum. Sie träumt nach eigenen Angaben jedoch davon, einen „europäischen Pass“ zu bekommen.

Auch der Wohnungsmarkt in der Stadt erlebt offenbar einen Boom. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine kämen viele Russen – Wohnungen, die vor dem Krieg mehrere Monate leer standen, seien nun innerhalb weniger Stunden vermietet, sagte eine russische Maklerin dem deutschen Nachrichtensender. Die Einheimischen vor Ort sollen auch keine Probleme mit ihren neuen Mitmenschen haben. Im Gespräch mit n-tv sagte ein Einheimischer: „Die sind friedlich und freundlich.“ Zudem haben die hohen Investitionen russischer Oligarchen zum Wohlstand auf Zypern beigetragen.

Ukraine-Krieg: Prorussische Demonstration in Limassol

In der Stadt mit der großen russischen Minderheit hat es auch eine prorussische Kriegsdemonstration gegeben. Die Plattform Visegrád 24 teilte via Twitter ein Video der Demonstration. Ein Nutzer auf Twitter argumentierte jedoch, dass die Gegendemonstration wesentlich größer gewesen sei und die prorussische Demonstration, gemessen an der Anzahl der auf der Insel leben Russen, eher „gescheitert“ sei.

Ukraine-Krieg: Zypern unterstützt die Ukraine

Obwohl eine nennenswerte russische Minderheit in Zypern lebt, hat sich der Inselstaat im Ukraine-Krieg hinter die Ukraine gestellt. Wie der Guardian berichtete, hat Zypern das größte humanitäre Hilfspaket in der Geschichte des Landes an die Ukraine geschickt. Zudem dürfen russische Marineschiffe nicht mehr an zyprischen Häfen andocken und tanken.

Zyperns Außenminister Ioannis Kasoulidis sagte gegenüber dem Guardian: „Es herrscht ein Krieg. Man wird uns nicht dabei sehen, wie wir diesem Beihilfe leisten.“ Zypern stimmte des Weiteren zu, Russland aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk SWIFT auszuschließen. Zuletzt hatte Zypern 3.000 geflüchtete Ukrainer aufgenommen. Auch Konflikte bleiben der britischen Zeitung zufolge dabei nicht aus: In der Hauptstadt Nikosia etwa habe es sowohl Pro- als auch Anti-Kriegs-Demonstrationen gegeben: „Spannungen entluden sich zwischen jungen Ukrainern und Russen in Schulen und Universitätssälen.“ (lp)

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