VonRainer Grießhammerschließen
Im Boden verlaufende Stromtrassen sind mehrfach so teuer wie Überlandleitungen und keineswegs naturschonend: Die Kolumne „Öko-logisch“.
Die Entwicklung im EU-Strommarkt ist uneinheitlich. In Deutschland liegt der Anteil von Erneuerbaren bei der Stromproduktion bereits bei über 50 Prozent und soll bis 2030 auf 80 Prozent gesteigert werden. Andere Länder wie Frankreich oder Polen setzen dagegen auf eine Ausweitung der Atomenergie – trotz Störfallrisiken, Uranimporten aus Russland und zunehmend hohen Kosten. Frankreich hat gerade angekündigt, den Großhandelspreis für eigenen Atomstrom ab 2026 um 67 Prozent auf sieben Cent pro Kilowattstunde zu erhöhen.
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Angesicht fluktuierender Stromproduktion bei den Erneuerbaren und massiven Schwankungen im französischen Stromsystem (im Sommer durch Abschalten von AKW wegen überhitzten Flüssen, in kalten Wintertagen wegen übergroßer Nachfrage durch Heizungen) ist eine bessere Abstimmung im europäischen Netz und Strommarktdesign überfällig.
In Deutschland werden Schwankungen in der Produktion übergangsweise durch Kohle- und Gas- Kraftwerke gedeckt, perspektivisch durch wasserstoffkompatible Gaskraftwerke.
Das Rückgrat der Energiewende sind die Stromnetze, die zügig ausgebaut werden müssen, um die Nachfragespitzen durch Industrie, Wärmepumpen und E-Fahrzeuge sowie die fluktuierende Stromerzeugung der Erneuerbaren aufnehmen zu können. Der Schwerpunkt der Stromerzeugung liegt wegen der hohen Windenergieleistung im Norden, der Verbrauchsschwerpunkt im Süden. Bayern spielt dabei eine unrühmliche Rolle. Der Bau von Windkraftanlagen wurde blockiert, der Ausbau der Stromtrassen massiv verzögert. Obwohl Bayern deren Bau bereits zugestimmt hatte, hatte Ministerpräsident Söder 2020 vor den bayrischen Kommunalwahlen kein Rückgrat und gab neuen Forderungen nach Verlegen der langen Leitungen in den Boden nach. Erdtrassen sind allerdings mehrfach so teuer wie Überlandleitungen und keineswegs naturschonend: 25 Meter breite Korridore ohne Bäume, die Kabel zwei Meter tief in Beton, Austrocknen der Böden durch eine hohe Wärmeentwicklung.
Wirtschaftsminister Habeck hat gerade darauf hingewiesen, dass die Mehrkosten durch Erd-trassen eine zweistellige Milliardensumme betragen und jetzt noch ein kurzes Zeitfenster zum Umdenken offen sei. Aber da wird Söder wieder einmal auf der Leitung stehen.
Rainer Grießhammer steht der Stiftung Zukunftserbe vor.
