Europawahl in Ungarn: Orban historisch schlecht – Opposition erstarkt
Die Fidesz wird nach Angaben der Wahlkommission 11 Abgeordnete – statt wie bisher 13 – nach Brüssel schicken. Orbáns Partei konnte 44,6 Prozent der Stimmen holen. Damit liegt die Partei allerdings deutlich unter ihrem Ergebnis aus dem Europa-Wahljahr 2019 mit 52,6 Prozent. Magyars Tisza-Partei kann bei 29,7 Prozent mit 7 Mandaten rechnen. Zwei Mandate entfielen auf ein sozialdemokratisches Parteienbündnis, eines auf die rechtsextreme Partei Unsere Heimat (Mi Hazank).
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán (l.) gewinnt die Europawahlen. Doch die Oppositionspartei von Péter Magyar erreicht aus dem Stand fast 30 Prozent.
Magyar war mit der ehemaligen Justizministerin Judit Varga verheiratet gewesen. Er hatte Positionen in Regierungsinstitutionen und staatsnahen Unternehmen bekleidet. Im Februar verkündete er aber seinen Bruch mit Orbáns System. Er will die Macht des langjährigen Regierungschefs und seiner Fidesz-Partei sowie die Korruption brechen. Zudem will er sich für die nächste Parlamentswahl im Jahr 2026 in Position bringen. „Wir sind das korrupteste Land. Das ist zu viel für das ungarische Volk. Es ist zu viel: wirtschaftlich, politisch, rechtlich, ethisch”, sagte Péter Magyar Euronews im Mai.
Erfolg bei Europawahlen: Opposition in Ungarn will Orbán und Korruption brechen
Orbán, der seit 2010 teilweise autoritär in Ungarn regiert, hatte enorme Ressourcen eingesetzt, um seine Wähler für die Europawahl zu mobilisieren und um Magyar mit Schmutz-Kampagnen zu verunglimpfen. Dabei schürte er auch Kriegsängste in der Bevölkerung – die Abwendung eines Dritten Weltkriegs hinge gewissermaßen davon ab, dass Ungarn genügend Fidesz-Vertreter ins Europaparlament entsendet, behauptete er. Zuvor kam es in der ungarischen Hauptstadt Budapest zu Protesten gegen die Regierung.
Auf dem Weg nach Europa: Die Aufnahmekandidaten der EU
Europawahlen: EVP-Chef Weber hofft auf Zuwachs in Fraktion aus Ungarn
Die Fidesz-Abgeordneten waren bis zu ihrem Austritt im März 2021 in der Fraktion der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP). Orbán hofft, sie im neuen Parlament in einer der Fraktionen unterzubringen, die sich rechts von der EVP bilden könnten. EVP-Chef Manfred Weber (CSU) sagte jüngst, dass er die Tisza-Partei von Magyar gerne in den Reihen der EVP sehen würde.
Parallel zur Europawahl fanden in Ungarn am Sonntag (9. Juni) auch landesweite Kommunalwahlen statt. In den Großstädten vermochte die Opposition die 2019 errungenen Bürgermeisterposten weitgehend zu halten. Zu einem Krimi entwickelte sich die Wahl des Budapester Oberbürgermeisters. Der links-grüne Amtsinhaber Gergely Karacsony gewann nach vollständiger Auszählung mit einem hauchdünnen Vorsprung von 324 Stimmen gegen seinen Herausforderer David Vitezy. Ihn hatte die kleine grüne Splitterpartei LMP aufgestellt, Orbáns Fidesz unterstützte ihn. Vitezy forderte noch in der Wahlnacht eine Neuauszählung der Stimmen. (vk/dpa)