„Habt ihr Lack gesoffen?“

Kritik an Israels ESC-Teilnahme: Auch deutscher Teilnehmer wird zu Boykott aufgefordert

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Die Forderungen nach einem Ausschluss Israels vom Eurovision Song Contest nehmen zu. Isaak findet die Boykottforderungen kontraproduktiv und wehrt sich gegen Kritik.

Malmö – Russland ist bereits ausgeschlossen – nun wird auch die Forderung immer lauter, Israel vom Eurovision Song Contest (ESC) auszuschließen. Für Deutschland tritt dieses Jahr der Sänger Isaak beim ESC an. Auch er wurde aufgrund der Teilnahme Israels zum Boykott aufgefordert. In einem Interview mit dem ZDF äußerte sich der Musiker jetzt über die Boykottforderungen.

Für den jungen Sänger ist klar: Das Motto der Veranstaltung ist „United by Music“. „Und wenn wir sagen, Israel muss jetzt raus, weil die Regierung Schmu macht – ja dann sind wir nicht mehr ‚United by Music‘“, wie sich der Sänger gegenüber dem ZDF äußerte. Gegen die harten Vorwürfe, der Sänger würde durch seine Teilnahme indirekt einen „Genozid“ in Gaza unterstützen, wehrt sich der Sänger entschieden: „Mir wird vorgeworfen, wenn ich den ESC nicht boykottiere, sei ich ‚Mittäter am Genozid in Gaza‘. Jetzt reißt euch mal zusammen, Leute, habt ihr Lack gesoffen?“

Sänger Isaak Guderian vertritt Deutschland beim ESC-Finale 2024 in Malmö.

Isaak sieht keinen Widerspruch durch den Ausschluss Russlands: Freie Berichterstattung in Israel

Im Ausschluss Russlands sehe der Künstler keinen Widerspruch: „Israel hat eine freie Berichterstattung, Russland nicht. Um die Propaganda Russlands nicht zu unterstützen, hat man eben gesagt, wir können Russland leider nicht teilnehmen lassen“, befindet der 29-Jährige.

Seit der russischen Invasion der Ukraine existiere in Russland praktisch keine Medienfreiheit mehr. Hauptinformationsquelle für die russische Bevölkerung stellt das vom russischen Autokrat Wladimir Putin kontrollierte Staatsfernsehen dar, wie Reporter ohne Grenzen informiert. Der Kreml brandmarkt regelmäßig kritische Journalisten als „ausländische Agenten“ und zensiert die Pressefreiheit auch im Internet stark. Seit dem Ukraine-Krieg belegt Russland Platz 162 von 180 auf der Rangliste der Pressefreiheit weltweit.

Auch gegenüber Israel hagelt es Kritik: Pressefreiheit im Land eingeschränkt

Zwar steht Israel auch immer wieder in Kritik in puncto Pressefreiheit – wie zuletzt beim Verbot des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasiras. Dennoch ist kritische Berichterstattung – wenn auch eingeschränkt – gegenüber der Regierung Benjamin Netanjahus durchaus zulässig. Und auch innerhalb der Bevölkerung werden Proteststimmen gegen Israels Vorgehen im Krieg gegen die Hamas und die Bombardierung des Gazastreifens lauter. Erst am Montag kam es zu großen Protesten auf Israels Straßen, um die israelische Regierung aufzufordern, den vorgeschlagenen Waffenstillstand zu akzeptieren.

Diese Sänger holten für Deutschland die wenigsten Punkte beim „Eurovision Song Contest“

Lord Of The Lost aus Deutschland während der Abstimmung beim Finale des 67. Eurovision Song Contest (ESC) in der M&S Bank Arena in Liverpool.
2023 performte die Band Lord Of The Lost ihren Song „Blood & Glitter“ in Liverpool – leider sehr erfolglos. Sie erreichten mit 18 Punkten den 26. (letzten) Platz beim Eurovision Song Contest. © picture alliance/dpa | Peter Kneffel
Malik Harris aus Deutschland singt den Song „Rockstars“ beim Finale des Eurovision Song Contest (ESC)
Malik Harris holte 2022 in Turin mit seinem Song Rockstars nur sechs Punkte und belegte somit den letzten ESC-Platz (Platz 25). © picture alliance/dpa | Jens Büttner
Der deutsche ESC-Teilnehmer Jendrik performt seinen Song „I Don‘t Feel Hate“ beim Eurovision Song Contest 2021 in Rotterdam.
Nur drei Punkte erhielt der deutsche ESC-Teilnehmer Jendrik mit seinem Song „I Don‘t Feel Hate“ 2021 in Rotterdam. Im Finale belegte er damit den vorletzten Platz. © IMAGO/ANP
S!sters trat 2019 beim ESC in Tel Aviv für Deutschland an. Mit ihrem Song „Sister“ sammelte das Pop-Duo 24 Punkte. Das reichte nur für den vorletzten Rang.
S!sters trat 2019 beim ESC in Tel Aviv für Deutschland an. Mit ihrem Song „Sister“ sammelte das Pop-Duo 24 Punkte. Das reichte nur für den vorletzten Rang. © IMAGO/ITAR-TASS
Levina vertrat Deutschland beim Eurovision Song Contest 2017 in Kiew mit ihrem Song „Perfect Life“.
Levina vertrat Deutschland beim Eurovision Song Contest 2017 in Kiew mit dem Song „Perfect Life“. Für ihren Auftritt gab es insgesamt nur sechs Punkte (Platz 25). © IMAGO/Depositphotos
Jamie-Lee Kriewitz performte ihren Song „Ghost“ für Deutschland beim ESC 2016 in der schwedischen Hauptstadt Stockholm.
Jamie-Lee Kriewitz performte beim ESC 2016 in der schwedischen Hauptstadt Stockholm ihren Song „Ghost“. Mit nur elf Zählern stand im Finale der letzte Platz für Deutschland zu Buche. © IMAGO/Stefan Crämer
Die deutsche ESC-Teilnehmerin Ann Sophie präsentierte am 23.05.2015 beim 60. Eurovision Song Contest in Wien (Österreich) ihr Lied „Black Smoke“.
Harte Klatsche für Sängerin Ann Sophie: Sie erhielt mit ihrem Song „Black Smoke“ beim ESC im Jahr 2015 in Wien keinen einzigen Punkt. © picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa | Julian Stratenschulte
Im Jahr 2014 schickte Deutschland das Trio Elaiza um Frontfrau Ela Steinmetz zum Eurovision Song Contest nach Kopenhagen.
Im Jahr 2014 schickte Deutschland das Trio Elaiza um Frontfrau Ela Steinmetz zum Eurovision Song Contest nach Kopenhagen. 39 Punkte für den Song „Is It Right“ reichten im ESC-Finale nur für Platz 18. © IMAGO/ITAR-TASS
Beim ESC 2013 in Malmö konnte Cascada mit dem Song „Glorious“ nicht viele Punkte (18) für Deutschland einheimsen. Frontfrau Natalie Horler belegte damit den 21. Platz.
Beim ESC 2013 in Malmö konnte Cascada mit dem Song „Glorious“ nicht viele Punkte (18) für Deutschland einheimsen. Frontfrau Natalie Horler belegte damit den 21. Platz. © IMAGO/ITAR-TASS
Der US-amerikanische Sänger Oscar Loya vom Duo „Alex Swings Oscar Sings!“ beim ESC 2009 in Moskau mit Burlesque-Künstlerin Dita von Teese.
Der US-amerikanische Sänger Oscar Loya vom Duo „Alex Swings Oscar Sings!“ versuchte beim ESC 2009 in Moskau gemeinsam mit Burlesque-Künstlerin Dita von Teese die Zuschauer zu begeistern. Für den Song „Miss Kiss Kiss Bang“ gab es jedoch nur 35 Punkte (Platz 20 für Deutschland). © dpa/EPA/Yuri Kochetkov
Beim ESC 2008 in Belgrad trat die Girlgroup No Angels mit ihrem Song „Disappear“ an.
Beim ESC 2008 in Belgrad trat die Girlgroup No Angels mit ihrem Song „Disappear“ an. Verschwindend gering war auch die Punkteausbeute: Mit nur 14 Zählern belegten die deutschen Teilnehmerinnen gemeinsam mit Polen und dem Vereinigten Königreich den letzten Platz. © dpa/Jörg Carstensen
„Texas Lightning“-Sängerin Jane Comerford gab beim Eurovision Song Contest 2006 in Athen den Song „No No Never“ zum Besten.
„Texas Lightning“-Sängerin Jane Comerford gab beim Eurovision Song Contest 2006 in Athen den Song „No No Never“ zum Besten. Dafür gab es insgesamt nur 36 Punkte (Platz 15). © IMAGO/Andreas Neumeier
Die deutsche Sängerin Garcia beim Eurovision Song Contest 2005 in Kiew
Lediglich vier Zähler erreichte Sängerin Gracia mit dem Titel „Run & Hide“ beim ESC 2005 in Kiew. Deutschland war damit Schlusslicht aller 24 Teilnehmer. © dpa/Ulrich Perrey
Beim Eurovision Song Contest 2002 in der estnischen Hauptstadt Tallinn sang Corinna May den Titel „I Can‘t Live Without Music“.
Beim Eurovision Song Contest 2002 in der estnischen Hauptstadt Tallinn sang Corinna May den Titel „I Can‘t Live Without Music“. 17 Punkte reichten damals nur für Platz 21. © IMAGO/Scherf
Glen Penniston (l.) und seine Frau Cheyenne traten als Duo „Stone & Stone“ mit dem Titel „Verliebt in Dich“ beim ESC 1995 in Dublin für Deutschland an.
Glen Penniston (l.) und seine Frau Cheyenne traten als Duo „Stone & Stone“ mit dem Titel „Verliebt in Dich“ beim ESC 1995 in Dublin für Deutschland an – ohne Erfolg. Endergebnis: Letzter Platz mit nur einem Punkt. © IMAGO/teutopress
Beim ESC 1991 in Rom wurde Deutschland durch „Atlantis 2000“, einem Musikprojekt des Produzenten Alfons Weindorf und des Musikers und Texters Helmut Frey, vertreten.
Beim ESC 1991 in Rom wurde Deutschland durch „Atlantis 2000“, einem Musikprojekt des Produzenten Alfons Weindorf und des Musikers und Texters Helmut Frey, vertreten. Für den Song „Dieser Traum darf niemals sterben“ gab es zehn Punkte (Platz 18 von 22). © IMAGO/United Archives
Das Schlagerduo Cindy & Bert, bestehend aus Jutta und Norbert Berger, stand beim Eurovision Song Contest 1974 in Brighton für Deutschland auf der Bühne.
Das Schlagerduo „Cindy & Bert“, bestehend aus Jutta und Norbert Berger, stand beim Eurovision Song Contest 1974 in Brighton für Deutschland auf der Bühne. Mit ihrem Beitrag „Die Sommermelodie“ belegten sie mit nur drei Punkten den letzten Platz – zusammen mit Norwegen, Portugal und der Schweiz. © dpa/Horst Ossinger

Isaak jedenfalls konzentriert sich auf das Event an sich, für ihn geht es vor allem um die Musik. „Wir treffen uns hier, um Musik zu machen.“ Das Finale des ESC wird am 11. Mai um 21 Uhr in Malmö stattfinden, wobei das erste Halbfinale bereits am Dienstag, dem 7. Mai ausgestrahlt wird. Isaak tritt mit seinem Song „Always On The Run“ auf und hofft Deutschland dieses Jahr weiter nach vorne bringen zu können. (SiSchr)

Rubriklistenbild: © Soeren Stache

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