Ex-Aktivist und Islamkritiker: Was über den mutmaßlichen Attentäter des Magdeburger Weihnachtsmarkts bekannt ist
VonVictoria Krumbeck
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Der mutmaßliche Angreifer des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg ist seit Jahren als Arzt tätig. Seine radikalen Ansichten teilt er im Netz.
Magdeburg – Ein 50-jähriger Mann rast am Freitagabend (20. Dezember) mit einem Auto in eine Menschenmenge. Schnell wird klar, dass es sich um einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg handelt. Zahlreiche Menschen wurden dabei verletzt. Auch Todesopfer sind zu beklagen – darunter ein Kleinkind. Viele Menschen mussten die Tat mit eigenen Augen beobachten. Der mutmaßliche Täter, Taleb A., wurde von der Polizei festgenommen. Er soll den Behörden zuvor nicht als Extremist bekannt gewesen sein.
Attentat auf Magdeburger Weihnachtsmarkt: Mutmaßlicher Täter ist Ex-Muslim
Taleb A., der mutmaßliche Attentäter des Weihnachtsmarktes, wurde laut Informationen des Spiegels in der saudi-arabischen Stadt Hufuf geboren. Er kam im März 2006 als Gastarzt in der Facharztausbildung zum Psychotherapeuten nach Deutschland, wie aus dem FR-Interview hervorgeht. Im Juli 2016 wurde er als Flüchtling anerkannt und erhielt eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Dies war auf seine Abkehr vom Islam und die daraus resultierenden Todesdrohungen in seiner Heimat zurückzuführen.
In dem FR-Interview erzählte er, dass er Frauen in Saudi-Arabien über das deutsche Asylsystem informiere, um ihnen einen sicheren Ausweg aus ihrem Heimatland zu bieten. Dafür hatte der ehemalige Aktivist auch extra eine Website erstellt. Auch die BBC veröffentlichte 2019 ein Video über seine Bemühungen, den Frauen zu helfen.
Mutmaßlicher Attentäter vom Magdeburger Weihnachtsmarkt: Ein islamkritischer Arzt
In Deutschland arbeitete er als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Laut Informationen der Welt ist er im Maßregelvollzug in Bernburg, etwa 50 Kilometer südlich von Magdeburg, tätig. Dabei handelt es sich um eine Einrichtung des Landes Sachsen-Anhalt zur Rehabilitation und Sicherung von suchtkranken Straftätern. Allerdings soll er dort seit einigen Wochen nicht mehr erschienen sein, wie der Tagesspiegel berichtet.
Der mutmaßliche Täter, der sich selbst als Ex-Muslim bezeichnet, scheint sich im Laufe der Jahre radikalisiert zu haben. Er verbreitete die Behauptung, dass Deutschland Europa „islamisieren“ wolle, was auf der Beschreibung seines mittlerweile gesperrten X-Accounts zu lesen war. Zudem schrieb er: „Deutschland jagt saudische Asylbewerberinnen innerhalb und außerhalb Deutschlands, um ihr Leben zu zerstören“.
Verdächtiger von Magdeburg teilt wirre Aussagen im Netz: „Deutschland wird Preis zahlen müssen“
Im Dezember 2023 veröffentlichte er einen mittlerweile gelöschten Post auf X, der Welt vorliegt: „Ich versichere euch, dass zu 100 Prozent bald die Rache kommt. Auch wenn es mich mein Leben kostet.“ Er fügte hinzu: „Deutschland wird den Preis zahlen müssen. Einen riesigen Preis.“
In einem weiteren Beitrag auf X, den er im Mai 2024 auf Englisch verfasste und der von Welt zitiert wird, schrieb er: „Ich gehe ernsthaft davon aus, dieses Jahr zu sterben. Begründung: Ich werde um jeden Preis für Gerechtigkeit sorgen. Und die deutschen Behörden versperren alle friedlichen Wege zur Gerechtigkeit.“ Er soll auf Arabisch von der „Umsetzung“ einer „Operation“ gesprochen haben.
Verdächtiger des Magdeburger Weihnachtsmarktes teilt krude Nachrichten in sozialen Netzwerken
Am Abend des Anschlags soll er laut Spiegel und Welt verwirrende Videos auf X gepostet haben. Darin wird der mutmaßliche Täter von der Welt zitiert: „Ein anderer Grund, warum ich die deutschen Bürger für die Verfolgung verantwortlich mache, die ich in Deutschland erfahre, ist die Geschichte eines gestohlenen USB-Sticks aus meinem Briefkasten.“
In weiteren Sequenzen behauptete er, dass die deutsche Polizei kriminell sei: „Die Regierung ist kriminell, statt mich zu schützen. Die Polizei sind die Kriminellen. In diesem Fall mache ich die deutsche Nation und die deutschen Bürger dafür verantwortlich.“
Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Magdeburg: Bilder vom Großeinsatz
Mutmaßlicher Täter von Magdeburger Weihnachtsmarkt soll Anhänger der AfD sein
Der Verdächtige scheint Sympathien für die AfD zu haben, wie der Spiegel berichtet. In weiteren Beiträgen auf X soll Taleb A. über gemeinsame Projekte mit der AfD geträumt haben. Er soll sich eine Akademie für Ex-Muslime vorgestellt haben. Dazu schrieb er: „Wer sonst bekämpft den Islam in Deutschland?“ Laut einem Bericht der AFP soll er die Linken als „verrückt“ bezeichnet haben und über die AfD geschrieben haben: „Wir brauchen AfD, um die Polizei vor sich zu schützen.“