Anschlag in Magdeburg: Wie der Staat jetzt mit Hochdruck ermittelt
VonJekaterina Jalunina
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Vier Tage vor Weihnachten wurde der Weihnachtsmarkt in Magdeburg Schauplatz eines verheerenden Anschlags. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.
Magdeburg – In Magdeburg geht die Polizei am Morgen nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt mit mindestens zwei Todesopfern und Dutzenden Verletzten weiter von einem Einzeltäter aus. Hinweise auf ein zweites, möglicherweise mit der Tat im Zusammenhang stehendes Auto hätten sich nicht bestätigt, erklärte die Polizei am Samstag. Das Motiv des Täters ist bislang unklar. Am Freitagabend war ein Auto in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt gerast. Am frühen Samstagmorgen dauerte der Einsatz der Polizei an. Gegenwärtig käme es unter anderem zu Durchsuchungen, hieß es.
Nun folgen weitere Ermittlungen, an denen drei unterschiedliche Akteure beteiligt sind: die Staatsanwaltschaft, die Polizei und die Gerichte. Die am Tatort zuständigen Staatsanwältinnen und Staatsanwälte leiten ein Ermittlungsverfahren ein und führen es gemeinsam mit Unterstützung der Polizei durch. Der Täter wurde unmittelbar am Tatort von Einsatzkräften der Polizei gestellt und vorläufig festgenommen, Hintergründe zur Tat sind aktuell Bestandteil der laufenden Ermittlungen, teilte die Polizeiinspektion Magdeburg in einer Pressemitteilung mit.
Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Magdeburg: Bilder vom Großeinsatz
Nach Todesfahrt auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt: Faeser sichert Landesregierung Hilfe zu
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte der Landesregierung von Sachsen-Anhalt Hilfe des Bundes bei den Ermittlungen zu. Nach einem Telefonat mit Tamara Zieschang, der Ministerin für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt, erklärte Faeser, sie habe ihrer Kollegin „jede mögliche Unterstützung des Bundes zugesagt“.
Der Festgenommene wurde dem Regierungschef zufolge von der Polizei verhört. Nach ersten Erkenntnissen stammt der mutmaßliche Täter der tödlichen Attacke auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt aus Saudi-Arabien.
Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Magdeburg: Wie laufen in Deutschland die Ermittlungen?
Die Staatsanwaltschaft, die Polizei und die Gerichte sind an der Aufklärung von Straftaten beteiligt. Die Verantwortung für die Ermittlungen liegt in der Regel zunächst bei den Behörden vor Ort, da die Justiz in Deutschland Ländersache ist. Die zuständigen Staatsanwältinnen und Staatsanwälte beginnen das Ermittlungsverfahren und arbeiten dabei mit der Polizei zusammen.
Wird jedoch der Verdacht laut, dass eine terroristische Vereinigung hinter einer Straftat steckt, übernimmt der Generalbundesanwalt die Ermittlungen. Er ist die höchste Strafverfolgungsbehörde des Landes und entscheidet in Fällen, die eine besondere Bedrohung für die Sicherheit darstellen. Der Generalbundesanwalt kann Durchsuchungen anordnen, Haftbefehle beantragen und Fahndungen einleiten. Wie die Tagesschau berichtete, sprach Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haselhoff in einem Interview davon, dass sich sicher auch der Generalbundesanwalt dem Anschlag in Magdeburg annehmen wird.
Ermittlungen zum Anschlag in Magdeburg: Vorerst übernehmen die Landesbehörden
Solange der Generalbundesanwalt noch nicht eingeschaltet ist, bleiben die Ermittlungen zum Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt bei den Landesbehörden, wie zum Beispiel der Polizei in Sachsen-Anhalt. Erst wenn der Generalbundesanwalt den Fall übernimmt, übernimmt das Bundeskriminalamt (BKA) die Ermittlungen. Das BKA ist dafür zuständig, Beweise auszuwerten und Ermittlungen durchzuführen, häufig auch in Zusammenarbeit mit den Landeskriminalämtern und Spezialeinheiten wie der GSG-9.
Wenn ein Verdächtiger festgenommen wird, muss er innerhalb von 24 Stunden einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Ist der Generalbundesanwalt involviert, erfolgt die Vorführung vor dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Dieser entscheidet dann, ob der Verdächtige in Untersuchungshaft kommt. Die Untersuchungshaft erfolgt in Justizvollzugsanstalten im ganzen Land und nicht in Karlsruhe selbst. (dpa/afp/jal)
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