Autofreie Städte vs. Stau

5 Fotos zeigen Wunschvorstellung vs. bittere Realität beim Klimaschutz in Deutschland

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Deutschland verfehlt seine Klimaziele erneut. Vor allem zwei Bereiche sparen noch nicht genug. Nachbarländer zeigen, wie es geht.

Die Bundesregierung macht zu wenig für den Klimaschutz, weshalb Deutschland auf hohe Temperaturen zusteuert, kritisieren Umweltverbände in einer am Dienstag, 22. August 2023 veröffentlichten Stellungnahme des Expertenrats für Klimafragen. Das Klimaschutzprogramm der Koalition reiche nicht aus, die Treibhausgase (die auch Fleischesser:innen produzieren) zu verringern. Insbesondere die Bereiche Gebäude und Verkehr stehen aus Expert:innensicht schlecht da.

Deutschland erreicht Klimaschutzziele für 2023 nicht

Eine gesonderte Prüfung der Maßnahmen für Gebäude und Verkehr zeige, dass die von der Bundesregierung ausgewiesenen Treibhausgasminderungen für die beiden Sektoren nicht ausreichen würden, „um die sektoralen Zielverfehlungen auszugleichen“. Laut Expertenrat gebe es im Gebäudesektor eine kumulierte Lücke von 35 Megatonnen (Mt) CO₂-Äquivalente bis zum Jahr 2030. Im Verkehrssektor beträgt die Lücke bis 2030 zwischen 117 und 191 Mt CO₂-Äquivalente.

Die Geschäftsführerin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Antje von Broock, konstatierte, es klaffe in der deutschen Klimapolitik noch eine gewaltige Lücke zwischen Ziel und Wirklichkeit. Die Ampel-Regierung müsse schnell ein belastbares Konzept vorlegen, wie sie ihre Klimaschutzziele erreichen wolle. Aktuell entspreche das Klimaschutzprogramm nicht einmal gesetzlichen Anforderungen.

Es gibt einige Länder, die die Klimakrise besser bekämpfen, als Deutschland. Sie bauen mehr Häuser aus Holz, schaffen autofreie Städte und grüne Fassaden. BuzzFeed News Deutschland zeigt fünf Bilder, wie wir uns den Gebäude- und Verkehrssektor in Deutschland vorgestellt haben und wie sie wirklich sind.

1. Autofreie Städte vs. Stau

An jedem ersten Sonntag im Monat findet in Paris (links) der neue autofreie Tag statt. In Berlin (rechts daneben) sind am vierten Internationalen Autofreien Tag nur wenige Straßen gesperrt.

Wenn man an Klimaschutz denkt, dann denkt man an autofreie Städte (die man übrigens nicht mit hohen Parkgebühren erreicht, findet unsere Autorin). Die gibt es in anderen europäischen Ländern bereits, zum Beispiel in Frankreich. Einmal im Monat werden in Paris nicht nur die Avenue des Champs-Elysées, sondern auch die ersten vier Arrondissements grün und autofrei. Nächster Termin ist Sonntag, der 17. September 2023.

In Berlin fällt der autofreie Sonntag ein wenig kleiner aus: Am 22. September ist zwar der ÖPNV kostenlos, es werden aber nur wenige Stunden lang Straßenabschnitte im Nebenstraßennetz für den Auto- und Radverkehr (?) gesperrt.

2. Straßenviertel durch Geschwindigkeitsbegrenzung umweltfreundlich machen

„Superblock“ in Barcelona mit Tempolimit 10 km/h vs. 30er-Zone in Deutschland (Wuppertal).

In Barcelona gibt es seit 2016 sogenannte Superblocks: Wohnblöcke werden zu einem großen Block zusammengefasst, indem man in ihnen den Autoverkehr durch Geschwindigkeitsbegrenzungen unterbindet und den Raum für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen zurückgewinnt. Die Aufgabe des Superblocks: Er verhindert Luftverschmutzung und den Wärmeinseleffekt in der Stadt – beides wichtige Maßnahmen in Zeiten der Klimakrise. Vielleicht eine Alternative für die vielen 30er-Zonen in Deutschland?

3. Holzbauweise statt Beton

Neubau in Gullholmen Schweden vs. in Heßdorf (Bayern) Deutschland.

Im April 2023 forderten die Länder die Bundesregierung auf, die Verwendung von Holz als Baumaterial zu erleichtern. Derzeit liege die nämlich nur bei 20 Prozent – weniger, als zum Beispiel in Schweden, wo Bauten aus Holz eine lange Tradition haben. Zwar gibt es eine Holzbauinitiative der Bundesregierung, diese hilft laut Bericht aber nicht wirklich dabei, die Klimaziele zu erreichen.

Und das, obwohl die Holzbauweise nachweislich besser fürs Klima ist. „Bei einem neuen Mehrfamilienhaus können pro Quadratmeter Bruttogrundfläche im Schnitt 40 Prozent Treibhausgase bei der Erstellung des Gebäudes eingespart werden – und das mit einer heute schon breit eingeführten Technologie: dem Holzbau“, sagt Annette Hafner Leiterin des Lehrstuhls Ressourceneffizientes Bauen an der Ruhr-Universität in Bochum.

4. Grüne Bushaltestellen vs. Metallgerüste

Begrünte Bushaltestellen in Utrecht sollen Raum für Bienen, Hummeln und andere Insekten schaffen. In deutschen Städten sehen sie eher so aus, wie rechts in einer Kleinstadt nahe Stuttgart.

In den Niederlanden setzt die Stadt Utrecht auf Pflanzen und begrünte in den letzten Jahren über 300 Bushaltestellen. Städte wie Leipzig, München und Frankfurt ließen sich von diesem Projekt zwar inspirieren – bis heute stolpert man in Deutschland jedoch eher über Bushaltestellen ohne grünes Dach.

5. Grüne Fassaden und Dächer vs. Plattenbau

Grüne Fassade in Basel vs. Sozialer Wohnraum in Berlin Marzahn und Hellersdorf.

In Basel (Schweiz) gibt es die Pflicht, das eigene Dach zu begrünen. „Wir haben hier in Basel gemerkt, dass diese Flächen eigentlich nicht genutzt sind, konsequent. Und wir konnten aufzeigen, dass hier auch für die Natur wertvolle Flächen entstehen konnten“, erläutert der Stadtökologe Stephan Brenneisen Euronews. „Es ist seit etwa 20 Jahren auch im Baugesetz definiert: Wenn man ein Dach, ein Flachdach hat, muss man das begrünen. Und wenn die Zahl gefragt ist: Wir haben ungefähr jetzt, ich würde mal sagen, etwa 4000 begrünte Dächer in Basel.“ So ein Gesetz bräuchte man bei den vielen Plattenbauten in Deutschland vielleicht auch.

Mehr Klima-Themen: Klimafreundliches Reisen und Slow Tourism: Hier erklärt uns eine Expert:in, was dahintersteckt.

(Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © ANP/IMAGO, Pond5 Images/IMAGO

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