„Wir hören auf“: Britische Klimaaktivisten wollen sich nicht mehr festkleben
VonMarkus Hofstetter
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Britische Aktivisten von Extinction Rebellion setzen in Zukunft auf Zusammenarbeit statt auf Konfrontation. Bald schon soll eine Massendemonstration stattfinden.
In Großbritannien scheint nun ein Umdenken in der Bewegung stattgefunden zu haben, wenn man einer Resolution mit dem Titel „We quit“ („Wir hören auf“) glauben darf. Die Klimaaktivisten haben das Schreiben am 31. Dezember auf ihrer Homepage veröffentlicht. Demnach wollen sie sich vorerst nicht mehr festkleben und Straßen blockieren.
Britische Klimaaktivisten werden zahmer: Eine ständige Weiterentwicklung der Taktik ist notwendig
„Während wir das neue Jahr einläuten, haben wir die umstrittene Entscheidung getroffen, vorübergehend von der öffentlichen Störung als primären Taktik abzurücken“, heißt es in dem Schreiben. Man erkenne und feiere die Macht der Disruption, um Alarm zu schlagen. Man glaube aber auch, dass es notwendig sei, die „Taktik ständig weiterzuentwickeln“.
Es sei jetzt am dringendsten nötig, den Machtmissbrauch und das Ungleichgewicht zu stören, um den Übergang in eine gerechtere Gesellschaft herbeizuführen, die gemeinsam auf ein Ende des „fossilen Zeitalters“ hinarbeitet. Die gierigen und von Gewinnen fett gewordenen Politiker würden das nicht ohne Druck tun.
Britische Extinction Rebellion ändern Taktik: Im Vordergrund steht der Aufbau einer kollektiven Macht
„In einer Zeit, in der die Aussprache einer Meinung und das Handeln kriminalisiert wird, ist der Aufbau einer kollektiven Macht, zahlenmäßiges Wachstum und das Prosperieren durch das Bauen von Brücken ein radikaler Akt“, schreiben die Aktivisten weiter. In diesem Jahr bevorzuge man Teilnahme vor Festnahmen und Beziehungen vor Straßenblockaden, während man zusammenstehe, um nicht mehr ignoriert werden zu können. So strebt man an, 100.000 Menschen dazu zu bringen, am 21. April die Parlamentsgebäude in London einzukreisen.
Aktionen von Extinction Rebellion: Gegner sehen darin Akte des Vandalismus
Extinction Rebellion macht auch in vielen anderen Ländern mit unkonventionellen Aktionen auf ihre Ziele aufmerksam. In Deutschland haben sie unter anderem in München für Verkehrschaos gesorgt, indem sie sich auf der Straße festklebten. In Paris klebten sich Aktivisten auf der Automesse an einem Luxus-Sportwagen fest. Befürworter sprechen von einer Schocktaktik, um das Bewusstsein für die Klimakatastrophe zu schärfen. Für Gegner handelt es sich um Akte des Vandalismus oder zumindest lästige Behinderungen im Alltagsleben.