Zeitenwende

Die Trump-Putin-Connection: „Eine radikale, extrem schnelle Annäherung“

Trump und Putin arbeiten Hand in Hand, sagt der Kreml-Experte Régis Genté. Der US-Präsident teile Positionen und Propaganda des früheren Erzfeindes.

Zuerst eine Frage, die vor ein paar Jahren undenkbar erschienen wäre: Steht der Präsident der Vereinigten Staaten, der mächtigste Mann der Welt, unter russischer Kontrolle?

Ich würde eher von Einfluss als von Kontrolle sprechen. Diesen Einfluss muss man aber präzisieren.

Bitte.

Der Moskauer Geheimdienst FSB – Nachfolger des KGB – würde sagen, der US-Präsident sei „russlandkompatibel“. Er hegt keine große Liebe für die liberale Demokratie, er verehrt starke Machthaber, und er glaubt in den internationalen Beziehungen nur an Machtkonstellationen und Einflusszonen, in denen die jeweilige Großmacht ihre Kontrolle – und das auch mit Gewalt – ausübt. Trump bewundert beispielsweise den ehemaligen republikanischen US-Präsidenten Theodore Roosevelt für dessen Auslegung der Monroe-Doktrin, die den amerikanischen Kontinent dem Einfluss der USA zuschlug. Zudem gibt es zwischen Trump und Russland eine alte und enge Beziehung, eine Geschichte, die etwa 40 Jahre zurückreicht und die klar aufzeigt, unter welchem Einfluss Trump steht.

Wie genau?

Es gibt keine Beweise, aber viele Indizien, dass Trump das ist, was man im KGB-Jargon einen „vertraulichen Kontakt“ nennt. Seine erste Russlandreise von 1987 wurde zweifellos vom KGB organisiert. Trump war wohl nie Agent, er wurde auch nicht durch sexuellen „Kompromat“ erpresst. Tatsache ist, dass er nach seiner Rückkehr aus Moskau auf einmal russische Argumente wiedergab. Seine Forderung, die Europäer müssten mehr für die Nato zahlen, stammt von dort, auch wenn damals schon Ronald Reagan diesen Diskurs führte. Dafür wurden in den USA aus Moskau kommend Gerüchte gestreut, Trump wäre ein guter Präsident.

Donald Trumps Kabinett: Liste voller skandalöser Überraschungen

Donald Trump im Weißen Haus
Donald Trump ist am 20. Januar 2025 als neuer Präsident ins Weiße Haus zurückgekehrt. Die Posten in seinem Kabinett sind alle verteilt. Wir stellen vor, wer Trump in die Regierung folgt. © Evan Vucci/dpa
 J.D. Vance wird Donald Trump als Vizepräsident ins Weiße Haus folgen.
J.D. Vance ist Donald Trump als Vizepräsident ins Weiße Haus gefolgt. Der 40 Jahre alte ehemalige Senator aus Ohio ist einer der jüngsten US-Vizepräsidenten aller Zeiten. Nach Washington DC hat Vance seine Ehefrau Usha Vance begleitet. Die 38 Jahre alte Anwältin ist die erste „Second Lady“ der USA mit indischen Wurzeln. Das Paar hat die für den Vizepräsidenten vorgesehenen Räumlichkeiten im „United States Naval Observatory“ nahe dem Weißen Haus bezogen. © Alex Brandon/dpa
Marco Rubio soll laut US-Medien in der Regierung von Donald Trump das Amt des Außenministers übernehmen.
Marco Rubio hat in der Regierung von Donald Trump das Amt des Außenministers übernommen. Der 53 Jahre alte Senator aus Florida ist der erste US-Außenminister mit lateinamerikanischen Wurzeln. Rubio trat 2016 gegen Trump bei den Vorwahlen der Republikaner an und musste sich von dem späteren US-Präsidenten als „totaler Witz“ mit einem Schweißproblem beschimpfen lassen. Doch statt sich zu wehren, schluckte der langjährige Senator die Beleidigungen und präsentierte sich als loyaler Anhänger Trumps. In der US-Außenpolitik stellte sich Rubio in der Vergangenheit an die Seite der Ukraine. © IMAGO/Michael Brochstein / SOPA Images
Scott Bessent soll unter Donald Trump den Job des Finanzministers übernehmen
Donald Trumps Nominierung für den Posten des Finanzministers wirkte geradezu langweilig. Scott Bessent übernahm den Job – gegen den Wunsch Elon Musks. Der hatte sich mehrfach gegen die Ernennung des Wall-Street-Experten ausgesprochen. Bessent gilt als international erfahrener Finanzexperte und soll Donald Trump bereits 2016 mehrere Millionen Dollar für den Wahlkampf gespendet haben. In seiner neuen Funktion wird Bessent zahlreiche Wahlversprechen Trumps umsetzen müssen, darunter unter anderem Steuersenkungen, neue Zölle gegen China und die Finanzierung von Projekten wie den geplanten Massenabschiebungen. © DREW ANGERER/AFP
Pete Hegseth soll Verteidigungsminister werden
Eine überraschende Wahl Donald Trumps war die Personalie des Verteidigungsministers. Pete Hegseth war acht Jahre lang als Moderator für Fox News tätig. Als Soldat diente Hegseth im Irak und in Afghanistan. Erfahrung in Regierungsarbeit bringt er aber nicht mit. Doch Hegseth dürfte sich die Nominierung durch Trump mit seiner langjährigen Loyalität verdient haben: Der zweifache Familienvater hält schon seit 2016 zu Trump, als viele den Milliardär noch als politische Witzfigur belächelten. © TERRY WYATT(AFP
Pamela Jo Bondi, genannt Pam Bondi, den Job im Justizministerium bekommen
Statt dem ursprünglich von Trump nominierten Matt Gaetz hat Pamela Jo Bondi, genannt Pam Bondi, den Job im Justizministerium bekommen. Die 59 Jahre alte Juristin war in ähnlicher Funktion auf bundesstaatlicher Ebene bereits in Florida tätig. 2013 stellte sie dort in dieser Funktion einen Betrugsprozess gegen die Trump University ein. 2016 unterstützte sie Trump im Vorwahlkampf der Republikaner. Er holte die Juristin drei Jahre später in sein Anwaltsteam, das ihn im ersten Amtsenthebungsverfahren vertrat.  © MANDEL NGAN/AFP
Douglas James „Doug“ Burgum ist Mitglied der Republikaner
Douglas James „Doug“ Burgum ist Mitglied der Republikaner und hat im Kabinett von Donald Trump den Posten des Innenministers übernommen. Von 2016 an war der ehemalige Unternehmer Gouverneur des Bundesstaates North Dakota.  © IMAGO/Ricky Fitchett
Brooke Rollins soll im zweiten Kabinett Donald Trumps das Amt der Landwirtschaftsministerin übernehmen
Brooke Rollins hat im zweiten Kabinett Donald Trumps das Amt der Landwirtschaftsministerin übernommen. Die Anwältin stammt aus Texas und war bereits in der ersten Regierung Trumps tätig. Sie gilt als loyale Anhängerin des künftigen Präsidenten und als politische Vordenkerin konservativer Strategien. © MANDEL NGAN/AFP
Howard Lutnick, hier im Jahr 2010 mit seiner Ehefrau bei einer Gala
Howard Lutnick, hier im Jahr 2010 mit seiner Ehefrau bei einer Gala, ist Donald Trump als Handelsminister ins Weiße Haus gefolgt. Der Milliardär war stellvertretender Vorsitzender im Übergangsteam Trumps und regelmäßiger Gast in dessen Luxus-Resort Mar-a-Lago. Laut der New York Times war Lutnick lange Zeit als Mitglied der Demokraten registriert, lief nach der Machtübernahme Trumps im Jahr 2016 zu den Republikanern über. © IMAGO
Lori Chavez-DeRemer war Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus
Lori Chavez-DeRemer war Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus und ist unter Donald Trump Arbeitsministerin geworden. Die Personalie war innerhalb der Republikanischen Partei umstritten. Chavez-DeRemer unterhält enge Beziehungen zu mehreren Gewerkschaften in den USA und unterstützte während ihrer Amtszeit mehrere Gesetzentwürfe der Demokraten, darunter auch eine Amnestie für illegal Eingewanderte, die auf dem Arbeitsmarkt integriert sind. © IMAGO/Michael Brochstein
Robert F. Kennedy Jr., Neffe des einstigen Präsidenten John F. Kennedy
Robert F. Kennedy Jr., Neffe des einstigen Präsidenten John F. Kennedy, hat sich in den vergangenen Jahren vor allem als Impf-Leugner und Verschwörungstheoretiker hervorgetan. Bei der US-Wahl 2024 trat RFK zunächst als unabhängiger Kandidat an, zog sich dann aber aus dem Rennen zurück und unterstützte die Kampagne Donald Trumps. Der versprach dem 70 Jahre alten Kennedy dafür eine herausragende Rolle bei der Gestaltung der Gesundheitspolitik – und nominierte ihn schließlich als US-Gesundheitsminister. © IMAGO/Robin Rayne
Scott Turner, ehemaliger NFL-Profi, soll unter Donald Trump Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung werden.
Scott Turner ist unter Donald Trump Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung geworden. Der ehemalige Profi der American Football League gehörte bereits der ersten Administration Trumps an. Scott ist die erste Schwarze Person im Team des künftigen Präsidenten. Zu Scotts Aufgaben werden unter anderem Programme zur Förderung von erschwinglichem Wohnraum gehören, außerdem zur Unterstützung von Amerikanern mit geringem Einkommen, zur Verhinderung von Diskriminierung auf dem Markt und zur Förderung der Stadtentwicklung. © ANNA MONEYMAKER/AFP
Sean Duffy, hier mit seiner Ehefrau Rachel Duffy
Sean Duffy, hier mit seiner Ehefrau Rachel Duffy, ist der neue Verkehrsminister in der Trump-Regierung. Duffy bringt politische Erfahrung als ehemaliger Kongressabgeordneter mit. Seine Nominierung durch Trump dürfte er aber vor allem seiner Präsenz bei Fox News verdanken. Neben zahlreichen Gastauftritten moderierte Duffy gut ein Jahr seine eigene Show namens „The Bottom Line“ auf dem Spartensender Fox Business Network. © IMAGO/Robert Deutsch
Chris Wright
Neuer Energieminister ist Chris Wright. Er soll Trump dabei helfen, Regulierungen abzubauen und so die Ausbeutung der Rohstoffe in den USA voranzutreiben. Trump hat es eigenen Aussagen zufolge vor allem auf Ölfelder in Alaska abgesehen. Burgums Aufgabe ist, als Energierminister Öl-Förderungen in dortigen Naturschutzgebieten zu ermöglichen. © Ting Shen/AFP
Linda McMahon. Die 76 Jahre alte Managerin ist die Ehefrau von Vince McMahon
Eine weitere Fernsehpersönlichkeit, die Donald Trump mit nach Washington DC gebracht hat, ist Linda McMahon. Die neue Bildungsministerin ist die Ehefrau von Vince McMahon. Gemeinsam mit ihrem Mann führte McMahon die Wrestling-Show WWE zu internationalem Erfolg. Das Vermögen des Ehepaars wird laut Forbes auf fast drei Milliarden Dollar geschätzt. Die McMahons gelten als spendenfreudige Unterstützer der Republikaner im Allgemeinen und Donald Trump im Speziellen. Was genau ihre Aufgaben sind, ist nicht ganz klar. Im Wahlkampf hatte Trump immer wieder angekündigt, das Bildungsministerium abschaffen zu wollen. © imago stock&people
Der ehemalige Kongressabgeordnete Doug Collins
Der ehemalige Kongressabgeordnete Doug Collins hat unter Donald Trump den Posten des Ministers für Kriegsveteranen übernommen – ein wichtiger Posten in den USA, wo die Rolle der Umgang mit den eigenen Veteranen ein konstanter Streitpunkt ist. Collins gilt als loyaler Unterstützer Trumps und verteidigte auch dessen Behauptungen zum angeblichen Wahlbetrug in Georgia bei der US-Wahl 2020.  © IMAGO/Robin Rayne
Kristi Noem vor der US-Wahl
Kristi Noem berichtete vor der US-Wahl in einer Autobiografie davon, wie sie ihren Hund wegen Ungehorsams erschossen hatte. Damit löste die 52 Jahre alte Gouverneurin des Bundesstaates South Dakota eine Welle der Empörung aus – und hinderte Donald Trump wohl daran, sie zu seiner Vizepräsidentin zu machen. Dafür war die Republikanerin rund ein Jahr lang als Ministerin für innere Sicherheit Teil des Trump-Kabinetts tätig. Im März 2026 musste sie aber ihren Hut nehmen.  © Samantha Laurey/Imago
Senator des Bundesstaates Oklahoma Mullin
Trump bestimmte zugleich den Nachfolger von Noem: Markwayne Mullin führt mit Wirkung zum 31. März 2026 das für Einwanderungs- und Grenzschutzbehörden zuständige Ressort. Der Senator des Bundesstaates Oklahoma und sechsfache Vater aus dem Mittleren Westen gilt als bodenständig, konservativ und loyal zu Trump. Mullin wuchs auf einer Ranch auf, übernahm als junger Mann das Familienunternehmen, einen Sanitär- und Handwerksbetrieb, und baute es zu einer großen Firma aus. Bevor er in die Politik ging, kämpfte er außerdem als Mixed-Martial-Arts-Sportler und blieb laut eigenen Angaben in seiner kurzen Profikarriere ungeschlagen. Nun verfügt Trumps Kabinett über einen neuen Kämpfer.  © J. Scott Applewhite/dpa
Der 44 Jahre alte Lee Zeldin
Lee Zeldin ist neuer Direktor der Umweltschutzbehörde. Trump selbst glaubt nicht an den menschengemachten Klimawandel. Zeldins Aufgabe soll also weniger der Schutz der Umwelt sein. Stattdessen soll der Ex-Abgeordnete laut Trump „für faire und rasche Deregulierung sorgen“. Zeldin bedankte sich für den Posten bei seinem neuen Chef via X und kündigte an, „amerikanische Arbeitsplätze zurückzubringen“. © IMAGO/Matt Bishop/imageSPACE
Russel Vought nennt sich selbst einen „christlichen Nationalisten“.
Russell Vought nennt sich selbst einen „christlichen Nationalisten“. Erfahrungen hat er bereits als Regierungsbeamter in der ersten Administration von Donald Trump sammeln können. Vought war einer der Autoren des „Project 2025“ und gilt als Hardliner in Sachen Grenz- und Einwanderungspolitik. In der neuen Administration von Donald Trump hat er die Leitung des Büros für Management und Haushalt übernommen. © Michael Brochstein/imago
Tulsi Gabbard war einst Abgeordnete der Demokraten
Tulsi Gabbard war einst Abgeordnete der Demokraten und vertrat den Bundesstaat Hawaii von 2013 bis 2022 im Repräsentantenhaus. 2020 kandidierte sie bei den Vorwahlen der Demokrate. 2022 brach sie mit ihrer Partei und erklärte sich für unabhängig. In den Folgejahren näherte sie sich immer mehr den Republikanern an, bis sie sich vor der US-Wahl 2024 öffentlich für Donald Trump aussprach. Der dankte es der 43 Jahre alte Politikerin jetzt mit einem Amt in seinem Kabinett. Gabbard ist neue Direktorin der Geheimdienste. „Seit über zwei Jahrzehnten kämpft Tulsi Gabbard für unser Land und die Freiheiten aller Amerikaner“, sagte Donald Trump in einem Statement. © Marco Garcia/dpa
John ratcliffe
John Ratcliffe führt seit Ende Januar den Auslandsgeheimdienst der USA. Der ehemalige Kongressabgeordnete aus Texas gilt als enger Vertrauter von Trump. Ratcliffe war zuvor Co-Vorsitzender einer konservativen Denkfabrik. In der ersten Amtszeit des Republikaners war der neue CIA-Direktor als Geheimdienstkoordinator tätig. Die Demokraten warfen Ratcliffe damals unter anderem vor, seine Position für politische Zwecke zu missbrauchen. © Jemal Countess/AFP
Jamieson Greer
Jamieson Greer ist der neue US-Handelsbeauftragte – eine Schlüsselrolle angesichts von Trumps Vorliebe, hohe Zölle auf ausländische Produkte zu verhängen. Historisch habe der US-Handelsbeauftragte nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit gestanden, schreibt die „New York Times“. Unter Trump habe die Rolle aber erheblich an Bedeutung gewonnen.  © Imago
Kelly loeffler
Neue Direktorin der Mittelstandsbehörde ist Kelly Loeffler. Die frühere Senatorin verlor im Januar 2021 die Stichwahl um den Sitz im US-Senat – trotz massiver Unterstützung von Donald Trump. Loeffler ist seit 2004 mit Jeffrey Sprecher, dem Vorsitzenden der New York Stock Exchange, verheiratet. © Imago
Susie Wiles, Spitzname „Ice Lady“, wird unter Donald Trump Stabschefin im Weißen Haus
Ebenfalls dabei ist Susie Wiles. Die sogenannte „Ice Lady“ ist Donald Trumps Stabschefin im Weißen Haus und damit die erste Frau auf dieser Position. Die 67 Jahre alte Politikberaterin leitete den Wahlkampf Trumps bei der US-Wahl 2024. In ihrer neuen Funktion wird sie vor allem dafür zuständig sein, zu regeln, wer Zugang zum künftigen Präsidenten erhält. Doch Wiles hat auf einem wahren Schleudersitz Platz genommen. In seinen ersten vier Jahren Regierungszeit benötigte Trump ganze vier Stabschefs. © Alex Brandon/dpa
Elise Stefanik wird die Vereinigten Staaten von Amerika unter der zweiten Regierung von Donald Trump als Botschafterin bei den Vereinten Nationen vertreten
Elise Stefanik sollte die USA eigentlich als Botschafterin bei den Vereinten Nationen vertreten. Doch Donald Trump hat seine Nominierung Ende März überraschend zurückgezogen. Zur Begründung erklärte er, er wolle nicht riskieren, dass Stefaniks Mandat im Kongress bei einer Nachwahl an die Demokraten falle. Stefanik ist eine loyale Verbündete Trumps. 2014 war sie mit damals 30 Jahren die jüngste Frau, die ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. Einst zählte sie zu den eher moderateren Mitgliedern der Partei. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein.  © Annabelle Gordon/Imago

Muss man von einer eigentlichen Russland-Connection Trumps sprechen?

Absolut. Der damalige Immobilienmagnat wurde von einflussreichen Russen umworben; sie investierten Geld in seine Projekte, kauften Immobilien zu überhöhten Preisen, bauten ihn politisch auf. Diplomaten, Oligarchen, auch die russische Mafia spielten mit. Viele dieser hochrangigen Persönlichkeiten sind in der „roten Mafia“ und gleichzeitig in der russischen Politik und Geheimdienstszene. Das russische Ballett um Trump half über die Jahre mit, seine Präsidentschaftskandidatur in die Wege zu leiten. Ein Geschäftspartner Trumps schrieb 2015 in einer Email, was auch den Titel meines Buches ergab: „Wir sind in der Lage, unseren Mann ins Weiße Haus zu bringen.“ Gemeint war Trump.

Ein Jahr später gewann er den Wahlkampf wirklich.

Unter anderem, weil der russische Geheimdienst durch Cyberangriffe und Fake News massiv in die Kampagne eingriffen hatte, wie wir heute wissen.

Danach traf Präsident Trump Wladimir Putin zweimal, 2017 in Hamburg, das zweite Mal 2018 in Helsinki. Wie würden Sie diese Treffen einstufen?

Sie waren sehr speziell. Bei diesen mehrstündigen Gesprächen verlor der sonst so selbstherrliche US-Präsident jeden Biss. Er wurde harmlos wie ein Schulbub vor seinem Lehrer. Putins Gefühle für sein Gegenüber sind viel aggressiver: Er verachtet den Amerikaner und die Dekadenz der USA, aber zugleich bewundert und beneidet er die Wirtschaftskraft der USA. Als guter KGB-Mann hat er im Psychologiekurs gelernt, wie man Leute wie Trump mit Schmeicheleinheiten herumkriegt.

Régis Genté ist ein französischer Publizist. Sein Spezialgebiet ist die ehemalige Sowjetunion. Er lebt und arbeitet seit zwanzig Jahren in Tiflis (Georgien). Seine Biografie über den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wurde in 13 Sprachen übersetzt. Sein neues Buch heißt „Unser Mann in Washington“ – womit Donald Trump aus der Sicht des Kremls gemeint ist. sb

Was beschlossen die beiden bei den Treffen?

Das weiß man nicht. Gegen alle Gepflogenheiten wurden die Gespräche nicht protokolliert; meist war nur Putins Dolmetscher dabei. Man weiß nicht, was die beiden besprochen haben. Man sah nur eines: Trump schenkte Putins Dementis seiner Wahleingriffe mehr Glauben als den US-Geheimdiensten. Er brachte Putin den Schmus, ohne eine Gegenleistung zu verlangen. Generell behandelt er Putins Land wie einen gleichwertigen Akteur, obwohl Russland nur die neuntgrößte Wirtschaftsmacht ist.

Nahestehende sagten schon, Trump werde von Putin regelrecht in den Bann geschlagen.

Auf jeden Fall versucht er Putin zu imitieren, wie Trumps 2019 zurückgetretene Europa- und Russlandberaterin Fiona Hill erzählte. Trump wolle die USA auf eine ebenso autoritäre Art führen und versuche, Putin sowohl in seiner Regierungsführung als auch in seiner Kommunikation nachzuahmen.

So unterschiedlich die beiden sind, weist ihr Werdegang nicht Gemeinsamkeiten auf?

Ja, in einem Punkt. Putin und Trump stammen beide nicht aus ihrer jeweiligen Hauptstadt und waren dort Outsider. Beide mussten sich den Weg dorthin ebnen; sie verkehrten mit Mafiosi, korrumpierten Oligarchen und hassen die bequemen Landeseliten und die Hauptstadt-Intelligenzia. Das prägt.

Wie weit geht ihre ideologische Nähe?

Trump steht nicht nur unter dem Einfluss Putins, sondern auch von russophilen Ex-Beratern wie Michael Flynn, von dem ein amerikanischer Enthüllungsjournalist sagte: „Flynn war ein Draufgänger, ein Falke, ein knallharter Kopf – aber eine Taube, wenn es um Russland ging.“ Er musste von seinem Posten zurücktreten, weil er über seine Treffen mit dem russischen Botschafter in Washington gelogen hatte. Flynn ist heute im Ukraine-Krieg für Russland, so wie er allgemein für das Recht des Stärkeren eintritt. Anders als in der Innenpolitik ist der US-Präsident außenpolitisch weitgehend frei. Und so wie Putin die Ukraine annektieren will, möchte Trump eben Grönland einheimsen. Beide wollen den regionalen Einfluss ihrer Großmacht autoritär sichern, die USA in Amerika, Russland im postsowjetischen Raum.

Dort, wo alles begann: Wladimir Putin und Donald Trump bei ihrem ersten Zusammentreffen beim G 7-Gipfel 2017 in Hamburg.

Und die „Kleinen“ werden geopfert?

Genau. So verhält sich Trump auch gegenüber dem Selenskyj. Er bezeichnet ihn als Diktator und Kriegstreiber, obwohl wir wissen, dass Selenskyj 2019 mit der Absicht gewählt wurde, Frieden mit Putin zu schließen. Hinter den ständigen Lügen über Selenskyj steckt klar die Absicht, ihn zu zerstören, um ihn von der Macht zu entfernen. Darin sind sich Trump und Putin einig. Seit Beginn seines zweiten Mandates macht Trump in den Verhandlungen über den Ukraine-Krieg nur Selenskyj Auflagen, nicht Putin. Der Clash im Weißen Haus war eine Inszenierung, um den ukrainischen Präsidenten zu diskreditieren und zu demütigen. Damit wollte er die amerikanische Öffentlichkeit darauf vorbereiten, dass die USA die Ukraine nicht mehr unterstützen wollen.

Wurde das bei dem langen Telefongespräch zwischen Trump und Putin Mitte Februar dieses Jahres in die Wege geleitet?

Das weiß man nicht. Sicher ist, der Kreml-Sprecher sagte diese Woche, dass Russland in Bezug auf die Außenpolitik völlig mit Trump übereinstimmt. Das ist eine radikale, extrem schnelle Annäherung. Gemein ist ihnen ein Gemisch aus Populismus und Oligarchie. Putin würde dieses autokratische System gerne in die USA exportieren. Er will die amerikanische Demokratie zerstören, allein schon, um indirekt sein eigenes Regime zu legitimieren.

Donald Trump wäre bei Putins Vorhaben dabei, die amerikanische Demokratie zu zerstören?

Während der ersten Amtszeit verteidigten noch viele hohe US-Beamte die Landesinteressen. Dazu gab es „adults in the room“ (Erwachsene im Raum), die zu den klassischen Konservativen zählten. Von ihnen hat sich Trump gänzlich losgelöst. Er arbeitet gezielt daran, die gesamte US-Administration zu zerstören, und hat begonnen, die CIA, das FBI und andere Behörden zu demontieren. Ziel ist es, das Land nicht demokratisch, sondern mit loyalen Anhängern zu regieren. Mitglieder seiner Familie werden für wichtige Posten nominiert; in Paris soll zum Beispiel Jared Kushners Vater Botschafter werden. Trump will nicht mehr in einem etablierten Staatswesen regieren, sondern in einem System der persönlichen Loyalität – genau wie Putin in Russland. Man sieht: Die beiden arbeiten Hand in Hand. Vergangene Woche hat Trump die US-Dienste angehalten, die Ermittlungen gegen russische Hacker und Fake News-Verbreiter einzustellen. Putin soll seine Propaganda in den USA ungehindert verbreiten dürfen. Das sagt alles.

Rubriklistenbild: © Evan Vucci/AP/dpa

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