Kulturkampf in Österreich

FPÖ-Politiker nennt Regierung in Österreich „LGBTQ-Truppe“

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Die Zuckerl-Koalition aus ÖVP, SPÖ und Neos regiert seit vergangenen Woche in Österreich.
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Ein FPÖ-Vertreter beleidigte die Zuckerl-Koalition als LGBTQ-Gruppe beim politischen Aschermittwoch in Österreich. Für die extrem rechte Partei ist diese Entgleisung längst politische Strategie.

Ried – Am politischen Aschermittwoch schlagen Politikerinnen und Politiker gewohnt mit Ansage über die Stränge. Das zeigte sich in der vergangenen Woche vor allem in Passau, wo Ministerpräsident Markus Söder in einer fast zweistündigen Predigt über seine Gegenspieler – die Grünen, die Preußen und das politische Berlin – ablederte.

Fast schon harmlos erscheint die zünftige Bierzeltrede von Söder jedoch, wenn man ein Blick nach Österreich wirft – genauer gesagt auf den politischen Mittwoch der FPÖ in Oberösterreich. Dort arbeitete sich der stellvertretende Landeshauptmann Manfred Haimbuchner mit homophoben und transfeindlichen Aussagen an der neuen Regierung ab. Innerhalb der rechtsextremen FPÖ längst kein Ausnahmefall.

Kanzler ein „Faschingskommandant“: FPÖ hetzt gegen LGBTIQ-Community

„Er sagt linken Träumereien den Kampf an“, sagte die Moderatorin der Veranstaltung bei der Vorstellung von Haimbuchner. Der 46-Jährige sei ein Politiker, der mit beiden Beinen fest in der Realität stehe. Darauf folgte eine knapp halbstündige Rede, in welcher der FPÖ-Politiker die Regierung wiederholt weit unter der Gürtellinie angriff und vor allem gegen Mitglieder der LGBTIQ-Community wetterte. „Hier in Ried ist das Gegenteil von Wokeness, von LGBTQ zu Hause“, sagte Haimbuchner zu Beginn seiner Rede.

Die erst in der vergangenen Woche in Wien eingeführte Zuckerl-Koalition aus ÖVP, SPÖ und Neos bezeichnete der FPÖ-Politiker in seiner Rede als „LGBTQ- und Regenbogentruppe“, die von drei „Faschingskommandanten“ angeführt werde. Eine Aussage des selbsternannten Realisten, die nur wenig mit der Realität zu tun hat. Denn wie der österreichische Standard zu Bedenken gab, wird kein Mitglied der neuen Bundesregierung von Bundeskanzler Christian Stocker der LGBTQ-Gemeinde zugeordnet.

Radikalität an der Tagesordnung in Österreich – die FPÖ und der Kampf gegen LGBTIQ

Haimbuchner scheint den Begriff LGBTQ – die Abkürzung für lesbian, gay, bi, trans und queer – viel mehr als Schimpfwort und Beleidigung anzusehen, mit dem er seine politischen Gegner gerne angreift. Denn auch wenn die Aussagen vom Mittwoch erneut die Radikalität der FPÖ zeigen, können sie doch bei genauerem Blick auf die Partei keine Überraschung sein.

Manfred Haimbuchner, Obmann der FPÖ in Oberösterreich, gemeinsam mit FPÖ-Chef Herbert Kickl beim politischen Aschermittwoch in Ried.

Der 46-Jährige ist stellvertretender Landeshauptmann in der von der konservativen ÖVP geführten Regierung in Oberösterreich – das österreichische Pendant zum stellvertretenden Ministerpräsidenten in Deutschland. Das Amt hat den wiederholten radikalen Äußerungen Haimbuchners jedoch kein Abbruch getan – im Gegenteil. Immer wieder sorgt der FPÖ-Politiker mit seinen geschmacklosen Aussagen für Aufmerksamkeit. Haimbuchners Lieblingsziel: Homosexuelle und andere Mitglieder der LGBTQ-Gemeinde.

„Leisten nichts“: Immer wieder FPÖ-Entgleisungen gegenüber LGBTIQ-Gemeinschaft

So schrieb der FPÖ-Politiker bereits 2017 in einem Facebook-Beitrag über die Ehe für alle: „Ich will nicht, dass der Franz den Lois heiratet, damit sie den Sepp adoptieren können.“ Im Bereich der Ehe gäbe „keinen Platz für Experimente“, sagte Haimbuchner kurz darauf in einem Interview über die massive Kritik an seiner Aussage. Erst im vergangenen Jahr beschimpfte der FPÖ-Obmann (Parteichef) von Oberösterreich bei einer Parteiveranstaltung Mitglieder der LGBTIQ-Gemeinschaft, da diese seiner Ansicht nach keinen Beitrag zu Gesellschaft leisten würden. „Wer sich in der Früh eine Stunde lang überlegen muss, als welches Geschlecht er aufsteht, der kann auch nichts leisten“, sagte Haimbuchner.

Eine Einstellung, die offenbar viele in der hart rechten FPÖ teilen. Der oberösterreichische Landtagsabgeordnete Michael Gruber sorgte ebenfalls im vergangenen Jahr für Aufregung, als er in einem Wahlspot seiner Partei eine Regenbogenfahne in den Müll warf und von „linker degenerierter Politik“ sprach. Darüber berichtete unter anderem der Standard. Die FPÖ verhinderte im Nachgang gemeinsam mit der ÖVP und der Kleinpartei MFG Österreich die Aufhebung seiner Immunität.

Auch AfD positioniert sich gegen „Trans-Gender-Hype“ – erneuter Angriff auf die Ehe für alle?

Auch in Deutschland grenzte sich die AfD-Vorsitzende Alice Weidel, die selbst in einer eingetragenen Partnerschaft mit einer Frau lebt, immer wieder von der LGBTIQ-Community ab. „Ich bin nicht queer, sondern ich bin mit einer Frau verheiratet, die ich seit 20 Jahren kenne“, stellte Weidel in einem ARD-Interview klar. Weidel selbst zählt sich explizit nicht als Mitglied der LGBTIQ-Gemeinde. 2018 brachte die AfD im Bundestag mit Weidel als Fraktionsvorsitzende im Bundestag bereits einen Antrag zur Abschaffung der Ehe für alle ein – ohne Erfolg. Ein zweiter Anlauf könnte in der kommenden Legislaturperiode erfolgen.

Diese bekannten Politiker sitzen jetzt nicht mehr im Bundestag

Christian Lindner
Die FDP ist an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und scheidet damit aus dem Bundestag aus. Noch 2017 hatte Parteichef Christian Lindner sie mit neuem Image und einem zweistelligen Ergebnis nach vier Jahren außerparlamentarischer Opposition wieder ins Parlament geführt – doch die Rechnung ging dieses Mal nach Ampel-Bruch und Unzufriedenheit der Wählerinnen und Wähler mit der Partei nicht auf.  © imago
Johannes Vogel, Fraktionsgeschäftsführer der FDP
Dem Wahlergebnis fiel damit auch Johannes Vogel zum Opfer. Er war zuletzt Fraktionsgeschäftsführer der FDP im Bundestag sowie stellvertretender Bundesvorsitzender. Durch das Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde zieht auch er nicht wieder in den Bundestag ein.  © Rabea Gruber/dpa
FDP-Politikerin und frühere JuLi-Chefin Ria Schröder
Ria Schröder gilt als eine der personellen Hoffnungen der Freien Demokraten. Die Juristin war Vorsitzende der Jugendbewegung Junge Liberale und ist Mitglied des FDP-Bundesvorstands.  © Hannes P. Albert/dpa
Früherer FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai
Bijan Djir-Sarai saß ebenfalls für die FDP im Bundestag und war bis November 2024 ihr Generalsekretär. Nach dem Ampel-Bruch trat er von der Position zurück.  © Sebastian Gollnow/dpa
Linda Teuteberg, FDP-Spitzenkandidatin in Brandenburg
Linda Teuteberg hatte viel vor mit der FDP, als sie 2019 Generalsekretärin wurde. Von diesem Amt entfernte Christian Lindner sie jedoch zugunsten Volker Wissings schon vor dem Ende ihrer Amtszeit wegen Streitigkeiten. Auch sie ist durch das schlechte Abschneiden der FDP bei der Bundestagswahl 2025 nicht mehr im Bundestag vertreten. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Wolfgang Kubicki (FDP)
Auch den stellvertretenden Bundesvorsitzenden und FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki werden wir in dieser Legislaturperiode wegen des Scheiterns an der Fünf-Prozent-Hürde nicht im Deutschen Bundestag sehen.  © Michael Kappeler/dpa
Christian Dürr, Fraktionschef der FDP im Bundestag
Christian Dürr ist Mitglied im Bundesvorstand der FDP und war zuletzt Fraktionsvorsitzender der Liberalen im Bundestag. Auch er scheidet mit seiner Partei wegen ihres schlechten Wahlergebnisses aus dem Bundestag aus.  © imago
Marco Buschmann, FDP
Marco Buschmann war in der Ampel-Koalition als Bundesjustizminister tätig. Mit dem Bruch der Ampel gab er das Amt jedoch an Volker Wissing ab, der nach dem Zerwürfnis der Koalition aus der Partei austrat.  © Michael Kappeler/dpa
Volker Wissing, ehemals FDP und mittlerweile parteilos
Volker Wissing, in der Ampel-Koalition Verkehrsminister und später zusätzlich Justizminister, ließ zwar nach dem Scheitern der Ampel seine Partei hinter sich. In den neuen Bundestag zieht der jetzt parteilose Rechtsanwalt aber trotzdem nicht ein. Er möchte sich aus der Politik zurückziehen und in seiner Kanzlei arbeiten. © Hannes P Albert/dpa
Jens Teutrine, früherer Chef der Jungen Liberalen
Jens Teutrine war wie Ria Schröder auch Chef der Jungen Liberalen, bevor er in den Bundestag einzog. Mit dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag endet auch sein Mandat. © Serhat Kocak/dpa
Bettina Stark-Watzinger, ehemalige FDP-Bundesbildungsministerin
Ein weiteres prominentes Gesicht der Ampel-Koalition verlässt den Bundestag: Bettina Stark-Watzinger, die während der letzten Legislaturperiode Bundesbildungsministerin war.  © Christine Schultze/dpa
Sahra Wagenknecht, BSW-Gründerin und frühere Linken-Chefin
Politisch eklatant unterschiedlich, eint sie doch dasselbe Schicksal: Wie die FDP scheiterte auch das BSW an der Fünf-Prozent-Hürde – und zwar äußerst knapp. Einst Linken-Chefin, gründete Sahra Wagenknecht Anfang 2024 das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Trotz des aus dem Stand starken Abschneidens bei den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg zieht das Bündnis nach der Bundestagswahl knapp nicht ins Parlament ein.  © Frank Ossenbrink/imago
Amira Mohamed Ali, frühere Linken-Politikerin, zum BSW gewechselt
Amira Mohamed Ali war einst Abgeordnete der Linken, gründete jedoch zusammen mit Sahra Wagenknecht das BSW. Sie ist Parteivorsitzende – und nicht mehr im Bundestag. © Christoph Hardt/imago
Sevim Dagdelen, frühere Linken-Politikerin, zum BSW gewechselt
Auch Sevim Dagdelen entschied sich zum Parteiaustritt aus der Linken und zum Eintritt ins BSW, das bei der Bundestagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte und somit nicht im Bundestag vertreten ist.  © imago
Grünen-Politiker Cem Özdemir
Die Grünen verlieren nach der Bundestagswahl 2025 sogar ein Ministergesicht: Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir wird nicht mehr im Parlament vertreten sein. Jedoch entschied er das bereits selbst lange vor der Wahl. Er will der Bundespolitik den Rücken kehren und strebt in seiner Heimat Baden-Württemberg das Amt des Ministerpräsidenten an. © Hannes P Albert/dpa
Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar
Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar dürfte über die Grenzen Berlins hinaus nicht besonders bekannt gewesen sein – bis Ende 2024 Vorwürfe der Belästigung gegen ihn laut wurden. Eigentlich wollte er in seinem Wahlkreis Berlin-Pankow wieder zur Bundestagswahl antreten, jedoch entschied sich der Kreisverband bei einer erneuten Abstimmung stattdessen für Julia Schneider, die nun in den Bundestag einzieht. Die Vorwürfe hatten sich im Übrigen als falsch erwiesen.  © imago
Grünen-Politikerin Tessa Ganserer
Tessa Ganserer ist eine der bekanntesten Trans*-Politikerinnen Deutschlands. Im Bundestag setzte sich die Grüne vor allem für die Rechte queerer Menschen ein. Dass sie in der 21. Wahlperiode nicht mehr im Parlament sitzt, war ihre eigene Entscheidung. Sie trat nicht mehr als Kandidatin an. Wegen des „menschenverachtenden Hasses“, der ihrer Person entgegengebracht worden sei, wolle sie ihrem Leben noch einmal eine andere Richtung geben. © Dwi Anoraganingrum/imago
Grünen-Politikerin Renate Künast
Auch die prominente Grünen-Politikerin Renate Künast wird nicht mehr im neuen Bundestag vertreten sein – ebenfalls aus freien Stücken. Sie wollte nicht mehr antreten, „um Platz für Jüngere zu machen“, hatte Künast im Sommer 2024 erklärt. Vorher war sie bereits Landwirtschaftsministerin, Grünen-Fraktionschefin und Parteivorsitzende gewesen.  © Christoph Soeder/dpa
SPD-Politikerin Michelle Müntefering
Auch bei der SPD verlassen bekannte Gesichter den Bundestag. Michelle Müntefering (SPD), Ehefrau von Franz Müntefering, sitzt ebenfalls nicht mehr im Parlament. Das war jedoch schon vor der Bundestagswahl klar: Die SPD hatte nicht mehr sie, sondern Hendrik Bollmann für ihren Wahlkreis Herne - Bochum II nominiert. © M. Popow/imago
SPD-Politiker und ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin, Michael Müller
Michael Müller (SPD) war einst Regierender Bürgermeister von Berlin und zog 2021 in den Bundestag ein. Damals hatte er in seinem Wahlkreis Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf die meisten Stimmen bekommen, diesmal landete er hinter Lukas Krieger (CDU) und Lisa Paus (Grüne) nur auf dem dritten Platz und verpasste damit sein Ticket ins Parlament.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Der frühere SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert
SPD-Promi Kevin Kühnert hatte eine steile politische Karriere hingelegt. Er war Vorsitzender der SPD-Jugendorganisation Jusos, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD und seit 2021 Generalsekretär. Von dem Amt trat er 2024 zurück und kündigte an, sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik zurückzuziehen und nicht mehr für den Bundestag kandidieren zu wollen.  © Michael Kappeler/dpa
SPD-Politiker Michael Roth
Der hessische SPD-Politiker Michael Roth entschied sich ebenfalls weit vor der Wahl, nicht mehr für den Bundestag anzutreten. In seinem Fall spielte auch sein Einsatz für die Ukraine eine Rolle, der nicht allen in der Partei gefallen habe, und er habe sich mit der Zeit von den Sozialdemokraten und dem Politikbetrieb entfremdet. © imago
CDU-Politiker Helge Braun
Trotz ihres Wahlsiegs verliert auch die Union ein bekanntes Gesicht: Helge Braun war unter Angela Merkel Kanzleramtschef. Ende 2024 kündigte der Arzt aus Gießen an, sich aus der Politik zurückziehen zu wollen.  © Kay Nietfeld/dpa
CSU-Politiker Peter Ramsauer
Auch aus der Schwesterpartei CSU verschwindet eine bekannte Persönlichkeit: Der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer scheidet aus dem Bundestag aus – auf eigenen Wunsch war er nicht mehr angetreten. © Michael Kappeler/dpa
Susanne Hennig-Wellsow, Die Linke
Auch die Linke verbüßt trotz überraschend starkem Wahlergebnis Abgänge: unter anderem Susanne Hennig-Wellsow. Die frühere Bundesparteivorsitzende ist nicht mehr zur Bundestagswahl angetreten. Sie wollte sich beruflich etwas Neuem widmen. © Frederic Kern/imago

„Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die jetzige Gesetzeslage gegen Artikel 6 im Grundgesetz verstößt“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der AfD im Bundestag, Stephan Brandner, im Januar im Interview mit ZDFheute. Unter dem Paragrafen im Grundgesetz ist geregelt, dass Ehe und Familie „unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung“ stehen. Auf ihrem Parteitag definierte die AfD die Familie zuletzt als Einheit von Vater, Mutter und Kindern. Das Wahlprogramm der in Teilen rechtsextremen Partei stellt sich gegen einen sogenannten „Trans-Gender-Hype“ oder die „Frühsexualisierung“.

Kulturkampf auch in den USA: Trump geht seit dem ersten Tag gegen Transpersonen vor

Auch US-Präsident Donald Trump scheint sich in seiner zweiten Amtszeit vermehrt dem Kulturkampf gegen die LGTBIQ-Community zu widmen. Noch am ersten Tag im Amt unterzeichnete Trump ein Dekret, wonach die US-Behörden künftig nur noch zwei Geschlechter anerkennen sollen. (fd)

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