FR-üh dran: Merz trifft Trump zu einer Partie Grönland-Poker in Davos
VonDaniel Dillmann
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Kanzler Merz will heute in Davos mit Trump über Grönland sprechen. „FR-üh dran“ fasst zusammen, was auf dem Spiel steht und wie Trumps Drohungen zu bewerten sind.
FR-üh Radar – das steht heute an: Am heutigen Mitwoch reist Friedrich Merz nach Davos. Donald Trump ist bereits vor Ort. Der US-Präsident wird heute seine Rede auf dem dortigen Weltwirtschaftsforum halten, die Rede des Bundeskanzlers ist für den morgigen Donnerstag geplant. Doch auch in der Schweiz bestimmt ein Thema die Agenda: der eskalierende Streit um Grönland, den Trump vom Zaun gebrochen hat. Merz kündigte an, noch heute das Gespräch mit Trump zu suchen. Der hatte seinen Besitzanspruch auf die zu Dänemark gehörende Insel vorab bekräftigt und allen Ländern, die dem widersprechen, mit Strafzöllen gedroht. Lesen Sie hier, was sich der CDU-Chef vom Treffen mit Trump erhofft, warum der US-Präsident Grönland will und welche Auswirkungen der Streit der NATO-Partner für die transatlantischen Beziehungen haben könnte.
Friedrich Merz auf Reisen (Archivbild). Der Bundeskanzler reist am Mittwochabend (21. Januar) nach Davos zum Weltwirtschaftsforum. Dort hofft Merz auf ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump.
Wir erklären Ihnen, wie es dazu kam: Am Wochenende hatte Trump erneut den Anspruch auf Grönland bekräftigt. Der US-Präsident begründet diesen mit der Bedeutung der Insel für die nationale Sicherheit der USA. Auch den Einsatz von militärischen Mitteln schloss Trump nicht aus. Mehrere europäische Staaten reagierten mit Ablehnung und schickten Soldat:innen zu einer Militärmission nach Grönland. An dieser beteiligten sich neben Deutschland auch Frankreich, Schweden, Norwegen, Finnland und die Niederlande. Dass es sich dabei aber nur um eine symbolische Aktion handelt, verdeutlicht die Größenordnung der Militärmission. So hatte Deutschland zum Beispiel 15 Soldat:innen entsendet. Trump drohte den beteiligten Ländern daraufhin mit Strafzöllen in Höhe von zehn Prozent, die bereits ab Februar in Kraft treten sollen. Ab Juni könnten sie laut dem US-Präsidenten auf 25 Prozent steigen. Die Europäische Union (EU) kündigte ihrerseits Vergeltungsmaßnahmen an, die außer Strafzöllen auch Beschränkungen für die US-Techbranche umfassen könnten.
Trump greift nach Grönland: Der Streit um die Arktisinsel in Bildern
Hier erfahren Sie, worum es geht, worauf es ankommt und woran es hängt: Sollte es heute Abend wirklich zum Treffen zwischen Merz und Trump kommen, muss der Kanzler all sein diplomatisches Können in die Wagschale werfen. Es gilt, Europas territoriale Integrität gegen Trumps Grönland-Pläne zu verteidigen. Militärisch wird das gegen die Supermacht USA nicht möglich sein. Es bleibt also nur die Diplomatie. Die Chemie zwischen Merz und Trump stimmte beim letzten Treffen der beiden Regierungschefs. Doch diesmal steht viel mehr auf dem Spiel. Sollte die Grönland-Krise zwischen den NATO-Ländern USA und Dänemark tatsächlich eskalieren, wäre es das Ende des Verteidigungsbündnisses und der westlichen Sicherheitsstruktur, wie sie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs besteht.
Espresso-Argumente für die Kaffeeküche
Mit diesen Gegenargumenten punkten Sie bei der politischen Debatte in der Kaffeeküche: „Trump schützt nur amerikanische Sicherheitsinteressen“ - Wenn es Trump wirklich darum gehe, warum haben die USA ihre Truppenpräsenz in Grönland drastisch reduziert? Währens des Kalten Kriegs waren immer etwas mehr als 10.000 Soldat:innen auf der Insel stationiert. Warum hat das US-Militär fast alle seiner damals mehr als 50 Stützpunkte geschlossen? Dänemark ist wie die USA Mitglied der NATO. Ein Abkommen aus dem Jahr 1951 ermöglicht den Vereinigten Staaten, ihre Miltärpräsenz auf der Insel nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Merz hat recht, wenn er betont, dass eine Annektion Grönlands nichts an der Sicherheitslage der USA ändern würde.
„Europa kann sich nicht gegen die USA durchsetzen“ - Militärisch ist das so. Aber es gibt andere Druckmittel. Die EU ist die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt und einer der größten Handelspartner der USA. Europas Staaten halten Dollar-Reserven in Milliardenhöhe. Es gibt neben militärischer Macht also andere Mittel, um Trumps Großmachtfantasien etwas entgegenzusetzen.
„Zölle schaden nur Europa“ - Ein Trugschluss, den Trump als Wahrheit verkauft. Zölle werden nicht von den betroffenen Ländern gezahlt, sondern von amerikanischen Unternehmen, die europäische Waren importieren wollen. Die Rechnung zahlen am Ende amerikanische Konsument:innen, wenn Preise und Lebenshaltungskosten steigen. Die Quittung dafür würden Trumps Republikaner bei den diesjährigen Midterms in den USA erhalten.
FR-üh dran – die Lage am Morgen
In unserem täglichen Briefing informieren wir Sie über die wichtigsten Termine des Tages, erklären Hintergründe und liefern Ihnen passende Argumente für die politische Debatte in der Kaffeeküche. Lesen Sie hier, warum „FR-üh dran“ zu Ihrem täglichen Morgenritual werden sollte.
Ihnen fehlen Argumente, Sie widersprechen unseren oder Sie möchten diese ergänzen? Dann diskutieren Sie mit in der Kommentarspalte unter jeder Ausgabe.
Blick nach Vorne
Lesen Sie hier schon heute, was als nächstes passieren wird: Sollte es heute zum Treffen zwischen Trump und Merz kommen, wird der Bundeskanzler sich im Anschluss mit Deutschlands Partnern innerhalb der EU koordinieren. Emmanuel Macron will die Grönland-Krise im Kreise der G7-Staaten beilegen - mit Beteiligung Russlands. Diesen Vorschlag unterbreitete Frankreichs Präsident Trump bereits am Dienstag.
Echt jetzt?!
Donald Trump ist nicht der erste US-Präsident, der Interesse an Grönland bekundet. 1867 bot Trumps Vorgänger Andrew Johnson 5,5 Millionen Dollar für Grönland und Island, das damals ebenfalls zu Dänemark gehörte. 1946 war es Harry Truman, der Grönland für 100 Millionen Dollar kaufen wollte. Dänemark lehnte beide Male dankend ab. Einig wurde man sich dagegen bei einer anderen Inselgruppe. Im Jahr 1917 verkaufte das dänische Königreich die amerikanischen Jungferninseln für 25 Millionen Dollar an die USA. Es war nicht das erste Mal, dass Washington sein Territorium per Deals mit Europa erweiterte. Im Jahr 1803 verkaufte Frankreich seine Kolonie Louisiana für 15 Millionen Dollar, 1819 trat das Königreich Spanien das Gebiet Florida für etwa fünf Milllionen ab. 1867 erwarben die USA Alaska zum Schnäppchenpreis von 7,2 Millionen Dollar von Russland.