FR-üh dran: Superwahljahr startet – wird 2026 Deutschlands Schicksalsjahr?
VonJens Kiffmeier
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Fünf Landtagswahlen, muslimische Jugendliche beim Neujahrsputz und ein Jahr voller politischer Wendepunkte. Was 2026 bringt, erklären wir ihnen in „FR-üh dran – die Lage am Morgen“.
FR-üh Radar – das steht heute an: Während die letzten Silvesterraketen noch in den Bäumen hängen, beginnt bereits das politische Superwahljahr 2026. Fünf Landtagswahlen stehen an, die das politische Gefüge fundamental verändern könnten – ein „Superwahljahr mit Sprengkraft“, wie es der Bayerische Rundfunk bereits nennt. Doch während Politikerinnen und Politiker noch ihre Neujahrsreden halten, sind andere längst aktiv: 10.000 muslimische Jugendliche der Ahmadiyya-Gemeinde wollen heute in mehr als 240 Städten auf die Straße gehen – nicht zum Protest, sondern zum traditionellen Neujahrsputz.
In Berlin, Hamburg, Frankfurt und anderen Städten sammeln sie laut der Nachrichtenagentur dpa ab 8:00 Uhr Silvestermüll und setzen damit ein Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt, das in diesem Jahr besonderen Symbolcharakter hat, erst recht, nachdem Kanzler Friedrich Merz (CDU) im vergangenen Jahr die Stadtbild-Debatte vom Zaun losgetreten hatte. Wir zeigen Ihnen, warum 2026 ein Jahr der politischen Entscheidungen wird und welche Hoffnungszeichen es trotz aller Herausforderungen gibt.
Die Ausgangslage
Wir erklären Ihnen, wie das neue Jahr politisch startet: Das Jahr 2026 beginnt mit einer besonderen Konstellation. Insgesamt fünf Landtagswahlen stehen an, die als „Superwahljahr mit Sprengkraft“ bezeichnet werden. Denn: Die AfD um Parteichefin Alice Weidel findet sich laut Umfragen von Infratest dimap im Aufwind, während etablierte Regierungsparteien in den Umfragen nachgeben. Wahlforscher Stefan Merz rechnet mit komplizierteren Regierungsbildungen und möglicherweise sogar Allparteienkoalitionen gegen die AfD. Die Zeit beschreibt das neue Jahr als eines voller Herausforderungen, aber auch mit Gründen für Zuversicht. Vor allem die Union um Regierungschef Friedrich Merz (CDU) steht durch den Aufwind der Rechtspopulisten enorm unter Druck. Wird sich die Kanzler-Partei ein Duell der scharfen Töne in der Migrationsdebatte liefern?
Die Crux
Hier erfahren Sie, worum es geht, worauf es ankommt und woran es hängt: Das politische Jahr 2026 beginnt am 8. März mit den bayerischen Kommunalwahlen und der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, erwartet Wahlforscher Stefan Merz, dass die AfD „stark zulegen“ wird, besonders in Stadträten und Kreistagen. In Baden-Württemberg könnte Cem Özdemir als grüner Spitzenkandidat überraschen, wenn er „die Personenfrage ganz ins Zentrum des Wahlkampfs“ stellt. Den Höhepunkt bildet die Wahl in Sachsen-Anhalt am 6. September, wo die AfD erstmals eine absolute Mehrheit erreichen könnte – ein möglicher „Kipppunkt“ für die deutsche Politik. Gleichzeitig zeigen Aktionen wie der heutige Neujahrsputz der Ahmadiyya-Jugendlichen, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt trotz politischer Polarisierung möglich bleibt. Doch wie begründet ist die Angst vor einem AfD-Durchmarsch im Superwahljahr? Das sind die Gegenargumente:
Schock-Momente und große Eklats: So turbulent war das Politik-Jahr 2025
Mit diesen Argumenten punkten Sie bei der politischen Debatte in der Kaffeeküche: „Die AfD wird ab 2026 erstmals durchregieren“ – Diese Behauptung übersieht die demokratischen Mechanismen. Selbst wenn die AfD in einzelnen Ländern stärkste Kraft wird, zeigen Erfahrungen aus Thüringen und Sachsen, dass Minderheitsregierungen anderer Parteien funktionieren können. Wahlforscher Stefan Merz betonte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, dass bei Stichwahlen um Bürgermeisterposten sich „die Gegner der AfD hinter dem jeweils anderen Kandidaten versammeln werden“.
„Fünf Landtagswahlen bedeuten automatisch politisches Chaos“ – Das Gegenteil kann der Fall sein. Komplizierte Regierungsbildungen zwingen Parteien zu mehr Kompromissen und inhaltlicher Arbeit. Einige Wahlforscher rechnen mit „Allparteienkoalitionen gegen die AfD“, die demokratische Mehrheiten stärken können. Gerade Baden-Württemberg kann zeigen: Wenn Cem Özdemir „die Personenfrage ganz ins Zentrum des Wahlkampfs“ stellt, können etablierte Parteien überraschen, sagt Experte Stefan Merz.
„Die Umfragen zeigen: Deutschland wird rechts“ – Umfragen sind Momentaufnahmen, keine Wahlergebnisse. Stefan Merz warnt, dass „die Popularität des einen oder anderen Ministerpräsidenten“ die derzeitigen Umfragewerte am Wahltag „durchaus kräftig verändern“ könne. Zudem mobilisieren rechtspopulistische Erfolge oft die demokratische Gegenbewegung – wie bereits bei vergangenen Wahlen zu beobachten war.
FR-üh dran – die Lage am Morgen
In unserem täglichen Briefing informieren wir Sie über die wichtigsten Termine des Tages, erklären Hintergründe und liefern Ihnen passende Argumente für die politische Debatte in der Kaffeeküche. Lesen Sie hier, warum „FR-üh dran“ zu Ihrem täglichen Morgenritual werden sollte.
Ihnen fehlen Argumente, Sie widersprechen unseren oder Sie möchten diese ergänzen? Dann diskutieren Sie mit in der Kommentarspalte unter jeder Ausgabe.
Blick nach Vorne
Lesen Sie hier schon heute, was in den kommenden Monaten passieren wird: Mit den bayerischen Kommunalwahlen am 8. März erfolgt zeitgleich die Landtagswahl in Baden-Württemberg. Am 22. März wählt Rheinland-Pfalz, wo die bisherige Ampel-Koalition keine Mehrheit mehr haben dürfte. Der September wird zum Schlüsselmonat: Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt, am 20. September Mecklenburg-Vorpommern. Wie die Tagesschau berichtet, treten ab 1. Januar außerdem wichtige Gesetzesänderungen in Kraft: Der Mindestlohn steigt auf 13,90 Euro, die Minijob-Grenze auf 603 Euro, und das Deutschlandticket wird auf 63 Euro teurer.
Echt jetzt?!
Wussten Sie, dass 10.000 Menschen an einem einzigen Tag mehr Müll sammeln als manche Stadtwerke in einer Woche? Die heutige Neujahrsputz-Aktion der Ahmadiyya-Jugendlichen in 240 deutschen Städten ist nicht nur ein beeindruckendes Zeichen für Integration – sie ist auch logistisch eine Meisterleistung. Während Politiker:innen über das „richtige“ Stadtbild diskutieren, schaffen diese jungen Menschen Fakten. In Hamburg und Frankfurt waren es in den Vorjahren jeweils 150 Teilnehmer:innen, in Berlin, Mannheim und anderen Städten rund 100. Das entspricht etwa der Belegschaft eines mittleren Unternehmens, die freiwillig und kostenlos die Straßen reinigt. Das muss einer nur noch dem Friedrich Merz mal stecken. (Quellen: dpa, Tagesschau, Bayerischer Rundfunk) (jek)