Angesichts der Energiekrise

FDP-Fraktionschef plädiert für Fracking – was heißt das für Niedersachsen?

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FDP-Mann Christian Dürr will die Fracking-Methode auf Vordermann bringen. Was heißt das für Niedersachsen?
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Angesichts der Energiekrise will FDP-Mann Christian Dürr Fracking auf Vordermann bringen. Niedersachsen könnte dabei eine wichtige Rolle zukommen.

Niedersachsen – Die umstrittene Debatte über Fracking in Deutschland und Niedersachsen scheint wieder aufzuleben. FDP-Fraktionschef Christian Dürr hat sich angesichts der Gaskrise für eine Erdgasförderung in Deutschland durch die kontroverse Fracking-Methode ausgesprochen. „Das Bundeswirtschaftsministerium sollte prüfen, welchen Beitrag die Förderung von Schiefergas insbesondere in Niedersachsen leisten könnte“, sagte Dürr der dpa. Für 2023 will Dürr Diskussionen über Erdgasvorkommen und Fracking auf Vordermann bringen.

Erdgasförderung in Deutschland: FDP-Fraktionschef stößt Debatte um Fracking-Methode an

Die Fracking-Methode bietet laut FDP-Fraktionschef Dürr Möglichkeiten für eine sozial nachhaltige und unabhängige Energieversorgung. Die Gasversorgung in Deutschland sollte durch Gas-Lieferverträge mit Katar sichergestellt werden. Doch spätestens nach dem EU-Korruptionsskandal rund um Eva Kaili stellen Politiker den Deal mit dem Golfstaat infrage.

Fracking in Niedersachsen

Fracking ist eine Technik, bei der eine meist chemische Flüssigkeit durch ein Bohrloch unter hohem Druck in eine Erdöl- oder Erdgaslagerstätte eingepresst wird. Der Druck verursacht Risse im Speicherstein, über die der Rohstoff zum Bohrloch fließt und an die Erdoberfläche gefördert wird.

Niedersachsen ist das Bundesland mit den größten Erdgasreserven. Etwa 98 Prozent des deutschen Erdgases werden laut dem NDR dort gefördert. Unternehmen haben in Niedersachsen mehrere Fracking-Maßnahmen durchgeführt – zuletzt 2011.

Zudem hält es Dürr moralisch für nicht vertretbar, dauerhaft neue Abhängigkeiten bei der Gasversorgung zu schaffen. Dürr lobte bisherige Umsetzungen der Energiepolitik wie den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke, das neue LNG-Terminal in Niedersachsen und den Ausbau erneuerbarer Energien.

Wird Fracking in Niedersachsen möglich sein? Umstrittene Debatte spaltet Ampel

Angesichts der Energiekrise hatte die FDP laut dem NDR jüngst gefordert, heimisches Schiefergas zu fördern. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) drängte auf einen schnellen Einstieg der Fracking-Methode, um von den vorhandenen Gasvorkommen in Deutschland Gebrauch zu machen. Doch die Forderung der FDP stieß in der Politik und bei den Umweltverbänden auf Gegenwind. Die Grünen und SPD, darunter auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, wiesen Lindners Vorstoß zurück. Niedersachsen wäre aufgrund der hohen Erdgasreserven besonders von der Förderung von Schiefergas durch Fracking betroffen.

Auch Umweltverbände kritisieren die Forderung. So sprach sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) für ein Verbot des unkonventionellen Frackings aus. Zu unkonventionellem Fracking zählt die Gewinnung von Erdgas in Lagerstätten wie Schiefer- oder Tongestein.

Unkonventionelles Fracking in Niedersachsen ist bislang verboten

In Niedersachsen gibt es keine Schiefergasförderung. Bislang wurden laut dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) lediglich Schiefergaslagerstätten erkundet. Dazu gehörte auch eine Testbohrung mit Fracking-Maßnahme im Landkreis Vechta.

Die Niedersächsische Landesregierung lehnt den unkonventionellen Einsatz der Fracking-Methode grundsätzlich ab. Förderung aus konventionellen Lagerstätten, wie Sand-oder Kalksteine, soll laut dem LBEG unter strengen Auflagen allerdings möglich bleiben.

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