Staatschef Emmanuel Macron hat im TV-Duell vor der französischen Präsidentschaftswahl die Forderung der Kontrahentin Le Pen nach einem Kopftuchverbot im öffentlichen Raum kritisiert.
Paris - «Die Trennung von Staat und Kirche bedeutet nicht, eine Religion zu bekämpfen», sagte Macron am Mittwochabend. «Die Frage des Kopftuchs ist die Frage der Religion, eines äußeren Zeichens.» Wolle man das Kopftuch verbieten, müsse man auch die Kippa und andere religiöse Zeichen verbieten. Dafür biete die Verfassung keine Grundlage.
Lediglich in Schulen und in der öffentlichen Verwaltung sei aus Gründen der Neutralität das Kopftuch tabu, sagte Macron. «In den Wohnvierteln werden Sie einen Bürgerkrieg auslösen, wenn Sie das tun», sagte der Präsident. «Frankreich, das Land der Aufklärung, wäre das erste Land auf der Welt, das religiöse Zeichen auf der Straße verbietet.» Le Pen hatte ein Kopftuchverbot zuvor als Maßnahme gegen den Islamismus bezeichnet. «Ich bin für das Verbot des Kopftuchs im öffentlichen Raum», sagte sie.
Le Pen gegen Importstopp für Gas aus Russland
Frankreichs rechte Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen hat sich gegen einen Importstopp für Gas aus Russland ausgesprochen. Weil dies den Franzosen wehtun würde, befürworte sie eine solche Sanktion nicht, sagte Le Pen am Mittwochabend in der einzigen TV-Debatte mit ihrem Kontrahenten Emmanuel Macron vor der Stichwahl um die Präsidentschaft am Sonntag. Le Pen sagte zudem, dass die Bemühungen von Staatschef Macron ansonsten aufrechterhalten werden sollten. Dazu zählte sie etwa humanitäre und finanzielle Hilfe für die Ukraine sowie Unterstützung im Bereich Verteidigung.
Der liberale Macron hingegen forderte, unabhängig von russischem Öl und Gas zu werden. Die aktuelle Hilfe Frankreichs für die Ukraine wolle er noch verstärken. Ausgehend vom russischen Angriffskrieg in der Ukraine stürzte Macron sich in der Debatte auf Le Pens Russlandnähe. Er legte ihr unter anderem zu Last, die Annexion der Schwarzmeerinsel Krim durch Russland 2014 anerkannt zu haben. (dpa)